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Weitere BKK-Schließungen erwartet

Früher günstige Beiträge, heute Probleme zu überleben. Rächt sich der falsch verstandene Krankenkassen-Wettbewerb?

Bad Homburg (kjs). Als das freie Krankenkassenwahlrecht im Jahr 1996 eingeführt wurde, machten sehr schnell einige Betriebskrankenkassen-Neugründungen Schlagzeilen. Sie hatten mit günstigen Beitragssätzen junge und meist auch gut verdienende Mitglieder den großen Kassen weggeschnappt. Heute haben sich einige dieser Kassen nur durch Fusionen mit anderen retten können, denn die Rahmenbedingungen haben sich geändert.

Versicherte haben keine Nachteile

Die kürzliche Schließung der City BKK durch das Bundesversicherungsamt hat das Problem des falsch verstandenen Wettbewerbs in der sozialen Krankenversicherung deutlich werden lassen. Die in verschiedenen Kassenarten gegliederte Krankenkassenlandschaft nimmt in Teilbereichen ihre interne Solidarität nicht so verantwortungsbewusst wahr, wie man es eigentlich erwartet hätte.

Die Versicherten mussten sich eine andere Krankenkasse suchen, damit ihr Versicherungsschutz weiterhin fortbesteht. Das ist rechtlich unproblematisch, da jede Krankenkasse diese Versicherten aufnehmen muss, unabhängig vom Gesundheitszustand. Nur etwa elf Prozent der ehemals City-BKK-Versicherten verblieben allerdings im BKK-System, die anderen wanderten zu den Mitbewerbern.

Betriebskrankenkassen ohne Betrieb

Nunmehr droht der BKK Heilberufe ein ähnliches Schicksal. In den besten Jahren hatte diese neu gegründete BKK rund 600.000 Mitglieder zu verzeichnen. Zurzeit sind es noch rund 80.000 Mitglieder, die sich eine andere Kasse suchen müssen. Sie hatten in der Startphase eine günstige BKK gewählt, die damals noch ihren Beitragssatz selbst festlegen konnte.

"Jung und lustig" lautete seinerzeit die Devise vieler so genannter virtueller BKKs. Sie kommunizierten mit den Versicherten häufig nur über Internet, Telefon und Fax. Der traditionelle Begriff "Betriebs"-Krankenkassen wurde auch dadurch konterkariert, dass kein Unternehmen als Trägerbetrieb für diese Kassen-Neugründungen existierte.

Man wollte ohne "aufgeblähten Verwaltungsapparat" - wie bei den großen Krankenkassen - am Markt agieren. Allerdings ignorierte man offensichtlich, dass die Verwaltungskosten damals wie heute je nach Kassenart nur zwischen fünf und sechs Prozent der Gesamtausgaben ausmachen. Hier zu sparen ist zwar ehrenwert, brachte aber unter dem Strich keinen finanziellen Vorteil im Wettbewerb.

Gesundheitsfonds und Risikostrukturausgleich

Da viele "gute Risiken", wie sie in der Marketingsprache gern bezeichnet werden, den großen Versorgerkassen (zum Beispiel AOK oder Barmer) fehlten und der Gesetzgeber nicht zuschauen wollte, wie diese Garanten der solidarischen Krankenversicherung unter schwierigen Bedingungen die Finanzierung ihrer Ausgaben sicherstellen konnten, gab es wesentliche Änderungen:

  • Zum einen wurde der Beitragssatz bei allen gesetzlichen Krankenkassen vereinheitlicht,
  • zum anderen mussten alle Krankenkassen ihre Beitragseinnahmen an den Gesundheitsfonds abführen.
  • Aus diesem Fonds erhielten die Kassen Zuweisungen, die sich an der Art und Schwere der Erkrankungen der jeweiligen Versicherten orientieren (morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich).
  • Reichen die Zuweisungen nicht aus, mussten die Kassen einen Zusatzbeitrag von ihren Versicherten erheben.

Die Zusatzbeiträge wiederum führten zu erheblichen Mitgliederverlusten bei den so stigmatisierten Kassen. Um weitere Schieflagen zu verhindern, fanden speziell im BKK-Bereich zahlreiche Fusionen statt.

Nicht mehr überlebensfähig

Es gab allerdings Krankenkassen, die bereits so hoch verschuldet waren, dass selbst die eigene Kassenart kein Interesse an Fusionen mit notleidenden Schwesterkassen zeigte. Hierdurch wurde ein Webfehler im Kassenwettbewerb deutlich: Es fehlen gesetzliche Bestimmungen, dass zunächst kassenarteninterne Finanzhilfen den Fortbestand der notleidenden Kassen sicherstellen müssen. Folglich mussten die City-BKK und jetzt vermutlich auch die BKK Heilberufe vom Bundesversicherungsamt geschlossen werden. Weitere BKK-Wackelkandidaten stehen auf der Matte.

Marktbereinigungen an sich sind nichts Schlimmes. Gab es in 1994 noch 1.152 Krankenkassen, sind es zurzeit nur noch 154. Weitere Fusionen stehen bereits zum Jahresbeginn 2012 fest (zum Beispiel DAK mit der BKK Gesundheit).

Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang, dass die benachbarte BKK Essanelle mit Anzeigen jetzt schon um die Mitglieder der BKK Heilberufe wirbt, damit möglichst viele Versicherte im BKK-System verbleiben, obwohl man eine BKK-interne Fusion abgelehnt hatte. Ob die Versicherten dieses Spielchen durchschauen?

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Autor: Karl-Josef Steden

Zuletzt aktualisiert am 26.10.2011

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