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Nicht alles glänzt

Wer in Gold anlegt, geht Risiken ein und muss hohe Zusatzkosten tragen.

Ehemalige Inhaber von Lehmann-Zertifikaten, Ex-Kaupthing-Kunden und andere Anleger ziehen ihre Lehre aus der Finanzkrise: Gold kann nicht Pleite gehen. Und so wundert es nicht, dass Gold ein nachgefragtes Anlageobjekt ist. Zudem steigt und steigt der Goldpreis. Doch Fachleute sind zurückhaltend. Die meisten gehen davon aus, dass der Goldpreis für geraume Zeit auf seinem jetzigen Niveau bleibt oder nur noch leicht steigt. Als Seitwärtsbewegung bezeichnen das die Experten. Lohnt sich jetzt noch der Einstieg und welche praktischen Tipps sollten Gold-Anleger befolgen?

Mythos Gold

Im Vergleich zu dem von Krisen geplagten Papiergeld wirkt Gold wie ein Fels in der Brandung. Das liegt daran, dass Gold in der gesamten Geschichte immer etwas wert war. Es war nie wertlos. Diese Stabilität macht den Mythos des Goldes aus. Denn Gold lässt sich, anders als Geld, nicht so einfach vermehren. Pro Jahr werden nur rund 2.500 Tonnen neu aus der Erde geholt, zu hohen Kosten. Alles Gold, was bisher gefördert wurde, passt in einen Würfel mit einer Kantenlänge von 21 Metern. Das sind rund 165.000 Tonnen. Der Gesamtwert dieses Goldes beträgt ungefähr fünf Billionen Euro. Verloren geht von diesem Gold kaum etwas. Zum einen ist Gold eben ein Edelmetall und das heißt chemisch, dass es nur wenig mit anderen Substanzen reagiert. Es bleibt also meistens als Metall erhalten. Zum anderen ist Gold so teuer, dass es sich fast immer lohnt, industriell verarbeitetes Gold wieder zu gewinnen. Werden beispielweise Geräte, in denen Gold verarbeitet ist, verschrottet, wird das Edelmetall in der Regel vorher herausgeholt.

Von dem geförderten Gold wird nur ein kleiner Teil gehandelt. Mehr als die Hälfte des vorhandenen Goldes liegt als Schmuck vor. Rund zwölf Prozent des Goldbestandes ist industriell verarbeitet. Rund 18 Prozent lagert bei den Zentralbanken und ebenso viel Gold halten die privaten Haushalte.

Gold ist immer etwas wert und man kann diesen Wert in der Hand halten. Man ist nicht darauf angewiesen, dass eine Bank ein Wertpapier gegen Geld eintauscht. Der Wert des Goldes steht für sich allein, weil er von allen anerkannt ist. Deswegen sagt man, dass Gold nicht Pleite gehen kann. Finanztechnisch ausgedrückt heißt das, dass kein Emittentenrisiko besteht. Es besteht nicht die Gefahr, dass der Herausgeber eines Wertpapiers Pleite geht, bevor er seinen Anlegern ihr Geld zurückgezahlt hat, weil man für den Besitz von Gold keinen Emittenten braucht. Wegen dieser Wertstabilität ist Gold die internationale Flucht-Währung.

Anlage mit Risiko

Die Einschätzung über die weitere Kursentwicklung ist für Sie als Anleger sehr wichtig. Denn allein der Kurs bestimmt darüber, ob Sie mit Gold Geld verdienen oder verlieren. Legen Sie Geld in Gold an, bekommen Sie keinerlei Zinsen oder Dividenden. Deswegen ist Gold ist eine spekulative Geldanlage. Sie gehen erhebliche Risiken ein. Für eine sichere Altersvorsorge eignet sich Gold nicht. Allein wegen der Kursschwankungen sollte man Gold, egal in welcher Form, nur als Beimischung eines Anlage-Portfolios verwenden. Die Einflussfaktoren für den Goldpreis:

  • Private Nachfrage: Ein Großteil des Goldes wird zu Schmuck verarbeitet. Brummt die Wirtschaft in bestimmten Ländern, schnellt in einigen Ländern der Goldpreis nach oben.
  • Zentralbank-Nachfrage: Zentralbanken verfügen über große Goldvorräte, die sie aus geldpolitischen Gründen ausweiten (Nachfrage-Schub) oder Gold verringern.
  • Währungsrisiko: Gold wird weltweit in US-Dollar gehandelt. Sie können Gold natürlich auch in Euro bezahlen, aber die Preisbildung findet in US-Dollar statt. Damit ist der Goldpreis auch abhängig vom Auf und Ab der US-Währung. Das kann Ihnen zusätzliche Erträge bringen, das kann Sie aber auch Geld kosten. Da der Dollar-Kurs und der Gold-Kurs sich oft gegenläufig verhalten, heben sich die Veränderungen allerdings häufig auf.

Mit Gold als Geldanlage können sie beispielsweise Kursgewinne realisieren, wenn die indische Wirtschaft gut läuft. Denn in der indischen Kultur spielt Goldschmuck eine große Rolle, so dass die Nachfrage nach Gold spürbar steigt, wenn auf dem Subkontinent gut verdient wird. Dagegen können Ihnen Zentralbanken einen Strich durch die Rechnung machen. Wenn sie zu viel von ihren Goldvorräten verkaufen, wie das zum Beispiel die Bank of England Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts machte, fällt der Goldkurs.

Es ist durchaus denkbar, dass der Goldpreis nach seinem zehnjährigen Höhenflug auch wieder kräftig sinkt. Wenn die wirtschaftliche Lage sich stabilisiert, ist das nicht unwahrscheinlich. Rückschläge sind jederzeit möglich. Und in einer Zeit normaler Inflationsraten um die zwei Prozent pro Jahr, wird eine Geldanlage, die keine Zinsen abwirft, schnell zum Verlustbringer, auch deswegen, weil die Geldanlage in Gold einiges an Kosten mit sich bringt.

Je kleiner die Mengen, desto höher die Kosten

Wenn Sie sich über die Kursrisiken im Klaren sind, sollten Sie auch einen Blick auf die Kosten werfen: Die Geldanlage in Gold ist ziemlich teuer. Sie haben die Wahl zwischen verschiedenen Handelsformen. Die geringsten Aufschläge müssen Sie zahlen, wenn Sie gleich ganze Gold-Barren kaufen. Je größer der Barren, desto niedriger die Kosten. Dann geht es aber um die Anlage größerer Geldbeträge. Für einen Ein-Kilo-Barren zahlen Sie mehr als 30.000 Euro. Die Anlagemünzen, wie der Krügerrand oder das Maple Leaf sind da schon handlicher. Sie wiegen genau eine Feinunze, also 31,1035 Gramm. Dafür sind die Nebenkosten bei den Münzen höher. Der Preis einer Anlagemünze bestimmt sich nach ihrem Materialwert. Bei Sammlermünzen dagegen geht es nicht nur um das Material, sondern auch um den Seltenheitswert. Der aber kann stark schwanken und richtet sich neben dem Goldkurs auch noch nach anderen Parametern. Sammlermünzen eignen sich nicht zur Geldanlage.

Wenn Sie Gold kaufen, müssen Sie nicht nur den Wert des Edelmetalls begleichen. Es werden verschiedene Kostenpositionen fällig. Die Bank oder der Goldhändler verlangt für seine Dienste einen Aufschlag auf den aktuellen Goldpreis. Der Preis, den Sie zahlen müssen, liegt also über dem eigentlichen Goldkurs. Die Aufschläge sind alles andere als einheitlich. Sie unterscheiden sich je nach Anbieter, aber auch je nach Produkt.

Kaufen Sie eine Feinunze, müssen Sie bei den meisten Banken und Goldhändlern mit einem Aufschlag rund fünf Prozent rechnen. Es kann etwas weniger sein, aber auch viel mehr. Die klassischen Anlagemünzen wiegen genau eine Feinunze. Wenn Sie in kleineren Einheiten Gold kaufen, müssen Sie höhere Aufschläge zahlen. Für ein 10-Gramm-Plättchen werden leicht zehn Prozent Aufschlag genommen, bei einem 5-Gramm-Plättchen 20 Prozent und mehr. Und wenn Sie zum Spaß ein 1-Gramm-Plättchen verschenken, freut sich der Goldhändler besonders, dann geht nämlich rund die Hälfte des Kaufpreises für seinen Aufschlag drauf.

Bearbeitungsentgelt, Verwaltungskosten, Prägegebühren

Neben dem Aufschlag beim Kauf von physischem Gold müssen Sie noch mit weiteren Kosten rechnen. Manche Goldhändler und Banken verlangen beispielsweise ein Bearbeitungsentgelt, regelmäßige Verwaltungskosten oder Prägegebühren. Sie sollten sich auf jeden Fall sämtliche Kosten nennen lassen, damit Sie sich den günstigsten Anbieter aussuchen können. Fragen Sie genau nach, manche Anbieter sind hier sehr kreativ. Wenn Sie Ihrerseits Gold verkaufen, müssen Sie mit einem Abschlag rechnen. Das heißt, die meisten Goldhändler und Banken zahlen Ihnen nicht den vollen Goldkurs, sondern bleiben etwas darunter. Auch dieser Abschlag schwankt stark. Mancher Anbieter gibt sogar einen Aufschlag, wenn er weiß, dass er das Gold gewinnbringend weiterverkaufen kann. Wegen der vielen Kostenpositionen ist physisches Gold eine teure Geldanlage.

Goldmünzen in größerer Zahl und erst recht größere Goldbarren sollte man sich nicht zu Hause ins Regal legen. Gold gehört in einen Tresor oder in ein Schließfach bei der Bank. Beides aber kostet zusätzlich Geld. Für ein Schließfach zahlen Sie je nach Größe und Anbieter einige Hundert Euro im Jahr. Außerdem sollte das Gold versichert sein. Auch dafür müssen Sie bezahlen, wenn nicht Ihre Hausratversicherung Ihr Gold absichert. Diese laufenden Kosten nagen natürlich am Wert Ihrer Geldanlage in Gold. Und da Sie Ihr Gold, zumindest wenn es nicht um ganz kleine Mengen geht, in der Regel nicht selbst durch die Gegend tragen möchten, müssen Sie für den sicheren Transport auch noch mal mit 20 bis 50 Euro an Kosten rechnen.

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Autor: Oliver Heuchert

Zuletzt aktualisiert am 24.09.2010

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