Interne Navigation: Zum Inhalt dieser Seite. | Zur Hauptnavigation. | Zum Beginn dieser Seite.
Seitenanfang
ihre-vorsorge.de: Eine Initiative der Regionalträger der Deutschen Rentenversicherung und der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See

Inhalt:

Japan-Krise erreicht offene Immobilienfonds

Fondsgesellschaften schließen große offene Immobilienfonds. Anteil-Rückgabe über Fondsbörse nur mit Verlusten. Erste Anwälte raten Kleinanlegern zur Klage.

Berlin/Hamburg (dapd/mjj) Die Katastrophe in Japan verschärft die Krise der offenen Immobilienfonds hierzulande. Die Anlagegesellschaft der Volksbanken, Union Investment, fror den Fonds UniImmo Global (ISIN: DE0009805556) ) ein, weil 14 Prozent des Immobilienvermögens in Tokio investiert ist. Der Wert der sieben Gebäude sei momentan nicht zu bewerten, begründete der Sprecher von Union Investment Real Estate, Fabian Hellbusch, die Entscheidung. In einer Pressemitteilung heißt es, dass der zuständige Sachverständigenausschuss "die Bewertung unter den gegebenen, außergewöhnlichen Umständen vor Ort zum jetzigen Zeitpunkt" nicht leisten könne. Betroffenen sind unter anderem Zehntausende Kleinanleger und damit auch Teile ihrer privaten zusätzlichen Altersvorsorge.

2,3 Milliarden eingefroren

Es sei noch nicht absehbar, wie sich die japanische Wirtschaft nach dem Erdbeben entwickele, sagte Hellbusch. Außerdem sei die Atom-Gefahr noch nicht gebannt. Sobald möglich, werde der UniImmo Global neu bewertet und wieder geöffnet. Bis dahin nimmt aber der 2,3 Milliarden Euro schwere Fonds keine der über 44 Millionen Anteile zurück und gibt auch keine neuen aus. Zwei weitere offene Immobilienfonds von Union Investment seien mit einem deutlich geringeren Anteil in Japan investiert, weshalb sie nicht eingefroren würden.

Schon vor dem Erdbeben Probleme

Sorgen bereitete das Engagement in Japan dem UniImmo Global bereits vor dem Erdbeben. Wenige Wochen zuvor hätten mehrere Gebäude massiv abgewertet werden müssen, sagte Hellbusch. Dadurch sei der Fondswert um rund 4 Prozent gesunken. Der Anteil der Privatanleger im UniImmo Global liegt demnach bei 98 Prozent. Davon seien zwei Drittel Kleinanleger mit einem Anlagebetrag von weniger als 50.000 Euro.

Verkauf nur mit Abschlag

Wer dringend Geld braucht, dem bleibt nur der Verkauf an der Fondsbörse - gegen einen deutlichen Abschlag. Dem Fonds gehören laut Hellbusch sieben Immobilien in Tokio, vier Wohngebäude, zwei Bürohäuser und ein Einzelhandelsobjekt. Allerdings sei keines der Gebäude bei dem Erdbeben beschädigt worden.

Fonds der Konkurrenz bleiben offen

Auch andere deutsche Fonds sind von der Katastrophe in Japan betroffen, reagieren aber anders. Der Fonds Immobilien Global der Dekabank, des Zentralinstituts der Sparkassen, ist ähnlich stark in Japan engagiert wie der UniImmo Global. Allerdings stünden nur zwei der vier Gebäude im Großraum Tokio, erklärte Torsten Knapmeyer, Geschäftsführer Deka Immobilien und WestInvest. Zwei dagegen seien in Osaka - und damit deutlich weiter vom Atomkraftwerk Fukushima I entfernt. Sofern es zu keiner Verstrahlung komme, sei der Wert der Immobilien nicht wesentlich beeinträchtigt, der Fonds bleibe deshalb offen.

Erste Anwälte raten zur Klage

Erste Anwälte raten Kleinanlegern, die Anteile am UniImmo Global besitzen, bereits zur Klage gegen die beratende Bank oder die Kapitalanlagegesellschaft. Grundlage dafür könnten eine mögliche Falschberatung und eventuell fehlende Angaben im Prospekt sein, teilte die Kanzlei Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft mit.

Goldene Vergangenheit

In den vergangenen Jahren hatten die bislang als sicher geltenden offenen Immobilienfonds für Aufsehen gesorgt. Mehrere Fonds mussten zunächst eingefroren und dann geschlossen werden, weil wegen der Finanzkrise zu viele Anleger ihr Geld abziehen wollten und die Gesellschaften nicht genug Geld in der Kasse hatten. Vor der Finanzkrise wurden offene Immobilienfonds von vielen Anlegern aufgrund der bis dato verlässlichen Wertentwicklung auch als private Altersvorsorge angeschafft.

Ein Produkt im Krisen-Sog

"Offene Immobilienfonds sind in der Krise", teilten die Verbraucherzentrale Hamburg und das Institut für Finanzdienstleistungen (iff) mit. Von den 24 für Privatanleger wichtigsten Fonds seien zehn geschlossen, drei weitere befänden sich in Auflösung. Laut dem Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) besaßen Ende 2009 rund drei Millionen Anleger unter anderem Anteile an offenen Immobilienfonds. BVI-Sprecher Frank Bock rät den Anlegern dazu, Ruhe zu bewahren. An der Fondsbörse sollten sie ihre Anteile nur im Notfall verkaufen. "Wer Immobilien grundsätzlich für ein vernünftiges Investment hält, für den bleiben offene Immobilienfonds eine solide Sachanlage mit eingebautem Inflationsschutz", sagte Bock.

Neuregelungen

Ab spätestens 2013 müssen Neuanleger ihre Anteile von Offenen Immobilienfonds für mindestens 24 Monate nach dem Erwerb halten. Bestands- und Neuanleger müssen dann zudem eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten einhalten. "Unabhängig von diesen Fristen wird jedoch für jeden Anleger ein Betrag in Höhe von 30.000 Euro pro Kalender-Halbjahr verfügbar bleiben", so der BVI. Die Liquiditätsbedürfnisse der meisten Privatanleger seien so gut abgedeckt meint der Verband.

Mehr Informationen




Themenhinweise:

Beratung

  • Beratungsstellensuche

Empfehlungen der Redaktion

Autor: Philipp Heinz (dapd) / Michael John

Zuletzt aktualisiert am 22.03.2011

Interne Navigation: Zum Inhalt dieser Seite. | Zur Hauptnavigation. | Zum Beginn dieser Seite.