Faktencheck: Alt, älter, arbeitslos?
Scheitert die Rente mit 67 an fehlenden Arbeitsplätzen für ältere Beschäftigte?
Das Sommerloch quillt über. Die SPD hat ein Thema gefunden, über das sie trefflich streiten kann. Gewerkschaften, Verbände und die Berlin verbliebenen Vertreter der Regierungskoalition mischen ebenso mit. Das Thema: Rente mit 67.
Die Genossen fordern die Abschaffung des späteren Renteneinstiegs, ehe er begonnen hat. Dabei spielt es keine Rolle, dass man den Einstieg in den Ausstieg aus der Frühverrentung einst mitbeschlossen hat. Die Zeiten der großen Koalition sind vorbei. Die SPD profiliert sich in der Opposition.
Ihr Argument: Die Rente mit 67 kann nicht funktionieren, weil es nicht genug Jobs für ältere Arbeitnehmer gibt. Folglich sind die zu einem früheren Rentenbeginn verdonnert und müssen Abschläge hinnehmen. Das sei eine versteckte Rentenkürzung.
Stimmt das?
Arbeitsmarkt für Ältere
Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat die Situation älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer untersucht. Das Ergebnis: Sie haben immer noch Probleme am Arbeitsmarkt, aber es wird besser.
| 1998 (in Millionen) | 2008 (in Millionen) | Entwicklung | |
|---|---|---|---|
| Kurzzeitarbeitslose über 50 | 0,56 | 0,35 | - 36 Prozent |
| Langzeitarbeitslose über 50 | 0,74 | 0,39 | - 48 Prozent |
| Kurzzeitarbeitslose unter 50 | 1,81 | 1,39 | - 23 Prozent |
| Langzeitarbeitslose unter 50 | 0,72 | 0,66 | - 8 Prozent |
- 1994 betrug die Quote der Erwerbstätigen unter den 55- bis 64-Jährigen in Deutschland 35,9 Prozent. 2008 waren es 53,8 Prozent.
- 1998 bis 2008 ist die Zahl der älteren Arbeitslosen stärker gesunken als die Zahl der jüngeren auf Jobsuche.
- 1998 bis 2008 ist die Gesamtzahl der Beschäftigten über 50 Jahre von 5,28 auf 6,75 Millionen gestiegen. Die Zahl der jüngeren Beschäftigen sank von 21,97 auf 20,71 Millionen. Der Effekt spiegelt zumindest zum Teil auch den wachsenden Anteil Älterer an der Gesamtbevölkerung.
- 1998 bis 2008 ist die Beschäftigungsquote der 60- bis 64-jährigen Männer von 15 auf 25 Prozent gestiegen.
Die IAB-Forscher stellen fest, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt vor allem für die 55- bis 59-Jährigen verbessert. Die über 60-Jährigen haben es schwerer. Das gilt auch Arbeitnehmer mit geringerer Qualifikation. Dennoch gebe es einen positiven Trend: Mit Blick auf den demografischen Wandel und den absehbaren Fachkräftemangel gelten sie (Ältere) jedoch zunehmend auch als Hoffnungsträger." (Quelle: IAB-Kurzbericht 16/2009)
Renteneintrittsalter
Sowohl Frauen wie Männer gehen heute durchschnittlich später in Rente als noch vor ein paar Jahren. Sie nähern sich inzwischen der Regelaltersgrenze von 65 Jahren etwas an.
1998 sind Männer im Bundesdurchschnitt mit 62,1 Jahren in Altersrente gegangen, 2008 waren sie durchschnittlich 13 Monate älter. Frauen bekamen ihre Altersrente 1998 mit 62,2 Jahren, 2008 waren sie 63,0 Jahre. (Quelle: Rentenversicherung in Zeitreihen 2009, herausgegeben von der Deutschen Rentenversicherung)
Rente mit 67
Die Umstellung auf die Rente mit 67 beginnt 2012 in Monatsschritten. Für jeden Geburtsjahrgang ab 1947 steigt die Altersgrenze um einen Monat, ab Jahrgang 1959 kommen jeweils zwei Monate dazu. Erst ab Geburtsjahrgang 1964 muss man bis zum Alter von 67 arbeiten, wenn man keine Rentenabschläge in Kauf nehmen will.
Antwort: Es kommt darauf an
Die Antwort auf die Ausgangsfrage fällt also nicht leicht. Fest steht: Ältere Arbeitnehmer haben es am Arbeitsmarkt noch schwerer als jüngere Kolleginnen und Kollegen. Aber die Situation ändert sich langsam. Angesichts eines zunehmenden Fachkräftemangels sind ihre Chancen besser, wenn sie höher qualifiziert sind. Das geht in der aktuellen politischen Diskussion etwas unter.
Die Chancen älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt könnten sich nach Einschätzung der IAB-Forscher Ulrich Walwei, Martin Dietz und Andrea Arlt aber wieder verschlechtern, wenn Transferleistungen für Ältere (Arbeitslosengeld) verbessert werden oder das Renteneintrittsalter sinkt.
- Basinfos zur gesetzlichen Rente
Alles zu Ansprüchen, Rentenarten und Ansprechpartner. - Rentenirrtum 4: Länger arbeiten
Irrtum: Alle müssen jetzt bis 67 Jahre arbeiten.





