Im Gleichschritt
Aktien-Indexfonds entwickeln sich wie die Börsen, sind transparent und günstig. Im Interview mit ihre-vorsorge.de erklärt Niels Nauhauser, Referent Altersvorsorge, Banken und Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, für wen Indexfonds auch als private zusätzliche Altersvorsorge geeignet sind.
Niels Nauhauser
Was sind Aktien-Indexfonds?
Nauhauser: Die Wertentwicklung von Indexfonds orientiert sich an bekannten Aktienindizes, beispielsweise dem DAX, Eurostoxx oder dem MSCI World. Diese Fonds brauchen kein teures Fondsmanagement, weil sie einfach stur einen Aktienindex nachbilden.
Außerdem werden dem Fondsvermögen hier auch nicht Jahr für Jahr Bestandsfolgeprovisionen entnommen. Die jährlichen Kosten liegen deshalb etwa nur bei einem Zehntel dessen, was bei aktiv verwalteten Fonds üblich ist.
Bei Indexfonds bleibt von den möglichen Renditen am Aktienmarkt unterm Strich mehr für den Anleger übrig.
Ist diese Geldanlage für die Altersvorsorge geeignet?
Nauhauser: Ja. Gerade bei der Altersvorsorge schlagen die Kosten gravierend zu Buche. Bei Aktienindexfonds sind die jährlichen Kosten rund 1,5 Prozentpunkte niedriger. Das bedeutet, dass die Rente aus einer solchen Anlage doppelt so hoch ausfallen kann als bei Produkten mit den üblichen Vertriebsprovisionen.
Worin bestehen die Vorteile dieser Produkte?
Nauhauser: Die langfristigen Renditen von Aktienfonds, von denen viele schwärmen, immerhin rund sieben Prozent pro Jahr, können Sie nur dann erwarten, wenn Sie Ihre Anlagestrategie mit Disziplin umsetzen, auch wenn es mal unruhig wird an den Kapitalmärkten.
Zwei häufige Ratschläge sogenannter Anlageberater sollten Sie in den Wind schlagen: Nur Aktienfonds kaufen, die sie sich zurzeit ganz gut entwickeln. Und: Aktienfonds verkaufen, die gerade schlecht laufen. Die Aktienmärkte sind immer launischen Kurskapriolen ausgesetzt. Das ständige Umschichten kostet nur unnötig weitere Provisionen. Nur wer sich davon nicht beeindrucken lässt und auf günstige Produkte wie etwa Indexfonds setzt, hat eine Chance, die langfristigen Renditen ohne größere Einbußen einzustreichen.
Gibt es auch Nachteile?
Nauhauser: Wer in Aktienfonds investiert, sollte wissen, dass Aktienmärkte auch mal um 50 Prozent im Wert schwanken können und dass es auch auf viele Jahre hin keine Garantie gibt, hier stetig sein Vermögen zu mehren. Wer die Risikobereitschaft nicht hat oder wer Wertschwankungsrisiken nicht tragen kann, sollte besser die Finger davon lassen.
Häufig spricht man von "echten" und "künstlichen" Indexfonds. Was ist darunter zu verstehen?
Nauhauser: "Echte" und "künstliche" Indexfonds gibt es nicht. Es gibt in der Praxis nur verschiedene Methoden, wie der Fonds die Wertentwicklung eines Aktienindex nachbildet.Eine einfache Methode, die jeder versteht, ist es, dass im Fondsvermögen einfach die Aktien liegen, die auch im Index enthalten sind.
Eine genauso wirksame, aber viel kompliziertere Methode ist es, dass im Fondsvermögen völlig andere Wertpapiere enthalten sind zusammen mit einem besonderen Zahlungsversprechen einer Bank (Derivat, Swap), welches dafür sorgt, dass unterm Strich täglich auch wieder exakt die Wertentwicklung des Index verbucht wird.
Beide Methoden haben ihre Vorteile und ihre Nachteile. In manchen Märkten muss man das sogar stets auf diese komplizierte Art machen, weil es sonst nicht möglich ist, den Index nachzubilden.
Worauf sollten Sparer bei der Auswahl noch achten?
Nauhauser: Attraktive Indexfonds zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich auf große, marktbreite Indizes beziehen, in denen möglichst viele Aktien aus vielen Ländern und vielen unterschiedlichen Branchen enthalten sind.
Der MSCI World Index beispielsweise umfasst Unternehmen aus 24 Ländern. Der Haken bei diesem Index: Mehr als die Hälfte der Unternehmen stammen aus den USA. Das ist von Nachteil, wenn der Dollar gegenüber dem Euro stark an Wert verliert. Euro-Anleger können das Währungsrisiko reduzieren, wenn sie zugleich einen europäischen Aktienindex beimischen.
Alternativ kann sich jeder auch durch eine Kombination der wichtigsten Anlageregionen (Europa, USA, Asien und Schwellenländer) eine sehr breit gestreute Anlage zusammenstellen.
Gibt es auch Indexfonds, die riesterfähig sind?
Nauhauser: Nein. Denn bei der Riester-Rente verlangt der Gesetzgeber, dass die Anbieter den Erhalt des Kapitals bei Rentenbeginn garantieren müssen. Diese Garantie gibt es bei Indexfonds nicht.
Das allerdings muss kein Nachteil sein, im Gegenteil: was nutzt schon eine Garantie, dass in 40 Jahren der Kapitalstand nicht geringer ist, wenn die Inflation die Kaufkraft der Anlagen bis dahin halbiert hat? Und die Garantie kostet die Anleger ja auch Geld, denn sie begrenzt die Chancen. In vielen Fällen ist es so, und das lässt sich wirklich konkret durch Berechnungen belegen, dass die Kostenvorteile von Indexfonds den Effekt der fehlenden Förderung der Riester Rente leicht ausgleichen können.
Viele Hausbanken führen keine Sparpläne auf Indexfonds. Wo bekommen Vorsorgesparer solche Produkte? Welche Aspekte sollte man dabei beachten?
Nauhauser: Indexfonds werden nicht verkauft, weil hier keine für Vermittler auskömmlichen Provisionen fließen. Banken, die auf Provisionen angewiesen sind, werden in der Regel von diesem Produkt abraten, um ihre überteuerten Alternativen unters Volk zu bringen.
Bei Direktbanken werden Anleger aber fündig. Viele bieten Indexfondssparpläne an. Dabei kann man auch mit 50 Euro monatlich verschiedene Fonds kombinieren, indem man beispielsweise alle drei Monate zeitlich versetzt verschiedene Fonds kauft. Ratenaussetzungen oder Kündigungen sind dabei problemlos ohne Kostennachteile möglich.
Wo finden Interessierte kompetente Beratung?
Nauhauser: Eigentlich ist so ein Fondssparplan nicht viel komplizierter als ein Dauerauftrag, wenn man die erwähnten Punkte beachtet. Wer aber unsicher ist, ob und wie das alles denn zum individuellen Bedarf passt, kann sich an seine Verbraucherzentrale wenden.
- www.vz-bawue.de
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