Zinsinstrumente
Es gibt eine große Auswahl an Anleihen. Wenn alles gut, erhalten Anleger ihr geliehenes Geld zurück und zudem eine gute Rendite. Eine gesetzliche Absicherung - wie etwa beim Tagesgeld - gibt es allerdings nicht.
Doris Kappes
Doris Kappes, Finanzspezialistin der Verbraucherzentrale Hamburg, über Staats- und Unternehmensanleihen und darüber, wie sicher die Papiere in Zeiten der Krise sind.
Was sind Anleihen?
Doris Kappes: Dabei handelt es sich um eine Schuldverschreibung. Der Käufer oder Anleger tritt dabei als Gläubiger auf, während der Schuldner der Anleihe als Emittent bezeichnet wird. Dieser verpflichtet sich, das geliehene Kapital am Ende einer Laufzeit zurückzuzahlen.
Bei festverzinslichen Wertpapieren erhält der Anleger während der Laufzeit eine vereinbarte Verzinsung. Emittenten können Staaten, Banken oder Unternehmen sein. Zu den Anleihen zählen aber auch variabel verzinste Anlagen, sogenannte Floater.
Der Zinssatz orientiert sich dabei an den Geldmarktzinsen und passt sich regelmäßig der Marktlage an. Außerdem gibt es noch strukturierte Anlagen etwa Zertifikate.
Mit welcher Rendite dürfen Anleger rechnen?
Doris Kappes: Die Bandbreite reicht von soliden Geldanlagen mit niedrigerem Anleihezins bis hin zu hochspekulativen Produkten, die dann auch mit einer üppigen Rendite locken.
Staatspapiere gelten als sehr sicher und werfen daher eine relativ geringe Rendite ab. Natürlich gilt dies nicht für Länder, die vom Zahlungsausfall bedroht sind.
Hochzinsanleihen sind nur etwas für spekulative Anleger. Bei Insolvenz des Schuldners kann man sein eingesetztes Kapital vollständig verlieren. Kommt der Emittent seinen Zahlungsverpflichtungen aber nach, sind überdurchschnittliche Renditen möglich.
Welche kritischen Punkte sind bei Zinspapieren zu beachten?
Doris Kappes: Auch Anleihen bergen Risiken. Mit dem Kauf einer Anleihe gewährt der Anleger dem Emittenten ein Kredit. Dieser ist durch nichts außer dem Zahlungsversprechen besichert.
Gerät der Emittent in Schwierigkeiten, steigt die Gefahr, dass er seinen Zinszahlungen nicht mehr nachkommen kann. Bei Konkurs besteht sogar das Risiko, dass die Rückzahlung der Anleihe am Laufzeitende gefährdet ist.
Eine gesetzliche Sicherungseinrichtung - etwa wie für Spareinlagen - gibt es für Anleihen nicht.
Welche Aspekte sollte man weiter beachten?
Doris Kappes: An den Börsen handelbare Anleihen unterliegen innerhalb der Laufzeit einem Kursrisiko - aber auch einer Kurschance. Fallen etwa die Zinsen am Markt, steigt der Kurs der Anleihe.
Ein weiterer Punkt, den Anleger beachten sollten: Bei ausländischen Anleihen besteht ein Wechselkursrisiko. Um dies auszuschließen, sollten Anleihen in Euro notieren.
Staatstitel aus dem Euroraum standen lange Zeit für ein Höchstmaß an Sicherheit - und waren damit ein sinnvolles Produkt für die private Vorsorge. Doch die Diskussion um eine mögliche Pleite Griechenlands schreckt viele Sparer ab. Kann man noch ruhig schlafen, wenn man sein Geld in Bundeswertpapier investiert?
Doris Kappes: Bundeswertpapiere gelten als besonders sichere Anlageform, da der Staat mit seinem Vermögen und Steueraufkommen bürgt. Das Risiko, dass der deutsche Staat seine Schulden nicht zurückzahlen kann, ist gering.
Doch die Sicherheit hat auch eine Kehrseite. Bundesanleihen bieten derzeit nur Mini-Renditen.
Gibt es für sicherheitsorientierte Anleger Alternativen?
Doris Kappes: Angesichts der geringen Verzinsung von Bundeswertpapieren stellen Sparverträge oder Festgeldanlagen eine Alternative dar.
Das Plus: Diese Anlagen unterliegen der deutschen Einlagensicherung. Per Gesetz sind mindestens 100 000 Euro pro Kunden vorgeschrieben. Die meisten deutschen Kreditinstitute sind darüber hinaus einer zusätzlichen Sicherungseinrichtung angeschlossen, die noch höhere Geldbeträge schützt.
Anleger sollten daher stets Ihre Bank nach dem Umfang der Sicherung fragen.
Was ist von Unternehmensanleihen zu halten?
Doris Kappes: Unternehmensanleihen sind Schuldtitel deutscher oder internationaler Firmen. Ihre Rendite liegt in der Regel über der solider Staatsanleihen.
Allerdings gehen Anleger auch ein höheres Risiko ein. Daher gilt auch hier, die Bonität des Unternehmens zu prüfen.
Doch im Vergleich zur Aktie, bei der man von Kursgewinne profitiert, genügt es bei der Anleihe schon, wenn das Unternehmen stabile Erträge erwirtschaftet. Dadurch ist dem Anleger die Zins- und Rückzahlung sicher.
Als spekulative Beimischung in ein Depot sind solide Unternehmensanleihen daher durchaus geeignet.
Wie lässt sich die Bonität einer Anleihe prüfen?
Doris Kappes: Anleger sollten sich vor dem Kauf einer Anleihe genau über die Zahlungsfähigkeit des Emittenten informieren.
Als Faustregel gilt: Je höher der Anleihezins desto größer das Risiko. Hilfreich ist auch ein Blick auf die Bewertungen von Rating-Agenturen. Diese vergeben Noten: A spricht für beste Qualität, der Schuldner zahlt pünktlich. Die Note D steht dagegen für Zahlungsunfähigkeit.
Welche Punkte sollten Anleger beachten, die mit Zinspapieren fürs Alter vorsorgen möchten?
Doris Kappes: Ähnlich wie Aktien oder Fonds lassen sich Anleihen über die Hausbank oder über Online-Broker im Internet kaufen.
Dabei sollten Anleger stets die Kosten im Auge behalten. Denn für die Verwaltung des Geldes verlangen die Institute Gebühren. Und je höher diese ausfallen, desto schmäler ist die Rendite. Direktbanken sind dabei meist günstiger als die Filialbank um die Ecke.
Bundeswertpapiere können gar in einem kostenlosen Depot bei der Bundesfinanzagentur verwaltet werden.
Natürlich gilt auch für Zinsanlagen wie für den Vermögensaufbau allgemein: Setzen Sie nicht alles auf eine Karte.
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