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Dunkle Tage

Chefarzt Thomas Kirchmeier über Krankheits-Symptome, die Chancen einer Reha bei Depressionen und was man täglich selbst für gute Laune machen kann.

  • Thomas Kirchmeier

Der Winter und seine "Schattenseiten": Die Tage sind kurz, Licht ist Mangelware, trübes Wetter ist nicht selten. Während ein Teil der Menschen sich auf kuschelige Abende auf der Couch freut, versinken andere in einer Winterdepression. Für manche Menschen ein Anlass zu hinterfragen: Bin ich krank, habe ich eine Depression? Ab wann ist man eigentlich depressiv? Doktor Thomas Kirchmeier, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefarzt der Psychosomatischen Klinik in der Höhenklinik Bischofsgrün der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern, stellte sich den Fragen des Magazins "zukunft jetzt".

Ist die landläufig als "Winterdepression" bezeichnete negative Stimmung eine echte Depression?

Kirchmeier: Nein, die Winterdepression oder auch den sogenannten Herbstblues haben wir alle hin und wieder. Es ist normal, wenn man sich jetzt müde, lustlos und schlapp fühlt. Dagegen hilft Licht und Bewegung. Am besten Ausdauersport in freier Natur. Aber es gibt saisonal abhängige Depressionen, auch wirkliche Erkrankungen. Sie treten häufig in den Wintermonaten auf. Die Erkrankten sind über Wochen depressiv und können nicht arbeiten. In diesen Fällen hilft oft eine Behandlung mit Lichttherapie.

Ab wann ist man depressiv?

Kirchmeier: Das Wort Depression ist aus dem Lateinischen abgeleitet und bedeutet so viel wie "niedergedrückt sein". Aber niedergedrückt oder traurig zu sein, heißt nicht zwangsläufig, dass man depressiv ist. Trauer hat eine Funktion, Weinen verarbeitet Belastung. Das ist bei Depressionen nicht der Fall. Bei depressiven Erkrankungen liegt oft Gefühllosigkeit vor, man ist "taub" und hat ein Gefühl der Leere.

Wie äußern sich Depressionen noch?

Kirchmeier: Zu einer echten Depression gehören weit mehr Symptome, zum Beispiel Schlafstörungen, Antriebsminderung, Lust- und Freudlosigkeit oder Probleme im Magen-Darm-Bereich. Besonderes Merkmal ist auch das Grübeln. Die Gedanken Betroffener kreisen um Katastrophen und schaffen es nicht, aus dieser Welt zu fliehen.

Immer öfter hört man, dass jemand einen "Burnout" hat? Woran liegt das?

Kirchmeier: Burnout ist keine Diagnose. Der Fachbegriff für diese Krankheitsform lautet "Neurasthenie". Dabei handelt es sich um ein Gefühl der chronischen Erschöpfung auf körperlicher und psychischer Ebene. Man kann sich nicht mehr entspannen, kommt nicht mehr herunter. Ein Burnout bringt heute allerdings fast schon gesellschaftliche Achtung, deshalb wird dieses Wort vermutlich oft verwendet. Das wird positiv gesehen, ist aber völlig verkehrt. Man sollte auf seinen Körper achten, bewusst mit seiner Gesundheit umgehen. Dazu gehört eine Balance zwischen Anspannung und Entspannung.

Wieso bekommt man körperliche Beschwerden bei seelischen Problemen?

Kirchmeier: Emotionen haben eine unheimliche Macht auf unser Nervensystem. Nehmen wir unsere Gefühle nicht ernst, verlagern sie sich auf unseren Körper und können Schmerzen verursachen.

Spielt das Verhältnis Arzt-Patient eine Rolle bei der Genesung?

Kirchmeier: Eine sehr große sogar! Der Arzt hat einen wichtigen Anteil am Heilungsprozess. Als behandelnder Arzt kann man sich nicht so distanzieren. Ein Versuch mit Placebos (Scheinwirkstoffen) hat ergeben, dass deren Wirkung bei einem guten Arzt-Patienten-Verhältnis wissenschaftlich nachweisbar ist. Der Glaube an das Medikament heilt, diesen Glauben muss der Arzt vermitteln.

Bedeutet das, dass allein der Glaube Depressionen heilen kann?

Kirchmeier: Nein. Der Glaube hilft natürlich. Und die Einnahme von Medikamenten ist nicht in jedem Fall erforderlich, aber sie hat neben der Psychotherapie einen großen Anteil am Behandlungserfolg. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung machen Antidepressiva nicht abhängig und beeinflussen nicht die Persönlichkeit. Früher gab es Medikamente, mit denen man Patienten ruhig gestellt hat. Moderne Medikamente wirken zwar antriebssteigernd, haben aber weniger Nebenwirkungen und eine hohe Wirkung.

Laut Statistik erkranken immer mehr Menschen an Depressionen. Warum?

Kirchmeier: Das hat viele Gründe - unter anderem die veränderte gesellschaftliche Struktur. Gab es früher die Großfamilie, mangelt es heutzutage an Bindungsstrukturen. Auch die veränderte Form der Kommunikation trägt meiner Meinung nach zu diesem Krankheitsbild bei. Nie haben die Menschen, dank der Technik, so viel kommuniziert wie heute. Aber der zwischenmenschliche Kontakt wird weniger. Wir tauschen nur noch Informationen aus.

Welche Tipps können Sie uns geben, um sich positiv zu beeinflussen?

Kirchmeier: Es gibt "goldene Regeln" zur Prävention:

  • angenehme Aktivitäten im Alltag,
  • Bewegung,
  • sich selbst etwas Gutes tun,
  • Entspannungsverfahren erlernen und im Alltag einbauen,
  • sich fordern, aber nicht überfordern,
  • auf eigene Gefühle achten,
  • Freundschaften pflegen,
  • auf Warnzeichen achten und rechtzeitig Hilfe in Anspruch nehmen.

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Autor: Claudia Weidig

Zuletzt aktualisiert am 24.02.2011

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