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Festplatte voll?

Lernt man im Alter schlechter, gibt es gute und schlechte Tageszeiten für das Lernen und gibt es Nahrungsmittel, die die Lernleistung beflügeln? Im Interview mit "zukunft jetzt", dem Kundenmagazin der Deutschen Rentenversicherung, gibt der berühmte Hirnforscher Einblicke in spannende Lernprozesse. Ihre-vorsorge.de veröffentlicht das Interview in Auszügen.

  • Prof. Ernst Pöppel

"Alles, was Du besitzt, ist in Deinem Kopf", hat Ihre Mutter immer zu Ihnen gesagt. Hat Sie das geprägt?

Pöppel: Ja. Wir kamen nach dem Krieg als Flüchtlinge mit fast nichts in der Hand in ein kleines Dorf. Wir waren Außenseiter. Ich sollte eigentlich Bauer werden. Doch ich habe das Gymnasium besucht und studiert. Ich denke schon, dass Lernen wichtig ist und viel ermöglicht. Lernen ist auch aber auch wichtig aus Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.

Meinen Sie damit die "Rente mit 67"?

Pöppel: Ich sage das, weil durch Lernen Wissen vermittelt wird und durch Wissen neues Wissen entsteht. Deswegen ist lebenslanges Lernen wichtig für die Gesellschaft. Jeder Arbeitnehmer sollte auch aus Verantwortung für die Gesellschaft lernen.  Zur Rente mit 67: Mit über 60 Jahren noch lernen und arbeiten ist doch für die meisten kein Problem. Da wird immer mit dem Dachdecker argumentiert, aber es gibt doch Phasen im Leben, in denen man unterschiedliche Kompetenzen ausbildet. Die kann man nutzen, um etwas anderes zu machen. Und zudem hoffe ich inständig, dass den meisten Menschen ihre Arbeit Spaß macht.

In welcher Lebensphase lernt man denn am besten?

Pöppel: In den ersten 10 Jahren lernt man am schnellsten. Je früher man lernt, desto besser schafft das eine breite Plattform für späteres Lernen. Frühes Lernen ist übrigens der beste Schutz gegen Demenz im Alter.

Lernt man im Alter schlechter?

Pöppel: Sagen Sie nicht schlechter, sondern langsamer. Manchen Älteren fällt das Lernen auch schwerer als früher. Das heißt aber nicht, dass sie nichts mehr lernen können. Wichtig ist, dass das Gehirn wie eine Muskel ist: Es muss trainiert werden. Ich habe vor Jahren mit Golf angefangen. Das war anfangs grausam. Ich habe es nur ein paar Mal im Jahr gemacht, da konnte nichts draus werden. Lernen erfordert Dranbleiben und Konzentration.

Was kann man machen, damit man besser lernt?

Pöppel: Sich nach der inneren Uhr richten: Morgens zwischen 10 und 12 lernen Menschen am schnellsten. Nachhaltiger lernt man allerdings zwischen 17 und 20 Uhr. Das Wissen wird in der Nacht dann besser "eingebrannt". Man darf es übrigens nicht übertreiben - das gilt für alle Altersklassen. Man sollte maximal eineinhalb Stunden lernen. Nach 90 Minuten ist man erschöpft.

Wie kann man sich selbst motivieren?

Pöppel: Ohne ein Ziel bringt Lernen nichts. Und wenn es nicht mein Ziel ist, dann ist Lernen wirklich schwer. Ist ein Ziel aber erreicht, kommt es zu einem Dopamin-Ausstoß und der erzeugt Glücksgefühle.

Und was hilft dem Gehirn: Obst, Studentenfutter, Schokolade?

Pöppel: Es geht eher um Ernährung allgemein: Ein voller Bauch studiert nicht gern. Das Gehirn nimmt nur zwei Prozent unseres Körpergewichts ein, verbraucht aber 20 Prozent der Energie. Man kann also dem Körper ruhig Energie zuführen - auch mal Süßigkeiten. Obst ist aber besser. Wichtiger ist es, ausreichend zu trinken.

Festplatte voll - gibt es das auch beim Gehirn?

Pöppel: Nein. Wenn es eine neue interessante Sache gibt, dann wird ein Areal im Gehirn überlernt. Beim Lesen und Lernen werden unterschiedliche Nervenmuster im Gehirn aktiviert. Es ist faszinierend, welchen Reichtum wir in unserem Gehirn haben. Wissen ist übrigens immer auch mit Emotionen verbunden. Ein Depressiver kann nichts mehr tun, ist inaktiv und kann sich nichts mehr behalten.

Wollen Sie damit andeuten, dass Menschen, die sich stetig fortbilden, weniger an Burn-Out oder Depressionen erkranken?

Pöppel: Aber sicher! Lernen wirkt antidepressiv - schon wegen der Erfolgserlebnisse. Auch Sport ist eine gute Vorbeugung gegen Depressionen.

 

Das vollständige Interview lesen Sie in der neuen Ausgabe von "zukunft jetzt". Dort erfahren Sie, wie Traubenzucker wirkt oder ob Untalentierte sich die Mathematik durch viel Lernen doch noch aneignen können. Den Artikel finden Sie auch unter www.deutsche-rentenversicherung.de.
Frisch erschienen ist sein Buch "Je älter desto besser" (zusammen mit Beatrice Wagner, Gräfe und Unzer, 19,90 Euro).

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Autor: Michael John

Zuletzt aktualisiert am 16.09.2010

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