Kehr aus! Frühjahrsputz für die Finanzen
Aufräumen tut nach dem Winter nicht nur Haus und Garten gut. Auch das private Altersvorsorgekonzept sollte auf den aktuellen Stand gebracht werden. Welche Geldanlagen regelmäßig gecheckt werden müssen und von welchen Altlasten man sich getrost trennen darf, erklärt Verbraucherschützer Merten Larisch.
Merten Larisch
Sortieren, behalten, entfernen - im Frühjahr steht Großreinemachen auf dem Programm. Altersvorsorgesparer sollten sich daher ihr Depot vornehmen und alle Posten gründlich prüfen. Merten Larisch, Projektleiter Altersvorsorgeberatung der Verbraucherzentrale Bayern, erläutert, auf welche Aspekte Sie dabei achten sollten.
Warum ist es wichtig, sein privates Altersvorsorgekonzept hin und wieder zu prüfen?
Larisch: Private Altersvorsorge ist Maßarbeit. Daher sollte man regelmäßig nachhaken, ob die Verträge noch passen. Es gibt keine Geldanlage, die zugleich Kriterien wie Rendite, Flexibilität und Sicherheit erfüllen kann. Der Sparer muss die Vorsorgestrategie immer wieder seinen Wünschen, seiner Anlegermentalität und seinen Zielen angleichen. Diese Überlegungen sind insbesondere bei veränderten Lebenssituationen - etwa durch Heirat, Geburt eines Kindes oder berufliche Weiterentwicklung - relevant.
Welche Sparformen sollten öfter auf den Prüfstand?
Larisch: Alle Produkte müssen regelmäßig geprüft werden. Denn mit etwas Aufwand lässt sich bei den privaten Finanzverträgen viel Geld sparen, ohne dass dabei auf Leistung verzichtet werden muss. Tauschen Sie Sparanlagen aus, die nicht profitabel sind. Kündigen Sie unnütze Versicherungsverträge. Und lassen Sie sich nicht von Renditeprognose blenden. Wie viel man für sein Erspartes im Ruhestand tatsächlich erhält, wird erst ersichtlich, wenn die Inflation in die Berechnung einkalkuliert wird.
Vater Staat fördert die private Vorsorge mit der Riester-Rente. Woraus sollte der Anleger bei dieser Sparvariante regelmäßig achten?
Larisch: Riester-Verträge werden durch die staatlichen Fördergelder attraktiv. Doch das Extrageld landet nicht automatisch auf dem Sparkonto, sondern muss beantragt werden. Der Aufwand ist zwar durch den Dauerzulagenvertrag vereinfacht worden - ein jährlicher Antrag ist nicht mehr nötig. Dennoch sollten Riester-Sparer stets einen Blick auf ihre Eigenbeiträge werfen. Da die Höhe der Beiträge vom Bruttoeinkommen des Vorjahres abhängig ist, müssen sie regelmäßig angeglichen werden.
Wichtig: Bei unverheirateten Eltern gibt es die Kinderzulage nur für den, der das Kindergeld auch tatsächlich erhält. Zudem dürfen Sparer bei der Steuererklärung nicht vergessen, ihre Vorsorge anzugeben. Denn nur so kommen sie in den Genuss eventueller Steuervorteile.
Die Rürup-Rente wird vom Staat ebenfalls unterstützt. Welche Punkte sollten Rürup-Anleger öfter checken?
Larisch: Sparer sollten sich genau überlegen, ob dieses Produkt zu ihrer Lebenssituation passt. Die Rürup-Rente ist nicht vererbbar. Zwar kann ein Hinterbliebenenschutz vereinbart werden, doch dieses Extra kostet Rendite und führt zu drastischen Abstrichen bei der Altersrente. Auch die Kopplung einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) an einen Rürup-Sparvertrag ist nicht empfehlenswert, denn solche Kombi-Produkte kann der Kunde nur schwer durchschauen. Sparer sollten lieber eine selbständige BU-Versicherung abschließen und sich von der Zusatzvereinbarung in ihrem Rürup-Vertrag trennen.
Ein Vorsorgeklassiker ist die Kapitallebensversicherung. Worauf sollten Sparer hier ihr Augenmerk immer wieder legen?
Larisch: Vor allem Verträge, die nach 2004 abgeschlossen wurden, sollten auf die Kriterien Kosten und Rendite sowie echte Steuerersparnis abgeklopft werden. Trennen Sie sich auf jeden Fall von unnützen Extras. Eine Unfalltodzusatzversicherung braucht es nicht, schmälert aber die Rendite. Streichen Sie bei kostenungünstigen Policen die dynamische Anpassung - also den Beitrags- und Leistungszuwachs - aus dem Vertrag heraus. Auch wer seinen Beitrag nicht monatlich, sondern jährlich leistet, holt mehr aus seiner Police heraus.
Jüngere Sparer entscheidenden sich gerne fürs Fondssparen als Vorsorge. Woraus sollten Anleger hierbei achten?
Larisch: Aktiv gemanagte Fondssparpläne sollten regelmäßigen einer Qualitätskontrolle unterzogen werden. Der Mehrwert von aktivem Management ist umstritten. Ihre Produkte weit weniger kontrollieren müssen Sparer die auf Indexfonds setzen. Weiterer Vorteil dieser Sparform: Bei passiv gemanagten Fonds fallen kaum laufende Provisions- und Managementgebühren an. Doch auch bei dieser Variante gibt es Einsparpotenziale: Fondsvermittler oder Direktbanken bieten etwa das Depot oft gratis an. Regelmäßiges Indexfondssparen bieten mit einer Ausnahme nur Direktbanken an.
Mit der Renteninformation gibt die Deutsche Rentenversicherung Auskunft über den aktuellen Stand der gesetzlichen Altersrente. Wie sollte der Versicherte diese Daten in seine Planung einbeziehen?
Larisch: Die Hochrechnung ist eine wichtige Grundlage für das Altersvorsorgekonzept. Je weiter allerdings der persönliche Renteneintritt in der Zukunft liegt, desto ungenauer wird die Prognose. So wird angenommen, dass der Beitragszahler bis zum Ruhestand so viel verdient, wie in den vergangenen fünf Jahren. Berufsanfänger mit Aufstiegschancen dürfen also im Ruhestand mit wesentlich höheren Einnahmen aus der gesetzlichen Rente rechnen, als die Information angibt. Frauen, die künftig wegen der Familie im Beruf kürzer treten, müssen dagegen im Alter mit kräftigen Einbußen rechnen.
Kann die Renteninformation dann tatsächlich weiterhelfen?
Larisch: Ja. Denn der Beitragszahler erhält einen Überblick über seine Vorsorgesituation. Ob im Ruhestand ausreichend Geld zur Verfügung steht, oder ob man die private Altersvorsorge optimieren muss, kann man nur mit Hilfe einer Ausgabenbedarfsrechnung erkennen. Hilfe bei der Ermittlung einer Vorsorgelücke nach diesem Prinzip bieten die Verbraucherzentralen oder Honorarberater an.
- www.vzbayern.de
Internetseite der Verbraucherzentrale Bayern - Gesetzliche Rente
Rentenarten, Beratungsstellen und Rentenversicherungsträger im Überblick. - Altersvorsorge
Informationen zu Riester. Rürup und Co. für verschiedene Zielgruppen. - Riester-Rente
Produktvarianten, Förderung, Eigenanteil. Was man bei der Auswahl beachten muss.




