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Heimlicher Ermittler

Im Interview mit ihre-vorsorge.de verrät der Ex-Insider Eberhard Beer wie Banken-Tests ablaufen und welche Beratungsfehler besonders oft auftreten.

  • Eberhard Beer

Die Finanz- und Altersvorsorgeberatung der Kreditinstitute soll künftig strenger kontrolliert werden - eine Lehre aus der Finanzkrise. Dazu sollen unter anderem verdeckte Test-Beratungen erfolgen. Bislang waren diese Domäne von Wirtschaftsmagazinen wie Finanztest, Wirtschaftswoche oder WISO. Nun plant das Bafin standarisierte Tests und sucht per Ausschreibung nach einem Dienstleister, der die Tests organisiert. Dagegen wehrt sich die Dienstleistungsgewerkschaft verdi, die nach eigenen Angaben bereits rund 60.000 Unterschriften gegen die Test-Beratungen gesammelt hat. Bankmitarbeiter sehen in den heimlichen Tests eine "Kriminalisierung" ihres Berufsstandes.

Eberhard Beer kennt alle Seiten: 40 Jahre arbeitete er im Bankenwesen, ging dann vor gut vier Jahren zu dem unabhängigen Beraternetzwerk "Die Alten Hasen GmbH" und absolvierte für zahlreiche Medien verdeckte Banken-Tests mit versteckter Kamera. Die Alten Hasen GmbH ist ein Beratungsnetz aus ehemaligen führenden Mitarbeitern von Kreditinstituten, die auf Honorarbasis Sparer über 50 Jahren bei Fragen rund um Geld und Vermögen unabhängig beraten (www.diealtenhasen.de). Im Interview mit ihre-vorsorge.de erzählt Beer, wie solche Test-Beratungen aussehen können und warum er die Kritik seiner Exkollegen nicht verstehen kann.

Herr Beer, was halten Sie von verdeckten Beratungen?

Beer: Solche Tests finde ich grundsätzlich gut. Ich habe selbst für viele Medien solche Tests durchgeführt und weiß, dass eine Selbstkontrolle der Banken wenig bringen würde.

Was waren den die häufigsten Fehler in der Beratung?

Beer: Erstens wurden verdächtig oft eigene Produkte angepriesen. Zweitens habe ich oft erlebt, dass ab einer gewissen Kapitalgröße Standard-Pakete angeboten wurden. Der Berater hat meine Angaben in den Computer gegeben und raus kam ein Paket an Produkten. Dabei wurden einige individuelle Faktoren ausgeblendet. Drittens werden "Angebote des Monats" offensiv angeboten. Was gerade besonders verkauft werden sollte, wurde an den Mann gebracht - ob es passte oder nicht. Viertens fehlte nicht selten die Produktkenntnis. Ich erinnere mich an einen Berater, der mir das angebotene Zertifikat schlicht nicht annährend erklären konnte.

Wie sind Sie bei solchen Tests vorgegangen?

Beer: Man hat sich eine Vita zurechtgelegt und ein paar Kriterien definiert. Ein Beispiel: Ich bin Anfang 60, will für zwei Jahre fest 50.000 Euro anlegen, bin ein konservativer Anleger und muss noch Schulden abbezahlen. Im Gespräch rückt  man aber nicht gleich mit allen Fakten raus, weil ein Teil der Beratungsqualität ja die Fragen des Beraters sind. Und dann muss man bewerten, wie gut er gefragt hat und wie die angebotenen Produkte zum Testfall passen.

Was halten Sie davon, dass sich viele Ihrer Exkollegen gegen solche verdeckten Tests wehren?

Beer: Ich verstehe das nicht: Der Schlachter um die Ecke, Aldi oder sonst wer müssen sich solche Tests doch auch gefallen lassen. Eigentlich kann man doch nur gegen die Tests sein, wenn man ein schlechtes Gewissen hat. Autoverkäufer wehren sich ja auch nicht gegen Testfahrten. Klar, die Tester müssen fair sein und dürfen den Berater nicht in eine Ecke drängen. Aber die Berater sollten auch mal bedenken, dass gute Testergebnisse auch eine gute Werbung sind.

Sie arbeiten schon lange im Finanzsektor: Wie hat sich die Beratung aus Ihrer Sicht entwickelt?

Beer: Die Beratung ist aggressiver geworden. Aber seit dem Zusammenbruch von Lehmann Brothers haben sich vor allem die Kunden gewandelt. Sie sind sensibler geworden. Man vertraut seiner Bank nicht mehr blind und fängt an zu hinterfragen.

Themenhinweise:

Beratung

  • Beratungsstellensuche

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Autor: Michael John

Zuletzt aktualisiert am 24.01.2011

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