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ihre-vorsorge.de: Eine Initiative der Regionalträger der Deutschen Rentenversicherung und der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See

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Mit Ergometer und Gabelstapler

Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation der Berufsgenossenschaften

  • Dr. Henry Kohler

Rehabilitation gibt es nicht nur bei der Rentenversicherung. Auch die Unfallversicherungsträger - zuständig für Prävention, Unfallversicherung, Rehabilitation und Leistungen - verfügen über Berufsgenossenschaftliche Unfallkliniken mit eigenen Reha-Abteilungen. ihre-vorsorge.de sprach darüber mit Doktor Henry Kohler, Leiter der Abteilung Berufsgenossenschaftliche Rehabilitation und Heilverfahrenssteuerung in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Ludwigshafen.

Was kann die BG Unfallklinik Ludwigshafen tun, wenn jemand einen schweren Unfall hatte?

Dr. Henry Kohler: Unsere Klinik besteht aus einer Akutklinik und einer Reha-Abteilung. Wir können unsere Patienten vom Unfallort bis zur Entlassung an die Arbeitsstelle versorgen, das heißt: vom Hubschraubertransport über die  Akutversorgung bis hin zur medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation.

Wie geht es nach der Akutversorgung weiter?

Dr. Henry Kohler: Wenn ein Patient rehafähig ist - egal, ob bei uns oder in einer anderen Klinik vorbehandelt -, kommt er in unsere BG-Sprechstunde. Hier wird  eine erste Sondierung vorgenommen, ob eine Reha erfolgversprechend ist. Fällt die Entscheidung für eine Reha, folgt das Reha-Assessment.

Was ist ein Reha-Assessment?

Dr. Henry Kohler: Dabei analysiert ein erfahrenes Team von Spezialisten in zwei bis drei Tagen den gesundheitlichen Status des Patienten und erarbeitet gemeinsam mit ihm eine Prognose für das weitere Heilverfahren und die berufliche Wiedereingliederung.

Wir erheben die Anamnese, sichten die vorliegenden Befunde und prüfen auch die Arbeitsplatzbeschreibung - da sollte also nicht nur "Maurer" stehen, sondern eine Beschreibung der häufigsten Tätigkeiten des Patienten, am besten ergänzt durch Bilder oder einen Kurzfilm über den Arbeitsplatz.

Das Ergebnis ist ein individuelles Reha-Konzept mit konkreten Zielvorgaben für weiterführende Maßnahmen. Gegebenenfalls kann auch eine weitere Operation indiziert sein, bevor die Rehafähigkeit erreicht wird.

Im Rahmen des Assessments werden auch die sogenannten Kontextfaktoren ermittelt. Dazu gehören zum Beispiel Probleme des Patienten in der Familie oder im persönlichen Umfeld, Mobbing am Arbeitsplatz und so weiter, die Einfluss auf seine Genesung haben können. Über Atemtests, Muskelkraft- und Ausdauertests wird der individuelle Rehabedarf des Patienten festgestellt.

Wer ist daran beteiligt?

Dr. Henry Kohler: Das Team setzt sich zusammen aus Unfallchirurg, Orthopäde, Reha-Facharzt, Ergotherapeut, Physiotherapeut und Psychologe sowie einem Mitarbeiter des Sozialdienstes.

Welche Hilfsmittel verwenden Sie dabei?

Dr. Henry Kohler: Wir arbeiten mit Fragebögen, verwenden Laktatmessungen für die Kraft, Ausdauer messen wir auf dem Laufband oder mit dem Cybex. Weiterhin verwenden wir einen Arbeitssimulationsroboter - das Gerät kann die beanspruchte Kraft aufzeichnen.

Wie erreichen Sie die beruflichen Anforderungen?

Dr. Henry Kohler: Durch ein Abgleich mit der Situation am Arbeitsplatz; dadurch, dass wir die Arbeiten nachstellen: Kerntätigkeiten wie Heben und Tragen, Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, Laufen auf unebenem Boden.

In unserer Ergotherapie haben wir die verschiedensten Arbeitsplätze nachgebaut: zum Beispiel für Metallarbeiter, für die Arbeit mit Holz, für Dachdecker, LKW-Fahrer oder Maurer.

Arbeitssituationen, die wir nicht selber anbieten, suchen wir durch Kooperation nachzustellen. Mit einem Patienten aus dem Sicherheitsdienst gehen wir auch auf den Schießstand, für einen Baggerführer besorgen wir einen Bagger. Verschiedene Unternehmen sowie die Feuerwehr unterstützen uns dabei. 

Welche Rolle spielt die Physiotherapie?

Dr. Henry Kohler: Unsere Physiotherapeuten trainieren mit den Rehabilitanden Kraft, Ausdauer und Kondition, unter spezieller Berücksichtigung der Partien, die wieder aufgebaut oder gestärkt werden müssen.

Was steht am Ende der Reha?

Dr. Henry Kohler: Am Ende steht noch einmal ein Assessment: Was haben wir während der Reha erreicht? Können wir den Mann oder die Frau bereits vollschichtig zurück in den Betrieb schicken, oder arbeiten wir besser mit einer Wiedereingliederung?

Seit 2008 arbeiten Sie mit dem Reha-Assessment bzw. der medizinisch beruflich orientierten Rehabilitation (MBO). Was hat sich seitdem verbessert?

Dr. Henry Kohler: Um zu beurteilen, was ein Patient kann, hat es sich als positiv erwiesen, wenn detaillierte Arbeitsplatzbeschreibungen angefertigt werden und sich das gesamte Team in die Arbeitssituation des Patienten versetzen kann.

Zwischenzeitlich konnten wir auch die Ausstattung optimieren: so erweitern ein Gabelstapler und ein LKW unser Angebot. Hier können die Patienten unter realen Bedingungen trainieren. Und wir haben auch mehr Personal als zu Beginn der MBO.

Aber wir sehen: der Bedarf für die MBO ist da. Den Erfolg der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation sehen wir auch daran, dass wir die Wiedereingliederung oft nicht brauchen oder dass wir sie verkürzen können - von vier auf zwei Wochen.

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Autor: Friedrich Müller

Zuletzt aktualisiert am 21.06.2011

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