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Rentengarantie schützt Rentner

Renten hätten wie die Löhne sinken müssen. Interview mit Dr. Werner Bos, Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung Schwaben.

  • Dr. Werner Bos

Warum gibt es dieses Jahr keine Rentenerhöhung?

Dr. Werner Bos: Steigen die Löhne und wirken sich die anderen Anpassungsfaktoren nicht in gleichem Maße dämpfend aus, steigt auch die gesetzliche Rente jedes einzelnen Rentenbeziehers. Aufgrund der Wirtschaftskrise sind 2009 die Bruttolöhne und -gehälter aber erstmals seit 50 Jahren in Deutschland gesunken.

In einer solchen Situation sieht das Gesetz vor, dass sich der aktuelle Rentenwert nicht verändert. Es bleibt daher zum 1. Juli 2010 im Westen der Bundesrepublik Deutschland beim aktuellen Rentenwert von 27,20 Euro und in den neuen Bundesländern, wegen der unterschiedlichen Einkommensverhältnisse, bei 24,13 Euro. Damit gibt es in diesem Jahr auch keine Rentenerhöhung.

Hätten die Renten nicht sogar sinken müssen?

Dr. Bos: Ja, nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts und der Deutschen Rentenversicherung Bund wäre es in diesem Jahr erstmals zu einer Rentenkürzung gekommen. Zum einen war 2009 ein Rückgang der Bruttolöhne zu verzeichnen. Daneben wirkten sich außerdem die negative Entwicklung des zahlenmäßigen Verhältnisses der Rentenbezieher zu den Beitragszahlern sowie der gestiegene Altersvorsorgeanteil der berufstätigen Bevölkerung anpassungsdämpfend aus.

Insgesamt hätte sich im Rahmen der Rentenanpassung zum 1. Juli 2010 rechnerisch eine Verringerung der Bruttorenten von 2,1 Prozent im Westen der Bundesrepublik und von 0,54 Prozent in den neuen Bundesländern ergeben.

Um dies zu vermeiden, hat der Gesetzgeber bereits im Jahr 2009, als die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise immer deutlicher wurden, die so genannte Rentengarantie eingeführt. Sie schützt unsere Rentnerinnen und Rentner vor einem Absinken ihrer Rente.

Bedeutet die Rentengarantie einen Nachteil für die Versicherten?

Dr. Bos: Um die Beitragszahler nicht dauerhaft mit den Kosten der Rentengarantie zu belasten, hat der Gesetzgeber vorgesehen, dass unterbliebene Rentenminderungen mit in den Folgejahren anstehenden Rentenerhöhungen verrechnet werden müssen.

Die konjunkturelle Entwicklung, die Sparpläne der Bundesregierung und die Rentengarantie werden, so wird derzeit geschätzt, nach fünf Jahren der schwarzen Zahlen dazu führen, dass die gesetzliche Rentenversicherung 2010 auf ein Defizit zusteuert. Dieses Minus werden wir über unsere Rücklage, die so genannte Nachhaltigkeitsrücklage, auffangen können.

Der Beitragssatz von derzeit 19,9 Prozent kann aller Voraussicht nach zwar momentan nicht gesenkt, aber die nächsten Jahre wohl gehalten werden.

Wann können die Rentner wieder mit mehr Geld rechnen?

Dr. Bos: Nach der deutlichen Rentenerhöhung zum 1. Juli 2009, die nach den vorangegangenen "mageren" Jahren für unsere Rentnerinnen und Rentner wichtig und richtig war, wird nun auch die gesetzliche Rentenversicherung von der negativen konjunkturellen Entwicklung eingeholt.

Die Rentengarantie schützt unsere Rentnerinnen und Rentner in diesem Jahr vor einer Rentenminderung. Aber dieser Verzicht auf eine rechnerisch eigentlich erforderliche Rentenkürzung muss, wie ich bereits erläutert habe, durch Verrechnung mit künftigen Rentenerhöhungen ausgeglichen werden. Diese werden also entsprechend niedriger ausfallen.

Wir gehen aus heutiger Sicht davon aus, dass sich der Abbau des Ausgleichsbedarfs mindestens bis zum Jahr 2015 hinziehen wird.

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Autor: Michael Krause

Zuletzt aktualisiert am 01.07.2010

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