"Spielgeld" für den Ernst des Lebens
Sparen ist gar nicht so einfach - aber mit dem eigenen Taschengeld lernen Kinder viel über die Welt der Finanzen. Tipps von Codula Lasner-Tietze vom Kinderschutzbund.
Cordula Lasner-Tietze
Denn den Umgang mit Geld kann nur lernen, wer auch über Geld verfügt. Warum Taschengeld eine wichtige Vorbereitung fürs Leben ist, gleichzeitig aber auch ein heißdiskutiertes Thema in Familien ist, erklärt Fachreferentin Cordula Lasner-Tietze vom Deutschen Kinderschutzbund Bundesverband e.V.
Warum ist Taschengeld wichtig für Kinder?
Lasner-Tietze: Taschengeld ist eine hervorragende Vorbereitung aufs Leben. Kinder lernen im Umgang mit dem eigenen Geld sehr viel: Eigene Entscheidungen zu treffen, ein Budget zu verwalten, vorausschauend zu planen und auch mal etwas auszuprobieren. Sie erfahren wie man sich durch Sparen kleinere und größere Wünsche erfüllen kann. Das alles führt dazu, dass Kinder Verantwortung übernehmen, selbständiger und unabhängiger werden.
Ab wann sollten Eltern ihren Kindern Taschengeld geben?
Lasner-Tietze: Das kommt ganz aufs Kind an. Eine zwingende Empfehlung gibt es nicht. Wenn kleinere Kinder nach Taschengeld verlangen, weil sie den älteren Geschwistern gleichgestellt sein wollen, sollte man diesen Wunsch in der Familie thematisieren und eine entsprechende transparente Lösung, mit der alle einverstanden sind, finden. Es gibt aber auch Schulkinder, die mit Taschengeld noch nichts anfangen können. Auch das ist in Ordnung. Letztlich gilt: Eltern und Kinder sollten eine altersgerechte Vereinbarung darüber treffen.
Wieviel Taschengeld ist angemessen
Lasner-Tietze: Auch hier gibt es keine allgemeine Norm. Das Taschengeld muss zu den Lebensumständen der Familie passen. Daher entscheidet die Familie in einem gemeinsamen Gespräch selbst über das wie viel. Kinder haben dabei ein sehr feines Gespür, was möglich ist und was nicht.
Was sollte man bei der Auszahlung beachten?
Lasner-Tietze: Wichtig ist, dass das Taschengeld regelmäßig und pünktlich bezahlt wird. Nur das ermöglicht dem Kind eine sinnvolle Planung und Einteilung. Die Höhe muss jedoch nicht immer starr sein. Profitiert der Vater oder die Mutter von einer einmaligen Bonuszahlung, kann das Kind durchaus daran beteiligt werden. Umkehrt sollte man mit dem Kind über die Höhe des Taschengeldes sprechen, wenn sich die finanzielle Situation der Familie - etwa bei Arbeitslosigkeit - deutlich verschlechtert.
Sollten Eltern bestimmen, für was das Taschengeld ausgegeben wird?
Lasner-Tietze: Sinn des Taschengeldes ist es, dass Kinder ein Gefühl dafür bekommen, verantwortungsvoll und eigenständig mit Finanzen umzugehen. Dazu gehört, dass sie dann auch allein entscheiden dürfen, was sie kaufen wollen - auch wenn sie dabei Fehler machen. Eltern sollten jedoch - wenn sie gefragt werden - mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Was tun, wenn das Wochentaschengeld bereits am Mittwoch aufgebraucht ist und nach mehr verlangt wird?
Lasner-Tietze: Dass sich Kinder verschätzen, verrechnen oder verplanen ist normal. In einer solchen Situation sollten Eltern in einem Gespräch herausfinden, für was das Geld ausgegeben wurde. Ging das gesamte Taschengeld für Süßigkeiten drauf? Dann muss jetzt eben auf das Comicheft verzichtet werden. Haben Eltern das Gefühl, dass ihr Kind Schwierigkeiten mit dem Sparen oder Geldausgaben hat, sollten sie mit ihm sprechen und eine geeignete Strategie zur Lösung des Problems entwickeln. Eltern muss klar sein: Taschengeld ist in vielen Familien ein heiß diskutiertes Thema, das auch zu Konflikten führt.
Sollten Kinder dazu angeregt werden, einen Teil des Geldes zu sparen?
Lasner-Tietze: Kinder sollten über das Taschengeld selbst verfügen. Eltern dürfen aber darauf hinweisen, dass es sinnvoll sein kann, das Geld nicht auf einmal auszugeben, sondern einen Teil davon zu sparen. Ist das Sparen den Eltern besonders wichtig, können sie das Taschengeld aufstocken. Allerdings mit der Vereinbarung, dass der zusätzliche Betrag beiseite gelegt wird.
Manche Eltern schließen bereits für ihren Nachwuchs Vorsorgeverträge ab. Ist das sinnvoll?
Lasner-Tietze: Eltern sollten das tun, wenn es ihnen wichtig ist. Und gegen ein finanzielles Polster - für Führerschein, Berufsausbildung oder Studium - lässt sich auch nichts einwenden.
- dksb.de
Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V. - Altersvorsorge
Tipps für die Altersvorsorge für Familien, Berufsstarter, Singles, Selbstständige und "Späte Sparer". - rentenblicker.de
Seite der Deutschen Rentenversicherung mit Tipps für Schüler zur Altersvorsorge und Lehrmaterialien für den Unterricht.




