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Steigende Preise

Eine sinnvolle Altersvorsorgeplanung hängt nicht allein von der aktuellen Inflationsrate ab. Das erklärt Dr. Annabel Oelmann, Leiterin der Gruppe Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Entscheidend sind nach Meinung der Expertin vielmehr die Erfahrung, die persönliche Situation, die Risikoneigung sowie die Ziele des Anlegers.

  • Frau Dr. Oelmann

Die Teuerungsrate in Deutschland nimmt zu. Viele Sparer möchten wissen, wie sie ihr Geld nun schützen können. Doch eine Vollkaskoversicherung gegen Inflation gibt es nicht, erklärt Dr. Annabel Oelmann, Leiterin Gruppe Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Das Inflationsgespenst geht um. Wie groß ist die Gefahr, dass die Preise auch künftig kräftig steigen?

Frau Dr. Oelmann: Die Angst vor Inflation verunsichert tatsächlich viele Sparer. Wie sich die Inflationsrate aber entwickelt, kann heute niemand vorhersagen. Daher ist Panik ein schlechter Ratgeber.

Welche Folgen hat eine steigende Geldentwertung für Sparer?

Frau Dr. Oelmann: Wenn ein Sparer heute Geld für ein Auto zurücklegt, reicht bei hohen Preissteigerungsraten die Summe in fünf Jahren eventuell nicht mehr für den Wunschwagen. Ob die Inflationsrate künftig aber steigt oder fällt, wissen auch Experten nicht. Daher sollte man von Geheimtipps die Finger lassen und schon gar nicht überstürzt seine komplette Anlagestrategie umkrempeln. Kleinere Korrekturen - etwa die Trennung von schlecht verzinsten Sparbüchern - sind aber durchaus sinnvoll.

Wie kann man sein Erspartes vor Inflation schützen?

Frau Dr. Oelmann: Eine Vollkaskoversicherung gegen Inflation gibt es nicht. Eine gute Mischung und eine breite Streuung des Vermögens ist der beste Schutz, um Risiken zu minimieren. Neben der Anlage in Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen zählen dazu auch Investmentfonds und Sachwerte. Wie der konkrete Mix zusammen gestellt sein sollte, ist individuell sehr verschieden. Das hängt von der Höhe des Vermögens, aber auch von der persönlichen Risikoneigung ab. Wenn Sie aus Angst um Ihr Geld nachts nicht mehr schlafen können, nützt Ihnen auch die mögliche Aussicht auf höhere Renditen nichts.

Ist die Flucht in Sachwerte - etwa in Immobilien - ein guter Tipp?

Frau Dr. Oelmann: Wer ohnehin plant, eine Immobilie zu finanzieren, sollte die niedrigen Hypothekenzinsen nutzen. Angst vor Inflation ist aber kein Argument für eine solche Investition. Beim Kauf einer Immobilie sind vielmehr andere Faktoren zu beachten: Die Eigenkapitalquote, die Lage sowie ein stimmiges Finanzierungskonzept. Denn wenn die Finanzierung von Anfang an auf tönernen Füßen steht, kann sich bei ungesichertem Einkommen und zu geringer Eigenkapitalquote das Trauminvestment schnell in einen Albtraum verwandeln.

Gold gilt als sicherer Hafen. Lohnt es sich jetzt Goldbarren in den Tresor zu legen?

Frau Dr. Oelmann: Gold ist kein Rettungsanker, sondern eine hochspekulative Anlage. Wer in Gold investiert muss sich klar sein: Der Kauf ist unter Umständen mit erheblichen Gebühren verbunden. Weiter muss man teure Aufbewahrungskosten einkalkulieren, denn es ist nicht empfehlenswert die Barren im heimischen Wäscheschrank zu lagern. Da das Edelmetall in US-Dollar gehandelt wird, kommt noch ein Währungsrisiko hinzu. Gold bringt weder Zinsen noch Dividenden. Der Anleger kann also nur hoffen, dass der Kurs in Zukunft steigt.

Wie ist die gesetzliche Rente von einer steigenden Inflation betroffen?

Frau Dr. Oelmann: Die künftige Höhe der gesetzlichen Rente lässt sich langfristig schwer vorhersagen. Da spielen verschiedene Aspekte wie die demographische und wirtschaftliche Entwicklung sowie politische Entscheidungen eine Rolle. Fakt ist: Wer seinen Lebensstandard im Ruhestand halten will, sollte zusätzlich vorsorgen.

Wie sieht eine gute Altersvorsorgestrategie bei höheren Inflationsraten aus?

Frau Dr. Oelmann: Ein Patentrezept für die Altersvorsorge gibt es nicht. Eine sinnvolle langfristige Planung hängt nicht allein von der aktuellen Inflationsrate ab, sondern viel mehr von der Erfahrung, der persönlichen Situation, der Risikoneigung sowie den Zielen des Anlegers. Daher ist es von Sparer zu Sparer unterschiedlich, ob Investmentfonds, festverzinsliche Anlagen, Mischvarianten oder Immobilien die richtige Strategie bilden. Erstrebenswert ist es jedoch, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern das Vorsorgevermögen breit zu streuen. Allerdings sollten nur Produkte ins Portfolio, die man auch versteht. Die Verbraucherzentralen helfen bei der Planung mit einer neutralen Spar- und Anlageberatung.

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Autor: Sibylle Wartlick

Zuletzt aktualisiert am 18.10.2011

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