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Verdeckter Test

Wie beraten Verbraucherzentralen zum Thema private Berufsunfähigkeitsversicherung? Jochen Schwanekamp und Daniel Ritzerfeld machten die Nagelprobe. Die beiden Absolventen des Instituts für Versicherungswesen an der Fachhochschulen Köln nutzen Beratungsangebote von Verbraucherzentralen in vier Bundesländern. Dabei stießen sie auf Beratungslücken. Im Interview mit ihre-vorsorge.de schildert Jochen Schwanekamp ihre Testmethodik und die Beratungsfehler.

  • Jochen Schwanekamp

Sie haben elf Beratungen absolviert. Was ist Ihr Ergebnis?

Viele Verbraucherzentralen beraten ungenügend. Oft wurde zu wenig nach den Wünschen, Bedürfnissen und Umständen gefragt. In einer Beratung fehlte sogar die wichtige Frage nach dem Beruf. Zudem wurde die Versicherungssumme selten hinterfragt und eine Berufsunfähigkeitsrente von 1.000 Euro angenommen.

An welchem Maßstab haben Sie die Beratung denn gemessen?

An dem Beratungsmaßstab für Versicherungsberater, der gesetzlich geregelt ist. Wir fanden, dass Versicherungsberater am ehesten vergleichbar sind mit den Beratern in der Verbraucherzentrale. Beide sind unabhängig und erhalten - im Gegensatz zu unabhängigen Versicherungsmaklern oder -vertretern, die nur für einen Konzern Versicherungen anbieten - ein Beratungsentgelt.

Wie viel haben Sie denn für die Beratungen bezahlt?

Je nach Verbraucherzentrale haben wir zwischen 25 und 70 Euro für eine Beratung gezahlt, die zwischen 45 und 60 Minuten dauerte. Zum Vergleich: Ein Versicherungsberater verlangt ab 100 Euro pro Stunde bis zu pauschal 2.000 Euro für eine Beratung zu einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung.

Haben Sie neben der Beratung auch die Beratungsergebnisse untersucht?

Ja, und das hat uns erstaunt: Fast alle Verbraucherzentralen nutzen das gleiche Programm für Versicherungsvergleiche. Dennoch wurden uns für den identischen Testfall zwölf verschiedene Versicherer empfohlen. Die unterschiedlichen Empfehlungen liegen darin begründet, dass unterschiedliche Dynamiken (siehe unten) und Filterkriterien ins Programm eingegeben wurden. Oft basierten die Empfehlungen auch auf persönlichen Präferenzen, die nicht immer nachvollziehbar waren.

Was denken Sie: Wie wäre der Test bei Versicherungsberatern oder -vertretern ausgefallen?

Da kann ich nur spekulieren. Bei vielen Versicherungsberatern würde die Beratung sicherlich besser ausfallen, bei Versicherungsvertretern eher schlechter. Das gilt vor allem dann, wenn der Vertreter nur für eine Versicherung arbeitet. Dann hat er auch weniger Beratungspflichten.

Ihre Abschlussarbeit wurde von der Signal Iduna bezuschusst?

Ja, allerdings über den Förderverein. Sie hat uns die Beratungsentgelte ersetzt und Fahrtkosten. Inhaltlich wurde kein Einfluss auf die Arbeit genommen.

 

Einen ausführlichen Artikel zum Test von Jochen Schwanekamp und Daniel Ritzerfeld enthält die Fachzeitschrift "Versicherungswirtschaft". Der Artikel kann für 3,81 Euro im Internet heruntergeladen werden unter www.vvw.de.

Stichwort Dynamik: Um die Inflationsrate abzufedern, kann bei der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung eine "Dynamik" vereinbart werden. Dadurch erhöht sich jährlich die im Leistungsfall ausbezahlte Versicherungssumme. Allerdings wird die Berufsunfähigkeitsversicherung dadurch jedes Jahr etwas teurer.

Themenhinweise:

Beratung

  • Beratungsstellensuche

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Autor: Michael John

Zuletzt aktualisiert am 02.09.2010

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