Wie Versicherungsmakler arbeiten
Wer ist ein "richtiger" Versicherungsmakler und wer ist in der Studie befragt worden? Die Mitglieder des Verbands Deutscher Versicherungsmakler hätten anders abgestimmt - meint ihr Vorstandsvorsitzender.
"Das sind nicht die Hitlisten, die unsere Mitglieder machen würden." Mit diesen Worten kommentiert Dr. Hans-Georg Jennsen, geschäftsführender Vorstand des Verbands Deutscher Versicherungsmakler (VDVM), das Ergebnis der "AssCompact-Studie", bei der die bei Versicherungsmaklern beliebtesten Riester-Anbieter ermittelt wurden.
Der Grund für diese Einschätzung: In Deutschland gibt es nach Einschätzung von Jennsen etwa 38.000 selbst ernannte Versicherungsmakler, darunter tausende Mitarbeiter sogenannter Strukturvertriebe und Finanzoptimierer. Im Verband Deutscher Versicherungsmakler sind dagegen nur 620 Unternehmen mit zusammen 12.000 Mitarbeitern organisiert. Sie müssen in einem Aufnahmeverfahren bestimmte Qualitätskriterien erfüllen, die in den Statuten des Verbands niedergelegt sind. Insgesamt schätzt Jennsen die Zahl der Versicherungsmakler "nach unserem Berufsbild" auf bundesweit 2.000.
Die würden sich bei der Auswahl eines Produkts für Ihre Kunden an verschiedenen Kriterien orientieren:
- Preis- Leistungsverhältnis
- Kundenwünsche
- finanzielle Sicherheit des Versicherungsunternehmens
- Qualität der Schadenabwicklung (vor allem bei Sachversicherungen)
- Qualität der Geschäftsprozesse
Davon ausgehend kritisiert Jennsen nicht nur die Hitliste der bei Vermittlern beliebtesten Riester-Anbieter, sondern auch die Bewertungskriterien der "Stiftung Warentest" und anderer Verbraucherschutzorganisationen. Die würden die finanzielle Sicherheit von Anbietern vor allem im Lebensversicherungsbereich seiner Einschätzung nach nicht ausreichend in die Gesamtbewertung einfließen lassen. Dabei spiele diese vor allem bei privaten Rentenversicherungsprodukten eine wichtige Rolle, da die Verträge mit Anspar- und Auszahlphase über Jahrzehnte bestehen würden.
Makler-Courtage
Bleibt natürlich die Frage nach dem wirtschaftlichen Eigeninteresse eines Versicherungsmaklers. "Der Makler steht im Lager des Kunden", versichert Verbandschef Hans-Georg Jennsen im Gespräch mit ihre-vorsorge.de. Dennoch bekommt er den Lohn für die Vermittlung eines Versicherungsvertrags, die sogenannte Courtage", von der Versicherungsgesellschaft.
Ein Widerspruch?
Nicht für Jennsen. Seine Begründung: "Der Makler lebt nicht von der Courtage allein, sondern von der Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben." Hier komme die Qualität der Geschäftsprozesse beim Versicherer ins Spiel. Liefen diese reibungslos, könne auch eine niedrigere Courtage ein gutes Geschäft sein. Müsse der Makler dagegen bei der Vertragsabwicklung einen hohen Aufwand treiben, sei auch eine höhere Entlohnung schnell aufgebraucht.
Zudem seien die Unterschiede bei den von den einzelnen Gesellschaften gewährten Courtagen nicht sehr hoch. Sie bewegen sich nach Jennsens Einschätzung zwischen 25 und 44 Promille der Bewertungssumme eines Vertrags. Das ist eine Rechengröße, die sich aus der Summe der Beiträge während der Vertragslaufzeit (meist auf 30 Jahre begrenzt) ergibt.
Beispiel: Zahlt ein Riester-Sparer in 30 Jahren den maximal geförderten Betrag von 63.000 Euro (30 x 2.100 Euro) in einen Vertrag ein, erhält der Versicherungsmakler nach Jennsens Angaben zwischen 1.575 und 2.772 Euro für den Abschluss.
Letztlich spiele bei der Höhe der Maklercourtage auch der Arbeitsaufwand des Maklers eine Rolle. Je "schrankfertiger" ein Vertrag für die Versicherungsgesellschaft vorbereitet sei, desto besser sei die Entlohnung.
Wie einen Makler finden?
Ein "richtiger Versicherungsmakler" ist nicht leicht zu finden. Hans-Georg Jennsen verweist natürlich auf die Mitglieder seines Verbands, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllten. "Die Leute, die bei uns sind, beherrschen ihr Handwerk." Natürlich wolle er nicht ausschließen, dass auch außerhalb der Reihe des VDVM qualifizierte Versicherungsmakler arbeiteten, aber sie seien schwieriger zu finden.
Eine Absage erteilt der Verbandschef dem Allfinanzprinzip und den - wie er sagt "Finanzboutiquen". "Wir glauben, dass eine Person allein nicht mal den gesamten Versicherungsmarkt abdecken kann - wie soll sie dann die gesamte Finanzwelt überblicken?"
Weiterführende Informationen:
- www.vdvm.de

Internetseite des Verbands Deutscher Versicherungsmakler VDVM.
Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.




