Finanzen
08.09.10Heiter bis wolkig
Wirtschaftsforscher prognostizieren das Ende der Krise. Handel und Industrie weiter vorsichtig.

Berlin (dapd) Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft verliert im kommenden Jahr an Tempo, reißt aber nicht ab. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) rechnet für 2011 im Jahresvergleich mit einem Wachstum von 2,5 Prozent, nach knapp 3,5 Prozent in diesem Jahr. Grund für den Dämpfer seien die Sparmaßnahmen in zahlreichen europäischen Ländern infolge der europäischen Schuldenkrise, teilte das Institut am Dienstag mit. Weiterhin bedrohe die Gefahr einer wiederholten Rezession in den USA und in Japan die konjunkturelle Erholung.
Krise ist 2011 vorbei
Aus Sicht der Experten wird die deutsche Wirtschaft die Krise im nächsten Jahr jedoch endgültig hinter sich lassen. Mit dem Wachstumssprung in der ersten Jahreshälfte 2010 seien nahezu zwei Drittel des krisenbedingten Rückgangs aufgeholt worden. Die Dynamik sei vor allem der stark angestiegenen Nachfrage aus dem Ausland - allen voran China - zu verdanken, hieß es. Davon profitiert hätten insbesondere die deutschen Auto- und Maschinenbauer. Kräftig ausgeweitet worden seien aber auch die Unternehmensinvestitionen.
Die günstige Konjunkturentwicklung habe sich deutlich positiv auf dem Arbeitsmarkt niedergeschlagen. Die Zahl der Erwerbstätigen sei zuletzt wieder auf das Vorkrisenniveau gestiegen.
Handel sieht Vorkrisenniveau bereits wieder erreicht
Auch der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) bezeichnete 2010 als "absolutes Ausnahmejahr", das sich 2011 nicht wiederholen lasse. Für das laufende Jahr werde die optimistische Prognose von einem Wachstum um rund drei Prozent zwar im Wesentlichen bestätigt, sagte BGA-Präsident Anton Börner. Dieser Wert werde sich im nächsten Jahr allerdings auf 1,25 bis 1,5 Prozent halbieren.
Industrie mit weniger Aufträgen
Einen Dämpfer musste indes die deutsche Industrie im Sommer hinnehmen. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums ging der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe im Juli um 2,2 Prozent zurück. Im Vormonat waren - gestützt durch umfangreiche Großaufträge aus dem Schiff-, Flugzeug- und Schienenfahrzeugbau - die Bestellungen allerdings noch um 3,6 Prozent gestiegen. Die derzeit kräftigen Nachfrageschwankungen seien vor allem auf die Entwicklung der Großaufträge in der Investitionsgüterindustrie zurückzuführen, hieß es. In der Tendenz sei die Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen aber weiter aufwärtsgerichtet.
Im August wurde das Gesamtergebnis den Angaben zufolge vor allem durch "deutlich unterdurchschnittliche Großaufträge gedämpft". Aus dem Ausland nahm die Nachfrage um 3,7 Prozent und aus dem Inland um 0,3 Prozent ab.
Autor: Sarah Lena Grahn



