Interne Navigation: Zum Inhalt dieser Seite. | Zur Hauptnavigation. | Zum Beginn dieser Seite.
Seitenanfang
ihre-vorsorge.de: Eine Initiative der Regionalträger der Deutschen Rentenversicherung und der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See

Inhalt:

Gesundheit

03.01.12

Strukturen im Gesundheitswesen

Kosten zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Bad Homburg (kjs). In diesem Jahr wird die Gesundheitswirtschaft erneut wachsen. Diese positive Meldung basiert auf einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Zugleich kritisiert eine Unternehmensberatungsgesellschaft hohe Verwaltungs- und Bürokratiekosten im deutschen Gesundheitswesen.

Gesundheitswesen als Jobmotor

Der größte Stellenzuwachs im Vergleich zu anderen Branchen ist nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) im Jahr 2012 in der Gesundheitswirtschaft zu erwarten. In bestimmten Unternehmensbereichen wird sogar ein akuter Mangel an qualifizierten Fachkräften befürchtet. Die Gesundheitsbranche bleibt ein Jobmotor in Deutschland, so der Tenor des DIHK. Immerhin 28 Prozent der Firmen in der Gesundheitsbranche planen demnach, ihre Belegschaft in 2012 zu vergrößern.

Bürokratie im Gesundheitswesen

Zu gleichen Zeit greifen verschiedene Medien die Ergebnisse einer Studie auf, nach der 23 Prozent der Gesamtausgaben von 176 Milliarden Euro (2010) in der gesetzlichen Krankenversicherung auf bürokratische Strukturen im Gesundheitswesen zurückzuführen seien. In der Industrie liege dieser Anteil lediglich bei 6,1 Prozent. Als Ursache werden komplizierte Abläufe genannt, die zu zeitintensiven Verwaltungsaufgaben im Gesundheitswesen führten. In diesem Zusammenhang tauchen die komplexen Abrechnungs- und Dokumentationsverfahren bei Ärzten und in Krankenhäusern ebenso auf wie die Umsetzung der Praxisgebühr. Würden diese Strukturen schlanker organisiert, so die Unternehmensberatung – das geht natürlich nur mit einem entsprechenden Personalabbau im Gesundheitswesen einher –, so könnten rund 13 Milliarden Euro eingespart und der augenblickliche Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung von 15,5 auf 14,2 Prozent gesenkt werden.

Realitätsferne Kritik

Vorschnell haben einige Medien den vermeintlichen Schuldigen für diese Entwicklung der Verwaltungskosten gefunden: die Krankenkassen. Sie müssen als Synonym für das gesamte Gesundheitswesen und speziell für die Umsetzung der immer komplizierter werdenden Gesetzesvorgaben der Gesundheitspolitik herhalten. Zu Recht wehrt sich deshalb der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen gegen diesen Pauschalvorwurf. „Wenn wir in Deutschland Menschen genauso am Fließband behandeln würden, wie die Industrie Autos baut, könnten wir die Kosten für bürokratische Abläufe im Gesundheitswesen sicherlich auch auf 6,1 Prozent drücken – aber wer möchte schon so automatisiert behandelt werden?“

Verwaltungsaufwand bei der Gesetzgebung berücksichtigen

"Nach den Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums haben die gesetzlichen Krankenkassen in den ersten drei Quartalen des Jahres 2011 Verwaltungskosten in einer Größenordnung von fünf Prozent der Gesamtausgaben (133,7 Milliarden Euro) verursacht. Ihre Ausgaben liegen seit Jahren relativ konstant auf diesem Niveau. Zum Vergleich: In den ersten neun Monaten des Jahres 2011 sind für Krankenhausbehandlungen 33 Prozent, für ärztliche Behandlungen 18 Prozent und für Arzneimittel 17 Prozent angefallen.

Beispiel Zusatzbeiträge

Dass der Gesetzgeber für immer mehr Verwaltungsaufwand sorgt, ist am Beispiel der Zusatzbeiträge geradezu klassisch zu dokumentieren. Diejenigen Krankenkassen, die die Zusatzbeiträge noch im ersten Quartal 2012 von jedem einzelnen Mitglied einziehen müssen, können ein Lied von den dazu benötigten Verwaltungsaufwand singen. Deshalb ist die Forderung nach schlankeren Verwaltungsstrukturen durchaus berechtigt. Die Politik und die Verantwortlichen in den Fachministerien müssen den Bürokratieaufwand künftig schon im Gesetzgebungsverfahren wesentlich stärker im Blick haben. Hier trifft die Kritik alle Parteien der Bundesregierungen, die sich in der Vergangenheit nicht gerade als Meister des Bürokratieabbaus bewiesen haben. Dann relativieren sich auch schnell wohlgemeinte Sparappelle zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Autor: Karl-Josef Steden

Themenhinweise:

Beratung

  • Beratungsstellensuche

Interne Navigation: Zum Inhalt dieser Seite. | Zur Hauptnavigation. | Zum Beginn dieser Seite.