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Rente

06.10.11

Rentenpolitik: Experte fordert Umkehr

Winfried Schmähl zeigt Alternative zum "Paradigmenwechsel" von 2001 auf.

Bad Homburg (sth). Für die Rückkehr zu einer Rentenpolitik, bei der die gesetzliche Rente im Alter allein wieder den Lohnersatz sichert, hat sich der Wirtschaftswissenschaftler und Rentenexperte Winfried Schmähl (Foto) ausgesprochen. Die Behauptung, zu dem im Jahr 2001 eingeleiteten "Paradigmenwechsel" bei der Alterssicherungspolitik gebe es keine Alternative, sei "falsch", schreibt Schmähl in der Neuausgabe des "Handbuch der gesetzlichen Rentenversicherung". Schmähl ist neben dem Präsidenten der Deutschen Rentenversicherung Bund, Herbert Rische, und dem Jenaer Sozialrechtler Eberhard Eichenhöfer einer der Herausgeber des Handbuchs. Eine Zusammenfassung des Beitrags veröffentlichte am gestrigen Mittwoch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Obwohl die meisten Experten den Erhalt der Lohnersatzfunktion durch die gesetzliche Rente seinerzeit als nicht mehr "diskussionswürdig" bezeichnet hätten, sei dieses Ziel auch heute noch "unter realistischen Annahmen weitgehend mit den postulierten Obergrenzen für den Beitragssatz" zu erreichen, behauptet der langjährige Vorsitzende des Sozialbeirats der Bundesregierung. Allerdings müsse zu diesem Zweck die Hinterbliebenenversorgung künftig "aus dem Steueraufkommen und nicht aus den Beitragseinnahmen" bezahlt werden. 

Umfinanzierungskosten von 3,5 Prozentpunkten

Nach Schmähls Berechnungen entfallen derzeit rund 3,5 Prozentpunkte (vom derzeitigen Beitragssatz von 19,9 Prozent, Anm. d. Red.) auf die Finanzierung der gesetzlichen Hinterbliebenenrenten. Wenn diese künftig für die Alterssicherung zur Verfügung stünden, könne "mindestens zwei Jahrzehnte lang ein höheres als das bereits reduzierte derzeitige Leistungsniveau" in der Rentenversicherung erhalten bleiben. 

Der Gesetzgeber dürfe jedoch mit einer solchen "sozialpolitischen Weichenstellung" nicht mehr lange warten, warnt Schmähl. Denn das Rentenniveau sei bereits bis 2009 gegenüber dem früheren Ziel von 70 Prozent des im Erwerbsleben erzielten Nettolohns "um sieben Prozentpunkte (10 Prozent) gesunken". Deshalb müsse die jährliche Rentenanpassung künftig wieder allein an die Bruttolohnentwicklung bei den Beschäftigten und die Entwicklung des Rentenbeitragssatzes angebunden werden, fordert der Rentenexperte. Die seit 2002 eingeführten Dämpfungsfaktoren sollten dagegen entfallen.

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Autor: Stefan Thissen

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