Rente
03.02.12„Sonst wird der Konflikt nur vertagt“
SPD-Spitzenpolitiker Peer Steinbrück plädiert in der "Zeit“ für die Rente mit 67.

Bad Homburg (tw/sth). Die Rente mit 67 spaltet die SPD - und ihr Spitzenpolitiker Peer Steinbrück, einer der Favoriten für die Kanzlerkandidatur 2013, bezieht dazu eindeutig Position. In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" greift Steinbrück ein bereits 2010 erschienenes Argumentationspapier des früheren SPD-Vorsitzenden und Bundessozialministers Franz Müntefering auf, um die Notwendigkeit der Rente mit 67 zu betonen.
Müntefering hatte in seinem "Grundsatzpapier Demografischer Wandel und Fortschritt" geschrieben: "Wenn 2030 alle zwischen 20 und 64 Arbeit haben und Beiträge zahlen, müssen zwei monatlich für eine Rente aufkommen, 2050 ist die Relation 1,5:1. Das hat Auswirkungen auf die Rentenkasse. 1960 zahlten wir durchschnittlich 10 Jahre lang Rente pro Rentnerin oder Rentner. Heute 16-17 Jahre. 2030 sind es circa 20 Jahre lang. Tendenz steigend."
Steinbrück zitiert weiter: "Rentnerinnen und Rentner bekommen nicht weniger Rente sondern mehr, nicht pro Monat, aber in ihrem Leben. Finanzieren lässt sich das nur, wenn nicht nur länger oder mehr Rente empfangen, sondern auch mehr oder länger eingezahlt wird. Lange gab es den Trend, so früh wie möglich in Rente zu gehen, langsam kehrt er sich nun in eine vernünftige Richtung um.“
"Das hohe Gut des Sozialstaats wird bedroht"
Der frühere Bundesfinanzminister setzt diese Argumentationslinie nun fort: "In Generationen und Generationsverträgen gedacht, wird das hohe Gut des Sozialstaates schnell bedroht, wenn der Anpassungsdruck aus der demografischen Entwicklung ignoriert wird. Alleine die andauernde Verlängerung der Rentenbezugsdauer führt zu einer massiven Leistungsausweitung der gesetzlichen Rentenversicherung."
Steinbrück belegt seine These mit aktuellen Zahlen: "Das Berufseinstiegsalter ist seit den fünfziger Jahren, in denen viele mit 15 ins erste Lehrjahr gingen, inzwischen deutlich auf 23 Jahre gestiegen". Und zieht den Schluss: "Wenn die schrittweise Erhöhung des Rentenalters einfach ausgesetzt wird, ohne dass gleichzeitig auf anderem Wege die durchschnittliche Lebensarbeitszeit erhöht wird, dann wird der Verteilungskonflikt lediglich vertagt."
Auf ihrem Parteitag Anfang Dezember 2011 hatte die SPD beschlossen, die Anhebung der Altersgrenzen auszusetzen. Peer Steinbrück wurde seitdem von der SPD-Linken schon des öfteren wegen seiner Haltung zur Rente mit 67 kritisiert. Hilde Mattheis, Sprecherin der SPD-Linken, sagte beispielsweise der Berliner Zeitung: "Was Steinbrück fordert, hat wenig mit einer sozial gerechten Politik zu tun".
Weitere Informationen
- www.deutsche-rentenversicherung.de
Informationen zur Rente mit 67 finden Sie auch auf den Seiten der Deutschen Rentenversicherung. - Rente mit 67: Die Treppe zum Ruhestand wird länger
Link zur ihre-vorsorge.de-Grafik
Autor: Thomas Wolff



