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Soziales

25.01.12

Die Pflege neu denken

150 Experten diskutierten in München über die Perspektive der Pflege

Offenbach (fm). Beim SZ Forum Gesundheit an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München (KSFH) diskutierten mehr als 150 Experten aus dem Gesundheitsbereich, Pflegefachkräfte, Mediziner, Studierende und Verbandsvertreter am 18. Januar die Frage "Wohin geht die Pflege?".

Horrorszenario demografischen Wandel

"Mit dem demografischen Wandel wird ein Horrorszenario entworfen", erklärte Professor Bernd Reuschenbach, Stiftungsprofessor an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, in seinem Vortrag. Der demografische Wandel in Deutschland mit rückläufiger Geburtenrate, überproportionalem Anwachsen des Anteils älterer Menschen, einem vorprogrammierten Pflegeengpass und einer Unterversorgung Pflegebedürftiger sei ein Mythos, eine grafische Inszenierung, die von verschiedenen Gruppen für ihre Bedürfnisse genutzt werde.

Keine verlässlichen Zahlen zur zukünftigen Pflegemotivation

Der demografische Wandel sei kein Phänomen der Gegenwart, argumentierte Reuschenbach, sondern seit mehr als 150 Jahren ein wiederkehrendes Schreckgespenst gesellschaftspolitischer Diskurse. Verschiedene Lobbygruppen nutzten die Statistiken, Zahlen und Daten für ihre Interessen. "Wir müssen die Zahlen entzaubern und eine andere Sichtweise auf die Zukunftsszenarien für die Pflege entwickeln, denn es gibt keine verlässlichen Zahlen zur zukünftigen Pflegemotivation bei den Jüngeren", erklärte Professor Reuschenbach.

Zuwachs von ein bis zwei Pflegenden mehr pro Jahr und Heim

Nach einem Szenario steige in den Jahren von 2020 bis 2030 die Zahl der Pflegebedürftigen um 450.000 auf knapp 3,36 Millionen. Dies seien 45.000 Pflegebedürftige pro Jahr. Von den Pflegebedürftigen werde allerdings nur ein Drittel im Heim versorgt, also knapp 15.000 Personen, die sich auf die knapp 10.000 Heime verteilen. Dies bedeute einen Zuwachs von ein bis zwei Pflegenden mehr pro Jahr und Heim. Im Übrigen würden die Menschen im Alter gesünder. "Wenn wir die Anzahl an Pflegebedürftigen senken wollen, dann muss auch die Eigenverantwortung der Älteren gestärkt werden. Auch gesundheitspräventives Verhalten und barrierefreies Wohnen trügen maßgeblich zur Prävention einer Heimeinweisung bei. Der Beitrag der Medizin zur Gesundheitsvorsorge sei derzeit eher gering.

Pflegekammer ist erforderlich

Für Elisabeth Linseisen, Vorsitzende des Katholischen Pflegeverbandes, ist die fehlende Vertretung und mediale Präsenz der Pflege maßgeblich dadurch bedingt, dass nur wenige in den Berufsverbänden organisiert sind. Die Einrichtung einer Pflegekammer und damit die Mitgliedschaft aller Pflegenden würden einen wichtigen Beitrag für die Öffentlichkeitsarbeit und die Weiterentwicklung einer professionellen Pflegeversorgung leisten. Die Pflegekammer wäre ein fachlich kompetenter Ansprechpartner für Gesellschaft und Politik.

Akademisierung der Pflege

Eine Maßnahme, um die Bedeutung und Attraktivität der Pflegeberufe zu stärken und um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sei die Akademisierung. Der Arbeitsmarkt brauche akademisch ausgebildetes Personal, meinte Professor Christa Büker von der Hochschule München. In den USA verfügten bereits 50 Prozent des Pflegepersonals über eine akademische Ausbildung. Gerade bei den dualen Studiengängen gebe es einen großen Zuwachs.

Konsens  der Veranstaltung war, dass es notwendig ist, die unterschiedlichen Kompetenzen der Pflegenden auch in unterschiedlichen Bildungsniveaus abzubilden: Von Pflegeassistenten und beruflich ausgebildeten Gesundheits- und Krankenpflegern bis hin zum Bachelor, Master und Doktor der Pflegewissenschaften.

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