Rente und Pflege: Entgeltpunkte für Angehörige

Wer Angehörige ehrenamtlich pflegt, bekommt Entgeltpunkte auf dem Rentenkonto gutgeschrieben. Die Rentenversicherung rechnet die Pflegezeit als Beitragszeit.

Frau schiebt Mann im Rollstuhl draußen. – Bildnachweis: wdv.de © Jan Lauer

Pflegekasse zahlt Rentenbeiträge

Kommt es in der Familie zu einem Pflegefall, übernehmen meist Angehörige die Pflege – und geben dafür nicht selten ihren Beruf auf oder reduzieren ihre Arbeitszeit. Damit die Pflege nicht zulasten der eigenen Alterssicherung geht, zahlt die Pflegekasse der Pflegebedürftigen unter Umständen Rentenbeiträge für pflegende Angehörige, aber auch für andere ehrenamtliche Pflegepersonen, wie Nachbarn oder Bekannte.

Voraussetzungen

  • Die zu pflegende Person hat Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung und mindestens den Pflegegrad 2. Das hat der Medizinische Dienst der Krankenkasse entsprechend festgestellt.
  • Die Pflege ist keine berufliche erwerbsmäßige Tätigkeit.
  • Sie umfasst mindestens zehn Stunden pro Woche in häuslicher Umgebung, die auf regelmäßig mindestens zwei Wochentage verteilt sein müssen und das mindestens für zwei Monate im Jahr.
  • Die Pflegeperson arbeitet neben der Pflege maximal 30 Stunden in der Woche.
  • Der Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthaltsort der Pflegeperson ist in Deutschland, im Europäischen Wirtschaftsraum (EU-Staat, Norwegen, Liechtenstein, Island) oder in der Schweiz.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Pflegeperson eine finanzielle Anerkennung von dem/der Pflegebedürftigen erhält. Je nach Höhe kann die Pflegekasse allerdings prüfen, ob eine nicht erwerbsmäßige Pflege oder ein echtes Beschäftigungsverhältnis vorliegt.

So rechnet die Rentenversicherung

Die Rentenversicherung zählt die Pflegezeit als Beitragszeit. Sie wird als Wartezeit auf dem Versicherungskonto angerechnet und kann so dazu beitragen, die Mindestwartezeit für verschiedene Altersrenten zu erfüllen.

Zusätzlich dazu zahlt die Pflegekasse die Beiträge der Pflegeperson für die Rente. Die Pflegepersonen werden so gestellt, als würden sie ein Arbeitsentgelt zwischen 562,28 und 2.975 Euro (Stand 2017) erhalten. Daraus ergibt sich der Rentenanspruch. Die monatliche Rente für ein Jahr Pflege liegt je nach Aufwand und Grad derzeit zwischen etwa 5 und 30 Euro. Die Werte dafür werden jährlich neu festgelegt und entsprechend berechnet.

Wie hoch der persönliche Rentenanspruch genau ist und wie sich das auf die eigene Rente auswirkt, hängt davon ab, wie viele Stunden die Pflege umfasst und welchen Pflegegrad der oder die Pflegebedürftige hat. Dazu berät die Deutsche Rentenversicherung unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 1000 4800.

Kein Antrag nötig

Einen Antrag müssen Pflegepersonen bei der Rentenversicherung nicht stellen. Ob alle Voraussetzungen erfüllt sind, entscheidet die Pflegekasse. Sind sie erfüllt, werden Pflegende automatisch versicherungspflichtig. Sie müssen dann nur den „Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen“ ausfüllen.

Neue Regeln ab 2017 – mehr Angehörige profitieren

Die oben genannten Regeln gelten ab Januar 2017, seit das Pflegestärkungsgesetz in Kraft ist. Vorher galt: Die Pflege umfasst mindestens 14 Stunden pro Woche in häuslicher Umgebung und das länger als 60 Tage im Kalenderjahr.

Gleich geblieben ist, dass der Pflegebedürftige Anspruch auf Leistungen der Pflegekasse haben muss. Bis 2017 galt das ab Pflegestufe I. Durch das Pflegestärkungsgesetz wurden aber die bisherigen Pflegestufen I bis III durch Pflegegrade 1 bis 5 ersetzt. Und wer vorher die Pflegestufe 0 hatte, wird jetzt automatisch in Pflegegrad 2 eingeordnet. Damit haben die pflegenden Angehörigen dieser Personen auch Anspruch auf Rentenbeiträge durch die Pflegekasse.

Erklärvideo Pflegegrade: Was bringt die Reform?

Additions- und Mehrfachpflege

Additionspflege bedeutet, dass eine Person mehrere Pflegebedürftige pflegt, zum Beispiel eine Tochter sowohl Mutter wie auch Schwiegervater. Kommt sie dabei auf insgesamt mindestens 10 Stunden Pflege an mindestens zwei Tagen und arbeitet nebenbei nicht mehr als 30 Stunden, zählt das für die eigene Rente.

Mehrfachpflege heißt, dass sich mehrere Angehörige, Nachbarn und Bekannte die Pflege eines Pflegebedürftigen teilen, zum Beispiel teilen sich Geschwister die Pflege des Vaters. Auch das zählt für die Rente, wenn eines der beiden Geschwisterteile die Voraussetzungen erfüllt oder beide.

Nicht jeder wird anerkannt

Pflegende sind nicht rentenversichert, wenn sie

  • jünger als 15 Jahre sind
  • im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres oder Bundesfreiwilligendienstes pflegen
  • die eigentliche Pflegeperson wegen Urlaub oder Krankheit vertreten
  • die Pflege wegen einer Ordenszugehörigkeit ausüben
  • eine Altersrente, Pension oder ähnliche Altersversorgung beziehen.

Von der Rentenversicherung anerkannt sind Pflegepersonen auch dann, wenn sie neben ihrer Pflegetätigkeit Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld oder Ähnliches beziehen oder in Elternzeit sind. Wer Erwerbsminderungsrente bekommt, kann durch die Pflegetätigkeit die spätere Altersrente erhöhen.

Tipp: Pflegebedürftige sollten frühzeitig einen Antrag auf Leistungen bei der Pflegekasse stellen. Je früher das geschieht, desto früher bekommen pflegende Angehörige Rentenbeiträge für ihren Pflegeaufwand. Außerdem haben Pflegebedürftige die im häuslichen Umfeld von Angehörigen gepflegt werden, Anspruch auf Pflegegeld von der Pflegekasse.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Weitere Informationen gibt es auf www.deutsche-rentenversicherung.de oder unter der kostenlosen Servicenummer 0800 1000 4800.

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