Wahl ohne Qual
Private Riestersparer können wählen zwischen Rentenversicherung, Fonds- und Banksparplan. Hier geht es um ihre allgemeinen Vor- und Nachteile.
Möchte man herausfinden, welches Angebot quer durch die drei Produktsparten Rentenversicherung, Fonds- und Banksparplan fürs persönliche Sparziel am erfolgversprechendsten ist, vergleicht man:
- Renditen auf den Gesamtbeitrag mit Zulagen
- die Renditen auf den Eigenanteil des Beitragszahlers ohne Zulagen
- das Gesamtkapital bei Renteneintritt.
Diese drei Kategorien kann man direkt gegenüberstellen, nachdem man entsprechende Angebote eingeholt hat. Die anderen Kategorien lassen sich nicht so einfach vergleichen, weil sich Banken und Fondsgesellschaften auf der einen Seite und Versicherer auf der anderen Seite in der Rentenphase unterschiedlich verhalten.
a) Rentenversicherung
Eine private Rentenversicherung garantiert eine lebenslange Rente. Ein weiterer Vorteil der Versicherung liegt in der Garantieverzinsung. Allerdings sollten sowohl jüngere Riester-Sparer als auch ältere mit relativ wenigen Jahren bis zur Auszahlung ihre Nachteile gut abwägen gegenüber anderen Sparformen.
Bisher werden etwa 90 Prozent der Riesterprodukte als private Rentenversicherung abgeschlossen. Das hat damit zu tun, dass Fonds- und Banksparpläne bisher noch relativ selten angeboten werden. Dabei haben Rentenversicherungen Nachteile in der Kostenstruktur und der mangelnden Flexibilität, die sie nicht für jeden zur ersten Wahl machen. Sie bringen ihre beim Abschluss des Vertrags prognostizierte Rendite nur, wenn kontinuierlich Beiträge eingezahlt werden.
Vorsicht, Schwankungen
Heutige Erwerbsbiografien legen jedoch eher nahe, dass es Einkommensschwankungen gibt. Durch Zeiten von Arbeitslosigkeit oder durch Selbstständigkeit ohne gesetzliche Rentenversicherungspflicht wird der Anspruch auf den staatlich geförderten Riestervertrag unterbrochen. Da ein Riestervertrag nicht verfällt, ruht er. Das kann Jahre dauern, unter Umständen bis zum Auszahlungsbeginn mit 65. Die Kosten des Vertrags sind jedoch bereits bezahlt beziehungsweise fallen weiter an.
Möchte man den Vertrag in der Sparphase loswerden, hat er nur noch einen Restkaufswert und man verliert alle staatlichen Zuschüsse. Bei einem Vertragswechsel vermindern sich eventuell erzielte Erträge um Kosten für den alten und für den neuen Vertrag. Das kann man durch eine Vertragsvariante mildern, bei der die Kosten über die gesamte Vertragslaufzeit verteilt abgerechnet werden. Bei einem eventuellen Wechsel hat man weitgehend nur die Kosten gezahlt, die bis zum Wechsel angefallen sind. Meist aber werden alle Kosten einer privaten Rentenversicherung innerhalb der ersten fünf bis zehn Vertragsjahre abgegolten. Wer mit einem solchen Vertrag nach sechs bzw. elf Jahren den Vertrag oder den Versicherer wechseln möchte, verliert daher mehr Geld.
Die Stiftung Warentest rät daher: "Wählen Sie eine Rentenversicherung nur, wenn Sie die Beiträge voraussichtlich immer wie anfangs vereinbart zahlen können. Sonst könnten Sie übermäßig mit Kosten belastet werden. Wenn Sie damit rechnen, auch einmal weniger zu zahlen, auszusetzen oder den Anbieter zu wechseln, nehmen Sie lieber einen Riester-Banksparplan." (Finanztest 12/2006)
Immerhin wird zugestanden, dass die Versicherer das Geschäft mit der Altersversorgung bis zum Lebensende am besten beherrschen. Hier gebe es, anders als bei den Fonds und Banken, keine Unklarheiten bei der garantierten Rente, den Kosten in der Rentenphase und bei der Rente ab dem 85. Lebensjahr.
Garantiezins nur für Klassik-Rente
Nur eine klassische Riester-Rentenversicherung bietet wie alle Versicherungen bei Neuverträgen ab 2007 eine garantierte Verzinsung von 2,25 Prozent. Die beziehen sich allerdings nur auf den Sparanteil, der sich aus dem eingezahlten Betrag abzüglich der Kosten der Versicherung ergibt. Die Auszahlungssumme der klassischen Riester-Rente ergibt sich aus:
eingezahlten Beiträgen
minus Abschluss- und Verwaltungskosten
plus staatlichen Zulage(n) (Grundzulage plus eventuelle Kinderzulagen)
plus jährlicher Verzinsung
Alternativ werden sehr oft fondsgestützte Rentenversicherungen angeboten - nicht zu verwechseln mit einem Riester-Fondssparplan ((--> nächstes Kapitel)). Für diese Form der privaten Rentenversicherung gibt es keine garantierte Verzinsung. Stattdessen ist die Fonds-Rentenversicherung zum Beispiel an einen Aktienfonds gebunden. Wächst der Fonds, wächst auch die Verzinsung der Rentenversicherung. Macht der Fonds jedoch Minus, gibt es zusätzlich zu den üblichen Riester-Garantien aus eigenen Einzahlungen plus Staatszulagen nichts mehr dazu.
Ein weiterer Nachteil: Bei fondsgebundenen Versicherungen entstehen Kosten sowohl für die Versicherung als auch für die Fondsverwaltung. Ein schlechtes Geschäft für den Sparer. Fachleute raten daher: Entweder Versicherung oder gleich richtig Fondssparen.
b) Der Fonds-Sparplan
Das Lebensalter und damit, wie lange man noch sparen kann, entscheidet darüber ob ein Fonds die richtige Altersvorsorge ist. Im Alter sollte zumindest der Anteil sicherer Anlagen im Fonds gegenüber dem Aktienanteil zunehmen.
Fondssparpläne nach Riester empfehlen Finanzexperten einhellig für jüngere Altersvorsorge-Sparer. Grund: Eventuelle Abwärtsbewegungen der Aktienmärkte können bei einem weiteren Geldanlage-Horizont noch am ehesten ausgeglichen werden. So machten etwa die von der Stiftung Warentest Ende 2006 getesteten Riester-Fonds von großen Anbietern zwischen 2002 und September 2006 in allen Altersgruppen satte jährliche Renditen zwischen gut zwei bis über neun Prozent. Allerdings knickten die weltweiten Turbulenzen um den US-Immobilienmarkt allein den deutschen Aktienindex im August 2007 um nahezu zehn Prozent. Für jüngere Anleger ist das kein Malheur, denn sie behalten aus den Gewinnen der vergangenen Jahre trotzdem meist noch ein Plus und können auf den nächsten Aufschwung warten. Weniger gut verkraftet das Depot eines älteren Anlegers den Abschwung: Er hat ein deutliches Minus und bis zum Auszahlungstermin seines Riesterfonds unter Umständen nicht mehr genügend Zeit, damit ein weiterer Aufschwung die Rendite seines Sparplans erhöhen könnte.
Bei Fondsprodukten gibt es keine Mindestverzinsung der Einlagen wie bei einer klassischen Riester-Rentenversicherung. Daher kann es passieren, dass zu Beginn der Auszahlungsphase nicht mehr übrig bleibt, als das, was das Riester-Zertifikat garantiert: Das aus eigenen Beiträgen eingezahlte Kapital sowie die staatlichen Zulagen.
Altersabhängig wählen
Die Fondsanbieter berücksichtigen in der Regel die Tatsache, dass ein hoher Aktienanteil für ältere Riestersparer allzu riskant ist. Das heißt, sie fragen nach dem Alter der Anleger und je älter, desto mehr steigt zum Beispiel der risikoarme Anleiheanteil gegenüber dem riskanten Aktienanteil. Außerdem kann der Anleger meist noch selbst ein so genanntes Lebenszyklusmodell mit anderen Schwerpunkten wählen.
Unabhängig davon, in welche Fonds man investiert, am Ende der Ansparphase haben die Sparer die Wahl: Sie können sich auf Wunsch bis zu 30 Prozent ihrer Sparsumme auszahlen lassen. Aus dem Rest baut die Fondsgesellschaft ein Auszahlungskonzept. Das beinhaltet einen Entnahmeplan für monatliche Zahlungen bis zum 85. Lebensjahr und eine Rentenversicherung, die für die Zahlungen nach dem 85. Lebensjahr einspringt. Weil es hierzulande bisher noch keine Vorbilder gibt, muss man auf die Stärke und Seriosität der Fondsgesellschaft bauen, dass auch diese Rente noch sicher sein wird.
c) Der Banksparplan
Der Banksparplan hat kaum Nachteile. Leider wird er nicht allzu häufig angeboten. Auch die Vergleichbarkeit der Produkte ist nicht immer gegeben, das Banken und Sparkassen, die Gesamtrendite gern in Zinsen und Bonuszahlungen aufteilen.
Dennoch werden Banksparpläne von Finanzexperten immer wieder empfohlen, weil sie relativ zuverlässig neben dem eingezahlten Eigenkapital und den staatlichen Zuschüssen zu guten Zinsgewinnen führen. Weil sie zudem sehr sicher sind, bieten sie sich als ideales Produkt für Späteinsteiger in die Altersvorsorge an. Wer mit über 50 sein Geld anlegt, möchte nicht noch das Risiko eingehen, dass beispielsweise Gewinne durch einen Kurssturz an den Aktienbörsen kurz vor der Auszahlungsphase plötzlich verloren gehen.
Eine Marktübersicht in der Zeitschrift Finanztest zeigt aber, dass Banksparpläne gar nicht so leicht zu bekommen sind. Sie werden bislang nur von Sparkassen und Genossenschaftsbanken angeboten und nicht von den großen Banken. Allerdings muss man bei den meisten Geldinstituten nicht Kunde sein oder persönlich erscheinen, um einen Riester-Sparplan abzuschließen.
Wie wird's gerechnet?
Die Warentester zeigten außerdem, dass die meisten Geldhäuser ein recht kompliziertes und schwer durchschaubares System von Zins und Bonus ausgetüftelt haben. Daher kann man ihre Rendite nur schwer vergleichen. Wirklich transparent ist nur die Koppelung des Zinssatzes an die sogenannte Umlaufrendite. Das ist eine anerkannte Maßzahl für die Rendite von Bundeswertpapieren unterschiedlicher Laufzeiten. Der Kunde kann sie täglich im Wirtschaftsteil seiner Tageszeitung oder im Internet nachschlagen und weiß, wie sein Konto läuft.
http://www.boerse-stuttgart.de/renten/app/umrend.php
Bei aller Transparenz bleibt auch bei der Koppelung an die Umlaufrendite offen, wie sich der Riester-Banksparplan im Lauf der Jahre entwickelt. Es ist außerdem nicht gesagt, ob ein Bonussystem der Sparkasse oder die Koppelung an die Umlaufrendite bis zur Auszahlung das größte Plus bieten. Immerhin ist bisher mit den besten Sparplänen auf Sicht von 15 Jahren ein jährliches Zinsplus von über vier Prozent zu erwarten. Dabei haben sie meist keine Nebenkosten.
Noch mehr Vorteile
Es liegt in der Natur des Zinseszinses, dass erst der Zinssatz gegen Ende der Sparphase besonders entscheidend ist. Schließlich häuft man in einem Banksparplan seine jährlichen Beiträge plus staatlichen Zulagen allmählich an. Dazu kommen der Zins und eventuelle Boni.
Ein vorzeitiger Ausstieg oder Produktwechsel ist bei Riester-Banksparplänen problemlos möglich. Allerdings muss man auf etwaige Ausstiegskosten achten.
Auch für potenzielle Häuslebauer sind Riester-Banksparpläne maßgeschneidert. Sie können das Riester-Konto bei Bedarf für die Finanzierung nutzen, müssen das Geld aber ratenweise zurückzahlen.
Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.





