Risiko Inflation
Eine große Bedeutung für die Altersvorsorge hat die Inflation. Eine hohe Inflationsrate hindert Verbraucher am Sparen und vermindert die Kaufkraft im Alter.
Nach einer ersten Vorabschätzung der europäischen Statistikbehörde Eurostat von Ende Juli dürften die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent gestiegen sein. Dies wäre der höchste Wert seit Einführung des Euro 1999. Zum Vergleich: Die deutsche Teuerungsrate für Juni beträgt 3,3 Prozent.
Die Inflation wirkt in zweierlei Richtungen: Sie entwertet das Ersparte und erschwert die Altersvorsorge. Vor allem Geringverdiener-Haushalte leiden unter dem Kostendruck. Während Gutverdiener und der Mittelstand mit Einsparungen an anderer Stelle den Kostendruck kompensieren können, fehlt Geringverdienern das Sparpotential. Das gilt vor allem dann, wenn Lohn- und Gehaltszuwächse hinter der Inflationsrate bleiben. In den ersten drei Monaten dieses Jahres war das der Fall: Die Bruttomonatsverdienste von Vollzeitbeschäftigten sind zwar nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes durchschnittlich um 2,8 Prozent auf 3.064 Euro gestiegen. Der Verbraucherpreisindex erhöhte sich aber im selben Zeitraum um 2,9 Prozent und somit um 0,1 Prozent stärker als die Verdienste.
Sparer, die für die Zeit nach dem Job sparen, müssen mindestens die Inflation schlagen, damit sich ihre Anlage lohnt. Dabei ist Kaufkraftverlust nicht zu unterschätzen, wie zwei Beispiele zeigen:
Beispiel 1: Herr Kaiser ist heute 52 Jahre alt und möchte mit 67 in Rente gehen. Für seine Zusatzversorgung schließt er heute ein private Rentenversicherung mit einem prognostiziertem Auszahlungswert von Euro 800 pro Monat ab. Was wird sich Herr Kaiser künftig mit dieser Rente leisten können? In fünfzehn Jahren verfügt die prognostizierte Auszahlung nur noch über eine Kaufkraft von 594 Euro - hat also knapp ein Viertel der Kaufkraft eingebüßt, wenn eine jährliche Inflationsrate von rund zwei Prozent unterstellt wird. Bei einer Inflation von drei Prozent sinkt die Kaufkraft sogar auf 513 Euro sowie auf 384 bei einer Inflationsrate von fünf Prozent.
Beispiel 2: Je länger Inflationsraten am Ersparten zehren, desto schlechter - wie ein zweites Beispiel deutlich zeigt. Hätte Herr Kaiser die gleiche Rentenversicherung bereits im Alter von 37 Jahren, also 30 Jahre vor Rentenbeginn, abgeschlossen, sähe die Rechnung wie folgt aus: Bei der derzeit üblichen Inflationsrate von zwei Prozent hätte sich die Kaufkraft mit 433 Euro fast halbiert. Bei drei Prozent Inflation bleiben 320 Euro sowie bei 5 Prozent mit 176 Euro nur noch knapp ein Fünftel der heutigen Kaufkraft.
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Altersvorsorge-Sparer müssen die Inflation in ihre Überlegungen einbeziehen und dabei bedenken, dass die Inflation auch nach Renteneintritt an ihrem Erspartem nagt - die durchschnittliche Rentenbezugszeit beträgt nach neuesten Daten 17,4 Jahre. Dabei ist die Inflation nur ein Posten: Steuern und Sozialabgaben müssen auch einkalkuliert sein.
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