Im Fokus / 15.01.2015

Aber bitte mit Zulagen – der Riester-Zulagenantrag

Erst die staatlichen Zulagen machen aus der Riester-Rente eine Rendite-Rente. Kinderzulage und Grundzulage machen diese Altersvorsorgeform für viele attraktiv. Optimieren Sie Ihren Riester-Vertrag so, dass Sie das Maximum an staatlicher Förderung herausholen. Beim Ausfüllen der Zulagenanträge hilft ihre-vorsorge.de.

Bleistift und Taschenrechner – Bildnachweis: shutterstock.com © sebra

Inhalt

Zulagen: Wer kriegt sie und wie viel?

In der Regel erhalten alle, die Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen, auch die staatlichen Zulagen zum Riester-Vertrag. Auch Beamte, Richter und Soldaten gehören zum Kreis der Förderberechtigten.

Eine genaue Auflistung der Förderberechtigten finden Sie in der Ausfüllhilfe. Der Staat zahlt jedem Riester-Sparer eine Grundzulage von derzeit 114 Euro im Jahr. Für jedes kindergeldberechtigte Kind gibt es eine zusätzliche Kinderzulage von 138 Euro. Ab 2008 erhöht sich die Kinderzulage auf 185 Euro. Für Kinder, die ab 2008 geboren werden, sollen sogar 300 Euro Kinderzulage fließen, so der Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD.

Während der ersten 36 Monate erhalten Mütter in der gesetzlichen Rentenversicherung Kindererziehungszeiten angerechnet. Das führt dazu, dass sie einen Anspruch auf Riester-Zulagen haben, auch ohne erwerbstätig zu sein. In dieser Zeit müssen sie einen Mindesteigenbetrag von jährlich 60 Euro zahlen. Nach diesen drei Jahren besteht nur noch eine „mittelbare Zulagenberechtigung“.

Mittelbar zulagenberechtigt: Hat der Ehepartner einen Riester-Vertrag abgeschlossen, sind Sie „mittelbar zulagenberechtigt“ auch wenn Sie keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen. Voraussetzungen: Sie leben nicht dauerhaft getrennt von Ihrem Ehepartner und Sie haben einen eigenen riesterfähigen Altersvorsorgevertrag abgeschlossen. In diesem Fall müssen Sie auch keine eigenen Beiträge zahlen, das Riester-Vorsorgevermögen wächst allein aus den Zulagen. Allerdings muss der Partner den Mindesteigenbeitrag von 60 Euro im Jahr in seinen Vertrag einzahlen.

Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Die eigene Sparleistung

Die volle Zulage fließt nur, wenn drei Prozent (ab 2008: vier Prozent) des sozialversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens in den Riester-Vertrag eingezahlt werden.

Das ist viel Geld, aber der Staat hilft, in dem Sie die Zulagen einrechnen dürfen – auch die, die Sie für die Kinder bekommen!

Berechnung der Sparleistung

Berechnung Beispiel
Familie, Alleinverdiener, 33.000 Euro Vorjahreseinkommen, 1 Kind
Eigene Sparleistung 738 Euro
+ staatl. Zulagen 252 Euro
(114 Grundzulage + 138 Kinderzulage)
= 3 Prozent des Einkommens = 990 Euro

Tipp: Wenn Sie und Ihr Partner über einen Riester-Vertrag verfügen, darf sich ein Elternteil die Kinderzulagen anrechnen. Beispiel: Beide Eltern verfügen über einen Riester-Vertrag und haben drei Kinder. Bei der Berechnung der eigenen Sparleistung darf ein Elternteil sich 528 Euro „gutschreiben“ (3 mal 138 Euro + 114 Euro). Die Kinderzulagen werden nur für einen Berechtigten gezahlt.

Wie hoch Ihr Eigenanteil sein muss, um die Zulagen voll erhalten zu können, zeigt Ihnen unser Förderrechner Riester-Rente. Können Sie die geforderte eigene Sparleistung nicht aufbringen, werden die Zulagen entsprechend gekürzt.

Steuern: Beiträge zur Riester-Rente können auch steuerlich im Rahmen des Sonderausgabenabzugs abgesetzt werden. Der maximale Sonderausgabenabzug beträgt 2007 1.575 Euro. Der Sonderausgabenabzug lohnt sich vor allem für Besserverdiener, die hohe Steuern zahlen müssen.

Zulagen-Tricks

Sie wollen in den Genuss der staatlichen Zulagen kommen, sind aber nicht förderberechtigt, etwa weil Sie selbständig sind oder keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen? Dann sind vielleicht folgende Zulagen-Tricks für Sie interessant:

Aufstockung: 400 Euro-Jobs sind für den Arbeitnehmer sozialabgabenfrei. Sie zahlen weder Krankenversicherungs-, Pflege-, Arbeitslosenversicherungs- noch Rentenversicherungsbeiträge. Verzichten Sie auf einen Teil der Sozialabgabenfreiheit! Dann zahlen Sie die Differenz zwischen dem was der Arbeitgeber sowieso zahlt (nämlich 15 Prozent) und dem derzeitigen Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung (19,9 Prozent), also 4,9 Prozent. Bei einem Monatsverdienst von 400 Euro sind das 19,60 Euro, bei einem 300 Euro-Verdienst nur 14,70 Euro. Dadurch erhalten Sie einen Anspruch auf die Riester-Zulagen und noch mehr: Der Aufstockungsbetrag erhöht im geringen Umfang die spätere Rente und Ihnen werden so genannte Pflichtbeitragszeiten gutgeschrieben, die wichtige Anspruchsvoraussetzungen für viele Rentenarten und -leistungen sind (zum Beispiel Rehabilitation nach schwerer Krankheit). Sie schlagen also mehrere Fliegen mit einer Klappe!

Abgeleitete Förderung: Der Umstand, dass Ehepartner von Anspruchsberechtigten ebenfalls Riester-Zulagen erhalten, lässt sich nutzen. So kann ein eigentlich nicht förderungsberechtigter Selbständiger seine Frau auf Minijob-Basis einstellen, die zahlt Aufstockungsbeiträge, ist direkt zulagenberechtigt und er in der Folge mittelbar zulagenberechtigt. So kassieren beide Zulagen, wenn sie Riester-Verträge abschließen. Wichtig: Es muss sich um ein wirkliches Arbeitsverhältnis handeln. Dazu gehört ein Arbeitsvertrag, Urlaubsanspruch, die Dokumentation von Anwesenheitszeiten und dass die Entlohnung auf ein eigenes Konto des Angestellten fließt.

Der Zulagenantrag

Egal wo Sie einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben, Sie erhalten immer einen Zulagenantrag zugeschickt. Er ist einer der Grundlagen für die Berechnung der Zulagen – nehmen Sie sich also Zeit für das Ausfüllen, es lohnt sich.

Sie benötigen meist folgende Dokumente:

  • Die Vertragsunterlagen, wie Sie Ihnen vom Kreditinstitut, der Fondsgesellschaft oder der Versicherung zugeschickt wurden, zwecks Kontrolle der Angaben.
  • Die „Meldung zur Sozialversicherung nach der DEÜV“ aus dem Vorjahr (eine Aufstellung Ihrer Sozialversicherungsbeträge, die Sie vom Personalbüro erhalten). Sie ist in den meisten Fällen die Grundlage zur Berechnung der Sparbetrags. Außerdem können Sie aus ihr Ihre Sozialversicherungsnummer entnehmen. Sind Sie mittelbar zulagenberechtigt, benötigen Sie auch die Sozialversicherungsnummer des Ehepartners.
  • Einen Einkommensteuerbescheid, aus dem Sie die Steuernummer und das zuständige Finanzamt entnehmen können.
  • Soll eine Kinderzulage beantragt werden, benötigen Sie einen Kindergeldbescheid, um die zuständige Familienkasse sowie die Kindergeldnummer angeben zu können.
  • Beamte, Richter und Berufssoldaten verfügen über keine Sozialversicherungsnummer. Sie müssen über ihre Besoldungsstelle eine Zulagennummer beantragen. Das Formular erhalten Sie bei der Besoldungsstelle.

Darüber hinaus können weitere Dokumente nötig sein. Etwa wenn Sie Entgeltersatzleistungen (Arbeitslosen- oder Krankengeld) beziehen oder in Altersteilzeit arbeiten. Alle weiteren Schritte entnehmen Sie bitte unserer Ausfüllhilfe.

Dauerzulagenantrag: Unter „H“ können Sie aus dem Antrag einen Dauerzulagenantrag machen. Damit müssen Sie nicht jedes Jahr erneut die Zulagen beantragen, das macht Ihr Riester-Vertragspartner für Sie in den Folgejahren automatisch. Das spart viel Arbeit, kann aber auch Nachteile mit sich bringen, wie Claudia Weidig von der Deutschen Rentenversicherung Unterfranken erklärt: „Bei einem Dauerzulagenantrag sollte man beachten, dass man alle Änderungen – seien sie beruflicher oder familiärer Art – dem Anbieter melden sollte. Das ist ganz wichtig, damit Sie keine Zulagen verschenken.“

Kinderzulage: Für die Kinderzulage(n) müssen weitere Blätter ausgefüllt werden. Die Kinderzulage ist an das Kindergeld geknüpft. Für Kinder ab Geburtsjahrgang 1983 wird Kindergeld seit 2007 nur noch bis zur Vollendung des 25. und nicht mehr bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres gezahlt. Für den Geburtsjahrgang 1982 gilt das 26. Lebensjahr.

Entfällt die Kindergeldberechtigung, muss das dem Riester-Vertragsanbieter mitgeteilt werden, die Zulagen entfallen dann ab dem folgenden Jahr. Die Kinderzulage erhält automatisch die Mutter, soll die Zulage an den Vater fließen, muss das im Antrag vermerkt werden.

Im Antrag muss angegeben werden, von wo das Kindergeld kommt: Arbeitnehmer erhalten es in der Regel von der Familienkasse der Arbeitsagentur, im öffentlichen Dienst ist es der Arbeitgeber und bei Beamten ist es die Besoldungsstelle. Die ebenfalls abgefragte Kindergeldnummer findet sich unter Verwendungszweck auf dem Kontoauszug oder im erstmaligen Bescheid.

Zweifelsfragen

Der Teufel liegt im Detail. Hier ein paar Antworten auf drängende Fragen rund um das Riester-Sparen. Und sollten noch Fragen offen sein, verraten wir Ihnen am Ende des Textes vier Anlaufstellen für Ihr Anliegen.

Müssen Beamte ihren Zulagenantrag schneller stellen?

Nein, das war nur früher so. Heutzutage können sich Beamte genau so viel Zeit lassen wie alle anderen Förderberechtigten auch – der Zulagenantrag muss also spätestens zwei Jahre nach dem Jahr, für das die Zulagen gezahlt werden sollen, schriftlich eingereicht werden. Ratsam ist das lange Warten nicht, schließlich gibt es auch auf die Zulagen Zinsen.

Wird ein Riester-Vertrag samt Zulagen vererbt?

Stirbt der Inhaber eines Riester-Vertrags, kann der nicht dauerhaft getrennt lebende Ehepartner das Riester-Vermögen (bestehend aus selbst angespartem Kapital, Zinsen und Zulagen) erhalten – vorausgesetzt, er steckt das Geld in einen eigenen Riester-Vertrag. Andere Erben müssen die staatliche Förderung und die Steuervorteile zurückzahlen.

Ich bin mit meinem Riester-Vertrag nicht zufrieden und will wechseln – was passiert mit meinen Zulagen?

Die Zulagen sollten mit „umziehen“ in den neuen Vertrag – also gleich wieder einzahlen!

Ich habe das Geld nicht mehr für Einzahlungen in meinen Riester-Vertrag – was tun?

Meist lohnt sich eine „Beitragsfreistellung“, dann muss der Sparer keine Beiträge mehr einzahlen, erhält allerdings auch keine Zulagen mehr. Für diese „Beitragsfreistellung“ kann der Anbieter aber ein Entgelt verlangen. In der Regel ist die Beitragsfreistellung aber günstiger als die Kündigung des Vertrags.

Ich kann meine Zulagen auf zwei Riester-Verträge aufteilen, was bringt mir das?

Wenig, denn in diesem Fall müssen auch zwei mal Verwaltungs- und Vertriebskosten gezahlt werden.

Ich habe in dem Jahr, für das ich jetzt Zulagen beantragen will, nur teilweise sozialversicherungspflichtig gearbeitet. Erhalte ich die Zulagen jetzt nur anteilig?

Nein. Mit den Monaten der Sozialversicherungspflicht sind Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung geflossen. Deswegen haben Sie ein Anrecht auf die Zulagen. Deren Höhe richtet sich nach dem, was Sie in den Vertrag eingezahlt haben. Ob Sie zum Beispiel drei Monate lang kein Einkommen erzielten, ist egal.

Kann man den Dauerzulagenantrag wieder stornieren?

Ja, durch einen formlosen aber schriftlichen Widerruf, adressiert an den Vertragsanbieter. Der Widerruf macht etwa dann Sinn, wenn in Zukunft stark schwankende Einkommen zu erwarten sind. Beispiel Jobwechsel: Erhält ein Arbeitnehmer künftig Provisionen, wird sein Einkommen sich von Jahr zu Jahr ändern. In diesem Fall müsste er sowieso jedes Jahr den Dauerzulagenantrag ändern. Kündigt er den Dauerzulagenantrag, erhält er jedes Jahr einen Zulagenantrag zugesandt.

Ich bin arbeitslos. Darf die Arbeitsagentur an mein angespartes Riester-Vermögen?

Nein, das Riester-Vermögen samt der Zulagen ist „Hartz-sicher“. Es wird bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes 2 zumindest in der Ansparphase nicht angerechnet

Ich bin arbeitslos. Auf welcher Basis wird mein Eigenanteil berechnet?

Auch das Arbeitslosengeld 1 oder 2 gelten als Einkommen, müssen also bei der Berechnung des Eigenanteils berücksichtigt werden. Der Mindesteigenanteil beträgt derzeit für alle unmittelbar Zulagenberechtigten 60 Euro im Jahr.

Wird eine Riester-Rente auf eine eventuelle Grundsicherung angerechnet?

Ja, nach Abzug der Freigrenzen. Die Berechnung nimmt das Grundsicherungsamt vor.

Wir sind im Oktober Eltern geworden und haben jetzt Anrecht auf die Kinderzulage. Bekommen wir sie nur anteilig für Oktober, November und Dezember oder erhalten wir die volle Zulage?

Glückwunsch im doppelten Sinne: Einmal zum Kind und zweitens zu vollen Zulagen.

Ich wage den Schritt in die Selbständigkeit. Was bedeutet das für meinen Riester-Vertrag, erhalte ich weiterhin die Förderung?

Das kommt darauf an: Wenn Sie als Selbständiger weiterhin rentenversicherungspflichtig sind (zum Beispiel kraft Gesetzes oder auf Antrag), sind Sie auch weiterhin zulagenberechtigt. Das gilt nicht, wenn Sie freiwillige Beiträge zahlen oder keine Beiträge.

Letztes Jahr habe ich durch einen Rechenfehler einen zu niedrigen eigenen Sparanteil in den Riester-Vertrag eingezahlt. Kann ich den Fehler noch irgendwie wettmachen? Die Zulagen sind noch nicht geflossen.

Nein, das geht nicht. Deswegen der Tipp: Spätestens im November die „Meldung zur Sozialversicherung“ aus dem Vorjahr zur Hand nehmen und nachrechnen, ob die im aktuellen Jahr geflossenen Beiträge ausreichen, um die vollen Zulagen zu erhalten (derzeit drei Prozent vom Vorjahresbrutto). Fehlende Beträge dann mit einer Einmaleinzahlung ausgleichen.

Wer hilft mir bei weiteren Fragen?

Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung helfen bei allen Fragen rund um die gesetzliche Rente, Riester-Rente oder betrieblichen Altersvorsorge. Ein Termin in einer der über 1.000 Beratungsstellen ist oft schon kurzfristig möglich (Beratungsstellensuche). Das Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung erreichen Sie kostenlos unter 0800 1000 48 00. Über eine solche Hotline verfügt auch die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen, die die Ausschüttung der Zulagen managt (Telefon: 0800 1000 48 040). Die Ausfüllhilfe für den Zulagenantrag erhalten Sie hier. Im Expertenforum auf dieser Internetseite erhalten Sie ebenfalls kostenlosen Rat.

Film: Tipps für den Zulagenantrag

Wer sich die staatliche Förderung für die Riester-Rente nicht entgehen lassen will, muss einen Zulagenantrag ausfüllen. Der Film zeigt Ihnen, was Sie alles beachten müssen.

Die Deutsche Rentenversicherung berät nicht nur rund um die gesetzliche Rente, sondern auch über Möglichkeiten der privaten Vorsorge. Hierzu zählt die Riester-Rente. Sie lohnt sich vor allem für Familien. Sie können zusätzlich zu der Grundzulage eine Kinderzulage beantragen. Aus dem Zulagen-Formular können Sie einen Dauerzulagenantrag machen – dann stellt Ihr Vertragsanbieter (die Bank, Fonds- oder Versicherungsgesellschaft) jedes Jahr automatisch einen Antrag auf die staatliche Förderung – das spart viel Schreibarbeit. Aber Achtung: Wer keine Zulagen verschenken will, muss sein Riester-Konto im Auge behalten, wie unser Film zeigt...

Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Autorenbild

Autor

Michael J. John