Aktuell beleuchtet / 15.04.2016

Betriebsrente – mehr Last als Vorsorge?

Die Betriebsrente ist gerade wieder in der politischen Diskussion – gleichzeitig gibt es viele Vorbehalte ihr gegenüber. Was ist wirklich dran?

Hand auf einer Computermaus – Bildnachweis: wdv © Blümler, Frank

Die Betriebsrente gilt als eines der wirksamsten Instrumente gegen Altersarmut, weil sie mit staatlicher Förderung dabei hilft, eine zusätzliche Altersversorgung aufzubauen. Die Funktionsweise ist denkbar einfach: Teile des Gehalts fließen in eine Alterssicherung – entweder wandelt der Arbeitnehmer dafür Gehaltsansprüche um oder der Arbeitgeber übernimmt die Beitragszahlung ganz oder teilweise.

Je nach Art der betrieblichen Altersvorsorge – dem sogenannten Durchführungsweg – bleiben diese Zahlungen ganz oder zum Teil steuer- und sozialabgabenfrei. Hört sich gut an, aber es gibt auch Kritik an der betrieblichen Altersvorsorge – zu Recht? ihre-vorsorge schaut genauer hin. 

Machen Abgaben im Alter die Betriebsrente unattraktiv?

Die staatliche Förderung der Betriebsrente während des Erwerbslebens führt im Alter zu einer nachgelagerten Besteuerung – mit anderen Worten: Im Alter wird die Betriebsrente besteuert, bei gesetzlich Versicherten werden zudem Beiträge für die Krankenkasse fällig.

Der Vorwurf der Kritiker: Die Förderung ist eine Mogelpackung, weil die Abzüge im Alter die Förderung der Ansparphase aufzehren und die Betriebsrente unattraktiv machen. Tatsächlich müssen Betriebsrentner damit leben, dass in der Rentenphase Abgaben fällig werden - Privatversicherte müssen immerhin keine Krankenkassenbeiträge abführen.

Dass die Abgaben allerdings die Betriebsrente insgesamt unattraktiv machen, ist eine Einschätzung, die nicht stehen bleiben kann: Die Attraktivität hängt nicht nur von der staatlichen Förderung ab, die mehr als Anreiz zu verstehen ist, aktiv zu werden in puncto privater Altersvorsorge. Zudem ist die Abgabenlast im Alter meist deutlich geringer als im Erwerbsleben. Ein entscheidendes Element ist die Rendite, die die Altersvorsorge erzielen kann. Und beides zusammen – Förderung und Rendite – macht die Betriebsrente zu einer insgesamt sicherlich eher attraktiven Vorsorge. 

Betriebsrente - lohnt sich das denn wirklich?

Das Argument des Sich-nicht-Lohnens wird bei vielen Altersvorsorgemodellen ins Feld geführt – ob nun gefördert oder nicht: Hintergedanke der Argumentation ist dabei immer, dass die zugesicherte Rente viel zu niedrig sei im Verhältnis zum angesparten Kapital.

Was viele dabei vergessen: Zum einen muss die Rente lebenslang garantiert werden, diese Sicherheit kostet Geld – außerdem steigen die Renten in der Regel während der Rentenbezugszeit an. Und zum anderen sorgt ja gerade die staatliche Förderung dafür, dass eben zur Verrentung überhaupt erst mehr Kapital zur Verfügung stehen kann als bei einer nicht geförderten Vorsorge – schon deshalb lohnt es sich, auf eine geförderte Vorsorge zu setzen. Häufig wird gemutmaßt, man müsse 80 und älter werden, damit sich eine Betriebsrente lohnt. Genau das kann auch ein Grund für die Betriebsrente sein: Sie lohnt sich eben, weil die Versicherten auch mit 90 noch eine Rente sicher haben. 

Ist private Vorsorge nicht attraktiver?

Es gibt drei Säulen der Altersvorsorge: Neben der gesetzlichen Rente gehören dazu die private und die betriebliche Altersvorsorge. Sie lassen sich schwerlich gegeneinander aufwiegen. Jeder muss für sich und seine Vorsorgeziele die richtige Lösung treffen: Wer vor allem Kapital aufbauen will, wird eine andere Lösung brauchen als jemand, der es auf eine möglichst attraktive Rente abgesehen hat. Und jemand, der staatliche Förderung in Anspruch nehmen möchte, hat andere Optionen als einer, dem das nicht wichtig ist. Am Ende aber arbeiten beide Systeme – private und betriebliche Altersvorsorge – mit vergleichbaren Produkten, Garantieversprechen und Überschüssen – das eine Modell ist deshalb abstrakt kaum als attraktiver einzuschätzen als das andere.

Die Betriebsrente ist nur etwas für Besserverdiener

Wirft man einen Blick auf die Wege der Förderung, zeigt sich, dass das nicht stimmen kann: Spendiert der Chef die Betriebsrente, profitieren Top-Verdiener und Geringverdiener gleichermaßen. Für jeden eingezahlten Euro erwerben sie vergleichbare Rentenansprüche.

Wird Gehalt für die Betriebsrente umgewandelt, greift das Prinzip der steuerlichen Leistungsfähigkeit: Wer mit 80.000 Euro Jahresgehalt einen steuerlichen Bonus bekommt, spart natürlich mehr Steuern als jemand, der 18.000 Euro verdient. Aber das ist auch nur selbstverständlich, weil der Besserverdiener auch deutlich mehr Steuern zahlt.

Bei Geringverdienern, so ein weiteres Argument, würden die späteren Leistungen zudem auf die Grundsicherung angerechnet. Das stimmt, allerdings gilt das auch für jede andere Form von privatem Vermögen – mit der Grundsicherung im Hinterkopf würden also weder Altersvorsorge noch Sparen an sich sinnvoll sein. Hier muss auch individuell eine Lebensentscheidung getroffen werden: Möchte ich vorsorgen, dann kann die betriebliche Altersvorsorge der richtige Weg sein – und vielleicht ist es ja ein Schritt in die richtige Richtung, der später hilft, keine Grundsicherung in Anspruch nehmen zu müssen. 

Die Betriebsrente kürzt staatliche Leistungen

Natürlich wirkt sich die Betriebsrente vor allem bei der Gehaltsumwandlung auf andere staatliche Leistungen aus. Grund ist die Funktionsweise: Wird Gehalt umgewandelt, wird der Beitrag direkt aus dem Bruttogehalt bezahlt, es werden weniger Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung sowie zur Krankenkasse abgeführt. Damit sinkt auch der Anspruch auf gesetzliche Rente, auf Arbeitslosengeld und Krankengeld in dem Maße, in dem auf Gehalt und damit auf Beiträge zu den Sozialkassen verzichtet wird.

Auch wenn die gleichzeitige Steuerersparnis das nicht immer wettmachen kann, bauen Versicherte aber mit dem Kapital weitere Ansprüche auf – zum Beispiel auf eine zusätzliche Altersvorsorge. Fakt ist aber auch: Die – wenn auch kleinen – Lücken bei Arbeitslosen- und Krankengeld müssen selbst geschlossen werden. 

Arbeitgeber wollen keine Betriebsrenten

Das ist wirklich ein Gerücht, das vor allem darauf fußt, dass der Mehraufwand für die Arbeitgeber immens sein soll. Tatsächlich aber ist eine attraktive Zusatzversorgung in vielen Unternehmen nicht mehr wegzudenken – und das nicht nur, weil natürlich auch die Unternehmen Sozialabgaben sparen.

Vor allem aber zeigt eine Betriebsrente soziale Kompetenz und Verantwortung auf Seiten der Firma – und die Betriebsrente ist mittlerweile ein wichtiges Entscheidungskriterium auf dem Arbeitsmarkt. Und Mehraufwand bedeuten betriebliche Altersvorsorgelösungen selten, weil in der Regel die Versicherungswirtschaft die Abwicklung komplett übernimmt. 

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Autor

Oliver Mest