Aktuell beleuchtet / 23.04.2013

Ein Herz für alle Kinder

Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare und Anwälte können ihrem Versorgungswerk „fremdgehen“ und sich Kindererziehungszeiten bei der Deutschen Rentenversicherung sichern.

Frau spielt mit 3 Kleinkindern auf dem Boden auf einem Spielteppich mit Spielzeug. – Bildnachweis: wdv.de © Michael Völler

Manche berufsständischen Versorgungswerke können derzeit eine gute Rente bieten. Bei der Anerkennung von Kindererziehungszeiten für die Rente hapert es allerdings bei den Versorgungswerken. Hier können berufsständisch versicherte Eltern sogar von der gesetzlichen Rentenversicherung profitieren und zusätzliche Leistungen fürs Alter bekommen – allerdings nur auf Antrag. Das gilt übrigens auch für Beamte aus den alten Bundesländern, die vor 1992 Eltern geworden sind. 

Wer kann denn Mitglied in einem Versorgungswerk werden?

Das betrifft unter anderem Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare und Anwälte, also die so genannten Kammerberufe. Sie können sich in den Versorgungswerken ihres jeweiligen Berufsstandes versichern. Für die Angehörigen dieser Berufe besteht ebenfalls eine Versicherungspflicht – aber eben nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern in ihrem jeweiligen Versorgungswerk. Die Versorgungseinrichtungen bieten recht gute Leistungen bei der Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenversorgung – aber in einem Punkt gibt es eine große Lücke: bei der Bewertung von Kindererziehungszeiten. Hier hat die gesetzliche Rentenversicherung ein großes Plus. 

Was sind Kinderziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung wert?

Für Kinder, die derzeit zur Welt kommen, werden für die Mütter (oder Väter) bei der gesetzlichen Rente drei Jahre als Pflichtbeitragszeiten angerechnet. Für Geburten vor 1992 zählt es nur ein Jahr. Die Kindererziehungsjahre werden als reguläre Beitragszeiten gewertet. Der erziehende Elternteil wird so gestellt, als ob er in dem betreffenden Jahr den Durchschnittsverdienst aller Versicherten erzielt hätte. Drei Jahre Erziehungszeit erhöhen nach heutigen Werten die West-Rente um gut 84 Euro pro Monat und die Ost-Rente um knapp 75 Euro. 

Und das bieten die Versorgungswerke nicht?

Nein. Die Versorgungswerke bieten in puncto Kindererziehungszeiten durchweg wenig – und manche auch gar nichts. Der Gesetzgeber hat jedoch nach einem Urteil des Bundessozialgerichts berufsständisch Versicherten, die eigentlich von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreit sind, die Möglichkeit gegeben, Kindererziehungszeiten bei der gesetzlichen Rentenversicherung anerkennen zu lassen. Das geht immer dann, wenn die berufsständische Versicherung weniger bietet als die gesetzliche. 

Dann gibt es für sie so etwas wie eine „Kinder-Rente“?

Ja. Allerdings nicht automatisch. Die Rentenversicherung weiß ja gar nicht, wer davon als Mutter oder Vater betroffen ist. Zudem muss in jedem Einzelfall geprüft werden, ob in der jeweiligen Versorgungseinrichtung die Kindererziehungszeit tatsächlich geringer bewertet wird als in der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Betroffenen müssen daher einen Antrag auf Anerkennung der Kinderziehungszeiten stellen. 

Reicht das, um später eine Rente zu bekommen?

Das kommt darauf an. Zwei Kinder, die ab 1992 geboren wurden, bringen insgesamt sechs Versicherungsjahre. Das reicht, um später eine Rente – in Höhe von rund 150 Euro (neue Länder) bzw. knapp 170 Euro (alte Länder) – zu bekommen. Zwei Kinder, die vor 1992 geboren wurden, bringen insgesamt jedoch nur zwei Versicherungsjahre – das langt noch nicht. Denn die reguläre Altersrente gibt es nur für diejenigen, die mindestens fünf Versicherungsjahre nachweisen können. Also muss das Rentenkonto noch aufgefüllt werden. Das funktioniert auch mit freiwilligen Beiträgen. 

Können auch berufsständisch Versicherte freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen?

Das geht. Hier gilt seit August 2010 ein neues Recht. Die Betroffenen können freiwillige Beiträge einzahlen, um die fünfjährige Wartezeit für die reguläre Altersrente zu erfüllen. Im Prinzip reicht es dabei, den Mindestbeitrag einzuzahlen. Das sind derzeit 85,05 Euro pro Monat. Dieser Beitrag gilt in den alten und neuen Bundesländern. Gerade für diejenigen, die kurz vor dem Rentenalter stehen, kann es sich allerdings lohnen, deutlich mehr einzuzahlen. Möglich sind bis zu 1096,20 Euro im Monat. Drei Viertel der Einzahlung können von der Steuer abgesetzt werden. 

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Autor

Rolf Winkel