Im Fokus / 02.06.2016

Freie Krankenhauswahl

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten Krankenhaus-Navis. Damit kann man sich das passende Krankenhaus – beispielsweise – für eine Hüftoperation suchen. Doch haben gesetzlich Versicherte überhaupt die freie Wahl? Oder braucht man dafür eine private Zusatzversicherung?

Schwester am Krankenbett eines Patienten. Bildnachweis: Getty Images © Morsa Images

Inhalt

Paragrafen: schwammig

Die gesetzlichen Regelungen zur Krankenhauswahl in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind leider schwammig und dringend anpassungsbedürftig. Auf dem Papier drohen – theoretisch – Patienten, die sich per Krankenhaus-Navi in die für sie passende Klinik navigieren, sogar Mehrkosten. Wie gesagt: Auf dem Papier.

Die Regelungen zur gesetzlichen Krankenversicherung finden sich im fünften Sozialgesetzbuch (SGB V). Zur Krankenhauswahl gibt es dort eine irritierende Formulierung, die auch durchweg von den privaten Krankenkassen beziehungsweise Zusatzversicherungen als Argument ins Feld geführt wird. Dort heißt es:

„Wählen Versicherte ohne zwingenden Grund ein anderes als ein in der ärztlichen Einweisung genanntes Krankenhaus, können ihnen die Mehrkosten ganz oder teilweise auferlegt werden“ (Paragraf 39 Abs. 2).

Um die Bedeutung dieses Satzes zu verstehen, muss man sich allerdings die bis Anfang des letzten Jahrzehnts geltende Art der Krankenhausvergütung anschauen: Bis Ende 2003 wurden allgemeine Krankenhausleistungen über krankenhausindividuelle Pflegesätze vergütet, die je Tag des Krankenhausaufenthaltes zu zahlen waren. Damit bestand damals ein Anreiz, Patienten möglichst lange im Krankenhaus zu behalten – etwa auch noch übers Wochenende.

Im Zusammenhang mit dem Thema „freie Krankenhauswahl“ ist aber ein anderer Aspekt wichtig: Die Pflegesätze der einzelnen Krankenhäuser unterschieden sich erheblich. Daher war es für die Krankenkassen bis Ende 2003 auch unter finanziellen Gesichtspunkten ausgesprochen wichtig, in welchem Krankenhaus die Versicherten behandelt wurden. Doch das ist Schnee von vorgestern. Damals kam es bei Wahl eines "falschen" Krankenhauses tatsächlich unter Umständen zu etlichen tausend Euro an Mehrkosten.

Heute gelten Fallpauschalen

Doch seit 2004 ist die Abrechnung nach Fallpauschalen für alle somatischen Krankenhäuser verpflichtend (also Kliniken, die sich mit „körperlichen“ Leiden beschäftigen). Grundsätzlich gilt inzwischen: Eine Hüftoperation, eine Blinddarmentfernung oder eine Bypass-OP kostet in allen Krankenhäusern, die gesetzlich Versicherten offenstehen etwa gleich viel – es sei denn der Krankenhausaufenthalt ist besonders kurz oder besonders lang.

Als Differenzierungen sind inzwischen lediglich die so genannten Landesbasisfallwerte geblieben. Die allgemeinen Krankenhäuser eines Bundeslandes rechnen ihre Leistungen zu einem landeseinheitlichen Preisniveau (Landesbasisfallwert) ab. Diese Basisfallwerte unterscheiden sich noch immer – allerdings nur geringfügig. Die Höhe des LBFW verhandeln die Landesverbände der Krankenkassen und die Landeskrankenhausgesellschaften jedes Jahr auf Grundlage des jeweiligen Bundesbasisfallwertes.

De facto sieht es allerdings so aus, dass 2016 in 11 der 16 Bundesländer identische Landesbasisfallwerte (LBFW) gelten. Diese liegen bei 3.278,19 Euro. In vier Ländern gelten höhere LBFW. Am höchsten ist der Wert in Rheinland-Pfalz mit 3.465,02 Euro.

Das bedeutet: Wenn ein gesetzlich Versicherter sich statt in Köln in Koblenz beispielsweise einer Hüftoperation unterzieht, fällt diese teurer aus. Lässt ein Rheinland-Pfälzer sich in Köln operieren, fällt die OP entsprechend billiger aus. Drei andere „Abweicher-Länder“ weisen nur geringfügig höhere LBFW auf als die elf Länder mit identischem Wert.

Die Kostenunterschiede, die die Behandlung von Patienten in unterschiedlichen Krankenhäusern verursacht, sind inzwischen verschwindend gering. Überwiegend treten selbst bei Wahl eines Krankenhauses in einem anderen Bundesland überhaupt keine höheren Kosten, häufig sogar geringere Kosten auf. Unterm Strich dürften sich für die Krankenkassen Kostenentlastungen und Mehrkosten, die durch die Wahl eines ggf. in einem anderen Bundesland gelegenen Wunschkrankenhauses die Waage halten.

Fazit: Kostenunterschiede gibt es heute bei der Krankenhausbehandlung kaum noch. Die gesetzliche Regelung zur Auferlegung von Mehrkosten bei einer „falschen“ Krankenhauswahl geht angesichts der weitgehend identischen Kosten ins Leere.

Praxis: freie Auswahl

Theoretisch können Versicherten bei einer „falschen“ Krankenhauswahl geringe Mehrkosten auferlegt werden. Doch was gilt in der Praxis? Eine Umfrage gibt gesetzlich Versicherten Entwarnung.

Die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebene Zeitschrift „Soziale Sicherheit“ (SozSich) hat zum Thema „freie Krankenhauswahl“ eine Umfrage bei den 14 größten gesetzlichen Krankenkassen durchgeführt, bei denen derzeit fast 60 Prozent der gesetzlich Versicherten abgesichert sind. Das Ergebnis lautet: Mehrkosten werden Versicherten nicht auferlegt. Einschränkungen der freien Krankenhauswahl gibt es für gesetzlich Versicherte de facto nicht.

Die Ergebnisse im Einzelnen: Alle 14 angeschriebenen Kassen haben die Fragen der SozSich-Redaktion beantwortet. Generell ging es dabei darum, welche Konsequenzen folgende Regelung von Paragraf 39 Abs. 2 SGB in der Praxis hat: „Wählen Versicherte ohne zwingenden Grund ein anderes als ein in der ärztlichen Einweisung genanntes Krankenhaus, können ihnen die Mehrkosten ganz oder teilweise auferlegt werden.“

Inrechnungstellung möglicher Mehrkosten

Bei der Frage der Mehrkosten wurden mögliche höhere Fahrkosten, die durch die Wahl eines weiter entfernten Krankenhauses entstehen, von vornherein ausgeklammert. Die Fahrkostenübernahme wird im SGB V an anderer Stelle (in Paragraf 60 SGB V) geregelt. Die Mehrkostenklausel in Paragraf 39 Abs. 2 bezieht sich auf die Klinikvergütung.

Die Frage nach möglichen Mehrkosten wurde von 11 der 14 angeschriebenen Kassen klar verneint. So schrieb die AOK Niedersachsen: „Nein. Die Krankenhauskosten eines behandelnden, im Krankenhausplan aufgenommenen Krankenhauses werden übernommen. Privatkliniken bleiben jedoch ausgeschlossen.“ Noch kürzer fasste sich die AOK Plus: „Den Versicherten werden grundsätzlich keine Mehrkosten auferlegt. Besonders spartanisch fiel die Antwort der KKH aus. Sie bestand aus einem einfachen „Nein“.

Besonders schwer tat sich bei dieser Frage die Techniker Krankenkasse. Sie beantwortet die Frage mit einem „Zwar - Aber“: „Grundsätzlich nein. Eventuell könnte es im Einzelfall zu einer Kostenbeteiligung kommen, wenn der Kunde die Behandlung in einem anderen (teureren) Bundesland plant. Aufgrund der derzeit geringen Preisunterschiede ist dies aber unwahrscheinlich.“ Auf Nachfrage erklärte die TK, dass entsprechende Fälle nicht bekannt seien, dass das SGB V durch die „Kann-Regelung“ zu den Mehrkosten den Kassen ja einen Ermessensspielraum gebe. Da sei es rechtlich problematisch, sich auf eine generelle Nicht-Erhebung von Mehrkosten festzulegen.

Vergleichbar gewunden fiel die Antwort der AOK Nordost aus. Diese erläuterte zunächst ausführlich die (bekannte) Rechtslage, ohne jedoch eine prinzipielle Festlegung zu treffen. Immerhin erklärte die Kasse: „Uns ist aber kein Fall bekannt, in denen von Versicherten der AOK Nordost derartige Mehrkosten gefordert wurden.“

Ähnlich antwortete auch die Knappschaft, die ebenfalls eine prinzipielle Festlegung vermied, gleichwohl aber erklärte: „Fälle, in denen die Knappschaft in diesem Zusammenhang ihren Versicherten Mehrkosten für die allgemeine Krankenhausbehandlung in Rechnung gestellt hat, liegen bisher nicht vor.“

Regelung zum „zwingenden Grund“ spielt keine Rolle

Paragraf 39 Abs. 2 regelt, dass Mehrkosten Versicherten nur dann auferlegt werden können, wenn diese keinen „zwingenden Grund“ für ihre „abweichende“ Wahl eines Krankenhauses haben. Da die Krankenkassen zumindest in der Praxis generell keine Mehrkosten in Rechnung stellen, spielt die Frage des „zwingenden“ Grundes keine Rolle. Die Krankenhauswahl des Versicherten wird – soweit er denn keine Privatklinik wählt – generell akzeptiert, ohne nach dem Grund zu fragen. Auch die Techniker Krankenkasse, die ja eine prinzipielle Festlegung vermeidet, erklärt, dass diese Frage nur „theoretisch“ eine Rolle spielt.

Die AOK Nordost beschäftigt sich dagegen mit der Frage, was solche zwingenden Gründe sein könnten. Sie führt die „Entfernung des Krankenhauses von den nächsterreichbaren Verwandten, bei Kindern von Bezugspersonen, religiöse Bedürfnisse oder die Berücksichtigung von angemessenen Wünschen der Versicherten“ an. Ob eine Prüfung des „zwingenden Grundes“ durch die Krankenkasse vorgenommen wird, erklärt sie allerdings nicht. Angesichts der Tatsache, dass der AOK Nordost kein Fall bekannt ist, in dem Mehrkosten in Rechnung gestellt wurden, erscheint dies jedoch außerordentlich unwahrscheinlich.

Zusatzversicherung: Angebote und Preise

8,3 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten haben eine private Zusatzversicherung fürs Krankenhaus. Was das kostet und was dafür geboten wird.

Bei der privaten Krankenhauszusatzversicherung handelt es sich um ein prosperierendes Marktsegment. Die Daten hierzu werden jährlich vom Verband der Privaten Krankenversicherungen e.V. zusammengetragen. Nach den letzten vorliegenden Daten aus dem Jahr 2014 wurden damals 5,87 Millionen Zusatzversicherungen registriert. Die Beitragseinnahmen beliefen sich auf 5,2 Milliarden Euro. Mehr als 15 Prozent der Beitragseinnahmen der privaten Krankenversicherung entfielen damit auf die Sparte Krankenhauszusatzversicherungen.

Die Zahl der privaten Krankenhaus-Zusatzversicherungen lag 2004 noch bei 4,8 Millionen und ist seitdem Jahr für Jahr moderat angestiegen. 2004 hatten 6,8 Prozent der damals 70,3 Millionen gesetzlich Versicherten eine solche Zusatzversicherung. 2014 waren es bei ebenfalls insgesamt 70,3 Million GKV-Versicherten schon 8,3 Prozent.

Der durchschnittliche Monatsbeitrag lag 2005 bei 54,31 Euro und ist seitdem kontinuierlich angestiegen auf zuletzt 73,86 Euro. Die Beiträge variieren dabei je nach Abschlussalter. Wer eine entsprechende Versicherung im höheren Alter abschließt, wird keine günstigen Angebote mehr finden. Nach einer Marktanalyse der Stiftung Warentest vom Herbst 2015 variierten die Angebote damals für einen 43-jährigen gesunden Modellkunden zwischen 40 und 77 Euro im Monat.

Leistungen der Zusatzversicherung

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei einem stationären Krankenhausaufenthalt die Kosten für allgemeine Krankenhausleistungen. Hierzu gehört die ärztliche Behandlung, die pflegerische Versorgung, die Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln, Unterkunft und Verpflegung. Dabei fällt allerdings für Versicherte seit 2004 eine Zuzahlung von 10 Euro täglich für maximal 28 Tage im Jahr an.

Gesetzlich Versicherte haben keinen Rechtsanspruch auf eine Behandlung durch einen bestimmten Arzt, sie haben auch keine Wahlmöglichkeiten hinsichtlich des Krankenzimmers. Wenn ein Krankenhaus beispielsweise überwiegend Vier-Bett-Zimmer hat, muss ein gesetzlich Versicherter die Zuweisung eines solchen Zimmers akzeptieren. Manche Versicherte erhoffen sich von der Behandlung durch einen Chefarzt beziehungsweise Arzt ihrer Wahl bessere Ergebnisse und andere sind daran interessiert, in jedem Fall in einem Ein- oder Zweibettzimmer aufgenommen zu werden. Dies kann durch eine private Krankenhauszusatzversicherung gesichert werden (wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dass in immer mehr Regionen ohnehin auch das Zweibett-Zimmer für gesetzlich Versicherte zum Standard wird).

Diese beiden Leistungen „Ein- beziehungsweise. Zweibettzimmer“ und „Chefarztbehandlung“ sind die Kernleistungen aller privaten Krankenhauszusatzversicherungen. Andere Leistungen sind um diesen Kern herumgruppiert. So kann es beispielsweise bei Verzicht auf die Option "Chefarzt" oder „Ein-Bett-Zimmer“ als eine Art von Entschädigung hierfür ein kalendertägliches Tagegeld geben.

Klar ist allerdings bei allen Angeboten: Diese satteln auf Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung auf. Das bedeutet: Wer in einer reinen Privatklinik behandelt werden möchte, die keinen Vertrag mit den gesetzlichen Krankenkassen hat, muss – wenn er die Kosten nicht als Selbstzahler tragen will – schon eine private Vollversicherung besitzen (was für Versicherungspflichtige nicht in Frage kommt).

Eine private Zusatzversicherung kommt für solche Behandlungen nicht oder nur zu kleinen Teilen auf. Das wird in den Versicherungsbedingungen (VB) der Zusatzversicherungen auch – wenn auch mit unterschiedlichen Formulierungen – durchweg so kommuniziert.

Private: missverständliche Werbung

Die Werbung der meisten privaten Krankenzusatzversicherungen ist irreführend: So versprechen sie überwiegend eine „freie Krankenhauswahl“ und die Übernahme von Mehrkosten, die gesetzlich Versicherten bei Wahl des „falschen“ Krankenhauses entstehen. Die Redaktion der Zeitschrift "Soziale Sicherheit" spricht von „Mogelpackungen“.

Ein zentrales Ergebnis der Auswertung: Bei 22 von 31 Angeboten wird mit der „freien Krankenhauswahl“ geworben, die die Zusatzversicherungen bieten wollen. Überwiegend wird dies als zentrales Leistungsversprechen angeführt.

Dabei ist klar: Das Spektrum der wählbaren Krankenhäuser wird durch den Abschluss einer Zusatzversicherung nicht um einen Deut größer – und ist mit rund 1.800 von insgesamt von 1.980 Kliniken nun auch nicht klein. Freie Klinikwahl besteht für gesetzlich Versicherte ohnehin. Das wird letztlich auch – wenn man aus der Ebene der Werbung in die „Tiefe“ der Versicherungsbedingungen absteigt – von den privaten Krankenhauszusatzversicherungen durchweg so kommuniziert. So heißt es bei der HUK: „Erfolgt für die stationäre Heilbehandlung keine Leistung durch die GKV, so entfällt die Erstattung nach diesem Tarif“. Mit anderen Worten: Wo die „Gesetzliche“ nicht leistet, gibt es auch keine oder (bei manchen Angeboten) nur rudimentäre Leistungen der „Privaten“.

Einige Beispiele zur Werbung der „Privaten“: Die Versicherungskammer Bayern (Bayrische Beamtenkrankenkasse) gibt als Leistungsversprechen „Freie Krankenhauswahl: Jederzeit“. Überwiegend wird die freie Krankenhauswahl als Leistungsmerkmal betont, das die privaten Zusatzversicherungen gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung auszeichnet.

So heißt es bei der Allianz: „Sie wählen selbst das Krankenhaus und müssen sich nicht, wie von der gesetzlichen Krankenkasse vorgesehen, in der nächstgelegenen Klinik behandeln lassen.“

„Mehrkosten-Klausel“ im SGB V wird von Privaten werbemäßig ausgeschlachtet

Im SGB V findet sich noch immer die Regelung, dass gesetzlich Versicherten von ihrer Krankenkasse Mehrkosten in Rechnung gestellt werden können, wenn sie sich nicht an die Krankenhauswahl des Arztes halten, der sie in die Klinik eingewiesen hat. Diese veraltete Regelung hat heute keinerlei faktische Relevanz mehr.

Solche Mehrkosten werden nach Aussage der 14 größten gesetzlichen Krankenkassen nicht erhoben. Doch diese Regelung bietet den privaten Versicherern die Möglichkeit, ein Leistungsversprechen zu geben, das de facto mit keiner Leistung verbunden ist.

In 24 der 31 untersuchten Angebote privater Krankenhauszusatzversicherungen findet sich denn auch eine entsprechende Formulierung. Die Concordia verspricht: „Mehrkosten, die entstehen, wenn ein anderes als in der ärztlichen Einweisung genanntes Krankenhaus gewählt wird (Paragraf 39 Abs. 2 SGB V), werden ebenfalls erstattet.“

Bei den Mannheimer Versicherungen heißt es: „Auch wenn Sie sich für ein anderes Krankenhaus als das in der ärztlichen Einweisung genannte entscheiden, übernehmen wir die verbleibenden Restkosten, sofern die gesetzliche Krankenkasse vorleistet.“

In den Versicherungsbedingungen (VB) der HUK-Coburg – und in den VB vieler anderer Versicherer – findet sich die Formulierung: „Erstattungsfähig sind die Mehrkosten, die nach Vorleistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verbleiben, zu 100 Prozent, wenn ein anderes als das in der ärztlichen Einweisung genannte Krankenhaus in Deutschland gewählt wird.“ Die Zusage der Erstattung von 100 Prozent der (nicht vorhandenen) Zusatzkosten klingt gut und kostet nichts.

Korrekt werbende Versicherer

Fünf der untersuchten 31 Angebote verzichten allerdings auf schönfärbende Werbung und stellen klar ihre tatsächlichen Kernangebote – also Ein- beziehungsweise Zweibettzimmer und Chefarztwahl – in den Vordergrund. Dies sind die Krankenhauszusatzversicherungen der Debeka, Pax-Familienangehörige, Landeskrankenhilfe (LKH), die Alte Oldenburger und die Gothaer.

Die Debeka erklärt beispielsweise schlicht und einfach: „Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei einem stationären Krankenhausaufenthalt lediglich die Kosten für allgemeine Krankenhausleistungen abzüglich der vom Versicherten zu leistenden Zuzahlungen. Wir bieten gesetzlich Versicherten zusätzliche Leistungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen nicht abgedeckt werden: gesondert berechenbare ärztliche Behandlung durch Chefärzte und die gesondert berechenbare Unterkunft im Ein- oder Zweibettzimmer.“

Wenn Tests in die Irre führen

Leider stützen sich private Versicherer bei ihren vielfach unseriösen Leistungszusagen in privaten Krankenhauszusatzversicherungen auf eine Reihe von Veröffentlichungen – doch die sind veraltet oder nicht zutreffend.

So war Ende 2012 in einem Verbrauchermagazin zu lesen: „Gesetzlich Krankenversicherte erhöhen mit einer Zusatzversicherung aber auch ihre Freiheit bei der Klinikwahl. Denn die Kasse übernimmt nur die Kosten für das nächstgelegene geeignete Krankenhaus. Will jemand stattdessen zum Beispiel von einem renommierten Spezialisten in einer bestimmten Universitätsklinik operiert werden, ist sie nicht verpflichtet, den Aufpreis für das teurere Krankenhaus zu tragen. Fast alle Zusatzpolicen übernehmen die Mehrkosten, wenn Versicherte ein teureres als das nächste Krankenhaus aufsuchen.“

Die Information ist aber veraltet: Krankenhäuser sind nicht „teurer“, wenn dort ein renommierter Spezialist operiert, genauso wenig wie Mehrkosten auferlegt werden. Die Feststellung galt nur für den Zeitraum vor 2004, ist also "Schnee von vorgestern".

Noch irritierender ist ein Test zur Krankenhauszusatzversicherung, wenn das Kriterium „freie Krankenhauswahl ohne Mehrkosten“ in die Bewertung einfließt. Denn dann erfahren Angebote, die eine Selbstverständlichkeit bewerben, eine Aufwertung.

Leser sollten also genau in die Bewertungskriterien schauen.

Wahlhelfer: Krankenhaus-Navis

Alle großen gesetzlichen Krankenkassen bieten auf ihren Internetseiten sogenannte Krankenhaus-Navis an. Diese helfen gesetzlich Versicherten, ein zur Behandlung ihrer jeweiligen Gesundheitsprobleme gut geeignetes Krankenhaus auszuwählen.

Die Kassen stützen sich bei ihren Navis auf die von dem Projekt „Weisse Liste“ ausgewerteten Qualitätsberichte der Krankenhäuser sowie auf Patientenbefragungen. Hinter dem Projekt stehen die Bertelsmann-Stiftung sowie Patienten- und Verbraucherorganisationen.

Die offiziellen Qualitätsberichte bieten unter anderem Daten darüber, wie häufig an bestimmten Krankenhäusern Operationen durchgeführt wurden und welchen Erfolg die Behandlungen hatten. Solche strukturierten Qualitätsberichte müssen alle Krankenhäuser, die für gesetzlich Krankenversicherte in Frage kommen, inzwischen jährlich abgeben.

Dazu gehören auch Privatkliniken, mit denen gesetzliche Krankenkassen einen Versorgungsvertrag abgeschlossen haben, nicht jedoch die zirka 180 Privatkliniken, mit denen kein solcher Vertrag besteht. Für diese Krankenhäuser besteht keine Verpflichtung Qualitätsberichte abzugeben.

In der Patientenbefragung geht es um die Beurteilung der fachlichen Kompetenz durch die Betroffenen, um die Beziehung zu Ärzten und Pflegepersonal, den Service, den Behandlungserfolg und vor allem wird die Bereitschaft erhoben, das Krankenhaus weiterzuempfehlen.

Wichtig dabei: Die Navis sind jeweils frei zugänglich, also nicht nur für Versicherte der jeweiligen Kassen, sondern auch für privat Krankenversicherte.

Der Einleitungstext der „Checkliste Krankenhausaufenthalt“, der auf den Internetportalen der Krankenkassen und der Weissen Liste zu finden ist, stellt dabei Fragen wie diese: „Welche Klinik ist für eine bestimmte Behandlung besonders gut geeignet? Wie häufig wird diese dort durchgeführt und mit welchem Erfolg? Wie spezialisiert sind die Ärzte? Und wie ist die Klinik ausgestattet?“

Diese Verbrauchernähe der Krankenversicherungen ist kein Zufall, sondern entspricht auch den Interessen der Kassen: Nichts kommt die Kassen teurer zu stehen als schlecht durchgeführte Operationen, die dann wieder Folgekosten nach sich ziehen. Daher ist es ausdrückliches Ziel der Navis, die freie Krankenhauswahl zu fördern.

Wenn Hüftoperationen etwa in einer Hamburger Klinik bestmöglich durchgeführt werden, dann ist es nicht nur im Interesse der Patienten sondern auch im Interesse der Krankenkasse, dass die OP dort durchgeführt wird. Soweit, dass dann auch noch die dem Patienten zusätzlich entstehenden Fahrtkosten erstattet werden, sind die Kassen allerdings noch nicht. Für die meisten Versicherten dürfte dieser Aspekt allerdings nicht entscheidend sein.

Wir haben bei Erstellung dieses Dossiers den Gesundheits-Navi der AOK genutzt. Denn dieser bietet – bezogen auf ausgewählte OP-Eingriffe – Zusatzdaten.

Viele Navis sind ähnlich aufgebaut. Einige bieten aber Zusatznutzen oder eine breitere Datenlage. So informiert das AOK-Navi auf Grundlage von Routinedaten für AOK-Versicherte, die automatisch vom Krankenhaus an die Kasse übermittelt werden, ob nach einer Operation im Krankenhaus Komplikationen bei bestimmten Eingriffen aufgetreten sind und eine erneute Operation erforderlich war.

Navi nutzen – So geht es

Am Beispiel des 70-jährigen Rentners Hans S., wohnhaft in einem kleinen Ort in Süddeutschland, wird deutlich, wie Versicherte die beste Klinik für ihre Bedürfnisse finden.

Herr S. hat uns über seine erfolgreiche Aneurysma-Operation in Heidelberg berichtet. Dabei handelt es sich um eine gefährliche Aussackung der Bauchschlagader. Er ist in der Techniker-Krankenkasse (TK) versichert.

Medizinische Bezeichnung eingeben

Die Navis fordern Sie zunächst auf, Ihre Krankheit beziehungsweise die angestrebte Operation einzugeben und verlangen dazu die medizinische Bezeichnung.

Beispiel: Sie geben „Aneurysma“ ein. Da die Bezeichnung nicht völlig eindeutig ist, werden nun in allen Navis verschiedene Möglichkeiten angezeigt. In den Navis finden Sie übrigens auch einen Befund-Dolmetscher.

Regional eingrenzen

Nach der Krankheitsangabe können Sie nun ihre Suche regional eingrenzen. Sie können Ihre Postleitzahl eingeben und darüber hinaus, in welcher Entfernung von Ihrem Wohnort sich das Krankenhaus befinden soll. Bei einer komplizierten Operation kann es nicht schaden, hier die Möglichkeit „bundesweit“ zu wählen. So hat es auch Hans S. gehandhabt.

Klar ist natürlich: Dadurch wird die Suche unübersichtlicher. Gerade wer in größeren Städten wohnt, findet aber in aller Regel auch an seinem Wohnort gut bewertete Krankenhäuser.

Nun können Sie „Krankenhaussuche“ anklicken. Bei der Beispiel-Krankheit „Aneurysma“ werden bei Wahl der Option „bundesweit“ 1.182 Krankenhäuser gefunden, die die von Ihnen gewünschte OP anbieten.

Mit Filtern Ergebnisse eingrenzen

Nun können Sie weitere Filter eingeben. Wenn Sie als Suchkriterium angeben, dass überdurchschnittlich viele Patienten das Krankenhaus weiterempfohlen haben müssen, bleiben immerhin noch 547 Krankenhäuser übrig. Durch weitere Filter ist eine zusätzliche Einschränkung möglich. So können sie eingeben,

  • dass die Klinik überdurchschnittlich viele Patienten mit Aneurysma behandelt haben muss,
  • zusätzlich Erfahrungen mit der Behandlung schwerer Herzerkrankungen haben und
  • Zweibett-Zimmer mit eigener Nasszelle bieten muss. Nun bleiben nur noch 12 Kliniken übrig.

Nun bleiben nur noch 12 Kliniken übrig.

Ergebnisse sortieren

Um die Sache für Sie handhabbar zu machen, können Sie die Krankenhäuser sortieren. Unsere Empfehlung wäre dabei: Stellen Sie die Sortierung nach „Zahl der Behandlungsfälle“ ein. Derzeit (Mai 2016) werden dabei die Fälle von 2014 angezeigt. Die Datenbank zeigt Ihnen die Krankenhäuser in der Reihenfolge der Behandlungsfälle an. Zu den „Top 5“ gehören

  • die Uniklinik Köln,
  • das St.-Johannes-Hospital Dortmund,
  • die Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz,
  • das Universitätsklinikum Heidelberg und
  • die Herz- und Gefäß-Kink GmbH in Bad Neustadt an der Saale.

Diese Krankenhäuser haben den hier interessierenden medizinischen Eingriff 2014 jeweils zwischen 223 und 282 Mal durchgeführt. Sie haben damit mit dem Eingriff weit überdurchschnittlich viele Erfahrungen gesammelt.

Beim Filter „Weiterempfehlungswert“ geht es darum, wie viel Prozent der befragten Patienten das jeweilige Krankenhaus ihrem besten Freund weiterempfehlen würden. Dies sind bei den genannten Kliniken jeweils zwischen 82 und 89 Prozent.

Detailliertere Informationen wollen Sie möglicherweise gar nicht haben, weil mehr Infos bei Ihnen nur Verwirrung stiften.

Dann sollten Sie auf der skizzierten Informationsbasis mit dem Sie behandelnden Fach-/Hausarzt entscheiden, welches Krankenhaus Sie auswählen.

Qualitätsberichte für „Fast-Experten“

Gegebenenfalls möchten Sie allerdings noch weitergehen. Dann können Sie die oben genannten Top 5 jeweils anklicken und erhalten mehr Detailinformationen über die Kliniken.

Für Fast-Experten lohnt es sich, nun noch einen Blick auf die detaillierten Qualitätsberichte des Gemeinsamen Bundesausschusses zu werfen. Diese findet man unter www.g-ba-qualitaetsberichte.de. Hier kann man die Klinik eingeben, für die man sich interessiert, und erhält detaillierte Informationen bis hin zur Sterblichkeitsrate bei bestimmten Krankheiten. Nicht-Fachleute dürften mit der Datenflut allerdings überfordert sein.

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Autor

Rolf Winkel