Im Fokus / 24.06.2017

Freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen

Zusätzliche Altersvorsorge ist ein Muss – wenn man es sich denn leisten kann. Die gesetzliche Rentenversicherung rentiert sich dafür inzwischen oft besser als private Versicherungen. Ab Juli bietet die „Gesetzliche“ dafür neue Möglichkeiten.

Junge zählt Erspartes aus dem Sparschwein – Bildnachweis: stocksy.com © Tara Romasanta

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Fallschirm für den vorzeitigen Ruhestand

Bis 67 arbeiten? „Nein, danke“, sagen da viele Arbeitnehmer. Doch bei einem vorzeitigen Renteneintritt drohen Abschläge von bis zu 14,4 Prozent. „Geht gar nicht“, finden viele. Was also tun? Für Versicherte ab 50 Jahren gibt es seit Juli 2017 einen Fallschirm zum Schutz vor dem Rentenminus: Frühzeitige Ausgleichszahlungen für Rentenabschläge.

Wer in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig ist, kann in der Regel keine (normalen) freiwilligen Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Ausgeschlossen ist die freiwillige Beitragszahlung damit für Arbeitnehmer, pflichtversicherte Selbstständige, Künstler sowie Publizisten, die nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz pflichtversichert sind.

Das bedeutet: Wenn die Betroffenen die Zahlung freiwilliger Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse beantragen, muss die deutsche Rentenversicherung diesen Antrag ablehnen. Es gibt allerdings eine bislang wenig genutzte und kaum bekannte Hintertür: Paragraf 187a Sozialgesetzbuch VI regelt nämlich die „Zahlung von Beiträgen bei vorzeitiger Inanspruchnahme einer Rente wegen Alters“. De facto handelt es sich hierbei um freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse. Das „Kind“ heißt hier nur anders.

Worum geht es dabei genau?

Wenn Sie vor dem regulären Ruhestandsalter in Rente gehen, müssen Sie mit Rentenabschlägen rechnen. Um 0,3 Prozentpunkte für jeden Monat vor Erreichen der für Sie geltenden regulären Altersgrenze wird Ihre Rente dann gekürzt. Das gilt für die Altersrente für langjährig Versicherte, die es ab 63 gibt, und für die Altersrente für Schwerbehinderte, die noch deutlich früher gewährt wird. Wenn Sie zum Beispiel eine um zwei Jahre vorgezogene Altersrente in Anspruch nehmen, müssen Sie Rentenabschläge von (0,3 x 24 =) 7,2 Prozent einkalkulieren. Die Abschläge beziehen sich dabei auf die Rentenansprüche, die sie bei Renteneintritt erreicht haben und werden lebenslang erhoben.

Wichtig: Bei der Altersrente für besonders langjährig Versicherte, die nach 45 Versicherungsjahren vorzeitig bezogen werden kann, werden keine Abschläge erhoben.

Was habe ich als 50- oder 55-Jähriger mit diesen Abschlägen zu tun?

Ab 50 können Sie damit beginnen, diese Abschläge „abzukaufen“. Paragraf 187a SGB VI gibt Ihnen die Möglichkeit, diese Rentenabschläge langfristig auszugleichen. Hier gelten sogar großzügigere Regeln als bei freiwilligen Beiträgen. So können also zum Beispiel auch pflichtversicherte Arbeitnehmer 20.000 Euro auf einen Schlag einzahlen, es gibt hier keine fest fixierte Obergrenze für die Zahlungen.

Und was ist, wenn ich gar nicht weiß, ob ich vorzeitig in Rente gehen möchte?

Kein Problem. Wer weiß schon mit 50 genau, wann er in Rente gehen wird. Wenn Sie sich später anders entscheiden sollten und auf einen vorzeitigen Renteneintritt verzichten, dann steigert die Ausgleichszahlung die Rente. Dazu mehr weiter unten.

Wie leite ich als Versicherter die Ausgleichszahlung in die Wege?

Dafür müssen Sie der Deutschen Rentenversicherung gegenüber erklären, dass Sie später eine vorzeitige Rente beanspruchen möchten. Dafür gibt es bei der Rentenversicherung ein Extra-Formular: „Antrag auf Auskunft über die Höhe der Beitragszahlung zum Ausgleich einer Rentenminderung bei vorzeitiger Inanspruchnahme einer Rente wegen Alters“.

Die Rentenversicherung erstellt dann eine Rentenauskunft, aus der die voraussichtliche Minderung Ihrer Altersrente zu entnehmen ist. Frühestens geschieht dies ab Juli 2017, sofern Sie 50 Jahre alt sind.

Ist eine solche Ausgleichszahlung immer möglich?

Die Höhe dieses Betrags wird für jeden Versicherten individuell ausgerechnet. Dieser Berechnung liegt eine Prognose der Rentenversicherung über die bis zum regulären Rentenalter erreichbaren Entgeltpunkte zugrunde. Für eine einigermaßen gesicherte Prognose sollte der Arbeitgeber des Versicherten einschätzen, wie sich das Einkommen des Versicherten künftig entwickelt. Danach wird im Formular der Rentenversicherung gefragt. „Wenn jemand keinen Arbeitgeber hat oder wenn der Arbeitgeber keine Prognose abgeben will, wird der aktuelle Verdienst in die Zukunft fortgeschrieben“, so Fronholt.

Ein recht gut verdienender Arbeitnehmer kann bis zum 63. Lebensjahr beispielsweise auf 60 Entgeltpunkte kommen. Das entspricht beim derzeitigen aktuellen Rentenwert West einer Monatsrente von 1.861,80 Euro. Da die Rente bei einem Eintritt mit 63 vier Jahre zu früh in Anspruch genommen wird, würden die 60 Entgeltpunkte um 14,4 Prozent gekürzt. Das sind 8,64 Entgeltpunkte weniger. Dieses Minus gilt es zunächst auszugleichen, wenn der Betroffene bereits mit 63 in Rente gehen möchte.

Da jedoch ein vorzeitiger Renteneintritt geplant ist – und die Rente damit entsprechend länger bezogen wird – wird auch bei diesen „Ausgleichsentgeltpunkten“ der 14,4-prozentige Rentenabschlag berücksichtigt. Die 8,64 Ausgleichsentgeltpunkte werden daher durch den Faktor 0,856 dividiert (also durch den „Umkehrbetrag“, der sich bei einem Abzug von 14,4 Prozent von 100 Prozent ergibt). Dabei kommt ein Betrag 10,093 Entgeltpunkten heraus. Wer will, kann hier die Probe machen. Wenn der Betroffene im Alter von 63 Jahren 60 „normale“ Entgeltpunkte und 10,093 Entgeltpunkte aus seiner Ausgleichszahlung hat, so kommen insgesamt 70,093 Entgeltpunkte zusammen. Legt man hierauf einen Abschlag von 14,4 Prozent an, so ergeben sich 60 Entgeltpunkte. De facto bedeutet das: Der Betroffene erhält genau die Rente, die seinen eigentlich erarbeiteten Entgeltpunkten entspräche, hätte er bis zum regulären Rentenalter gearbeitet.

Was muss nun in die Rentenkasse eingezahlt werden, um die 10,093 fehlenden Entgeltpunkte auszugleichen?

Um einen Entgeltpunkt gutgeschrieben zu bekommen, sind 2017 Beiträge in Höhe von 6.938,26 Euro erforderlich. 10,093 Entgeltpunkte entsprechen damit derzeit Beitragszahlungen in Höhe von (6.938,26 x 10,093 =) 70.028 Euro.

Ist auch eine Teilbetragszahlung möglich?

Es ist natürlich weder sinnvoll noch realistisch, diesen Betrag auf einen Schlag zu zahlen. Daher sind Teilzahlungen möglich – und zwar zwei Mal pro Jahr. Bleiben wir beim Beispiel einer Zahlung von 6.000 Euro pro Jahr. Damit erwirbt man in diesem Jahr 0,865 EP (Rechenweg: 6.000 / 6.938,26). Es bleiben damit rund 9,228 Entgeltpunkte, die künftig noch auszugleichen sind.

Auch in den folgenden Jahren kann der Betroffene jeweils – wenn gewünscht – jährlich 6.000 Euro an Ausgleichszahlungen leisten. Im Endeffekt wird dann der Ausgleichsbetrag von 6.000 Euro für die Rente etwas weniger wert sein als im Vorjahr, da die einem Entgeltpunkt entsprechende Beitragszahlung von Jahr zu Jahr an die Entwicklung der Durchschnittseinkommen und des Beitragssatzes gekoppelt ist.

Das klingt kompliziert, ist es auch, aber eigentlich nur für die Rentenversicherung, die dabei einen beträchtlichen Aufwand erbringen muss. Der bürokratische Aufwand für die Betroffenen ist demgegenüber minimal.

Verpflichtet man sich durch die Ausgleichszahlung, frühzeitig in Rente zu gehen?

Nein. Pläne können sich bekanntlich ändern. Nehmen wir an, ein Versicherter zahlt zunächst Beiträge zum Ausgleich von Rentenabschlägen und entscheidet sich später mit 63 anders. Statt vorzeitig Rente zu beziehen, arbeitet er bis zu seinem regulären Rentenalter weiter oder – beispielsweise – bis 64 oder sogar über das reguläre Rentenalter hinaus. Kein Problem. Das kann ihm niemand verbieten und es schadet ihm auch nicht. Der eingezahlte Betrag dient dann nicht zum Ausgleich von Abschlägen, sondern erhöht seine reguläre Altersrente. Außerdem fällt seine Rente dann zusätzlich auch noch höher aus, weil er ja auch noch länger arbeitet und Rentenbeiträge zahlt.

Übrigens: Niemand kann Versicherten verbieten, die Rentenabschläge von vornherein nur auszugleichen, um die spätere Rente zu erhöhen. Dies ist ein völlig legaler Trick, um als Pflichtversicherter „freiwillige“ Beiträge in die Rentenkasse zu zahlen. Die Anführungszeichen sind hier übrigens gesetzt, weil es sich hier – rechtlich gesehen – gar nicht um freiwillige Beiträge handelt. Die Zahlung freiwilliger Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse ist für Pflichtversicherte ja derzeit gar nicht möglich.

Eins geht allerdings nicht: Versicherte können sich die Ausgleichszahlungen nicht zurückzahlen lassen. Das Geld bleibt in der Rentenkasse – auch wenn sie sich gegen einen vorzeitigen Renteneintritt entscheiden.

Als Frührentner die Rente aufbessern

Wer ein vorzeitiges Altersruhegeld bezieht, sollte sich ein neues Angebot der Deutschen Rentenversicherung für Frührentner anschauen. Diese können seit Anfang 2017 freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen und so ihre Rente erhöhen. Das lohnt sich.

Bis Ende 2016 war für Bezieher einer vollen Altersrente – egal ob es sich um Frührentner oder um Bezieher der regulären Altersrente handelte – die Zahlung freiwilliger Rentenversicherungsbeiträge ausgeschlossen. Das hat sich nun geändert. Seit Januar 2017 können Rentner, die bereits vor der Regelaltersgrenze eine volle Altersrente beziehen, freiwillige Beiträge zahlen. Im regulären Rentenalter erhalten sie dann mehr Rente. Das geht allerdings nur bis zum Erreichen ihrer Regelaltersgrenze. Auch das ist im neuen sogenannten Flexirenten-Gesetz geregelt.

Ab dem regulären Rentenalter ist die Zahlung freiwilliger Beiträge nach wie vor ausgeschlossen. Bisher bereits war die Zahlung freiwilliger Beiträge für Erwerbsminderungsrentner möglich. Begünstigt von der Neuregelung sind etwa Bezieher einer Altersrente für langjährig Versicherte, für schwerbehinderte Menschen oder für besonders langjährig Versicherte.

Möglich wird diese Form der Geldanlage durch eine geringfügige Änderung von Paragraf 7 des sechsten Sozialgesetzbuchs. Bis zum 31. Dezember 2016 hieß es dort, dass „nach bindender Bewilligung einer Vollrente wegen Alters oder für Zeiten des Bezugs einer solchen Rente eine freiwillige Versicherung nicht zulässig“ ist. An diesen (unveränderten) Text wurde nun der Zusatz angehangen „wenn der Monat abgelaufen ist, in dem die Regelaltersgrenze erreicht wurde“.

Aufpassen bei Minijob

„Eine freiwillige Beitragszahlung ist allerdings nicht möglich, wenn jemand versicherungspflichtig ist“, erklärt Francesco Fronholt von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland. „Aufpassen müssen daher Frührentner, die einen Minijob haben, denn Minijobs sind für die Betroffenen zunächst einmal rentenversicherungspflichtig.“

Tipp: Wer ein Interesse daran hat, freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen, sollte die Rentenversicherungspflicht des Minijobs abwählen. Das funktioniert ganz einfach über eine Erklärung dem Arbeitgeber gegenüber.

Einzahlung bis zu 1.187,45 Euro möglich

Die Höhe kann zwischen dem monatlichen Mindestbeitrag von 84,15 Euro und dem Höchstbeitrag von 1.187,45 Euro frei gewählt werden. Freiwillige Beiträge können entweder laufend – Monat für Monat – oder aber im Folgejahr bis Ende März auf einen Schlag entrichtet werden.

Hierzu ein Beispiel: Alfons S. (65) bezieht seit Mitte 2016 das Altersruhegeld für langjährig Versicherte. Seine Rente beträgt derzeit brutto 1.411,87 Euro, sie wird auf Grundlage von 45,5 Entgeltpunkten berechnet. Am 15. Dezember 2017 wird Alfons S. 65 Jahre und sechs Monate alt. Daher wird im Januar 2018 aus seiner bisherigen vorgezogenen Altersrente die reguläre Altersrente. Diese wäre normalerweise genauso hoch wie die Frührente. Auch die Abschläge, die bei einer Frührente anfallen, gelten lebenslang. Alfons S. hat nun jedoch durch die seit dem 1. Januar 2017 geltende Neuregelung die Möglichkeit, seine Rente zu erhöhen.

Er bezieht 2017 ein vorgezogenes Altersruhegeld als Vollrente – also nicht als Teilrente. Daher kann er für das ganze Jahr freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Ihm stehen ungefähr 20.000 Euro aus einer ausgelaufenen Kapitallebensversicherung zur Verfügung. Daher entscheidet er sich, das ganze Jahr über den Höchstbetrag in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen. Dieser wird auf Grundlage der Beitragsbemessungsgrenze berechnet, die 2017 bei 76.200 Euro beziehungsweise pro Monat bei 6.350 Euro liegt. Für das gesamte Jahr 2017 sind also Zahlungen in Höhe von (18,7 Prozent Rentenversicherungsbeitrag von 76.200 Euro =) 14.249,40 Euro möglich. Die volle Summe von 20.000 Euro kann Alfons S. damit für 2017 nicht einzahlen.

Optimaler Zahlungszeitpunkt

Normalerweise haben freiwillig Versicherte bis Ende März des Folgejahres Zeit, um ihre freiwilligen Beiträge für das Vorjahr zu zahlen. Beiträge für 2017 können damit bis Ende März 2018 gezahlt werden. Bei dieser Regel gibt es allerdings eine Einschränkung: Freiwillige Beiträge können nicht mehr gezahlt werden, sobald das reguläre Rentenalter erreicht ist.

Im Falle von Alfons S. aus dem obigen Beispiel bedeutet das: Da er ab Januar 2018 das reguläre Rentenalter erreicht, muss er die freiwilligen Beiträge für 2017 noch im Dezember 2017 leisten. Bis dahin kann er sich jedoch Zeit lassen. Statt die Beiträge monatlich zu zahlen, kann er die Zahlung im Dezember auf einen Schlag leisten. Damit hat er gegebenenfalls einen kleinen Zinsvorteil. Bis Dezember kann er das für die freiwillige Einzahlung in die Rentenkasse vorgesehene Geld noch zinsbringend anlegen, etwa auf einem Tagesgeldkonto.

Der eingezahlte Betrag wird nun ins Verhältnis gesetzt zu dem Beitrag, den ein Durchschnittsverdiener aktuell entrichtet. Das Durchschnittsentgelt aller Rentenversicherten ist für 2017 vorläufig auf 37.103 Euro festgesetzt. Für einen fiktiven Durchschnittsverdiener fallen Beiträge in Höhe von (37.103 x 0,187 =) 6.938,26 Euro an. Mit Beiträgen in dieser Höhe erwirbt man in einem Kalenderjahr genau einen Entgeltpunkt. Ein Entgeltpunkt bringt derzeit eine Monatsrente in Höhe von 31,03 Euro.

Alfons S. zahlt mit dem Höchstbetrag genau 2,054-mal so viel ein wie mit dem Durchschnittsbetrag. Anders formuliert: Er erwirbt dadurch genau 2,054 Entgeltpunkte. Ab Januar 2018 werden diese 2,054 Entgeltpunkte seinen bisher erreichten 45,5 Entgeltpunkten zugeschlagen. Die zusätzliche Einzahlung würde ihm nach dem derzeitigen aktuellen Rentenwert eine monatliches Rentenplus in Höhe von (2,054 x 31,03 =) 63,74 Euro bringen, das sind 764,68 Euro im Jahr.

Weit besser als private Sofortrente

Vergleichen wir nun Input und Output: Einem Beitrag in Höhe von 14.249,40 Euro entspricht eine jährliche Rente von 764,68 Euro. Das bedeutet: Alfons S. erhält rund 5,4 Prozent seiner Einzahlung als Rente. Anders ausgedrückt: Nach 224 Monaten Rentenbezug, also nach 18 Jahren und acht Monaten würde sich die Einzahlung von Alfons S. in die Rentenkasse amortisieren. Lebt er noch 19 Jahre oder länger, so erwirtschaftet er eine „Rendite“, die mit zunehmendem Alter steigt. Nicht berücksichtigt sind dabei die jährlichen Rentensteigerungen, die im Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung im Schnitt auf gut zwei Prozent geschätzt werden.

Interessant ist natürlich, was eine entsprechende Einzahlung in eine private Renten-versicherung bringen würde.

Hierfür wurden in einen Sofortrenten-Rechner folgende Daten eingespeist:

  • Alter: 65 Jahre
  • Versicherungsbeginn: 1. August 2017
  • Einmalzahlung 15.000 Euro
  • Dynamischer Rentenbezug
  • Todesfallschutz: Kapital abzüglich gezahlter Renten

Die Bedingungen dürften damit in etwa mit denjenigen der gesetzlichen Rentenversicherung vergleichbar sein. Der Rentenbeginn ist um fünf Monate früher als im Beispielfall. Der Todesfallschutz dürfte etwa mit dem der gesetzlichen Rentenversicherung vergleichbar sein. Die Einzahlung ist mit 15.000 Euro um etwa 750 Euro höher als bei der gesetzlichen Rentenversicherung.

Unter den angegebenen Prämissen weist der Vergleichsrechner als Spitzenreiter ein Ange-bot aus, bei dem die garantierte monatliche Rente sich auf monatlich 41,40 Euro beläuft. Das sind 496,80 Euro im Jahr. Der „Output“ ist damit um ein Drittel geringer als bei der gesetzlichen Rentenversicherung. In Monaten und Jahren ausgedrückt: Eine private Sofortrente würde sich für Alfons S. erst nach einer Bezugsdauer von 362 Monaten amortisieren, also nach 30 Jahren und zwei Monaten. Mehr als elf Jahre später als die Einzahlung in die gesetzliche Rentenkasse.

Steuervorteile für gesetzliche Beiträge

Noch günstiger sieht die „Renditerechnung“ für die gesetzliche Rentenversicherung in manchen Fällen aus, wenn man die Steuerbelastung noch einbezieht. Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse können nämlich genau wie die privaten Beiträge in eine Rürup- oder Basis-Rente zum großen Teil von der Steuer abgesetzt werden. Absetzbar sind derzeit 84 Prozent der Einzahlungen.

Davon profitiert auch Alfons S., der neben seiner gesetzlichen Rente noch eine Betriebsrente erhält. Eigentlich müsste er damit rechnen, dass das Finanzamt 2018 von ihm rund 1.500 Euro für 2017 nachfordern wird. Da er jedoch 84 Prozent seiner freiwilligen Beiträge von der Steuer absetzen kann, bleibt er von Forderungen des Finanzamtes für 2017 verschont.

Wette auf ein langes Leben

Klar ist allerdings: Jede Rente ist eine Wette auf ein möglichst langes Leben. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt 2017 in Deutschland für 65-jährige Männer bei weiteren 17,7 und für gleichaltrige Frauen bei 20,9 Jahren. Alfons S. hatte bislang noch keine größeren gesundheitlichen Einschläge und lebt einigermaßen gesund. Daher hat er gute Chancen, den Durchschnitt zu „toppen“. Es spricht daher einiges dafür, dass sich Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung für ihn lohnen. Um bei einer privaten Sofortrente zu profitieren, müsste er dagegen schon deutlich älter als 95 Jahre werden. Das ist – trotz der gestiegenen Lebenserwartung – eher unwahrscheinlich.

Jugendlücke füllen

Wer zwischen 16 und 17 zur Schule gegangen ist, hat auf seinem Rentenkonto eine Lücke. Diese kann nachträglich noch durch freiwillige Beiträge geschlossen werden. So erfüllt man unter Umständen die Anspruchsvoraussetzungen für eine Frührente (und erhöht zugleich die Rentenansprüche).

Häufig geht es bei der Zahlung von freiwilligen Beiträgen vorwiegend darum, (günstige) Rentenansprüche zu sichern. Eine Versicherungslücke zwischen dem 16. und 17. Lebensjahr, die es bei den meisten Beschäftigten gibt, kann da fatale Folgen haben. Denn Zeiten des Schul- oder Hochschulbesuchs zählen für die Rente erst ab 17, und zwar als sogenannte Anrechnungszeit.

Was ist eine Anrechnungszeit?

Solche Zeiten spielen für die Rentenhöhe (in der Regel) keine Rolle. Entgeltpunkte werden dafür jedenfalls nicht gutgeschrieben. Sie zählen aber mit, wenn geprüft wird, ob die Anwartschaften erfüllt sind für

 

  • die Schwerbehindertenrente,
  • die Frührente für langjährig Versicherte (nicht aber die Frührente für besonders langjährig Versicherte) und
  • die reguläre Altersrente.

Anrechnungszeiten zählen also nicht mit, wenn es um die abschlagfreie Altersrente für besonders langjährig Versicherte geht.

Wer zwischen 16 und 17 zur Schule gegangen ist, hat auf seinem Rentenkonto eine Lücke. Diese Zeit ist rentenrechtlich sozusagen „leer“. Diese Lücke kann nachträglich noch durch freiwillige Beiträge geschlossen werden. Dafür kann man sich Zeit lassen. Paragraf 207 SGB VI regelt dazu, dass der Antrag „nur bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres gestellt werden“ kann.

Dabei reicht es, für die zwölf nicht mit Beiträgen belegten Monate jeweils den Mindestbeitrag von 84,15 Euro einzuzahlen. Die Folge: Das Jahr zwischen 16 und 17 zählt dann als ganz normale Beitragszeit. Und es zählt in aller Regel auch dann mit, wenn geprüft wird, ob die Anspruchsvoraussetzungen für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte erfüllt sind.

Tipp: In wenigen Einzelfällen kann es sich für die Rentenhöhe negativ auswirken, wenn nur geringe freiwillige Beiträge eingezahlt werden. „Daher ist es sinnvoll sich zur Höhe der freiwilligen Beiträge bei einer Auskunftsstelle der Deutschen Rentenversicherung beraten zu lassen“, rät Francesco Fronholt von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland.

Bei Langzeitstudium an die Rente denken

Schulische Ausbildungen oder Studienzeiten ab 25 sind auf dem Rentenkonto „leere“ Zeiten. Sie zählen auch nicht mit, wenn geprüft wird, ob Anspruch auf eine Frührente besteht. Deshalb kann es sich lohnen, in diesen Zeiten freiwillige Beiträge einzuzahlen.

Schulische Ausbildungen und Studienzeiten ab 25 zählen bei der gesetzlichen Rentenversicherung nicht als Anwartschaftszeit. Sie sind rentenrechtlich – soweit die Betroffenen nicht „nebenher“ eine versicherungspflichtige Beschäftigung haben – leere Zeiten. Wer das vermeiden will, kann während der Ausbildung freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse zahlen. Es reicht die Zahlung des Mindestbeitrags. Einzahlungen – auch geballte Einzahlungen für viele Jahre – sind möglich, solange die Betroffenen noch nicht 45 Jahre alt sind. Geregelt ist dies in Paragraf 207 des sechsten Sozialgesetzbuchs.

Tipp: Wer als Student nebenher einen Minijob aufnimmt, sollte keinesfalls auf die Rentenversicherungspflicht des Jobs verzichten. Maximal müssen Jobber als eigenen Beitragsanteil monatlich 16,65 Euro aufbringen. Dafür zählt die Zeit des Jobbens dann aber als vollwertige Versicherungszeit. Dadurch erwirbt man unter Umständen auch einen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente oder erhält einen bereits bestehenden Anspruch aufrecht.

Wenn Erziehungszeiten nicht für die Rente reichen

Für Eltern, die vor 1955 geboren wurden, gibt es eine Sonderregelung: Sie können auf einen Schlag für so viele Monate freiwillige Beiträge nachzahlen, wie für einen Rentenanspruch erforderlich sind.

Für Kindererziehungszeiten erkennt die Deutsche Rentenversicherung pro Kind drei Versicherungsjahre (und rund drei Entgeltpunkte) an, wenn das Kind ab 1992 geboren wurde. Für Mütter – und natürlich genauso auch für Väter, die die Erziehungsaufgabe schwerpunktmäßig übernommen haben – von Kindern, die vor 1992 geboren wurden, werden zwei Jahre anerkannt (und rund zwei Entgeltpunkte gutgeschrieben). Für Mütter, auf deren Rentenkonto als einzige Zeiten Kindererziehungsjahre verzeichnet sind, reichen diese Zeiten alleine oft nicht, um später die reguläre Altersrente zu erhalten. Denn dafür müssen fünf Versicherungsjahre nachgewiesen werden.

Für die Betroffenen hat der Gesetzgeber daher die Möglichkeit geschaffen, das Rentenkonto nachträglich noch durch freiwillige Beiträge aufzufüllen. Dieses Recht steht all denjenigen zu, die vor dem 1. Januar 1955 geboren wurden und auf ihrem Rentenkonto mindestens einen Monat Kindererziehungszeit aufweisen. Die Betroffenen können auf einen Schlag so viele freiwillige Beiträge nachzahlen, wie es zur Erfüllung der Wartezeit von fünf Jahren noch erforderlich ist.
Der Nachzahlungsantrag kann frühestens sechs Monate vor Erreichen der Regelaltersgrenze gestellt werden. Das Rentenantragsformular enthält hierzu eine entsprechende Frage.

Übrigens: Natürlich können auch Mütter (und gegebenenfalls Väter), die 1955 oder später geboren sind, soweit sie nicht versicherungspflichtig sind, ihr Rentenkonto durch freiwillige Beiträge auffüllen. Diese können dann aber nicht nachträglich auf einen Schlag gezahlt werden, sondern müssen zeitnah entrichtet werden. Spätestens bis Ende März müssen dabei die Beiträge für das Vorjahr entrichtet werden.

Lohnenswert für Selbstständige

Für Arbeitnehmer ist die Altersvorsorge Pflicht. Wenn Sie Selbstständiger sind, steht es Ihnen dagegen vielfach frei, ob und wie Sie Vorsorge fürs Alter treffen. Klar ist jedenfalls: Altersvorsorge ist auch für Sie notwendig, es sei denn, Sie akzeptieren, im Alter auf die Alters-Sozialhilfe, die „Grundsicherung im Alter“, angewiesen zu sein.

Bislang machen die meisten Selbstständigen einen weiten Bogen um die gesetzliche Rentenversicherung. Zu Unrecht – wie wir Ihnen im Folgenden zeigen werden. Denn der Ertrag gesetzlicher Beiträge ist vielfach deutlich höher als der von Privatrenten.

Wer fürs Alter vorsorgt, will zunächst einmal wissen, welche Rente er für seine Beiträge zu erwarten hat. Nehmen wir zunächst den folgenden einfachen Fall: Der selbstständige Buchhändler Hans S. aus Münster erreicht Ende 2017 das reguläre Rentenalter. Ab 1. Januar 2018 kann er eine kleine gesetzliche Rente erhalten. Daneben hat er privat vorgesorgt. Ihm steht nun Geld aus einer Erbschaft zur Verfügung und er will seine Alterseinkünfte aufbessern. Alternativ kommt für ihn entweder die Einzahlung freiwilliger Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung in Frage oder der Abschluss einer privaten Sofortrente gegen Einmalzahlung. Was ist besser?

Nur begrenzte Beitragszahlung möglich

Bei der gesetzlichen Rente ist die Beitragseinzahlung begrenzt. Maximal kann Hans S. für 2017 eine Beitragszahlung entsprechend der Beitragsbemessungsgrenze leisten. Diese liegt derzeit bei 76.200 Euro im Jahr. Als Beitrag kommen für ihn damit 2017 beim derzeitigen Beitragssatz von 18,7 Prozent maximal (18,7 Prozent x 76.200 Euro =) 14.249,40 Euro in Frage.

Dieser Höchstbeitrag wird nun ins Verhältnis gesetzt zu dem Beitrag, den ein Durchschnittsverdiener entrichtet. Das Durchschnittsentgelt aller Rentenversicherten ist für 2017 vorläufig auf 37.103 Euro festgesetzt. Für einen fiktiven Durchschnittsverdiener fallen Beiträge in Höhe von (37.103 Euro x 0,187=) 6.938,26 Euro an. Mit Beiträgen in dieser Höhe erwirbt man in einem Kalenderjahr genau einen Entgeltpunkt. Ein Entgeltpunkt bringt bis Ende Juni 2018 eine Monatsrente in Höhe von 31,03 Euro.

Gleiche Werte in Ost und West

Die genannten Werte gelten in den alten und neuen Bundesländern gleichermaßen. Bei der freiwilligen Rentenversicherung können auch Versicherte in den neuen Bundesländern Beiträge entrichten, die der Beitragsbemessungsgrenze West (alte Bundesländer) entsprechen. Auch für die durch freiwillige Beiträge erworbenen Rentenansprüche ist der höhere Rentenwert West (2017: 31,03 Euro pro Entgeltpunkt) maßgebend.

Würde Hans S. den maximal möglichen Betrag einzahlen, so wäre das genau 2,054-mal so viel wie der Durchschnittsbetrag. Anders formuliert: Er würde dadurch genau 2,054 Entgeltpunkte erwerben. Diese würden ihm nach dem aktuellen Rentenwert 2017 eine zusätzliche Monatsrente in Höhe von (2,054 x 31,03 Euro =) 63,74 Euro bringen, das sind 764,68 Euro im Jahr.

Vergleichen wir nun Input und Output: Einem Beitrag in Höhe von 14.249,40 Euro entspricht eine jährliche Rente von 764,68 Euro. Das bedeutet: Hans S. erhält rund 5,4 Prozent seiner Einzahlung als Rente. Anders ausgedrückt: Nach 224 Monaten Rentenbezug, also nach 18 Jahren und acht Monaten, würde sich die Einzahlung von Hans S. in die Rentenkasse amortisieren. Lebt er noch 19 Jahre oder länger, so erwirtschaftet eine „Rendite“, die mit zunehmendem Alter steigt.

Anzumerken ist dabei, dass hier die jährliche Anpassung des aktuellen Rentenwerts nicht berücksichtigt ist, die nach den Projektionen der Bundesregierung auf gut zwei Prozent anzusetzen ist.

Private Sofortrente bringt weit weniger

Was die 5,4 Prozent wert sind, zeigt sich erst im Vergleich mit einer privaten Sofortrente.
Hierfür wurden in einen Sofortrenten-Rechner folgende Daten eingespeist:

  • Alter: 65 Jahre
  • Versicherungsbeginn: 1. August 2017
  • Einmalzahlung 15.000 Euro
  • Dynamischer Rentenbezug
  • Todesfallschutz: Kapital abzüglich gezahlter Renten

Die Bedingungen dürften damit in etwa mit denjenigen der gesetzlichen Rentenversicherung vergleichbar sein. Die Rente beginnt etwas früher als im Beispielfall mit der freiwilligen Einzahlung von Beiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung. Auch der Todesfallschutz dürfte etwa mit dem der gesetzlichen Rentenversicherung vergleichbar sein. Die Einzahlung ist mit 15.000 Euro um etwa 750 Euro höher als bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Zudem gibt es bei der gesetzlichen Rentenversicherung auch im Rentenalter noch eine onkologische Rehabilitation. Diese Leistung ist privaten Versicherungen völlig fremd.

Unter den angegebenen Prämissen weist der Vergleichsrechner als Spitzenreiter ein Angebot aus, bei dem die garantierte monatliche Rente sich auf monatlich 41,40 Euro beläuft. Das sind 496,80 Euro im Jahr. Der „Output“ ist also um ein Drittel geringer als bei der gesetzlichen Rentenversicherung. In Monaten und Jahren ausgedrückt: Eine private Sofortrente würde sich für Hans S. erst nach einer Bezugsdauer von 362 Monaten amortisieren, also nach 30 Jahren und zwei Monaten. Mehr als elf Jahre später als die Einzahlung in die gesetzliche Rentenkasse.

Steuervorteile für gesetzliche Beiträge

Noch günstiger sieht die „Renditerechnung“ für die gesetzliche Rentenversicherung aus, wenn man die Steuerbelastung noch einbezieht. Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse können nämlich genau wie die privaten Beiträge in eine Rürup- oder Basis-Rente zum großen Teil von der Steuer abgesetzt werden. Absetzbar sind derzeit 84 Prozent der Einzahlungen. Bei Spitzenverdienern übernimmt damit der Fiskus über den Weg der Steuervorteile bis zu einem guten Drittel der eingezahlten Beiträge. Der absetzbare Anteil steigt bis 2025 auf 100 Prozent an. Diesen Vorteil bieten herkömmliche private Rentenversicherungen nicht. Ihre Beiträge sind nicht von der Steuer absetzbar. Dafür werden die Leistungen im Alter nur geringfügig besteuert.

Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenkasse oder aus Rürup-Verträgen werden in der Leistungsphase dagegen weit höher besteuert, bei Renteneintritten ab 2040 unterliegen sie voll der Steuer. Da im Alter die Einkünfte insgesamt meist niedriger sind, fällt diese Steuerbelastung jedoch normalerweise auch weniger ins Gewicht als in der Erwerbsphase.

Erstes Fazit: Für Selbstständige, die in den letzten Jahren vor dem regulären Rentenalter ihre Altersvorsorge aufbessern möchten, lohnen sich Einzahlungen in die gesetzliche Rente.

Wette auf ein langes Leben

Klar ist allerdings: Jede Rente ist eine Wette auf ein möglichst langes Leben. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt derzeit in Deutschland für 65-jährige Männer bei weiteren 17,7 und für gleichaltrige Frauen bei 20,9 Jahren. Wer bislang noch keine größeren gesundheitlichen Einschläge hatte und einigermaßen gesund lebt, hat gute Chancen, den Durchschnitt zu „toppen“. Es spricht daher einiges dafür, dass sich Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung in diesem Fall lohnen. Um bei einer privaten Sofortrente zu profitieren, müsste man dagegen schon älter als 95 Jahre werden. Das ist – trotz der gestiegenen Lebenserwartung – eher unwahrscheinlich.

Lohnen sich Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung auch für Selbstständige, die noch nicht im regulären Rentenalter sind? Beispielsweise für diejenigen, die derzeit 50 Jahre oder älter sind?

Einzahlungen rentieren sich auch ab 50

Hierzu hat die von der Stiftung Warentest herausgegebene Zeitschrift „Finanztest“ in der Ausgabe 3/2017 aktuelle Rechnungen veröffentlicht. Unterstellt wurde dabei, dass ein Selbstständiger insgesamt 40.000 Euro in seine Altersvorsorge investiert.

In den Blick genommen wurden dabei die Varianten: Die Investition beginnt zehn, acht oder vier Jahre vor Rentenbeginn. Der Betrag von 40.000 Euro wird jeweils auf die entsprechenden Zeiträume verteilt.

Bei allen Varianten zeigt sich: Die gesetzliche Rente schlägt alle Privatrenten um Längen. Am ehesten kommt dabei für Selbstständige eine so genannte „Rürup-Rente“ in Frage. Diese funktioniert ganz ähnlich wie die gesetzliche Rentenversicherung. Sowohl Einzahlungen als auch Rentenzahlungen werden steuerlich genauso behandelt.

Bei der Variante „zehn Jahre lang Einzahlungen von je 4.000 Euro“ bringt eine Rürup-Rente mit Hinterbliebenenabsicherung eine spätere Monatsrente von 116 Euro. Bei der gesetzlichen Rente, bei der eine Hinterbliebenenabsicherung obligatorisch einbezogen ist, kämen demgegenüber 171 Euro heraus. Klassische Privatrenten kommen zu ähnlichen Resultaten wie eine Rürup-Rente. Da die Beiträge hier allerdings nicht von der Steuer abgesetzt werden können, dürfte sich diese Variante für viele Selbstständige nicht lohnen.

Die Ergebnisse von Finanztest machen allerdings deutlich, dass Selbstständige, die Ihre Alterssicherung im Alter von 50 plus deutlich aufbessern möchten, erheblich höhere Beträge in die Hand nehmen müssen, egal wie sie vorsorgen. Würde beispielsweise zehn Jahre lang der heutige Höchstbeitrag in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt, also insgesamt (14.000 Euro x 10 =) 140.000 Euro, so würde die gesetzliche Rente der Betroffenen immerhin um knapp 600 Euro steigen.

Freiwillige Beiträge zur Sicherung eines Rentenanspruchs

Freiwillige Beiträge erhöhen nicht nur die Rente, sondern sind zugleich für viele ein Weg, überhaupt eine gesetzliche Altersrente zu erhalten.

Besonders lohnt sich die Zahlung freiwilliger Beiträge für diejenigen, die knapp an der fünfjährigen Wartezeit scheitern und deshalb keinen Anspruch auf die gesetzliche Altersrente haben.

Antragspflichtversicherung bei gesundheitlichen Handicaps sinnvoll

Die meisten Selbstständigen können sich freiwillig gesetzlich versichern. Es gibt für sie allerdings auch die Möglichkeit, die Versicherungspflicht zu wählen. „Versicherungspflicht auf Antrag“ nennt sich das und ist in Paragraf 4, Absatz 2 des sechsten Sozialgesetzbuchs geregelt. Die Pflichtversicherung können Selbstständige innerhalb von fünf Jahren nach Aufnahme ihrer Tätigkeit beantragen. Eine vorherige freiwillige Versicherung ist nicht erforderlich. Der Antrag kann also auch gestellt werden, wenn man schon (fast) fünf Jahre selbstständig tätig ist und bislang keine Beziehung zur gesetzlichen Rentenversicherung hatte.

Selbstständige, die versicherungspflichtig sind, haben bei der gesetzlichen Rentenversicherung die gleichen Rechte wie pflichtversicherte Arbeitnehmer und deutlich mehr Rechte als freiwillig Versicherte.

So haben freiwillig Versicherte in aller Regel keinen Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Selbstständige, die pflichtversichert sind, genießen demgegenüber den gesetzlichen Erwerbsminderungsschutz. Vorausgesetzt sie können in den letzten fünf Jahren vor dem Eintritt der Erwerbsminderung drei Versicherungsjahre nachweisen.

Tipp: Die Versicherungspflicht auf Antrag ist damit vor allem für Selbstständige interessant, für die – etwa wegen gesundheitlicher Probleme oder weil sie eine gefährliche Tätigkeit ausüben – eine private Berufsunfähigkeitsrente zu teuer ist beziehungsweise gar nicht in Frage kommt.

Weiterhin können Selbstständige durch die Zeit der Versicherungspflicht, häufig jedoch nicht durch freiwillige Beiträge, die Voraussetzungen für die 45-jährige Wartezeit bei der Altersrente für besonders langjährig Versicherte erfüllen.

Ein weiterer Vorteil: Die Betroffenen haben Anspruch auf Leistungen der medizinischen Rehabilitation (also etwa auf eine sogenannte Anschlussheilbehandlung, etwa nach Operationen) und auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, wenn sie ihre bisherige Tätigkeit nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten ausüben können.

Gerade für Selbstständige mit besonders hohen steuerpflichtigen Einkünften ist der Anspruch auf eine sogenannte „Riester-Förderung“, also die staatliche Förderung einer privaten Altersvorsorge, interessant. Die Betroffenen können dabei jährlich bis zu 2.100 Euro an Sparleistungen voll von der Steuer absetzen.

Weitere Informationen

Antrag auf freiwillige Versicherung

Die Zahlung freiwilliger Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse lohnt sich also. Aber wie funktioniert das? Kann man einfach Beiträge einzahlen?

Wenn Sie freiwillige Beiträge einzahlen möchten, besorgen Sie sich am besten zunächst das passende Formular: den „Antrag auf Beitragszahlung für eine freiwillige Versicherung“. Das Formular trägt die Nummer „V0060“. Das Formular können Sie ausfüllen und an die Rentenversicherung schicken. Besser ist es allerdings, wenn Sie einen Termin in einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung abmachen und Ihre Eingaben im Formular gemeinsam mit dem Berater durchführen.

Welche Klippen gibt es im Antrag?

Wichtig ist vor allem Frage drei. Darin werden Tatbestände abgefragt, die eine freiwillige Versicherung unmöglich machen.

Ein Beispiel: Wenn Sie einen Angehörigen pflegen und als pflegender Angehöriger schon beitragspflichtig sind, können Sie sich nicht zusätzlich noch freiwillig versichern. Das Gleiche gilt, wenn Sie ein Kind unter drei Jahren haben und dieses erziehen. Die Kindererziehungszeit zählt dann ohnehin schon für die Rentenversicherung. Daneben können Sie keine freiwilligen Beiträge einzahlen.

Wann beginnt die freiwillige Versicherung?

Das können Sie in gewissem Rahmen selbst festlegen. Wenn Sie den Antrag bis zum 31. März des folgenden Jahres stellen, können Sie sich rückwirkend noch für das ganze Vorjahr versichern. Für weiter zurückliegende Zeiten ist aber in der Regel keine Beitragszahlung möglich. Francesco Fronholt von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland rät allerdings, darauf zu achten, ob der Rentenversicherungsbeitrag steigt: „Wenn der Versicherte die freiwilligen Beiträge erst im nächsten Jahr zahlt, kann es sein, dass er einen höheren Beitrag zu entrichten hat. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn sich der Beitragssatz geändert hat.“

Wie erfahre ich, dass die Rentenversicherung meine freiwilligen Beiträge akzeptiert?

Einige Wochen, nachdem Sie den Antrag auf die freiwillige Versicherung gestellt haben, schickt die Deutsche Rentenversicherung Ihnen einen Bescheid über die „Zulassung zur freiwilligen Versicherung“. Darin steht, ab wann Sie berechtigt sind, freiwillige Beiträge zu zahlen. Im Bescheid wird Ihnen auch die Beitragshöhe bestätigt. Wenn Sie – was die Regel ist – vorab in Ihrem Antrag der Rentenversicherung eine Einzugsermächtigung erteilt haben, werden die fälligen Beiträge von Ihrem Konto eingezogen. Das Datum der Einziehung teilt Ihnen die Rentenversicherung mit. Dann sollten Sie rechtzeitig für eine Deckung des Kontos sorgen. Übrigens: Wenn es Ihnen lieber ist, können Sie die Beiträge auch selbst überweisen.

Wie hoch sollen die Beiträge sein?

Das bleibt weitgehend Ihnen überlassen. 2017 können Sie als freiwillig Versicherter Ihren Monatsbeitrag frei zwischen 84,15 Euro und 1.187,45 Euro wählen. Das entspricht Bruttolöhnen zwischen der Mindestbemessungsgrundlage von 450 Euro und der Beitragsbemessungsgrenze von 6.350 Euro.

Muss ich mich auf Dauer auf eine bestimmte Beitragshöhe festlegen?

Nein. Die freiwilligen Beiträge können jederzeit erhöht oder gesenkt werden. Sie können sogar die Zahlung der freiwilligen Beiträge beliebig lange stoppen – und später wieder einzahlen.

Und die gesetzliche Rente hat noch eine Reihe weiterer Vorteile: Anders als bei privaten Renten gibt es dabei auch für Zeiten der Kindererziehung oder Angehörigenpflege ein Rentenplus. Zudem ist hier die Hinterbliebenenrente ohne Leistungskürzung mitversichert.

Nach einer Erbschaft: Wie Rentner jetzt ihre gesetzliche Rente noch erhöhen können

Knapp 400 Milliarden Euro werden nach der Schätzung von Experten Jahr für Jahr vererbt. Nicht wenige Erben sind selbst schon Rentner. Für sie kann es sich lohnen, zumindest einen Teil ihrer Erbschaft in ihre gesetzliche Rente zu investieren. Wie geht das und was bringt das?

Zum 1. Januar und nochmals zum 1. Juli 2017 wurden für Rentnerinnen und Rentner die Möglichkeiten zur Zahlung freiwilliger Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung erweitert. Dabei muss zwischen den Möglichkeiten für Frührentner und denjenigen im regulären Rentenalter unterschieden werden.

Was gilt für Frührentner?

Sie können seit Anfang dieses Jahres ihre spätere reguläre Altersrente durch freiwillige Beiträge aufbessern. Für jeden Monat des vorzeitigen Rentenbezugs können sie derzeit bis zu 1.187,45 Euro in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Das Rentenplus gibt es dann, wenn das reguläre Rentenalter (mit 65 Jahren plus x Monaten) erreicht ist. Diese betrifft alle Altersrentner, die das reguläre Rentenalter noch nicht überschritten haben. Dieses liegt derzeit (für den Jahrgang 1952) bei 65 Jahren und sechs Monaten.

Und was gilt nach Überschreitung der regulären Altersgrenze?

Das so genannte Flexirentengesetz erweist sich immer mehr als Wundertüte – auch für reguläre Altersrentner. Denn seit dem 1. Juli 2017 ist es danach selbst für 67- oder 70-Jährige Rentenbezieher noch möglich, ihre reguläre Altersrente nochmals durch freiwillige Beiträge aufzubessern. Dafür müssen sie allerdings einen kleinen Trick anwenden: Sie müssen in eine Teilrente wechseln, sozusagen als „Eintrittskarte“ für die freiwilligen Beiträge.

Wo steht denn im Gesetz, dass reguläre Altersrentner freiwillige Beiträge zahlen können?

So direkt steht das nirgendwo. Es ergibt sich nur aus einem Umkehrschluss. Das sechste Sozialgesetzbuch (SGB VI) bestimmt nämlich, dass für Vollrentner nach Erreichen des regulären Rentenalters eine „freiwillige Versicherung nicht zulässig ist“.

Also geht es doch nicht?

Doch. Dafür muss man den Text aber genau lesen. Der Ausschluss gilt eben nur für „Vollrentner“, also für diejenigen, die die volle Altersrente erhalten. Das bedeutet im Umkehrschluss: Teilrentner können freiwillige Beiträge zahlen.

Was sind denn Teilrenten?

Das SGB VI unterscheidet zwischen Voll- und Teilrenten. Alle Renten, auch die regulären Altersrenten, kann man nicht nur als Voll-, sondern auch als Teilrenten beziehen. Wer eine Teilrente bekommt, muss allerdings mit weniger Rente auskommen. Aber das neue Flexirentengesetz sorgt dafür, dass nun das Rentenminus, das man dafür in Kauf nehmen muss, minimal ausfallen kann. Wer sich bis Ende Juni 2017 für eine Teilrente entschied, musste auf mindestens ein Drittel seiner Rente verzichten. Seit dem 1. Juli kann jedoch eine beliebige Teilrente zwischen 10 und 99 Prozent gewählt werden.

Man muss also nur auf ein Prozent seiner Vollrente verzichten?

Ja. Dann wird aus der Vollrente eine 99-Prozent-Teilrente. Wer also beispielsweise 1.000 Euro Rente im Monat erhält, muss also auf 10 Euro verzichten – und kann so freiwillige Beiträge in die Rentenkasse zahlen.

Ist denn jederzeit ein Wechsel von der Voll- in die Teilrente möglich?

Ja. Auch wer schon jahrelang eine Vollrente bezieht, kann noch in die Teilrente wechseln.

Gilt der Verzicht auf Dauer?

Nein. Man kann später – wenn man keine freiwilligen Beiträge mehr in die Rentenkasse zahlen möchte – jederzeit wieder in die volle Rente wechseln. Den Antrag kann man jeweils formlos stellen. Die Umstellung erfolgt immer im Folgemonat.

Aber lohnt sich denn die freiwillige Beitragszahlung für Ruheständler?

Auf jeden Fall lohnt es sich weit eher als die Einzahlung des Geldes in eine private Rentenversicherung. Man kann allerdings in jedem Jahr nur einen begrenzten Beitrag einzahlen. Der Höchstbeitrag wird durch die Beitragsbemessungsgrenze markiert. Derzeit liegt diese bei 6.350 Euro im Monat. Maximal kann man damit beim aktuellen Beitragssatz der Rentenversicherung von 18,7 Prozent insgesamt 1.187,45 Euro pro Monat in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. 2018 dürften es gut 1.200 Euro sein, also rund 14.400 Euro im Jahr. Diesen Betrag kann man auch bis Ende März rückwirkend für das vergangene Jahr zahlen. Die gezahlten Beiträge bringen jeweils im Juli des Folgejahrs bei der turnusmäßigen Rentenanpassung ein Rentenplus, wie das folgende Beispiel zeigt.

Beispielrechnung

Peter Musterrentner wechselt im Januar 2018 in die 99-Prozent-Teilrente. Seine monatliche Rente reduziert sich dadurch um 13 Euro. Er zahlt 2018 jeden Monat den Höchstbeitrag in die gesetzliche Rentenkasse ein. Insgesamt ergibt sich damit im gesamten Jahr ein Betrag von rund 14.400 Euro. Dadurch erwirbt er einen Rentenanspruch in Höhe von 2,05 Entgeltpunkten. Doch Rentenansprüche, die nach dem regulären Rentenalter erworben werden, bekommen für jeden Monat des „verspäteten“ Bezugs noch einen Zuschlag von 0,5 Prozent.

Peter Musterrentner, der im Dezember 1951 geboren wurde, hatte im Mai 2017 das reguläre Rentenalter erreicht, das für seinen Jahrgang bei 65 Jahren und fünf Monaten liegt. Im Juli 2019 hat er das reguläre Rentenalter um 25 Monate überschritten. Tatsächlich werden ihm so im Juli 2019 nicht nur 2,05 Entgeltpunkte gutgeschrieben, sondern es kommen noch 0,26 Entgeltpunkte oben drauf. Seine monatliche Rente dürfte damit (ohne die reguläre Rentenanpassung) um etwa 74 Euro steigen, aufs Jahr bezogen sind das knapp 890 Euro.

Nach etwa 16 Jahren hat er diese Einzahlung wieder heraus – ohne Berücksichtigung der jährlichen Rentensteigerung. Das ist ein Ertrag, der sich sehen lassen kann. Auf jeden Fall ist es weit mehr, als beim derzeitigen niedrigen Zinsniveau und den minimalen Erträgen privater Rentenversicherungen zu erreichen ist.

Lohnt sich denn die Einzahlung auch für ältere und kranke Rentner?

Jede Rente ist eine Wette auf ein möglichst langes Leben. Die durchschnittliche weitere Lebenserwartung liegt derzeit in Deutschland für 65-jährige Männer bei weiteren 17,7 und für gleichaltrige Frauen bei 20,9 Jahren. Wer bislang noch keine größeren gesundheitlichen Einschläge hatte und einigermaßen gesund lebt, hat gute Chancen, den Durchschnitt zu „toppen“. Für jüngerer und relativ gesunde Rentnerinnen und Rentner lohnen sich damit Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung auf jeden Fall. Um von Einzahlungen in eine private Sofortrente zu profitieren, müssen Versicherte dagegen schon deutlich älter als 90 werden.

Zurück zur Erbschaft: Was kann man denn erbenden Rentnern raten?

Sie können guten Gewissens zumindest einen Teil einer Erbschaft in die gesetzliche Rente investieren. Dieser Tipp gilt jedenfalls für fitte jüngere Rentner zwischen 65 und 70. Aufgrund der Beschränkung durch den Höchstbeitrag wird ja ohnehin bei einer größeren Erbschaft nur ein Teil in die gesetzliche Rente investiert werden können.

Wie funktioniert die freiwillige Beitragszahlung?

Wer freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen möchte, besorgt sich am besten zunächst das passende Formular: Den „Antrag auf Beitragszahlung für eine freiwillige Versicherung“. Das Formular trägt die Nummer „V060“. Es findet sich auch im Internet auf den Seiten der Deutschen Rentenversicherung. Das Formular kann man selbst ausfüllen und an die Rentenversicherung schicken. Besser ist es allerdings, einen Termin bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung zu vereinbaren und die Eingaben im Formular gemeinsam mit dem Beratungspersonal vorzunehmen.

Hans Nakielski

Autorenbild

Autor

Rolf Winkel