Aktuell beleuchtet / 30.06.2011

Hartz IV und Ferienjobs

Bis zu 1.200 Euro Zuverdienst sind für Jugendliche möglich, ohne dass es Abzüge beim Sozial- oder Arbeitslosengeld 2 gibt. Wird das Geld angespart, wird es auf den Vermögensfreibetrag angerechnet.

Jugendlicher mit Eistüte – Bildnachweis: istockphoto.com © J2R

Etliche Kinder aus Hartz-IV-Familien dürfen in den Ferien bis zu 1.200 Euro hinzuverdienen – und das Geld behalten. Diese Regelung gilt für alle Schüler unter 25 Jahren, die kein Ausbildungsentgelt erhalten. Wer den 1.200-Euro-Freibetrag nutzen will, sollte allerdings auf das Kleingedruckte achten. 

Dürfen die Schüler die 1.200 Euro in den Ferien immer behalten?

Nein. Denn zur 1.200-Euro-Regel kommt noch eine weitere hinzu: Nur der Verdienst aus vier Ferienwochen pro Jahr wird bei Schülern nicht auf das Arbeitslosengeld 2 (ALG 2) oder Sozialgeld angerechnet. 

Und wenn ein Schüler in den Osterferien zwei Wochen und in den Sommerferien weitere vier Wochen jobbt, aber insgesamt nur 1.000 Euro verdient?

Dann hat er Pech gehabt. Insgesamt hat er dann in sechs statt der erlaubten vier Ferien-Wochen gearbeitet. Die Jobcenter ermitteln dann, wie viel er im Schnitt in vier Wochen verdient hätte. Im Beispielfall würden dann also nur Viersechstel des gesamten Ferienverdienstes als Freibetrag berücksichtigt. Das wären dann rund 667 Euro. Diese wären dann im Beispielfall anrechnungsfrei. Die restlichen 333 Euro würden nach den üblichen Regeln mit dem ALG II beziehungsweise Sozialgeld verrechnet. Hiervon dürfte der Schüler dann also nur einen Teil behalten. 

Darf ein Schüler aus einer Familie, die ALG II erhält, denn nur in den Ferien etwas von einem Hinzuverdienst behalten?

Nein. Insgesamt ist ein anrechnungsfreier Verdienst von 2.300 Euro im Jahr erlaubt – also gar nicht so wenig. 

Wie setzt sich dieser Betrag zusammen?

Generell gilt für alle ALG-II-Bezieher, also auch für Schüler: Einkünfte in Höhe von 100 Euro pro Monat sind – ganz unabhängig von der Ferien-Regelung – anrechnungsfrei. Schüler, die beispielsweise monatlich 100 Euro durch das Verteilen von Prospekten verdienen, dürfen diesen Betrag behalten – soweit sie keine weiteren Einkünfte aus Erwerbstätigkeit haben. 100 Euro pro Monat dürfen sie auch (weiterhin) während der Schulferien verdienen, ohne dass der Job damit gleich als Ferienjob gilt und damit den 1.200-Euro-Freibetrag verbraucht.

Praktisch bedeutet das: Ein Schüler aus einer Hartz-IV-Familie darf elf Monate lang je 100 Euro anrechnungsfrei hinzuverdienen und zusätzlich noch einmal 1.200 Euro in einem vierwöchigen Job in den Sommerferien. Geregelt ist dies in Paragraf 1 Absatz 4 der ALG-II-Verordnung. Schüler, die ihre Neben- und Ferienjobs so organisieren, dürfen also insgesamt 2.300 Euro behalten. 

Und das Geld dürfen sie dann nach Belieben verwenden?

Genau. Sie können also damit verreisen oder sich ein Notebook kaufen. Ganz frei sind sie in der Geldverwendung allerdings doch nicht. Denn wenn sie das Geld auf die hohe Kante legen, kann es Ärger mit den Vermögensfreibeträgen bei Hartz IV geben. 

Wieso?

Nehmen wir an, ein Schüler hat ein Sparbuch. Darauf liegen 3.500 Euro. Das ist so in Ordnung. Denn Kinder dürfen 3.850 Euro an Rücklagen besitzen und bekommen dennoch Hartz-IV-Leistungen. Wenn jetzt aber im August noch 1.200 Euro aus einem Ferienjob aufs Sparbuch kommen, ist der Vermögensfreibetrag überschritten. Da jetzt 4.700 Euro auf dem Sparbuch liegen, gibt es ab September für den Schüler kein ALG II mehr – bis der Betrag, der über 3.850 Euro hinausgeht, aufgebraucht ist.  

Schüler aus Hartz-IV-Familien sollten also nicht zu viel sparen?

Genau.

Ob mit oder ohne Hartz IV: Wie viel dürfen Schüler denn überhaupt verdienen und wie lange dürfen sie arbeiten?

Beim Verdienst gibt es – zumindest arbeitsrechtlich – keine klaren Grenzen, wohl aber bei der Arbeitszeit. Die Grenzen gelten dann aber für alle Schüler und nicht nur für diejenigen, die Hartz IV erhalten. Sobald Schüler 13 Jahre alt sind, dürfen sie mit Einwilligung ihrer Eltern regelmäßig leichte Aushilfstätigkeiten übernehmen. Erlaubt sind bis zu zwei Arbeitsstunden pro Tag an maximal fünf Wochentagen.

Während der Schule sind Arbeiten nach 18 Uhr in der Regel tabu, anders in den Ferien. Doch auch dann gilt für 13- bis (unter) 15-Jährige die Zwei-Stunden-Grenze. Die Tätigkeiten dürfen zudem die Sicherheit, Entwicklung und Gesundheit der Kinder nicht gefährden.

Welche Jobs erlaubt sind, ist in der Kinderarbeitsschutzverordnung detailliert aufgelistet. Die Liste reicht vom „Austragen von Zeitungen oder Werbeprospekten“ über die „Betreuung von Haustieren“ bis zur „Ernte und Feldbestellung“. 

Und ab wann ist dann mehr erlaubt?

Ab 15 Jahren dürfen Schüler „zusätzlich zu den oben erwähnten Zeiten “während der Ferien insgesamt vier Wochen pro Jahr länger arbeiten. Das ist dann die Vier-Wochen-Grenze, die auch bei Hartz IV auftaucht. Erlaubt sind bei den Ferienjobs höchstens acht Arbeitsstunden pro Tag zwischen 6 und 20 Uhr an maximal fünf Wochentagen.

Solche Schülerjobs sind übrigens keineswegs selten. Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren (in Nordrhein-Westfalen und Hessen) gaben in einer Untersuchung, die Ende der 90er-Jahre durchgeführt wurde, zur Hälfte an, einer bezahlten Gelegenheitsarbeit nachzugehen. 80 Prozent der Befragten hatten bereits Erfahrungen mit dem Geldverdienen gemacht. In einer PISA-Befragung gaben 37 Prozent der 15-jährigen Schüler an, dass sie einen Nebenjob hatten und/oder Nachhilfe gaben. Dabei arbeiteten 15 Prozent aller Schüler fünf oder mehr Stunden in der Woche. 

Schaden solche Schülerjobs den Kindern?

Nach Aussagen von Experten nicht. So kommt etwa der zwölfte Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung zu einer positiven Wertung von Schülerjobs, was schon in der Zwischenüberschrift „Lerneffekte und Kompetenzerwerb durch Schülerjob“ zum Ausdruck kommt. Der Bericht referiert dabei u.a. eine Auswertung der Ergebnisse des Sozio-ökonomischen Panels durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie kommt zu dem Ergebnis, dass jobbende Schüler „insgesamt überdurchschnittlich aktive Jugendliche“ seien. Negative Auswirkungen auf Schulleistungen stellte das DIW insgesamt nicht fest.

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Autor

Rolf Winkel