Aktuell beleuchtet / 29.01.2016

Mehr Leistung für Pflegende

Kurzzeit- und Verhinderungspflege – worin liegt der genaue Unterschied? Und was ändert sich bereits in diesem Jahr für pflegende Angehörige? ihre-vorsorge.de gibt einen Überblick.

Eine Pflegerin wäscht einer Seniorin den Rücken. Bildnachweis: wdv © Lauer. Jan

Nach wie vor wird ein Großteil der Pflegebedürftigen von Angehörigen betreut. Die Angehörigenpflege kann kräftezehrend sein. Mit einigen neuen Regelungen hat der Gesetzgeber für Entlastung gesorgt – so bei der Kurzzeit- und der Verhinderungspflege.

Was versteht man unter „Kurzzeitpflege“?

Pflegebedürftige, die ambulant – also außerhalb von Pflegeheimen – betreut werden, können zeitweise in einer stationären Einrichtung versorgt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Betroffenen ansonsten von einem ambulanten Pflegedienst oder von Angehörigen betreut werden. In jedem Fall haben Pflegebedürftige das Recht auf eine zeitlich begrenzte stationäre Pflege – etwa in einem normalen Pflegeheim. Dies gilt auch für Pflegebedürftige mit „Stufe Null“, also beispielsweise für Menschen mit beginnender Demenz. 

Für wie viele Wochen besteht der Anspruch?

Der Gesetzgeber hat nun klargestellt: Der Anspruch besteht für bis zu acht Wochen in einem Kalenderjahr. „Am Jahresende verfällt aber ein noch offener Anspruch, ihn kann man also nicht ins Folgejahr mitnehmen“, erklärt Markus Siegmann, Pflegeberater der Knappschaft in Lünen. Einem Pflegebedürftigen stehen jährlich maximal 3.224 Euro für die Kurzzeitpflege zur Verfügung. Aus diesem Etat werden die Pflegekosten bezahlt. Für die Hotelkosten, also den Preis von Unterkunft und Verpflegung, müssen die Betroffenen selbst aufkommen. Dies gilt allerdings nur, soweit keine „Verhinderungspflege“ (siehe unten) in Anspruch genommen wird. Wird diese genutzt, mindert sich der „Etat“ für die Kurzzeitpflege um bis zu 1.612 Euro. 

In welchen Situationen kommt die Kurzzeitpflege in Frage?

Zum Beispiel, wenn die Pflege – etwa nach einer Operation – anfangs nur schwer ambulant geleistet werden kann. Vor allem aber, wenn pflegende Angehörige selbst krank sind oder in Urlaub fahren. Wichtig dabei, so Siegmann: „Den achtwöchigen Anspruch kann man nach Belieben stückeln, wenn man eine Pflegeeinrichtung findet, die den Pflegebedürftigen aufnimmt.“ Die passende Pflegeeinrichtung müssen sich die Betroffenen und ihre Angehörigen dabei selbst suchen.

Und wie ist im Gegensatz dazu die Verhinderungspflege definiert?

Die Leistung funktioniert in der Praxis ganz ähnlich wie die Kurzzeitpflege, es wird aber allein vom pflegenden Angehörigen aus gedacht. Wenn dieser verhindert ist – etwa weil sie oder er krank ist, in Urlaub fährt oder einfach „ausgebrannt“ ist und eine Pause braucht – kommt die Pflegeversicherung für die Kosten eines „Ersatzes“ auf. Wo der Betroffene in dieser Zeit betreut wird, spielt keine Rolle. Das kann in einem Pflegeheim oder in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung sein. Die Betreuung kann aber auch zu Hause erfolgen – etwas durch einen Nachbarn oder einen Pflegedienst.

Die Verhinderungspflege kann nach wie vor für bis zu sechs Wochen im Kalenderjahr in Anspruch genommen werden. Dafür steht jedem Pflegebedürftigen ein Etat von 1.612 Euro zur Verfügung. Dieser Etat wird um bis zu 806 Euro erhöht, wenn der Anspruch auf Kurzzeitpflege nicht voll ausgeschöpft ist. Auch diese Leistung kann „gestückelt“ in Anspruch genommen werden, zum Beispiel auch tageweise. Die Leistung wird auch Pflegebedürftigen mit der Pflegestufe Null gewährt.

Wie kann man Kurzzeit- und Verhinderungspflege auseinanderhalten?

Helfen kann die folgende Eselsbrücke: Insgesamt stehen für beide Leistungen pro Jahr 3.224 Euro zur Verfügung. Diesen Betrag kann man allerdings nicht ganz frei auf beide Leistungen verteilen. Denn für die Verhinderungspflege stehen maximal 2.418 Euro zur Verfügung. 

Was passiert während einer Kurzzeit- oder Verhinderungspflege mit dem Pflegegeld, das Pflegebedürftige erhalten?

Das wird für eine gewisse Zeit zur Hälfte weitergezahlt. Ein Beispiel hierzu: Ein Pflegebedürftiger mit Pflegestufe II, der von einem Angehörigen und nicht von einem Pflegedienst betreut wird, erhält im Monat ein Pflegegeld in Höhe von 458 Euro. Dieses Pflegegeld wird in der Zeit der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege zur Hälfte weiter gezahlt, er erhält also 229 Euro. Dabei gibt es 2016 deutliche Verbesserungen: In der Zeit der Verhinderungspflege wird das Pflegegeld nun für bis zu sechs (vorher: vier) Wochen zur Hälfte weiter gezahlt. Während einer Kurzzeitpflege wird das halbe Pflegegeld nun für bis zu acht Wochen (vorher: vier) weiter gewährt. 

Wer hilft Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen, sich in diesem Dschungel von Regelungen zurecht zu finden?

Dafür sind die Pflegeberatungsstellen und Pflegestützpunkte zuständig. Kontaktadressen vermittelt die Versicherung des Pflegebedürftigen.

Die Beratungsansprüche der Betroffenen sind 2016 nochmals gestärkt worden. Werden Leistungen der Pflegeversicherung beantragt, so besteht wie bisher Anspruch auf einen Termin zur Pflegeberatung innerhalb von zwei Wochen nach Antragsstellung. Die Pflegekassen müssen nun jedem Anspruchsberechtigten einen für sie persönlich zuständigen Berater benennen.

Ausdrücklich geregelt ist nun, dass im Rahmen der Beratung „über Leistungen zur Entlastung der Pflegepersonen zu informieren“ ist. Auch Angehörige haben nun einen eigenen Anspruch auf Pflegeberatung. Das regelt §7a Abs. 2 SGB XI. Voraussetzung ist, dass die oder der Pflegebedürftige dies wünscht. Der Anspruch besteht auch, wenn ein Pflegebedürftiger in einem Pflegeheim lebt.

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Autor

Rolf Winkel