Im Fokus / 12.10.2009

Neues Zuhause mit Wohn-Riester

Mit Wohn-Riester können Sparer ihre Immobilie schneller entschulden und im Alter viel Miete sparen – wenn die Rechnung aufgeht ...

Junges Paar sitzt zusammen am Notebook. – Bildnachweis: wdv.de © Szekely.Oana

Inhalt

Wohn-Riester ist ein Sammelbegriff für verschiedene Wege, die alle einem Ziel dienen: einer entschuldeten Immobilie pünktlich zum Renteneintritt. Was einfach klingt, ist in der Praxis mit viel Rechenarbeit verbunden. Unsere Artikelserie zeigt die Chancen und Klippen der verschiedenen Wohn-Riester-Wege.

Das Grundprinzip

So funktioniert die Kombination aus staatlicher Riester-Förderung und privatem Immobilientraum.

Hinter Wohn-Riester steckt der Gedanke, dass es egal ist, ob jemand eine zusätzliche Rente im Alter anspart oder im Alter im Eigenheim wohnt und dadurch Miete spart. Wenn keine Miete gezahlt werden muss, braucht man weniger Geld, um den Lebensstandard zu sichern.

Schnelle Entschuldung

Eine Immobilie ist wohl teuerste Anschaffung im Leben. Da macht es Sinn, so schnell wie möglich Schulden abzustottern. Denn für jeden Euro Fremdkapital werden Zinsen fällig. Sparer müssen bedenken, dass beim Wohn-Riestern nur die Tilgungen gefördert werden, nicht aber die Zinszahlungen. Das heißt, die eigentlichen Finanzierungskosten bleiben allein die Angelegenheit des Sparers.

Die Riester-Förderung lässt sich auf fünf Wegen zur Eigenheim-Finanzierung nutzen:

  • Riester-Immobiliendarlehen,
  • Riester-Bausparvertrag,
  • Genossenschaftsanteile,
  • Entnahme aus einem vorhandenen Riester-Vertrag zur unmittelbaren Errichtung oder zum unmittelbaren Erwerb einer Immobilie,
  • Entnahme aus einem vorhandenen Riester-Vertrag zur Sondertilgung älterer Eigenheime im Alter.

Die Riester-Förderung ist kein Klacks. Sparer erhalten bis zu

  • 154 Euro Grundzulage (175 Euro ab 2018),
  • 185 Euro Kinderzulage für Kinder, die vor 2008 geboren wurden und
  • 300 Euro Kinderzulage für alle Kinder, die ab 2008 auf die Welt kamen.

Voraussetzung für den ungekürzten Erhalt der Zulagen ist, dass Sparer

  • zum Kreis der Förderberechtigten gehören
  • mindestens vier Prozent ihres rentenbeitragspflichtigen Vorjahreseinkommens einzahlen (einfache Berechnung durch den Riester-Rechner)
  • für ihre Kinder Kindergeld erhalten und
  • einen Zulagenantrag ausfüllen

Besonders fleißige Sparer können sogar bis zu 2.100 Euro pro Jahr steuersparend zurücklegen (einfach in der Anlage AV der Steuererklärung eintragen). 

Bis zu 51.500 Euro Ersparnis

Die Stiftung Warentest hat anhand von Modellfällen nachgerechnet, ob sich Wohn-Riester lohnt. Die Tester errechneten einen Vorteil gegenüber ungeförderten Darlehen von 12.600 bis 51.500 Euro. Ein stolzer Betrag, wenn man bedenkt, dass die Tester die Steuern, die im Rentenalter auf die Förderbeträge anfallen, einrechneten.

Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Immobilie als Altersvorsorge

Wer sich für Wohn-Riester entscheidet, erhält später keine Riester-Rente ausbezahlt. Das mindert das Alterseinkommen, was aber kein Argument gegen Wohn-Riester sein muss.

Der Verlockung, später im Alter keine Miete zahlen zu müssen, stehen Risiken gegenüber.

  • Muss die Immobilie wegen Scheidung, Wegzug oder Jobwechsel verkauft werden, droht ein Verlustgeschäft, wenn die Immobilie einen niedrigen Verkaufswert erzielt.
  • Verantwortlich für ein Verlustgeschäft ist vor allem die Wertentwicklung von Immobilien. Sie ist eng an die demografische Entwicklung gekoppelt: Wo die Einwohnerzahl schrumpft, sinken auch die Immobilienpreise. Im ländlichen Raum, vor allem in großen Teilen Ostdeutschlands, sinkt die Bevölkerungszahl besonders schnell. Eine positive Wertentwicklung wird für Wachstumsregionen wie das Rhein-Main-Gebiet, München oder Hamburg prognostiziert.
  • Viele Sparer kaufen sich eine Immobilie zwischen dem 30. und 45. Lebensjahr. Zu diesem Zeitpunkt ist die steuerliche Belastung im Alter nur vage absehbar. Es kann also sein, dass die Steuern auf Wohn-Riester im Alter einen hohen Teil der Mietersparnis auffressen.
  • Hinzu kommen rigide Steuer-Regeln, die im Alter dazu führen können, dass plötzlich eine Nachzahlung fällig wird.
  • Immobilien sind im Alter weniger flexibel als Geldanlagen: Im Notfall (Krankheit, Tod) lassen sich nicht staatlich gefördertes Vermögen (Investmentfonds, Aktien) schneller flüssig machen als eine Immobilie.
  • Was wenige wissen: Auch mit einem ganz normalen Riester-Vertrag wird sich auch künftig die Kreditbelastung senken lassen. Pünktlich zum Rentenbeginn dürfen bis zu 30 Prozent des Ersparten ausbezahlt werden. Sollte die Entschuldung der Immobilie bis zum Renteneintritt nicht geklappt haben, kann dieses Geld zur Schuldentilgung eingesetzt werden.
  • Während Mieter einen Großteil von Reparaturen oder Schäden auf den Vermieter abwälzen können, sind Immobilienbesitzer auf sich gestellt. Hinzu kommen Instandhaltungsrücklagen: Experten empfehlen eine Instandhaltungsrücklage von 0,60 bis 1,10 Euro je Quadratmeter pro Monat anzusparen. Das sind bei einem alten Haus (mit 120 Quadratmetern) immerhin 1.584 Euro im Jahr – also fast 50.000 Euro in 30 Jahren.

Die Anschaffung einer Immobilie allein aus dem Blickwinkel der Altersvorsorge zu betrachten, wäre falsch. Oft ist es ein Mix aus Beweggründen, wie eine Umfrage der Landesbaussparkassen zeigt:

Fazit:

Auch Wohn-Riester ändert nichts daran, dass eine Immobilie keine sichere Geldanlage ist. Wohn-Riester kann aber dabei helfen, schneller wieder aus den Schulden herauszukommen und im Alter dank eingesparter Miete über ein höheres freies Einkommen zu verfügen. Dabei müssen sich Sparer bewusst sein, dass Geld flexibler einsetzbar ist als eine Immobilie. Auf keinen Fall sollte die neue Riester-Förderung dazu führen, bereits angepeilte Bauvorhaben aufgrund der verbesserten Förderung aufzustocken.

Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Bedingungen

Der Staat will mit Wohn-Riester die Altersvorsorge voranbringen. Deswegen sind die Bedingungen streng.

Gefördert werden der Bau oder der Kauf einer selbstgenutzten Eigentumswohnung oder eines Hauses. Das selbe gilt für den Erwerb von Anteilen an einer eingetragenen Wohnungsbau-Genossenschaft. Auch der Erwerb eines eigentumsähnlichen dauerhaften und pfändungssicheren Wohnrechts (beispielsweise in einer Seniorenwohnanlage) wird gefördert.

Die Immobilie ...

  • muss derzeit noch in Deutschland stehen (bedingt durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes im September 2009 wird diese Beschränkung eventuell bald entfallen),
  • der Eigentümer muss sie selbst bewohnen,
  • hier seinen Hauptwohnsitz angemeldet und
  • seinen Lebensmittelpunkt haben (Hauptwohnsitz).
  • Ferien- und Wochenend-Wohnungen werden nicht gefördert.
  • Es werden nur Eigenheime gefördert, die nach 2007 angeschafft oder fertiggestellt wurden.

Achtung: Wenn Immobilienkäufer ihr Eigenheim auch beruflich oder betrieblich nutzen, erhalten sie weniger Wohn-Riester-Förderung.

Die volle Riester-Förderung fürs Eigenheim gibt es nur, wenn die Immobilie ausschließlich privat genutzt wird (BMF-Schreiben GZ IV C 3 - S 2496/08/10011). Wenn das Eigenheim auch beruflich oder betrieblich genutzt wird, erhalten Sparer für diesen Teil der Immobilie keine Förderung.

68 und Schluss

Die geförderte Finanzierung muss spätestens am 68. Geburtstag abgeschlossen sein, das heißt vollständig getilgt sein. Das ist insofern logisch, als die staatliche Förderung für das mietfreie Wohnen im Alter gezahlt wird. Das Eigenheimrentengesetz (die gesetzliche Grundlage für Wohn-Riester) äußert sich aber nicht zu ungeförderten Darlehen. Insofern wird einer Finanzierung über das 68. Lebensjahr hinaus durch ein ungefördertes Darlehen nicht widersprochen.

Verkauf und Vermietung

Wenn eine Immobilie nicht mehr als Altersruhesitz dienen kann, müssen Sparer im Zweifelsfall die gesamte Förderung versteuern, die inzwischen auf dem Wohnförderkonto aufgelaufen ist (siehe Kapitel Steuern). Diesen Fall sieht das Gesetz vor, wenn die Selbstnutzung nicht nur vorübergehend aufgegeben wird. „Nicht nur vorübergehend“ umschreibt einen Zeitraum von einem Jahr nach Aufgabe der Immobilie. Der Versteuerung können Immobilienbesitzer in folgenden Fällen umgehen:

  • Reinvestition in eine geförderte Immobilie: Auf die Versteuerung wird verzichtet, wenn Immobilienverkäufer einen Betrag in Höhe des Wohnförderkontos wieder in eine Immobilie stecken, die den Förderbedingungen entsprechen (zum Beispiel in eine selbst genutzte Inlandsimmobilie oder einen Genossenschaftsanteil). Auch den Zeitraum schreibt der Gesetzgeber vor: Ein Jahr vor bis fünf Jahre nach Aufgabe der Selbstnutzung.
  • Einzahlung in eine Riester-Rente: Alternativ können Immobilienverkäufer den Betrag in andere Riester-Rentenprodukte stecken (Riester-Banksparplan, -Fondssparplan, -Versicherung).
  • Beruflich bedingter Umzug: Wenn Immobilienbesitzer aus beruflichen Gründen ausziehen, und das Haus oder die Wohnung befristet vermieten, hat das ebenfalls keine negativen Folgen. Dazu müssen sie allerdings vor ihrem 68. Geburtstag wieder ins Riester-Eigenheim zurückziehen. Um in den Genuss dieser Ausnahmeregelungen zu kommen, müssen Sparer jeweils der Zentralen Zulagenstelle nachweisen und belegen, dass sie die jeweilige Bedingung erfüllen.

Treffen diese Fälle nicht zu, handelt es sich im Fachjargon um eine „schädliche Verwendung“. Dann müssen die bislang aufgelaufenen und fiktiv verzinsten Förderbeträge versteuert werden. Dies ist ein Vorteil gegenüber den „normalen“ Riester-Produkten wie Bank- oder Investmentfondssparplänen. Im Fällen einer „schädlichen Verwendung“ müssen Sparer die gesamte Förderung zurückzahlen.

Tod und Vererbung

Die Witwe oder der Witwer eines Wohn-Riester-Sparers kann das Eigenheim weiter bewohnen, muss allerdings auch das Wohn-Förderkonto weiterführen, also die Steuern zahlen. Zudem darf das Paar zum Zeitpunkt des Todes nicht dauerhaft getrennt gelebt haben und sie müssen uneingeschränkt steuerpflichtig gewesen sein.

Die Steuerbelastung wird generell mit der Immobilie vererbt, egal an wen das Haus oder die Wohnung geht. Die restliche Steuerschuld mindert das Erbe. Muss nach einer Scheidung ein Riester-Sparer ausziehen, weil der Ex-Partner die Wohnung oder das Haus zugewiesen bekommt, liegt keine schädliche Verwendung vor, so dass Zulagen und Steuererstattungen nicht zurückgezahlt werden müssen.

Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Riester-Darlehen

Zertifizierten Darlehensvertrag abschließen, Riester-Förderung einfließen lassen und vorher viel, viel rechnen.

Ein Riester-Darlehens-Vertrag ist nichts anderes als ein ganz normales Baufinanzierungsdarlehen in das die staatliche Förderung eingebaut wird. Dazu muss es sich um ein zertifiziertes Darlehen handeln, also um ein von der Finanzdienstleistungsaufsicht abgesegnetes Produkt. Zu den Zertifizierungsbedingungen gehört es, dass die Abschlusskosten auf mindestens fünf Jahre verteilt werden und dem Sparer das Recht eingeräumt wird, den Anbieter unter Mitnahme des angesparten Geldes zu wechseln. Zudem muss ein Riester-Immobilien-Darlehen spätestens bis zum 68. Geburtstag zurückgezahlt sein.

Voll ausschöpfen

Nach Abschluss des Darlehensvertrages zahlen Immobilienfinanzierer monatlich Zinsen und Tilgungsraten auf das Darlehenskonto ein. Die Festlegung der Einzahlungen ist allerdings mit einiger Rechnerei verbunden: Um die Riester-Förderung wirklich optimal zu nutzen, sollten Sparer aufs Jahr gerechnet entweder genau vier Prozent ihres rentenversicherungspflichtigen Vorjahresbruttogehalts abzüglich der Zulagen an Tilgung zahlen oder 2.100 Euro, wiederum abzüglich der Zulagen.

In der Praxis ist es nicht ganz einfach, die Tilgungsraten an der Riester-Förderung auszurichten, denn die Raten müssen natürlich auch zu der Laufzeit und der Darlehenssumme passen. Hier muss viel gerechnet werden. Wenn man die Finanzierung nach den Zulagen ausrichtet, wird man oft zu dem Ergebnis kommen, dass mit dem Riester-Darlehen nur ein Teil der Eigenheim-Finanzierung geleistet wird, weil man nach den Riester-Regeln nur auf begrenzte Beträge kommt.

Rest förderungsfrei finanzieren

Sparer sollten aus zwei Gründen nicht mehr als 2.100 Euro inklusive Zulagen pro Jahr in ihre Baufinanzierung fließen lassen:

  1. Der Staat fördert Einzahlungen in die Riester-Rente mit bis zu 2.100 Euro im Jahr. Im Gegenzug unterliegt die Riester-Rente im Alter der Besteuerung. Beträge oberhalb der 2.100 Euro können in der Sparphase nicht mehr beim Finanzamt abgesetzt werden. Wer dennoch mehr spart, muss den Mehrbetrag im Alter nach dem Ertragsanteil versteuern.
  2. Es kann sein, dass Bank-Kunden für ein „normales Darlehen“ einen günstigeren Zinssatz erhalten, als für ein Wohn-Riesterdarlehen. Weil Kunden oberhalb von 2.100 Euro keine staatliche Förderung erhalten, sollten sie lieber in die günstigere Tilgung des normalen Darlehens einzahlen.

Förderung fließt in Tilgung

Ab dem Folgejahr des Vertragsabschlusses zahlt die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) die Riester-Zulagen auf das Darlehenskonto des Immobilienkäufers. In der Regel wird die Einzahlung der Zulagen als Sondertilgung behandelt. Deswegen muss die Bank oder die Versicherung im Darlehensvertrag die Möglichkeit zu solchen Sondertilgungen in ausreichender Höhe einräumen, sonst funktioniert die Riester-Förderung nicht.

Flexibilität erwünscht

Die Zulagen können theoretisch auch mit den monatlichen Tilgungsraten verrechnet werden. Da aber nicht sicher ist, zu welchem Quartalstermin die Zulagen ausgezahlt werden, muss die Bank oder Versicherung bei dieser Konstruktion sehr flexibel sein. Außerdem tilgen Kunden dann langsamer.

Wenn Sparer den Sonderausgabenabzug nutzen, können sie die Tilgung weiter beschleunigen, in dem sie die Steuererstattung, die im Folgejahr fällig wird, ebenfalls als Sondertilgung auf das Darlehenskonto einzahlen. Auch solche Sondertilgungen müssen bei Vertragsabschluss vereinbart werden.

Achtung: Anders als die Zulagen, die direkt von der Zentralen Zulagenstelle auf das Darlehenskonto gezahlt werden, bekommen Sparer die Steuererstattung vom Finanzamt auf das Giro-Konto überwiesen. Von hier müssen Riester-Finanzierer den Betrag weiter auf ihr Darlehenskonto überweisen.

Spar-Volumen: Bis zu 50.000 Euro

Durch die Einzahlung der Zulagen und gegebenenfalls der Steuererstattungen werden Schulden schneller getilgt, das Eigenheim ist einige Jahre schneller abbezahlt als mit einem ungeförderten Darlehen zum selben Zinssatz.

Achtung: Ist der Zinssatz für ein Riester-Darlehen höher als bei einem nicht geförderten Darlehensvertrag, besteht die Gefahr, dass sich ein Riester-Darlehen nicht rechnet. Interessierte sollte sich von der Bank dementsprechend zwei Varianten ausrechnen lassen: mit und ohne Riester-Förderung.

Je nach Familienstand, Kinderzahl und Einkommen fällt der Wohn-Riester-Vorteil unterschiedlich aus. Familien mit mehreren Kindern bekommen hohe Zulagen, besonders wenn die Kinder nach 2007 geboren wurden. Wer viel verdient, profitiert besonders von den Steuervorteilen. So können Immobilienkäufer in der Ansparphase in vielen Fällen zwischen 20.000 und 50.000 Euro sparen.

Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Riester-Bausparverträge

Mit einem Riester-Bausparvertrag wird es kompliziert. Wer nicht viel rechnen will, kann zu einer Alternative greifen.

Riester-Bausparverträge sind ein Angebot an alle, die in einigen Jahren bauen oder eine Immobilie kaufen wollen, denn ein klassischer Bausparvertrag ist zweigeteilt. Zuerst wird einige Jahre nur Geld angespart bis der Bausparvertrag zuteilungsreif ist. Dieser Zeitpunkt richtet sich nach der Höhe der Bausparsumme und den monatlichen Sparraten. Für dieses Sparen werden nur geringe Zinsen gezahlt. Dafür bekommt der Bausparer bereits bei Vertragsabschluss den Zinssatz für das spätere Darlehen zugesagt. Mit einem Bausparvertrag kann man sich den Zinssatz von heute für das Darlehen in einigen Jahren konservieren. Das lohnt sich aber nur dann, wenn bis dahin die Zinsen gestiegen sind. Wenn sie dagegen aber auf gleichem Niveau liegen oder sogar gefallen sind, hat man die niedrige Verzinsung in der reinen Sparphase umsonst in Kauf genommen.

Die Einzahlungen in einen nach Riester geförderten Bausparvertrag, die der Tilgung dienen, werden genauso gefördert wie die Tilgungsleistungen zu einem Riester-Darlehensvertrag. Zu den üblichen Regeln der Immobilienfinanzierung und den Vorschriften der Riester-Förderung kommen hier allerdings noch die Bauspar-Regeln hinzu, die zu beachten sind. Hier muss also noch mehr gerechnet werden, um die verschiedenen Vorschriften optimal nutzen zu können. Da bei den Krediten im Rahmen eines Bausparvertrages relativ hohe Tilgungsleistungen üblich sind, dürften sich für viele Riester-Sparer nur Verträge über relativ geringe Bausparsummen lohnen. Denn wer seine Tilgungsleistungen an der Riester-Zulagen-Förderung orientiert, hat ein Interesse daran, nur so viel zu tilgen, wie es die Riester-Regeln vorschreiben.

In der Dezemberausgabe von Finanztest werden Riester-Bausparverträge unter die Lupe genommen. Das Urteil: „Für Sparer, die mittel- bis langfristig den Bau oder Kauf eines Eigenheims planen, ist ein Riester-Bausparvertrag die erste Wahl“. Doch die Tester warnen zugleich vor großen Unterschieden in den Tarifen und gegen zu bedenken, dass die Sparphase nur mit mickrigen Zinsen belohnt wird. Wer also später doch keine Immobilie kauft, oder schon vor Zuteilungsreife des Bausparvertrages ein Haus kauft, läuft die Gefahr, dass sich der Abschluss des Bausparvertrages nicht gelohnt hat.

Größeres Angebot

Auch Riester-Bausparverträge müssen zertifiziert sein. Dazu muss unter anderem unwiderruflich vereinbart werden, dass das zinsverbilligte Bauspardarlehen durch das Altersvorsorgevermögen getilgt wird. Im Prinzip werden zwei Vorgänge staatlich unterstützt: In der Ansparphase fließt die Förderung in den Kapitalstock des Bausparvertrages. Ab Kauf des Hauses wird die Förderung zur Entschuldung des zinsverbilligten Bauspardarlehens herangezogen.

Auch für Riester-Bausparverträge gilt die Regel, dass die Abschlusskosten über mindestens fünf Jahre verteilt abgerechnet werden müssen. Das ist ein kleiner Vorteil gegenüber ungeförderten Verträgen, die die Kosten gleich nach Vertragsabschluss abrechnen. Das Angebot an Riester-Bausparverträgen ist Anfang 2009 etwas größer als das an Riester-Darlehen. Die Zeitschrift Ökotest führt in ihrer Februar-Ausgabe 27 Bauspartarife von acht Bausparkassen auf.

Vorfinanzierter Riester-Bauspartarif

Wer zeitnah ein Eigenheim bauen oder kaufen will, dem bieten die Bausparkassen vorfinanzierte Riester-Bausparverträge an. Das sind Bausparverträge, die mit einem tilgungsfreien Darlehen verbunden werden. Ob sich diese Verträge lohnen, muss man genau nachrechnen. Die meisten Verbraucherschützer halten sie für zu teuer.

Riester-Banksparplan als Alternative

Riester-Bausparverträge lohnen sich em ehesten für Sparer, die wissen, dass sie eine Immobilie erwerben wollen. Wer unsicher ist, ob er später in eigenes Heim zieht, kann zu einer Alternative greifen: Erst einen Riester-Banksparplan abschließen und dann das Ersparte in ein Wohn-Riesterdarlehen stecken. In den ersten Jahren wird dabei in den Banksparplan eingezahlt. Wenn dann tatsächlich das Haus oder die Wohnung gekauft oder gebaut wird, wird das Geld aus dem Banksparplan entnommen und auf einen Riester-Darlehensvertrag übertragen. So kann man zwar die Darlehenszinsen nicht konservieren, für den Riester-Banksparplan bekommt man aber höhere Guthabenzinsen als in der Ansparphase des Bausparvertrages.

Weiterführende Informationen:

  • www.test.de
    Tipp: Die Stiftung Warentest bietet im Internet einen kostenlosen Bausparrechner an. Mit dem Excel-Programm können Sie den Vor- oder Nachteil einer Bausparvertrag-Finanzierung gegenüber einer Bankfinanzierung ausrechnen.

Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Riester-Entnahme bei Kauf

Wenn Sparer bereits einen „normalen“ Riester-Vertrag abgeschlossen haben, können sie das gesparte Geld zur Finanzierung eines Eigenheims nutzen. So stärken sie ihre Eigenkapitalquote.

Der Anbieter des Riester-Vertrags muss Sparern das gesparte Kapital zum Zweck der Eigenheimfinanzierung auszahlen. Dazu müssen Immobilienkäufer bei der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) einen schriftlichen aber formlosen Antrag stellen. Sie müssen nachweisen, dass sie Finanzierungskosten haben und dass diese Ausgaben in ein Eigenheim fließen, das die genannten Voraussetzungen erfüllt. Dazu müssen Sparer Unterlagen einreichen, wie etwa einen Grundbuchauszug, einen Kaufvertrag oder Handwerker-Rechnungen.

Die Zentrale Zulagenstelle prüft den Antrag und wird bei einer positiven Entscheidung den alten Anbieter informieren, dass die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Dann muss der alte Anbieter das Riester-Kapital zur Eigenheim-Finanzierung zur Verfügung stellen.

Achtung: Es gibt Riester-Verträge, die über den Betrieb abgeschlossen wurden (so genannte „betriebliche Riester-Rente“). Die Anbieter solcher Verträge dürfen eine Entnahme für Wohn-Riester verweigern.

Sparer können das Geld teilweise oder komplett entnehmen. Der alte Anbieter kann allerdings die Komplettauszahlung verlangen, wenn er dies zuvor vertraglich festgelegt hat. Der Entnahmebetrag darf den Wert der Immobilie nicht übersteigen (was wohl kaum der Fall sein wird). Das Riester-Vermögen muss nicht mehr in den normalen Riester-Vertrag zurückgezahlt werden, wie es eine alten Regelung vorschrieb. Was allerdings auch bei der Entnahme bleibt, ist die Besteuerung im Alter. Auf das entnommene Geld müssen Sparer im Alter Steuern zahlen (mehr dazu im Kapitel „Steuern“).

Riester-Kapital zeitnah einsetzen

Die Entnahme aus dem alten Riester-Vertrag muss zeitnah zur Anschaffung beziehungsweise dem Erwerb des Eigenheims vonstatten gehen. Im BMF-Schreiben vom 20. Januar 2009 wird verlangt, dass die Aufwendungen innerhalb eines Monats vor Antragstellung auf Entnahme entstanden sein müssen oder innerhalb eines Jahres nach Auszahlung des Riester-Vermögens. Das heißt, Sie müssen das Geld aus dem alten Riester-Vertrag zeitnah dazu nutzen, etwa einen Kaufpreis ganz oder teilweise zu begleichen oder Handwerker-Rechnungen zu begleichen.

10.000 Grenze ist passé

Für das Jahr 2009 galt noch eine Übergangsregelung. Sie schrieb vor, dass mindestens 10.000 Euro entnommen werden müssen. Diese Regelung besteht seit Januar nicht mehr.

Bei einer Regel bleibt es aber: Die zeitnahe Entnahme gilt nur für Eigenheime, die nach 2007 errichtet oder gekauft wurden. Für die Besitzer älterer Eigenheime bleibt nur die Entnahme bei Renteneintritt.

Beispiel: Finanzierungssumme: 150.000 Euro, Wert Riester-Fondssparplan: 3.500. Hypotheken-Darlehen zu 4,31 Prozent auf 10 Jahre, Tilgung: 2 Prozent. Nach Ablauf der zehn Jahre würde ohne Einbeziehung des Riester-Kapitals eine Restschuld von 86.890 Euro bestehen, mit Riester-Kapital 84.864 Euro (Ersparnis: 2.028 Euro).

Achtung Verlustzone

Ein praktisches Problem gibt es mit Riester-Fondssparplänen und fondsbasierten Rentenversicherungen: Nach den Verwerfungen auf den Finanzmärkten sind die Kurse massiv eingebrochen, so dass auch die Riester-Fondssparpläne und die fondsgebundenen Riester-Rentenversicherungen stark an Wert verloren haben. Sparer, die aus solchen Verträgen jetzt das Geld abziehen, realisieren ihre Verluste – sie verlieren eingezahltes Geld. Wenn Sparer hingegen die Verträge bis zum Renteneintritt weiterführen, muss der Anbieter mindestens die eingezahlten Beiträge und die Zulagen zur Verfügung stellen. Man nennt das eine Beitragsrückgewähr oder Nominalgarantie. Diese Garantie besteht aber eben nur zum Zeitpunkt des Renteneintritts.

Riester-Sparern, die solche Verluste nicht realisieren und trotzdem das Wohn-Riester nutzen wollen, bleibt nur die Möglichkeit, Beitragszahlungen in ihren alten Vertrag zu stoppen (Fachjargon: „beitragsfrei stellen“) und einen neuen Riester-Darlehensvertrag oder Riester-Bausparvertrag abzuschließen. Das ist insofern kein Problem, als dass jeder Förderberechtigte für bis zu zwei Riester-Verträge die staatliche Förderung erhält.

Fazit: Wenn Sparer einen alten Riester-Vertrag haben und überlegen, ein Eigenheim zu kaufen, sollten sie auf jeden Fall über eine Entnahme ihres Riester-Vermögens nachdenken. Denn der Ertrag, den sie aus einem „normalen“ Riester-Vertrag erhalten, liegt immer unter dem Vorteil, den sie über das Wohn-Riestern gewinnen. Nach Auskunft der Verbraucherzentrale Bremen, die sich intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt hat, macht es keinen Sinn, den alten „normalen“ Riester-Vertrag weiter zu bedienen und gleichzeitig ein Eigenheim ungefördert zu finanzieren. Grundsätzlich gilt der Rat der Verbraucherschützer, dass das Tilgen von Kreditschulden die beste Geldanlage ist, weil die Kreditzinsen fast immer höher sind als die Verzinsung von Guthaben.

Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Riester-Entnahme im Alter

Nicht nur Neu-Käufer von Immobilien können dank Riester-Förderung schneller entschulden. Auch Alteigentümer von Immobilien profitieren von Wohn-Riester.

Die bislang dargestellten Wohn-Riestermodelle sind an den Erwerb einer Immobilie ab 2007 gebunden. Doch auch Alt-Eigentümer können Wohn-Riester nutzen und Geld aus ihrem Riester-Vertrag entnehmen. Auch sie müssen die Entnahme bei Renteneintritt, wie bei der „zeitnahen Entnahme“ geschildert, bei der Zentralen Zulagenstelle beantragen. Gibt Ihnen die Zulagenstelle einen positiven Bescheid, muss ihnen ihr alter Riester-Anbieter das Geld auszahlen. Dabei hat die Entnahme bei Renteneintritt den Vorteil, dass nun die Beitragsrückgewähr greift. Das heißt, der alte Anbieter muss mindestens die eingezahlten Beiträge und die Zulagen auszahlen. Das gilt auch für den Fall, dass er in Fonds investiert und Verluste gemacht hat. Wie bei allen Wohn-Riester-Varianten müssen Immobilieneigentümer das geförderte Vermögen im Alter versteuern.

Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Genossenschaftsanteile

Genossenschaftsanteile Stück für Stück kaufen und so mietfreies oder besonders günstiges Wohnen im Alter ermöglichen.

Neben dem Bau oder Kauf einer Immobilie können Altersvorsorger das Wohn-Riestern auch für den Erwerb von Anteilen an einer Wohnungs-Genossenschaft nutzen. Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen können Sparer bei der Genossenschaft Geschäftsanteile ansparen. Das ist einem normalen Sparplan recht ähnlich. Sparer zahlen Raten ein, die Zentralen Zulagenstelle überweist die Zulagen und das Finanzamt erstattet gegebenenfalls Steuern, die Anleger wiederum einzahlen können. So erwerben Anteilkäufer mit der Zeit immer mehr Genossenschaftsanteile. Je mehr Anteile sie haben, desto weniger Nutzungsentgelt müssen sie später als Miete für Ihre Genossenschaftswohnung zahlen. So kommen „Genossenschaftler“ auch zu einer mietfreien oder zumindest mietgeminderten Wohnung im Alter.

Für dieses Anteils-Sparen muss sich die Genossenschaft einen Altersvorsorgevertrag von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen zertifizieren lassen und einen Sicherungsschein übergeben. Mit dem bestätigt die Genossenschaft, dass Ansprüche in Höhe von bis zu 20.000 Euro abgesichert sind. Der Sicherungsschein muss nicht vorgelegt werden, wenn die Genossenschaft die Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen hat, Einlagengeschäfte zu betreiben. Außerdem muss der Prüfverband der Genossenschaft bestätigen, dass ihr Mitglied in der Lage ist, seine Verpflichtungen zu erfüllen.

Zum anderen können Sparer Geld aus einem bestehenden Riester-Vertrag entnehmen und davon einen Pflichtanteil an einer Genossenschaft erwerben. Mit diesem Pflichtanteil erhalten sie das Wohnrecht in einer der genossenschaftlichen Wohnungen. Dazu benötigt die Genossenschaft kein Zertifikat der Bundesanstalt. Für die Aufsicht ist wiederum der genossenschaftliche Prüfverband zuständig. Die Entnahme muss von der Zentralen Zulagenstelle genehmigt werden.

Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Steuern auf Riester-Produkte

Alle Riester-Produkte müssen im Alter versteuert werden. Das sollten alle Immobilienkäufer einkalulieren.

Die Riester-Rente wird im Alter voll besteuert. Das heißt, eine Riester-Rente erhöht im Alter das zu versteuernde Einkommen. Wie viel Steuern Sparer konkret zu zahlen haben, hängt vom persönlichen Steuersatz ab, der wiederum von der Höhe der Einkünfte insgesamt und dem Familienstand bestimmt wird. Wenn Sparer neben der Riester-Rente nur geringe Einkünfte haben, bleiben sie gegebenenfalls innerhalb der Freibeträge und müssen keine Steuern zahlen.

Wohn-Förderkonto: Fiktiv aber äußerst relevant

Grundsätzlich gilt diese „nachgelagerte Besteuerung“ auch für das Wohn-Riestern. Die Besteuerung richtet sich nicht nach dem Wert der Immobilie, sondern nach der Summe der geförderten Einzahlungen. Dazu muss der Anbieter ein so genanntes Wohn-Förderkonto führen. Auf diesem Wohn-Förderkonto werden alle Tilgungsleistungen und alle Zulagen vermerkt, die in die Finanzierung des Eigenheims geflossen sind. Das gilt auch für Beträge, die Sparer aus Riester-Verträgen entnommen und in die Eigenheim-Finanzierung gesteckt haben. Die Beträge werden aber nicht wirklich auf das Wohn-Förderkonto eingezahlt, sondern nur registriert. Insofern handelt es sich um ein fiktives Konto.

Am Ende jedes Jahres werden diese Leistungen zusammengezählt und mit zwei Prozent verzinst, wie die Animation unten zeigt. Diese Verzinsung ist der Preis dafür, dass das Eigenheim, im Gegensatz zur Riester-Rente in Geldform, bereits vor dem Alter genutzt werden darf. In der Rentenphase wird der Betrag auf dem Wohn-Förderkonto nicht mehr verzinst.

Beispiel: Katrin Gerber entnimmt 2010 aus ihrem Riester-Banksparplan 9.000 Euro und investiert es in ein Eigenheim. Riester-Zulagen in Höhe von 454 Euro pro Jahr (154 Euro Grundzulage plus 300 Euro Kinderzulage) steckt sie 25 Jahre in die Entschuldung. Hiernach erlischt ihr Kindergeldanspruch, weil die Tochter arbeiten geht. Ab nun an fließen bis zur Rente noch 15 Jahre lang 154 Euro pro Jahr in die Entschuldung. Das entnommene Riester-Kapital und alle Zulagen werden auf dem Wohnförderkonto festgehalten und mit zwei Prozent pro Jahr fiktiv verzinst.

Zwei Wege zum Ziel

Wenn Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen, wird die Gesamtsumme aus den Tilgungsleistungen, Zulagen und Entnahmen ermittelt. Dieser Betrag wird zum versteuernden Einkommen gezählt. Auf diese Summe werden Steuern fällig. Das ist der große Nachteil des Wohn-Riesterns. Steuerpflichtige können zwischen zwei Modellen wählen:

  • Steuern sofort: Sparer können gleich bei Renteneintritt sämtliche Steuern auf das Wohn-Förderkonto bezahlen. Vorteil: Sie erhalten einen Steuerrabatt von 30 Prozent auf den Gesamtbetrag. Nachteil: Sparer schießen in der Progression nach oben, da es sich in den meisten Fällen um höhere Summen handeln dürfte. Das führt dazu, dass Wohn-Riestersparer auf einen großen Teil des Betrags den Spitzensteuersatz zahlen.
  • Steuern abstottern: Der andere Weg verteilt die Steuerschuld auf die Jahre bis zum 85. Lebensjahr. Dazu wird zunächst festgestellt, wie viele Jahre bis dahin noch verbleiben. Dann wird der Gesamtbetrag auf dem Wohn-Förderkonto durch diese Anzahl der Jahre geteilt. Das Ergebnis wird jedes Jahr als so genannte Eigenheim-Rente zum zu versteuernden Einkommen addiert. Bei dieser Variante müssen Sparer zwar peu à peu den gesamten Betrag vom Wohn-Förderkonto versteuern, Sie haben aber in den meisten Fällen einen geringeren Steuersatz, weil Sie weniger von der Progression betroffen sind.

Letztlich müssen Sparer es sich persönlich ausrechnen, welcher Weg günstiger ist. Wer im Alter ein hohes regelmäßiges Einkommen hat, für den wird oft die einmalige Besteuerung der 70 Prozent des Wohn-Riestervermögens günstiger sein. Wer dagegen ein eher niedriges Alterseinkommen hat, fährt in vielen Fällen mit der Besteuerung bis zum 85. Lebensjahr besser.

Achtung: Wenn der Riester-Rentner vor seinem 85. Lebensjahr verstirbt, müssen seine Erben die restlichen Steuern begleichen.

Beispiel

Die Besteuerung im Alter ist der wesentliche Nachteil der Riester-Rente. Das gilt auch für das Wohn-Riestern. Doch trotz dieser Belastung lohnt sich das Wohn-Riestern für die meisten, die ein Eigenheim kaufen oder bauen wollen. Das ist die einhellige Meinung der Verbraucherschützer. Die Verbraucherzentrale Bremen hat folgendes Beispiel für die ZDF-Sendung WISO durchgerechnet:

Ein Ehepaar (beide 40 Jahre) hat zwei Kinder, die zwei und drei Jahre alt sind. Der eine Ehepartner verdient jährlich 50.000 Euro brutto, der andere 20.000 Euro (zusammen: 70.000 Euro pro Jahr). Nach Abzug der Freibeträge ergibt sich daraus ein zu versteuerndes Einkommen von rund 60.000 Euro.

Beide Ehegatten sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, also jeweils direkt förderberechtigt für die Riester-Rente. Sie erhalten im Jahr zwei Grundzulagen von je 154 Euro sowie zwei Kinderzulagen über je 185 Euro. Die Kinderzulagen werden bis zum 25. Lebensjahr der Kinder berechnet. Die Ehepartner zahlen beide im Jahr die maximal geförderte Tilgungsleistung von 2.100 Euro abzüglich der Zulagen. Das bringt eine Steuererstattung von zusammen 712 Euro, die ebenfalls zur Tilgung eingesetzt wird. Das Ehepaar möchte spätestens mit 67 Jahren schuldenfrei sein.

Die Familie kauft eine Immobilie. Nach Abzug des Eigenkapitals bleibt ein Finanzierungsbedarf von 150.000 Euro. Über diesen Betrag nimmt das Ehepaar zwei Riester-Darlehen auf. Der eine Ehepartner nimmt ein Riester-Darlehen in Höhe von 85.000 Euro auf. Die monatliche Rate aus Zins und Tilgung beträgt 505 Euro. Der andere Ehepartner nimmt 65.000 Euro auf, bei einer monatlichen Rate von 340 Euro. Der Zinssatz beträgt für beide Darlehen fünf Prozent nominal, der über die gesamte Laufzeit konstant bleibt. Die Raten sind so gewählt, dass die Tilgungsleistung zusammen mit den Zulagen jeweils 2.100 Euro im Jahr ergeben. Die Steuererstattung ist so gestaltet, dass die beiden Riester-Darlehen fast gleichzeitig getilgt sind, nämlich nach 21 Jahren und fünf beziehungsweise sechs Monaten.

Wenn das Ehepaar ein ungefördertes Darlehen über 150.000 Euro mit derselben monatlichen Gesamtrate von 845 Euro zum selben Zinssatz von fünf Prozent genommen hätte, wäre es erst fünfeinhalb Jahre später schuldenfrei. Das ungeförderte Darlehen wäre 27 Jahre gelaufen. Das heißt, mit dem Riester-Darlehen spart die Familie 66 Monatsraten à 845 Euro. Das sind unter Einbeziehung der letzten Zulagen mehr als 57.000 Euro. Das ist der Brutto-Vorteil der Familie durch die Wohn-Riester-Förderung. Von diesem Brutto-Vorteil muss die Steuerbelastung im Alter abgezogen werden. Auf dem Wohn-Förderkonto des Ehepaares sind rund 126.000 Euro registriert. Wenn das Ehepaar die 70-Prozent-Regel nutzt, was in diesem Fall knapp 30.000 Euro spart, muss es auf rund 88.000 Euro rund 32.000 Euro Steuern zahlen. Dann bleibt dem Paar immer noch ein Netto-Vorteil von 25.000 Euro.

Das ist nur ein Beispiel. Ihre Werte müssen Sie für Ihren Familienstand, Ihr Einkommen und Ihre Kinderzahl durchrechnen. Vergleichen Sie die besten Riester-Darlehen mit den besten ungeförderten Darlehen. Denn eins ist klar: Wenn die Bank für das Riester-Darlehen einen höheren Zinssatz verlangt, schmilzt der Riester-Vorteil wie Schnee in der Frühlingssonne. Die bisherigen Wohn-Riester-Angebote unterscheiden sich, was das Zinsniveau angeht, nicht von anderen Darlehen desselben Hauses. Achten Sie darauf, dass man Ihnen die effektive Verzinsung inklusive aller zusätzlichen Entgelte nennt. Manche Banken und Versicherungen sind recht erfinderisch, wenn es um so genannte Gebühren geht, die zusätzlich verlangt werden. Das gilt auch für Riester-Produkte.

Hausverkauf im Alter

Achtung: Wenn der Riester-Rentner vor seinem 85. Lebensjahr verstirbt, müssen seine Erben die restlichen Steuern begleichen.

Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Fazit und Tipps

Wohn-Riestern kann sich lohnen, ist aber mit vielen Schwierigkeiten behaftet. Deswegen: Keine Baufinanzierung ohne Expertenrat.

Wer auf Wohn-Riester setzt, kann viel Geld sparen, muss aber gleichzeitig auch viel rechnen. Die Vorschriften der Riester-Rente mit den Regeln einer Immobilien-Finanzierung unter einen Hut zu bekommen, ist nicht einfach.

Ganz wichtig ist, dass die Bank, bei der Immobilienkäufer mit Riester finanzieren, flexibel ist. Sie sollte möglichst flexible Bedingungen einräumen. Ganz wichtig sind Sondertilgungen, um die Zulagen und auch die Steuererstattungen einzahlen zu können. Ohne das Recht auf Sondertilgungen funktioniert das Wohn-Riestern nicht. Der Umfang der Sondertilgungen sollte möglichst wenig reglementiert sein, so dass Sparer im Sinne der Riester-Regeln nachjustieren können. Denn wenn sie zu wenig tilgen, bekommen sie nicht die vollen Riester-Zulagen beziehungsweise Steuererstattungen. Zahlen Wohn-Riesterkunden zu viel, bekommen sie keine zusätzliche Förderung, müssen aber im Alter zusätzlich Steuern zahlen.

Auch bei den laufenden Einzahlungen sollte die Bank flexibel sein, sonst bekommen ihre Kunden leicht Probleme mit den Riester-Vorschriften. Zu solchen Schwierigkeiten kann es beispielsweise kommen, wenn sich die Familienverhältnisse ändern, wenn das Einkommen sich verändert oder ein neuer Job angetreten wird. Hier kommen Sparer mit festen Tilgungsraten nicht weit. Diese flexiblen Bedingungen zu finden, kann schwierig sein, denn gerade die günstigen Darlehen mit einem niedrigen Zinssatz werden oft zu eher unflexiblen Bedingungen angeboten.

Ehepaare vor komplizierten Aufgaben

Vor einem wesentlichen Organisationsproblem stehen beispielsweise alle Ehepaare, die Wohn-Riester nutzen wollen. Sie müssen, um die Förderung optimal ausnutzen zu können, beide einen Darlehensvertrag abschließen. Denn ohne eigenen Vertrag gibt es keine Grundzulage und erst recht keine Steuererstattung. Für die Banken und Versicherungen bedeutet das natürlich mehr Aufwand. Grundsätzlich ist es auch möglich, für den nicht erwerbstätigen Ehepartner einen so genannten abgeleiteten Vertrag abzuschließen, für den er auch Zulagen bekommt. Viele Institute wollen aber mit jemandem, der kein eigenes Einkommen hat, keinen Darlehensvertrag abschließen. Wenn dann beide Ehepartner glücklich einen Anbieter gefunden haben, ist es eine umfangreiche Rechenaufgabe, die Darlehenssummen, die Laufzeiten und die Tilgungsraten so zu synchronisieren, dass die Riester-Förderung optimal ausgeschöpft wird und beide Verträge rechtzeitig getilgt sind.

Achtung Anschlussfinanzierung

Als Wohn-Riesterkunde haben Sparer ein Interesse, ein Darlehen auf eine möglichst lange Laufzeit abzuschließen, damit sie den Aufwand nicht in ein paar Jahren wieder haben. Eine Anschluss-Finanzierung mit Riester-Förderung zu bekommen, die zu den alten Voraussetzungen passt, dürfte eine größere Herausforderung sein. Gerade lange Laufzeiten werden in der derzeitigen Finanzkrise aber weniger angeboten.

Für viele Riester-Kunden machen nur eher kleine Verträge Sinn, um die Förderung optimal auszunutzen. Dadurch sind dann weitere Darlehen erforderlich, so dass geklärt werden muss, welches Darlehen in welchem Rang im Grundbuch eingetragen wird. Denn die Rangfolge hat Auswirkungen auf die Darlehenskonditionen. Die Kombination mit anderen Darlehen muss dann eben auch organisiert werden. Dabei sollten Sie auch die Angebote der KfW prüfen. Sie bietet nämlich keine nach Riester geförderten Darlehen an. Insofern eignen sich ihre Kredite zur Rest-Finanzierung.

Hinweis: Diese Informationen entsprechen dem Rechtsstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Beratung

Weil das Wohn-Riester nur ein Teil der Baufinanzierung darstellt, sollten Sparer sich nicht nur gut informieren, sondern sich auch beraten lassen

  • www.baufoerderer.de
  • Der „Bauförderer“ ist eine Gemeinschaftsinitiative des Bundesverbands der Verbraucherzentralen und der öffentlichen KfW-Bank. Das Internetportal weist den Weg zu günstigen Kreditprogrammen und gibt kostenlos Tipps zur Finanzierung.
  • www.vzbv.de
    Zahlreiche Verbraucherzentralen bieten eine Baufinanzierungsberatung an. Außerdem gibt es zahlreiche Ratgeber für Bauherren und Immobilienkäufer
  • www.vpb.de  
    Der Verband Privater Bauherren (VPB) ist eine unabhängige Verbraucherschutzgemeinschaft. Der Verband vermittelt Bausachverständige.
  • www.bsb-ev.de
    Ähnliche Beratungsleistungen bietet auch der Bauherren-Schutzbund. Zudem bietet der Schutzbund, wie auch der VpB, zahlreiche nützliche Ratgeber.
Verbraucherzentrale Beratungsangebote Internet
Baden-Württemberg Persönliche Beratung: 140 Euro. Anmeldung: 01805 - 50 59 99 (0,14 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz, aus Mobilfunknetzen höchstens 0,42 Euro pro Minute) www.verbraucherzentrale-bawue.de
Bayern Keine Baufinanzierungsberatung www.verbraucherzentrale-bayern.de
Berlin Persönliche Beratung: 100 Euro. Anmeldung: 030 - 214 85 / 237 www.vz-berlin.de
Bremen Einzelberatung Baufinanzierung: 60 bis 80 Euro pro Stunde. Anmeldung: 0421 - 16 07 77

Bautechnische und immobilienrechtliche Beratung (Preis auf Anfrage).

Individuelle Angebotseinholung bis zum unterschriftsreifen Vertrag (450 Euro) Anmeldung: 0421 - 160 77 60
www.verbraucherzentrale-bremen.de
Hamburg Telefonische Beratung unter 09001-77 54 42 (1,50 Euro/Min. aus dem dt. Festnetz der Telekom)

Persönliche Kurzberatung bis 20 Min.: 25 Euro (12,50 ermäßigt).

Einzelberatung: 120 Euro, Anmeldung: 040 - 24 832 / 117

Individuelle Angebotseinholung bis zum unterschriftsreifen Vertrag (450 Euro) Anmeldung: 040 - 24 832 / 108
www.vzhh.de
Hessen Einzelberatung 150 Euro, Seminare 55 Euro, Anmeldung: 01805 - 97 20 10 (0,14 Euro pro Minute aus dem Festnetz der Deutschen Telekom - andere Netzbetreiber können zusätzliche Kosten berechnen). www.verbraucherzentrale-hessen.de
Mecklenburg-Vorpommern Einzelberatung ab 50 Euro, Anmeldung: 0381 - 20 87 050 www.nzmv.de
Niedersachsen Einzelberatung: 120 Euro, Infos und Buchung bei den einzelnen Niederlassungen; Telefonnummern siehe Internetseite www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de
Nordrhein-Westfalen Einzelberatung: 160 Euro, Baufinanzierungsseminar: 40 Euro, Infos und Buchung bei den einzelnen Niederlassungen; Telefonnummern siehe Internetseite www.vznrw.de
Rheinland-Pfalz Telefonische Beratung: 09001 - 77 80 80 3 (1,50 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz und evtl. abweichende Preise aus den Mobilfunknetzen und den Netzen anderer Anbieter.)
Einzelberatung: 125 Euro, Baufinanzierungseminar: 40 Euro, 60 Euro (Paare), Anmeldung: 06131 - 28 48 0
www.verbraucherzentrale-rlp.de
Saarland Telefonische Beratung: 09001 - 77 80 80 3 (1,50 Euro pro Minute aus dem deutschen Festnetz und evtl. abweichende Preise aus den Mobilfunknetzen und den Netzen anderer Anbieter.) Einzelberatung: 80 - 130 Euro, Anmeldung: 0681-500 890 www.vz-saar.de
Sachsen Einzelberatung: 30 Euro, Anmeldung: 01805 - 79 77 77 (0,14 Euro je angefangene Minute aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk ggf. abweichend) www.vz-sachsen.de
Schleswig-Holstein Persönliche Beratung (150 Euro), Infos und Buchung bei den einzelnen Niederlassungen; Telefonnummern siehe Internetseite www.vz-sh.de
Thüringen Einzelberatung: 25 Euro/halbe Stunde, Angebotseinholung Baufinanzierung: 450 Euro, Anmeldung: 0361 - 55 51 40 www.vz-th.de

Quelle: eigene Recherchen, keine Gewähr für Angaben, Stand: Dezember 2009

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Autor

Michael J. John