Nachgefragt / 28.02.2014

Renditegrab oder lohnenswert?

Rente gegen Einmalzahlung: Eine sinnvolle Geldanlage oder ein Renditegrab? Versicherungsexperte Oliver Mest weiß Rat.

Geldscheine – Bildnachweis: shutterstock.com © WronaART

Viele Menschen erhalten heute im Alter eine Lebensversicherung ausgezahlt oder haben aus anderen Quellen – wie zum Beispiel einer Erbschaft – Geld auf der hohen Kante liegen. Was aber damit tun? In aller Regel soll das Geld angelegt werden, um daraus eine Zusatzrente zu finanzieren. Auch Versicherungen mischen auf diesem Markt natürlich mit und bieten eine Lösung an: Die Rente gegen Einmalzahlung, auch Sofortrente genannt. Wir wollten von unserem Versicherungsexperten Oliver Mest wissen, was von dem Modell zu halten ist.

Wie funktioniert eine solche Sofortrente?

Oliver Mest: Der Sparer zahlt eine Summe X in die Versicherung ein und bekommt dann vom Stichtag an eine Rente ausgezahlt, die in aller Regel Jahr für Jahr steigt. Den Rentenbeginn legt er dabei selbst fest – das kann der nächste Monatserste sein, aber auch ein Termin in zwei, drei oder fünf Jahren.

Und was ist, wenn ich morgen meine erste Rente bekomme und früh sterbe – zum Beispiel in zwei Jahren. Ist dann mein gesamtes Geld weg?

Oliver Mest: Nicht zwangsläufig. Es gibt die Möglichkeit, eine sogenannte Rentengarantiezeit zu vereinbaren. In dem Fall wird die Rente für einen vereinbarten Zeitraum von zehn oder 15 Jahren auch dann gezahlt, wenn der Versicherte bereits verstorben ist. Meist wird diese Variante gewählt, um den Partner oder die Kinder zu versorgen. Ein weiteres Instrument, um das eingezahlte Kapital bei der Sofortrente zu schützen, ist die Beitragsrückgewähr. Ist die vereinbart, werden im Todesfall quasi die unverbrauchten Beiträge an die Hinterbliebenen zurückgezahlt.

Und was ist, wenn ich lebe und an mein Geld will?

Oliver Mest: Auch hier gibt es mittlerweile gute Lösungen, bei denen die Sofortrenten gestoppt werden können und die Kunden ganz oder teilweise ausgezahlt werden. So bleibe ich also flexibel, wenn ich zum Beispiel plötzlich Geld benötige, weil ich meinen Kindern finanziell unter die Arme greifen möchte.

Mal abgesehen von diesen Randfragen – die Hauptfrage ist ja: Wie lohnend ist eigentlich eine Sofortrentenversicherung unter Renditegesichtspunkten?

Oliver Mest: Sagen wir es mal so: Die Versicherung ist vor allem eine Wette auf ein langes Leben. Wer heute als 60-Jähriger 100.000 Euro in eine Sofortrente steckt, wird monatlich zu Beginn der Rente mit rund 350 bis 400 Euro Rente rechnen können. Damit bekommt der Sparer erst einmal über 21 Jahre nur sein eigenes Geld zurück – und hat keinen Cent Zinsen bekommen. Erst nach 30 Jahren sind nennenswerte Renditen zu erwarten – da ist der Sparer dann 90! Aber in aller Regel erhöht sich die Rente während der Rentenbezugsdauer auch noch. Bei der dynamischen Rente soll die Rente jährlich um einen Prozentsatz X steigen, was allerdings nicht garantiert ist, sondern von den Überschüssen abhängt, die erwirtschaftet werden. Bei einer sogenannten teildynamischen Rente ist die Rente anfangs höher, steigt dafür aber langsamer an, wobei die Steigerung auch nicht garantiert ist - Stichwort Überschüsse. Nur bei einer konstanten Rente bleibt die Rente dauerhaft stabil und erhöht sich nicht mehr.

Trotzdem kann die Rendite nicht das Argument sein, oder?

Oliver Mest: Nein, das ist es für viele auch nicht. Das große Plus der Sofortrente ist der Faktor Sicherheit. Denn die Rentenversicherung muss bis zum Lebensende zahlen – egal, wie alt der Versicherte wird. Man hat also eine kalkulierbare Größe, mit der man rechnen kann. Alternativen – wie die Auszahlpläne der Banken – sind da anders: Der Sparer legt dort – ähnlich wie bei der Sofortrente – einen Einmalbetrag an und entscheidet, wie lange er daraus eine Rente beziehen will. Der Nachteil: Es wird eben bei Vertragsschluss festgelegt, wie lange das Geld reichen soll – ist dieser Zeitpunkt erreicht, ist das Kapital aufgebraucht und die Rentenzahlung wird eingestellt.

Wie wird die Sofortrente steuerlich behandelt?

Oliver Mest: Die Sofortrente ist steuerbegünstigt. Im Alter wird die Rentenzahlung nur mit dem Ertragsanteil besteuert, der bei einem Rentenbeginn mit 65 Jahren nur 18 Prozent beträgt – von 100 Euro Rente werden also nur 18 Euro besteuert. Sparzinsen werden hingegen in aller Regel mit 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Kirchensteuer und Soli belegt, wenn nicht der individuelle Steuersatz geringer ist.

Und was ist mit staatlicher Förderung?

Oliver Mest: Tatsächlich ist die Sofortrente steuerlich gefördert, wenn Sie als Rürup-Rente abgeschlossen wird. Bei einer Einmaleinzahlung können derzeit 78 Prozent der Beiträge steuerlich abgesetzt werden – begrenzt pro Jahr auf 20.000 Euro für Alleinstehende und 40.000 Euro für Verheiratete. Damit sind jährlich Steuerersparnisse von bis zu 11.000 Euro möglich, die allerdings teuer bezahlt werden. Allerdings fällt dann auch das Steuerprivileg: Die Renten werden derzeit schon mit 68 Prozent besteuert – aber 2040 sind es dann 100 Prozent. Das heißt: Die Steuervorteile von heute sind eventuell die Steuerlast von morgen.

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Oliver Mest