Aktuell beleuchtet / 10.04.2012

Riestern mit Rettungsring

Die Riester-Rente gibt es auch mit eingebautem Berufsunfähigkeitsschutz und Steuervorteil. Doch die gezahlten Berufsunfähigkeitsrenten sind klein und stehen manchmal im Notfall auch nicht wirklich zur Verfügung.

Mann mit Taschenrechner – Bildnachweis: istockphoto.com © Rostislav_Sedlacek

Ein Verkaufsargument für einen Riester-Vertrag kennt jeder Berater: Der Riester-Vertrag kann um einen Berufsunfähigkeitsschutz erweitert werde, der sogar mit den Zulagen und möglichen Steuervorteilen mitgefördert wird. Viele Unentschlossene werden dann hellhörig – vor allem wenn es Ihnen noch an einer Berufsunfähigkeitsversicherung mangelt. Denn eine Berufunfähigkeitsversicherung kann eine sinnvolle Ergänzung zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente sein.

Vorgesehen hat der Gesetzgeber eine solche Erweiterung tatsächlich: Zwar müssen Riester-Verträge grundsätzlich eine lebenslange Altersversorgung vorsehen, die erst mit 60 Jahren (bei neueren Verträgen ab 2012 mit 62 Jahren) ausgezahlt werden darf. Wer aber den Berufsunfähigkeitsschutz mit vereinbart, darf eine entsprechende Invaliditäts-Rente auch bereits vor dem 60. Lebensjahr bekommen.

Eine wichtige Einschränkung: Für diese Berufsunfähigkeitszusatzversicherung dürfen maximal 15 Prozent der Riester-Beiträge verwendet werden – 85 Prozent der Prämien müssen also für die Altersvorsorge verwendet werden.

Vorsicht!
Soweit die Rahmenbedingungen, aber Vorsicht: Tatsächlich bieten einige Riester-Anbieter zwar eine Berufsunfähigkeitsversicherung als Zusatzversicherung zum Riester-Vertrag an, aber der Leistungsumfang ist sehr beschränkt. Denn da nur 15 Prozent des Riester-Beitrags und damit meist kaum mehr als 20 Euro im Monat in die Berufsunfähigkeitszusatzabsicherung fließen darf, ist die Höhe der möglichen Rente entsprechend begrenzt. Für eine wirklich umfassende Absicherung der Arbeitskraft reichen die möglichen Rentenhöhen von maximal einigen 100 Euro jährlich nie und nimmer. 

Leistungsumfang genau prüfen

Einige Anbieter haben auch ein ganz besonderes Modell der Berufsunfähigkeitsvorsorge im Rahmen des Riester-Vertrages entworfen: Die bei Berufsunfähigkeit fällige Rente wird nicht zur freien Verwendung ausgezahlt, sondern dazu verwendet, die Beiträge für den Riester-Vertrag zu leisten. Der Invaliditätsschutz hat damit nur ein Ziel: Ihr Altersvorsorgevertrag soll weiter finanziert werden.

Absurd dabei: Können Sie nicht mehr arbeiten und werden komplett erwerbsunfähig, bekommen Sie in den meisten Fällen auch keine Zulagen mehr für Ihren Riester-Vertrag. Der wird also ohne Zulagen und meist auch ohne steuerliche Vorteile weiter bespart – dabei macht gerade die staatliche Förderung den Reiz des Riester-Modells aus. 

Nicht von der laschen Gesundheitsprüfung blenden lassen

Die Anbieter solcher Koppelverträge weisen im Übrigen auch gerne darauf hin, dass der Berufsunfähigkeitsschutz im Rahmen eines Riester-Vertrages leichter zu bekommen ist als bei herkömmlichen Berufsunfähigkeitsversicherungen: So müssen meist nur einige kurze Fragen zum Gesundheitsstatus beantwortet werden. Je nach Anbieter kann sich hier aber die nächste Falle verstecken. Denn auch wenn nur wenig gefragt wird, richtig beantwortet werden müssen die Gesundheitsfragen dennoch. Und gerade bei den offenen und weit gestellten Fragen machen Verbraucher schnell unabsichtlich falsche Angaben, die fatale Folgen haben können: Der Vertrag wird von den Versicherung angefochten, so dass selbst der magere Schutz komplett verloren geht. 

Koppelverträge immer skeptisch unter die Lupe nehmen

Ein weiteres Argument gegen die Verbindung von Riester-Rente und Berufsunfähigkeitsschutz: Können Sie sich die Riester-Rente einmal nicht mehr leisten, müssen Sie den Vertrag auflösen oder beitragsfrei stellen. Bei einem Koppelvertrag verlieren Sie dann nicht nur Ihre private Riester-Vorsorge, sondern auch noch den verbundenen Berufsunfähigkeitsschutz, so gering er auch sein mag. Auch aus diesem Grund empfiehlt es sich, das Risiko einer Invalidität immer separat abzusichern.

Die Alternative: Selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung

Besser als ein Koppelvertrag mit einer Riester-Rente ist eine Berufsunfähigkeitsabsicherung, die als eigenständiger Vertrag geführt wird. Zwar fällt dann die Förderung durch die anteiligen Riester-Zulagen und Steuervorteile weg, diese kleinen Anreize sollten aber ohnehin bei der Wahl des Invaliditätsschutzes nicht im Vordergrund stehen.

Viel wichtiger ist es, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu bekommen, die verbraucherfreundliche Bedingungen bietet und die bei einem Versicherer abgeschlossen wird, auf den man sich im Ernstfall auch verlassen kann. Hilfreich bei der Auswahl sind Ratings und Tests dieser Versicherungen. 

Mehr Informationen

  • Riester-Rente
    Schwerpunkt auf ihre-vorsorge.de
  • www.test.de
    Test von privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen auf der Internetseite der Stiftung Warentest. Der test-Download ist kostenpflichtig.
  • www.deutsche-rentenversicherung.de
    Direkter Link zur Broschüre „Erwerbsminderungsrente – ein Netz für alle Fälle“ der Deutschen Rentenversicherung. 
Autorenbild

Autor

Oliver Mest