Aktuell beleuchtet / 09.03.2015

Rürup-Rente: Sinnvolle Vorsorge oder unattraktive Geldanlage?

Die Rürup-Rente zählt nicht gerade zu den Rennern der privaten Altersvorsorge. Viele Nachteile geistern immer wieder durch die Medien. Dabei gibt es durchaus Gründe, die für die Rürup-Rente sprechen. Ein Faktencheck:

Bleistift und Taschenrechner – Bildnachweis: shutterstock.com © sebra

Fakt 1: Die Rürup-Rente lohnt sich nicht

Da hilft der Blick auf die „nackten Zahlen“. Wer heute als 30-Jähriger eine Rürup-Rente abschließt und dabei bis zum 67. Geburtstag 250 Euro monatlich in den Vertrag einzahlt, der erhält von den besten Anbietern eine garantierte Rente von 350 bis 400 Euro. Mit den erwirtschafteten Überschüssen ist je nach Entwicklung der gewählten Anlagemodelle eine Rente zwischen 500 und 800 Euro monatlich realistisch. Zugrunde liegt dem ein Kapital von rund 105.000 Euro bei der garantierten Rente und 135.000 bis 202.000 Euro bei der möglichen Rente. Bei der Garantierente beträgt die Rendite so ein Prozent, bei der möglichen Rente bis zu drei Prozent – das sind in der Tat Renditen, die eher weniger attraktiv scheinen.

Fakt 2: Die Steuer macht die Rürup-Rente attraktiv

Steuerliche Vorteile steigern die Rendite allerdings erheblich: Wenn die Beiträge steuerlich angesetzt werden, beträgt die Rendite bei der garantierten Rente nach Steuern bei einem Steuersatz von 38 Prozent immerhin rund drei Prozent. Bei der möglichen Rente liegt die Rendite bei bis zu fünf Prozent. Auf der anderen Seite muss die Rente im Alter natürlich voll versteuert werden, sodass die Rendite auf diesem Wege wieder schmilzt. Das bedeutet: Die Steuervorteile von heute sind die Rentensteuern von morgen. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Steuerbelastung im Alter deutlich geringer ist als im Erwerbsleben. So dürfte unter dem Strich in der Ansparphase durch die steuerliche Förderung eine anständige Rendite zu erwirtschaften sein, wenn im Erwerbsleben ein hohes Einkommen mit einem hohen Steuersatz erzielt wird, das dann durch die Beiträge zur Rürup-Rente gemindert wird. Unter dem Strich ist die Rürup-Rente damit vor allem für Gutverdiener interessant.

Fakt 3: Keine Kapitalzahlung möglich

Das ist für viele tatsächlich ein großer Nachteil, der sie davon abhält, eine Rürup-Rente abzuschließen: Sie haben bei der Rürup-Rente keine Möglichkeit, sich das angesparte Vermögen im Alter auszahlen zu lassen – nicht einmal teilweise wie bei der Riester-Rente. Es besteht bei der Rürup-Rente aufgrund der gesetzlichen Vorgaben immer nur die Möglichkeit, das Kapital im Alter als lebenslange Rente ausgezahlt zu bekommen. In diesem Zusammenhang besteht auch der Nachteil, dass eine Rürup-Rente weder gekündigt noch verkauft werden kann. Ein einmal abgeschlossener Vertrag kann also nicht wieder aufgelöst werden. Sparer haben damit auch keine Möglichkeit, auf das angesparte Vermögen in einem Notfall zuzugreifen. Sie müssen immer bis zum Rentenbeginn warten, um ihr Kapital in Form einer Rente zu bekommen. Vorher haben sie lediglich die Möglichkeit, den Vertrag beitragsfrei zu stellen, damit sie keine Beiträge mehr zahlen müssen. Die fehlende Möglichkeit, sich das angesparte Kapital auszahlen zu lassen, macht die Rürup-Rente vor allem für diejenigen uninteressant, die im Alter gerne selbst aus einem Kapitalstock eine Rente finanzieren wollen. Wer hingegen im Alter auf eine zuverlässige und lebenslange Rentenzahlung setzt, der bekommt bei der Rürup-Rente ein gutes Angebot.

Fakt 4: Eingeschränkte Vererbbarkeit

Auch das ist für viele ein großer Nachteil bei der Rürup-Rente: Das angesparte Kapital kann nicht vererbt werden. Es gibt lediglich die Möglichkeit, nahe Familienangehörige im Rahmen einer Rentenvereinbarung abzusichern. Aufgeweicht wird diese Regelung durch eine sogenannte Beitragsrückgewähr-Police, die einige Versicherer anbieten: Mit dieser Zusatzversicherung erhalten Sparer die Garantie, dass sie ihre eingezahlten Beiträge im Todesfall erstattet bekommen. Diese Zusatzversicherung schmälert jedoch zusätzlich die Rendite, außerdem sind die Beiträge dafür steuerlich nicht absetzbar. Grundsätzlich spricht die eingeschränkte Vererbbarkeit nicht zwangsläufig gegen die Rürup-Rente – das Kapital aus der Rürup-Rente lässt sich günstig über eine Risikolebensversicherung absichern. Zudem ist die Rürup-Rente vor allem als individuelles Vorsorgemodell gedacht und nicht als Baustein für die Hinterbliebenenabsicherung.

Fakt 5: Die Rente wird nicht mit Sozialabgaben belastet

Ein weiterer Vorteil der Rürup-Renten: Nach heutigem Recht werden Rürup-Sparer – anders als zum Beispiel bei Direktversicherungen – nicht mit Sozialversicherungsbeiträgen belastet. Damit sind neben den Steuerabzügen keine weiteren Abgaben zu erwarten.

Fakt 6: Die Rürup-Rente ist für Selbstständige die einzige geförderte Altersvorsorge

Im Grundsatz trifft das tatsächlich zu: Wer als Selbstständiger oder Freiberufler nicht in die gesetzliche Rentenversicherung oder eine entsprechende Versorgungskasse einzahlt, hat keinen Anspruch auf eine staatlich geförderte Altersvorsorge. Lediglich die Rürup-Rente ermöglicht es, mit einem Steuer-Bonus für das Alter vorzusorgen. Die Rürup-Rente ist damit eine gute Option für alle Selbstständigen, wenn sie eine steuerliche Förderung in Anspruch nehmen wollen. Aber: Wer mit einem angestellten Arbeitnehmer verheiratet ist, hat zudem in aller Regel die Möglichkeit, als mittelbar Berechtigter die staatlichen Zulagen für eine Riester-Rente zu bekommen.

Fakt 7: Keine Kapitalgarantie

Bei der Rürup-Rente besteht – anders als beim Riester-Modell – keine Verpflichtung des Anbieters, das eingezahlte Kapital zum Rentenbeginn zu garantieren. Bei einem fondsgebundenen oder börsennahen Modell kann es also vorkommen, dass zum Rentenbeginn weniger Kapital zur Verfügung steht, als eingezahlt wurde – im schlimmsten Fall erleiden Sparer einen nicht unerheblichen Verlust. Mittlerweile bieten jedoch viele Anbieter der Rürup-Rente Vorsorgemodelle mit Kapitalgarantie zu Rentenbeginn. Wer bei seiner Rürup-Rente auf Nummer sicher gehen will und eine Kapitalgarantie wünscht, der kann die steuerliche Förderung mit einem Modell koppeln, bei dem zumindest die eingezahlten Beiträge zum Rentenbeginn garantiert sind.

Fakt 8: Die Rürup-Rente ermöglicht eine steuerbegünstigte Vorsorge über die Altersvorsorge hinaus

Tatsächlich besteht die Möglichkeit, mit einer Rürup-Rente nicht nur für das Alter vorzusorgen, sondern auch einen Berufsunfähigkeitsschutz und einen Schutz der Hinterbliebenen zu vereinbaren. Die Beiträge dafür sind ebenso steuerlich absetzbar, wie es die Beiträge für die Altersvorsorge sind. Die einzige Voraussetzung: Es dürfen nicht mehr als 50 Prozent der Beiträge in den Berufsunfähigkeitsschutz oder die Hinterbliebenenabsicherung fließen. In dem Zusatzschutz steckt kein großer Vorteil für die Versicherten: Zwar mag der Steuervorteil für den Zusatzschutz locken, in der Regel ist das Risiko der Invalidität über eine separate Berufsunfähigkeitsversicherung jedoch deutlich günstiger und zu besseren Versicherungsbedingungen versicherbar. Der Schutz der Familie ist zudem über eine Risikolebensversicherung dauerhaft günstiger und zuverlässig zu erreichen.

Fakt 9: Die Rürup-Rente ist Hartz-IV-sicher

Angespartes Rürup-Vermögen muss bei Bezug von Arbeitslosengeld II nicht angerechnet werden und bleibt von daher unangetastet. Damit ist die Rürup-Rente natürlich vor allem dann auch das Modell der Wahl, wenn eine Basis-Absicherung im Alter gewünscht ist, die unabhängig vom Erfolg der eigenen Unternehmung bestehen bleibt.

Das Fazit

Es gibt kein klares Ja oder Nein zur Rürup-Rente. Die steuerliche Förderung ermöglicht vor allem Gutverdienern, mit der Rürup-Rente eine attraktive Rendite zu erzielen. Wer zudem im Alter vor allem von Zinserträgen lebt, die lediglich mit der Abgeltungssteuer pauschal abgegolten werden, der wird auch die dann geringe individuelle Steuerbelastung verkraften können. Attraktiv ist die Rürup-Rente auch im Zusammenspiel mit einer Altersvorsorge in Form einer selbstgenutzten Immobilie. Das mietfreie Wohnen ist ebenfalls steuerfrei, sodass die Rente aus dem Rürup-Modell ebenfalls kaum steuerlich belastet sein dürfte. Auf der anderen Seite wird die Rürup-Rente unattraktiver, wenn eine hohe gesetzliche oder betriebliche Rente zu versteuern ist. Dann ist davon auszugehen, dass die Steuervorteile der Rürup-Rente aus dem Erwerbsleben im Alter durch die dann fällige Rentensteuer auf die Rürup-Rente schnell aufgezehrt werden.

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Autor

Oliver Mest