Aktuell beleuchtet / 25.11.2016

Sechs Vorurteile über die Berufsunfähigkeitsversicherung

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Muss für alle, die von Ihrem Einkommen leben. Trotzdem können manche sich nicht zum Abschluss durchringen. Ihre Gründe sind vielfältig. Was ist dran an den Vorurteilen? Die Argumente im Fakten-Check.

Meeting von Geschäftsleuten – Bildnachweis: gettyimages © PhotoAlto/Eric Audras

1. Ich bin doch über die Deutsche Rentenversicherung abgesichert.

Ja und nein. Wer vor 1961 geboren wurde, kann bei Berufsunfähigkeit tatsächlich eine Rente vom Staat bekommen: Gezahlt wird dann die Rente aufgrund teilweiser Erwerbsminderung wegen Berufsunfähigkeit, wenn weniger als sechs Stunden am Tag gearbeitet werden kann. Diese Rente steht aber nur wenigen Älteren offen und ist in der Höhe begrenzt: In der Praxis bekommen Betroffene oft deutlich weniger als 20 Prozent des letzten Bruttogehalts.

Jüngere erhalten nur noch eine Rente bei Erwerbsminderung: Die wird gezahlt, wenn sie dem Arbeitsmarkt insgesamt nicht mehr als sechs Stunden am Tag zur Verfügung stehen – auf den tatsächlich ausgeübten Beruf kommt es gar nicht an.

Das Fazit: Die Deutsche Rentenversicherung leistet nur in ganz bestimmten Fällen – und auch dann sind die Leistungen begrenzt. Eine private Absicherung ist also dringend ratsam.

2. Mir passiert schon nichts - und ich kann auch noch am Schreibtisch sitzen, wenn ich berufsunfähig bin!

Viele schieben das Risiko einer Invalidität von sich – und das, obwohl jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland in seinem Erwerbsleben berufsunfähig wird. Betroffen sind dabei keineswegs nur die hart körperlich Arbeitenden.

Die Ursachen für Berufsunfähigkeit sind vielfältig und ziehen sich durch alle Berufsgruppen und Einkommensklassen: Psychische Erkrankungen sind heutzutage die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit – und die können jeden treffen. Danach folgen Erkrankungen von Skelett, Muskeln und Bindegewebe, Krebserkrankungen, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Nervenerkrankungen.

Das Fazit: Jeder hofft, dass ihm nichts passiert. Die Realität kann aber jeden Einzelnen schnell einholen.

3. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist viel zu teuer.

Die Beitragshöhe richtet sich nach verschiedenen Faktoren: Entscheidend sind das Alter bei Vertragsbeginn, die Laufzeit, die Rentenhöhe und nicht zuletzt individuelle Faktoren wie der Beruf, der Gesundheitszustand und der Lebenswandel. Wer ein riskantes Hobby hat, einen gefährlichen Beruf oder gar beides und zudem noch mit Erkrankungen belastet ist, wird immer eine höhere Prämie zahlen als ein kerngesunder Antragsteller ohne irgendwelche beruflichen oder privaten Risiken.

Relativieren lässt sich das zum Beispiel dadurch, dass die Rentenhöhe etwas reduziert wird – später kann sie oft aufgestockt werden. Möglich ist es auch, mithilfe von günstigen Einsteigertarifen zunächst für einige Jahre in den Genuss günstigerer Tarife zu kommen, die erst später teurer werden, wenn man mehr Geld zur Verfügung hat.

Das Fazit: Die Beitragshöhe der Berufsunfähigkeitsversicherung wird individuell berechnet – ein Vorteil für alle, die mit geringeren Risikomerkmalen davon profitieren. Wer mehr zahlen muss, kann mit ein paar Kniffen versuchen, die Beiträge zu reduzieren.

4. Ich bekomme ohnehin keine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Nicht nur bei der Berechnung der Beiträge kalkulieren die Berufsunfähigkeitsversicherungen individuell, sondern auch bei der Annahme. Gerade hart körperlich arbeitende Beschäftigte werden von vielen Versicherern nicht oder nur bis zu einem geringen Alter versichert – das gilt auch bei Vorerkrankungen oder gefährlichen Hobbys.

Allerdings sollte niemand vorschnell den Kopf in den Sand stecken, nur weil ein Versicherer signalisiert, dass er keinen Versicherungsschutz bieten kann oder will. Mit einem guten Makler oder Berater ist es im Rahmen einer Risikovoranfrage möglich, die Versicherbarkeit bei fast allen Berufsunfähigkeitsversicherungen am Markt zu ermitteln. Und gegebenenfalls findet sich dann unter vielen Absagen die eine oder andere Chance auf guten und bezahlbaren Schutz.

Das Fazit: Geht nicht, gibt‘s nicht unbedingt – es lohnt sich, für eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung zusammen mit einem guten Makler oder Berater etwas Aufwand zu betreiben.

5. Ich bin schon zu alt.

Fakt ist: Je älter man bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist, umso höher ist der Beitrag in der Regel.

Fakt ist aber auch: Wer mit Anfang 50 noch zwölf, 15 oder 17 Jahre zu arbeiten hat, der verdient selbst mit einem Jahreseinkommen von „nur“ 36.000 Euro eine halbe Million Euro und mehr, und die sollten natürlich versichert werden – da unterscheidet sich ein Ü50 nicht von einem Ü20.

Problematisch kann das natürlich werden, wenn Vorerkrankungen bestehen. Dann hilft nur die bereits beschriebene Risikovoranfrage.  

Das Fazit: Für eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist man niemals zu alt. Und passender Schutz lässt sich mit professioneller Hilfe durchaus finden.

6. Ich bin noch zu jung.

Auch hier gilt: Zu jung gibt es nicht. Gerade Berufseinsteiger und Studierende unterschätzen das Risiko einer Berufsunfähigkeit und deren finanzielle Folgen oft. Vom Staat sind nur geringe Leistungen zu erwarten, der finanzielle Absturz bei einer längeren Berufsunfähigkeit ist damit fast programmiert. Dazu kommt, dass Jüngere sehr leicht guten und bezahlbaren Schutz finden, weil häufig kaum Vorerkrankungen im Wege stehen. Und die Beiträge sind für Berufseinsteiger und Studenten oft besonders günstig.

Das Fazit: Alter schützt vor Berufsunfähigkeit nicht – auch nicht in „jungen Jahren“. Mit einem leistungsstarken Schutz kann das Risiko sehr günstig abgesichert werden.

Autorenbild

Autor

Oliver Mest