Nachgefragt / 06.05.2013

Unverbindliche Anfrage

Wer einmal aus gesundheitlichen Gründen mit einem Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung abblitzt, hat es auch bei anderen Versicherern oft schwer. Eine anonyme Voranfrage löst das Problem, so Versicherungsexperte Oliver Mest.

Zwei Frauen in Büro lesen zusammen ein Schriftstück an einem Tisch. – Bildnachweis: gettyimages.de © Reza Estakhrian

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ergänzt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente der Deutschen Rentenversicherung. Die Rentenversicherung darf sich ihre Versicherten nicht aussuchen. Ganz anders private Versicherungskonzerne: Jung, gesund und ohne lange Krankenakte – so sieht der Lieblings-Kunde der Berufsunfähigkeitsversicherung aus. Schon mit kleineren Vorerkrankungen wird es schwieriger, den passenden Schutz zu bekommen. Besonders ärgerlich: Wer mit seinem Antrag einmal angelehnt wurde, muss diese Ablehnung bei weiteren Anträgen immer wieder angeben – die Chancen auf den Vertrag werden dadurch noch geringer. Eine Risikovoranfrage soll helfen, die gewünschte Berufsunfähigkeitsversicherung trotz gesundheitlicher Einschränkungen zu bekommen. Wir haben unseren Experten Oliver Mest mal auf diese Lösung angesetzt.

ihre-vorsorge: Was muss man sich unter einer Risikovoranfrage vorstellen?

Oliver Mest: Die Idee dahinter ist ganz einfach. Gemeinsam mit einem Versicherungsmakler klappern Sie die infrage kommenden Versicherer ab und lassen Ihre Versicherbarkeit prüfen. Sie beantworten die Gesundheitsfragen, reichen wie bei einem „echten“ Antrag die entsprechenden Unterlagen ein und bekommen dann eine Einschätzung und ein Votum, ob und zu welchen Konditionen Sie bei der jeweiligen Berufsunfähigkeitsversicherung einen Vertrag bekommen können.

ihre-vorsorge: Kann ich da abgelehnt werden?

Oliver Mest: Nein, das ist der Clou. Die Voranfrage ist kein Antrag. Und ohne Antrag ist auch keine Ablehnung möglich! Und Sie haben gegenüber anderen Berufsunfähigkeitsversicherungen auch nicht die Pflicht, das Ergebnis der Risikovoranfrage mitzuteilen. Ein weiteres Plus: Das Ergebnis einer Risikovoranfrage wird – anders ein abgelehnter Antrag ­– nicht in der zentralen Datendatei der Versicherer gespeichert. Andere Berufsunfähigkeitsversicherungen erfahren also nichts von der Voranfrage. Sie haben mit einer Risikovoranfrage damit die Möglichkeit, in aller Ruhe Ihrer Versicherbarkeit ermitteln zu lassen und die richtige Berufsunfähigkeitsversicherung zu finden.

ihre-vorsorge.de: Die Gesundheitsfragen muss ich aber trotzdem beantworten?

Oliver Mest: Ja, und zwar ehrlich. Denn die Einschätzung über die Versicherbarkeit wird natürlich immer auf Basis der Angaben des Antragstellers gemacht. Und schiebt der dann beim echten Antrag noch weitere Vorerkrankungen nach, dann kann der Antrag tatsächlich doch noch abgelehnt werden. Und noch schlimmer: Wer auch im „echten Antrag“ bei den Gesundheitsfragen schummelt, der riskiert, aus der Versicherung ausgeworfen zu werden, wenn die Mogelei später auffliegt. Die Folge: Es gibt im Ernstfall nicht einen Cent Rente.

ihre-vorsorge.de: Immer wieder findet man im Internet Anbieter, die bei der Berufsunfähigkeitsversicherung vereinfachte oder abgekürzte Gesundheitsfragen anbieten – was ist davon zu halten?

Oliver Mest: Die Angebote muss man sich genau anschauen. Teilweise gibt es die nur bei Gruppenverträgen wie der betrieblichen Altersvorsorge. Hier schließt ein Versicherer mit einem Arbeitgeber einen Vertrag ab und die Mitarbeiter steigen dann mit ein und müssen bei diesem speziellen Vertrag nur wenige Gesundheitsfragen beantworten. Wer Vorerkrankungen hat ein solches Angebot wahrnehmen kann, sollte das tun – nur können das eben nur die Mitarbeiter des jeweiligen Unternehmens. Andere Angebote stehen zwar jedem offen, man muss sich aber genau anschauen, was man bekommt. Oft ist die Rentenhöhe begrenzt, der Vertrag kann später nicht erhöht werden oder es sind vor allem sehr junge Antragsteller angesprochen – bei denen stellt sich das Problem der Vorerkrankungen aber oft gar nicht. Man sollte solche Angebote auf jeden Fall immer noch einmal von unabhängigen Experten anschauen lassen.

ihre-vorsorge: Wie funktioniert denn die Voranfrage in der Praxis?

Oliver Mest: Im ersten Schritt sollte man einen Makler beauftragen, die besten vier bis sechs Versicherer zu ermitteln, die unabhängig vom Gesundheitszustand überhaupt infrage kommen. Im zweiten Schritt sendet der Experte Ihnen für die Voranfrage die entsprechenden Unterlagen oder Anträge von einem oder mehreren Versicherern zu, bei denen parallel die Anträge gestellt werden können. Vorhandene ärztliche Unterlagen, Befunde oder medizinische Berichte sollten gleich mit eingereicht werden – ggf. werden weitere Unterlagen über den Makler angefordert. Zuletzt erhält der Makler die Entscheidung der Berufsunfähigkeitsversicherungen zu den Anfragen: Damit erfahren Sie, ob und unter welchen Voraussetzungen der Versicherungsschutz bei den einzelnen Gesellschaften gewährt werden kann. Gemeinsam können Sie dann entscheiden, bei welcher der Vertrag abgeschlossen werden soll.

Mehr Informationen

  • www.test.de
    Link zu einem Themenpaket über private Berufsunfähigkeitsversicherungen der Stiftung Warentest. Der Download kostet fünf Euro.
  • www.deutsche-rentenversicherung.de
    Link zur kostenlosen Broschüre „Erwerbsminderung – Ein Netz für alle Fälle“ der Deutschen Rentenversicherung.
Autorenbild

Autor

Michael J. John