Nachgefragt / 25.07.2013

Versicherung plus Fonds

Fondsgebundene Versicherungen sind beliebt. Sie versprechen, dass sie die Sicherheit von Versicherungen mit den Gewinnchancen von Fonds kombinieren.

Figuren eines Bären und eines Bullen stehen auf dem Tisch. - Bildnachweis: gettyimages.de © Westend61

Sicherheit plus Rendite – das ist die Verkäufer-Formel für fondsgebundene Rentenversicherungen. Sicherheit durch den Versicherungsmantel, in dem renditeträchtige Aktienfonds stecken. Aber ist das wirklich so? Versicherungsexperte Oliver Mest ist da im Interview mit ihre-vorsorge.de skeptisch.

Wie sicher ist eine fondsgebundene Rentenversicherung?

Oliver Mest:Von der für die Rentenversicherungen typischen Kapitalsicherheit ist bei klassischen Fonds-Policen kaum etwas zu merken: Denn das eingezahlte Kapital wird nicht zum Vertragsende garantiert, auch eine Mindestverzinsung gibt es meist nicht. Bauen die Versicherer Sicherheiten ein und garantieren zum Beispiel, dass einmal erreichte Höchststände bei den Fonds-Anteilen nicht mehr wieder unterschritten werden können, kosten diese Sicherheitsmechanismen zusätzliches Geld und schmälern die Rendite. Zudem gibt es einige Hybrid-Angebote am Markt. Hier wird dem Kunden ein Garantiezins versprochen, der aktuell bei 1,75 Prozent liegt. Nur das, was darüber hinaus am Kapitalmarkt erwirtschaftet wird, wird in Fonds angelegt.

Was ist mit dem Faktor „Bequemlichkeit“?

Oliver Mest: Viele Verbraucher entscheiden sich deswegen für fondsgebundenen Policen – und zahlen die hohen Kosten ohne zu murren. Bei den fondsgebundenen Policen steht eine begrenzte Auswahl an Fonds zur Verfügung, auch ein Umstieg ist möglich, der Sparer muss sich um wenig bis nichts wirklich kümmern und erspart sich die Mühe, die „richtigen“ Fonds zu finden. Diese Dienstleistung aber lässt sich die Versicherungsgesellschaft gut bezahlen. Und deshalb gilt die Devise: Selbst handeln, Aktienfonds aussuchen und die über eine günstige Direktbank ohne Versicherungsmantel besparen.

Aber Halt, es gibt doch einen Steuervorteil bei Fonds-Policen?

Oliver Mest: Einen Vorteil genießen die fondsgebundenen Policen wie alle Versicherungen beim Finanzamt tatsächlich: Während bei klassischen Fonds-Sparplänen die Abgeltungssteuer Jahr für Jahr auf die Erträge zugreift, wenn die Freibeträge ausgeschöpft sind, wird bei einer Fonds-Police nur die Hälfte der Erträge versteuert – und das auch erst bei der Auszahlung des Kapitals. Einzige Voraussetzung: Die Auszahlung erfolgt nach dem 60. Lebensjahr und nach einer Vertragslaufzeit von mindestens 12 Jahren. Der Vorteil: Da die Erträge nicht in der Sparphase besteuert werden, steigt der Zinseszinseffekt bei Fonds-Policen. Allerdings muss in den meisten Fällen wohl davon ausgegangen werden, dass dieses Plus die hohen Kosten kaum wieder aufwiegt.

Was passiert, wenn der Kunden in Rente geht?

Oliver Mest: „Aktives Ablaufmanagement“ heißt das Schlagwort: Die Versicherungsgesellschaften schlagen in aller Regel vor, dass das Vermögen monatlich nach und nach automatisch umgeschichtet wird. Diese Vorgehensweise ist auch sinnvoll, weil so schrittweise Vermögen in sichere Geldanlagen umgeschichtet werden, gleichzeitig aber noch die Chancen der Börsen mit dem noch nicht umgeschichteten Vermögen genutzt wird. Viele Versicherungen unterbreiten für jede Umschichtung Vorschläge, die Sparer dann annehmen können: So sind sie aktiv in jede einzelne Umschichtung involviert. Wenn Kunden selbst die Entwicklung steuern möchten, müssen sie die erzielten Erträge im Blick behalten und den Auszahlungsbeginn selbst bestimmen. Ohne das Ablaufmanagement der Versicherungen können Sparer lange in Aktien investieren und nehmen so die möglichen Gewinne mit. Ihr aufgelaufenes Guthaben legen sie dann bei Auszahlung selbst in sicheren Papieren an.

Fondsgebundene Rentenversicherungen gibt es auch mit Riester-Förderung…

Oliver Mest: Ja, in diesem Fall wird der Vertrag mit Zulagen und eventuell mit Steuervorteilen gefördert. An den hohen Kosten ändert das aber nichts. Zudem gibt es beim Riester-Modell dank staatlicher Vorgaben die Sicherheit bei allen Anlage-Varianten mit eingebaut: Das eingezahlte Kapital und die Zulagen müssen bei Rentenbeginn auf jeden Fall zur Verfügung stehen. Auch ohne teuren Versicherungsmantel haben Sparer deshalb bei Riester-Fondssparplänen eine Kapitalgarantie: Wie die Börse auch läuft, sie bekommen bei Rentenbeginn das gesamte Kapital plus Zulagen zur Verrentung zur Verfügung gestellt. Die Kehrseite: Schon viele Jahre vor Rentenbeginn wird das Kapital in sichere Rentenfonds umgeschichtet, um die Kapitalgarantie erfüllen zu können. Das mindert natürlich die Rendite. Da Fonds-Policen allerdings das gleiche Problem haben, ist aus meiner Sicht ein klassischer Fondssparplan aus Kostengründen einer Fonds-Police meist vorzuziehen.

Jetzt haben aber schon viele Menschen eine fondsgebundene Riester- Rentenversicherung abgeschlossen. Was sollten sie tun?

Oliver Mest: Zunächst ist es nicht erstaunlich, wenn Sparer in den ersten Jahren einen Schreck bekommen: Denn in den jährlich verschickten Standmitteilungen übertrifft das angesammelte Kapital öfters nicht die eigenen Einzahlungen plus die staatliche Förderung. Das passiert, wenn die Anfangskosten hoch sind und die Wertentwicklung der Fonds schlecht war. Wenn Kunden mit der Wertentwicklung unzufrieden sind, können sie wie jeder Riester-Sparer ihren Vertrag beitragsfrei stellen. Sie stoppen damit ihre Einzahlungen, der Vertrag wird aber nicht gekündigt. Dann können sie sich nach einem neuen Vertrag umgucken.

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Oliver Mest