Aktuell beleuchtet / 26.02.2015

Zulage steigert Rendite: Warum sich Riestern trotzdem lohnt

Riestern in Zeiten niedriger Zinsen kann sich trotzdem lohnen – dank der staatlichen Zulage, die die Rendite erhöht. Davon profitieren vor allem Familien und Menschen mit geringem Einkommen.

Münzen übereinander stapeln – Bildnachweis: shutterstock.com © Singkham

Offenbach (kma). Die Zahl der Riester-Verträge stagniert weiter – und das obwohl Sparer in Zeiten niedriger Zinsen auf der Suche nach renditebringenden Anlageformen sind. Knapp 16 Millionen Riester-Verträge gab es zum Ende des 3. Quartals 2014 – und damit kaum mehr als 2012 und 2013. Das geht aus den aktuellen Zahlen des Bundessozialministeriums hervor. Zugelegt hatten einzig die Riester-geförderten Investmentfonds und Wohn-Riester-Produkte. Dabei kann die Riester-Rente gerade in der Niedrigzinsphase eine attraktive Anlageform sein – dank der staatlichen Zulage. Die steigert die Rendite vor allem für Sparer mit geringerem Einkommen. Und auch Familien profitieren vom staatlichen Zuschuss.

Das Kapital in einem Riester-Vertrag wächst durch die staatliche Förderung und durch die Kapitalanlage. Dabei ist es vor allem die staatliche Förderung, die die Rendite bringt. Die Zeitschrift „Finanztest“ geht davon aus, dass die Rendite allein durch die staatliche Zulage je nach Einkommen und Familiensituation zwischen 0,4 und 8,5 Prozent liegt – unabhängig von der Entwicklung der Zinsen und der Aktienmärkte.

Am meisten profitieren demnach Eltern mit geringem Einkommen. Die staatliche Zulage beträgt 154 Euro, wenn Sparer vier Prozent des Bruttogehalts vom Vorjahr in den Riester-Vertrag einzahlen. Von der Summe können sie die 154 Euro Zulage bereits abziehen. Hinzu kommen 300 Euro Kinderzulage für nach 2008 geborene Kinder oder 185 für ältere Kinder. Steuerlich abzugsfähig sind bis zu 2.100 Euro pro Jahr. 

Staat zahlt größten Anteil

Beispiel 1:

Eine Beispielfamilie mit zwei nach 2008 geborenen Kindern und einem Einkommen von 30.000 Euro müsste 1.200 Euro im Jahr in den Riester-Vertrag einzahlen. Durch die Zulagen (1 mal 154 Euro und 2 mal 300 Euro = 754 Euro) reduziert sich der zu zahlende Betrag für die Familie auf 446 Euro. Die Förderquote liegt bei knapp 62 Prozent.

Beispiel 2:

Für Geringverdiener fällt die Rechnung noch rosiger aus: Bei einem Jahreseinkommen von 20.000 Euro müsste die Familie 800 Euro jährlich zahlen. Durch die Zulagen (754 Euro) reduziert sich der zu zahlende Betrag auf gerade mal 46 Euro. Weil die Familie damit aber unter dem Mindesteigenbeitrag von 60 Euro im Jahr liegt, muss sie noch 14 Euro drauflegen. Den Anteil, den der Staat für die private Vorsorge zahlt, liegt hier bei über 90 Prozent.

Beispiel 3:

Für Gutverdiener ist die Förderquote geringer: Mit einem Jahreseinkommen von 52.500 Euro müsste die Familie den Höchstbetrag von 2.100 Euro zahlen. Abzüglich der Zulagen bleiben 1.346 Euro, die Förderquote liegt bei knapp 36 Prozent.

Weil Sparer ohne Kinder weniger Zulagen bekommen, fällt die Förderquote entsprechend geringer aus. 

Förderquote:
Einkommen Riesterbeitrag 4 % Zulage (1x154, 2x300 €) Zu zahlender Betrag Förderquote
20.000 € 800 € 754 € 46 € (plus 14 €) 94 %
30.000 € 1.200 € 754 € 446 € 62 %
52.500 € 2.100 € 754 € 1346 € 36 %

Berechnung: Zulage geteilt durch Beitrag

Zulage erhöht Rendite

Eine hohe Förderquote wirkt sich auch auf die Rendite aus: Je höher die Förderquote, desto höher die Rendite. Bei einer Familie mit zwei nach 2008 geborenen Kindern, einem Jahreseinkommen von 20.000 Euro und einer Vertragslaufzeit von 20 Jahren liegt die Rendite allein aus Zulagen bei 6,4 Prozent. Das hat die Stiftung Warentest ausgerechnet. Vorausgesetzt hat sie dabei eine Nullverzinsung fürs Vertragskapital und die Zahlung der Kinderzulagen über die ersten sieben Vertragsjahre. Für Gutverdiener mit einem Jahreseinkommen von 52.500 Euro und zwei Kindern liegt die Rendite aus Zulagen in den ersten 20 Jahren bei nur 1,7 Prozent.

Bei einer Vertragslaufzeit von 30 Jahren wird der Vorteil für die Geringverdiener noch deutlicher: Wenn die Kinderzulage in den ersten 17 Vertragsjahren gezahlt wird, liegt die Rendite bei 8,5 Prozent. Bei den Gutverdienern bleibt sie bei etwa 1,7 Prozent.

Für Riester-Sparer ohne Kinder fallen die Renditen zwar generell geringer aus, für Geringverdiener aber immernoch deutlich höher als für Gutverdiener: Bei einem Einkommen von 20.000 Euro und einer Vertragslaufzeit von zehn Jahren liegt die Rendite aus Zulagen bei 3,5 Prozent. Beim Einkommen von 52.500 Euro liegt sie im gleichen Zeitraum bei nur 1,3 Prozent – und kann sich bei derzeitigen Zinsniveau auf dem Markt aber durchaus noch sehen lassen. 

Familien mit Kindern (nach 2008 geboren)
Laufzeit Einkommen Vertragskapital Eigenbeiträge Summe der Zulagen Rendite aus Zulagen
20 Jahre 20.000 € 16.070 € 9.390 € 6.680 € 6,4 %
52.500 € 42.000 € 35.230 € 6.680 € 1,7 %
30 Jahre 20.000 € 24.210 € 9.990 € 14.220 € 8,5 %
52.500 € 63.000 € 48.780 € 14.220 € 1,7 %

Quelle: Stiftung Warentest

Sparer ohne Kinder
Laufzeit Einkommen Vertragskapital Eigenbeiträge Summe der Zulage Rendite aus Zulage
10 Jahre 20.000 € 8.000 € 6460 € 1.540 € 3,5 %
52.500 € 21.000 € 19.460 € 1.540 € 1,3 %
30 Jahre 20.000 € 24.000 € 19.380 € 4.620 € 1,3 %
52.500 € 63.000 € 58.380 € 4.620 € 0,5 %

Quelle: Stiftung Warentest

Steuervorteil für Gutverdiener

Besserverdienende profitieren durch ihren Riester-Vertrag an anderer Stelle: Sie können die Riester-Beiträge bei der Steuererklärung geltend machen und so das zu versteuernde Einkommen schmälern. Riester-Sparer können bis zu einem Höchstbetrag von 2.100 Euro Riester-Einzahlungen im Rahmen des Sonderausgabenabzugs absetzen und bekommen einige hundert Euro zurück. Wobei die Zulage als staatliche Leistung abgezogen wird.

Und dabei gilt: Je höher der Eigenanteil, desto höher die Steuerersparnis. Weil Familien höhere Zulagen bekommen, fällt die Steuerersparnis für sie entsprechend geringer aus. Aber: Um eine doppelte Förderung durch Zulage und Steuerersparnis zu vermeiden, führt das Finanzamt die Günstigerprüfung durch. Es prüft, was sich für den Riester-Sparer im Einzelfall mehr lohnt: die Zulagen zu bekommen oder die Beiträge abzusetzen. 

Anrechnung auf Grundsicherung

Für Geringverdiener hat die Riester-Rente allerdings auch Nachteile: Die Riester-Rente wird im Alter auf die Grundsicherung angerechnet. Wer als Senior wegen kleiner Rente auf Hartz IV angewiesen ist, hat durch die zusätzliche Riester-Rente also vielleicht nicht viel mehr Geld zur Verfügung. Für alle Riester-Rentner gilt: Die monatlichen Rentenauszahlungen müssen versteuert werden. 

Weitere Informationen:

  • www.test.de
    Analyse der Riester-Renditen auf der Internetseite der Stiftung Warentest
  • www.zinsen-berechnen.de
    Die Zulagen-Rendite lässt sich über die Zinseszinsberechnung im Sparrechner herausfinden
  • www.bmas.de
    Aktuelle Riester-Zahlen auf der Internetseite des Bundesarbeitsministeriums
  • Riester-Rente
    Basistexte: So funktioniert die Riester-Rente
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Autor

Katja Mathes