Gesundheit / 01.08.2017

Geringer als gedacht

Internationale Studie: Krankheitskosten im letzten Lebensjahr geringer als angenommen

Offenbach (kjs/UDE). Häufig wird behauptet, dass hohe Behandlungskosten anfallen, um das Leben Schwerkranker zu verlängern. Eine internationale Studie belegt nun, dass die Kosten im letzten Lebensjahr nicht so hoch sind wie vermutet. Das gilt speziell für Deutschland. Die Studie, unter Beteiligung des Lehrstuhls für Gesundheitsökonomik an der Universität Duisburg-Essen (UDE), hat Daten zur Gesundheitsversorgung und Alterspflege aus Deutschland unter anderem mit denen aus Dänemark, England, Frankreich, den Niederlanden und den USA verglichen.

Gesundheitssystem spielt bei Kosten keine Rolle

Tatsächlich steigen die Behandlungskosten am Ende des Lebens, weil sich dann beispielsweise teure Krankenhausaufenthalte häufen. Dennoch sind sie im letzten Lebensjahr niedriger als angenommen. Sie entsprechen rund neun bis elf Prozent der Gesamtausgaben. Deutlich wurde, dass es dabei keine Rolle spielte, ob das Gesundheitssystem überwiegend aus Sozialversicherungsbeiträgen, Steuern oder privaten Quellen finanziert wird.
In der Studie konnten die Forscher zeigen, dass die drei letzten Lebensjahre mit 25 Prozent der Gesamtkosten fast genauso teuer sind wie das eine Jahr vor dem Tod. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht in erster Linie lebensrettende Maßnahmen bezahlt, sondern chronisch Kranke behandelt werden. Sie brauchen mehr medizinische Versorgung und haben eine kürzere Lebenserwartung.

Teure Klinikaufenthalte

Was die Gesundheitsversorgung im letzten Lebensjahr angeht ist Deutschland im internationalen Vergleich mit durchschnittlich knapp 45.000 Euro günstiger als die anderen Länder. Deutlich höher liegen diese Kosten in den Vereinigten Staaten, den Niederlanden, und Dänemark. Allerdings treiben in Deutschland speziell die Klinikaufenthalte die Kosten in die Höhe: Über 20 Prozent der deutschen Krankenhauskosten entfallen auf Menschen, die binnen eines Jahres sterben. Zum Vergleich: in den Niederlanden sind es weniger als 9 Prozent.
Die Wissenschaftler halten es deshalb für überlegenswert, den ambulanten Bereich und die Alterspflege zu stärken. Das mache das Leben für Ältere lebenswerter und das Gesundheitssystem effektiver.

Karl-Josef Steden / Universität Duisburg-Essen