Betriebliche Altersvorsorge: Modell Direktversicherung

Eine Direktversicherung ist eine Lebensversicherung, die der Arbeitgeber für einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin abschließt.

Mann und Frau sitzen an einem Tisch mit einem Laptop und unterhalten sich. – Bildnachweis: wdv.de © Jan Lauer

Die Direktversicherung

Eine Direktversicherung ist eine Lebensversicherung, die der Arbeitgeber sie für seine Mitarbeiterin oder seinen Mitarbeiter abschließt. Der Arbeitgeber leitet die Beiträge seiner Arbeitnehmer in der Regel über die Bruttoentgeltumwandlung ans Versicherungsunternehmen weiter. Beiträge können aber auch über Nettoentgeltumwandlung angespart werden, auch in Kombination mit der Riester-Förderung.

Besonders lukrativ sind Direktversicherungen derzeit aber nicht – wegen des niedrigen Garantiezinses (0,9 Prozent Stand 2018) und der hohen Verwaltungskosten der Versicherungskonzerne. Verzinst wird auch nicht die gesamte Einzahlung der Kunden, sondern der Teil, der nach Abzug der Abschlusskosten übrig bleibt.

Weil jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge hat, muss der Arbeitgeber mindestens eine Direktversicherung anbieten – sofern nicht auch andere Modelle im Betrieb existieren.

Möglich sind auch fondsgebundene Direktversicherungen, bei denen die Beiträge in Investmentfonds fließen. Das birgt einerseits höhere Renditechancen – vor allem bei langer Laufzeit –, aber auch das Risiko ist höher. Einen Garantiezins gibt es hier nicht.

Zusatzbausteine wie Hinterbliebenenschutz oder Berufsunfähigkeitsversicherung sind bei Direktversicherungen oft möglich, kosten aber extra.

Da die Ansprüche des Arbeitnehmers gegenüber dem Direktversicherer bestehen und nicht gegenüber dem Arbeitgeber, ist das Geld im Falle einer Insolvenz des Arbeitgebers sicher. Das Geld über den Sicherungsfonds der Lebensversicherer abgesichert.

So funktioniert die Entgeltumwandlung

1.Bruttoentgeltumwandlung

In der Regel zahlen Beschäftigte über die Bruttoentgeltumwandlung Beiträge aus dem unversteuerten Bruttoeinkommen in Verträge zur betrieblichen Altersvorsorge ein.

Entgeltumwandlung
Bis 2017 konnten Arbeitnehmer jährlich einzahlen: Seit 2018 können Arbeitnehmer jährlich einzahlen
bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West) frei von Steuern und Sozialabgaben bis zu acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West) frei von Steuern (=6.240 Euro im Jahr oder 520 Euro im Monat (Stand 2018)
zusätzlich 1.800 Euro frei von Steuern vier Prozent frei von Sozialabgaben (=3.120 Euro im Jahr bzw. 260 Euro im Monat (Stand 2018)

Durch die Bruttoentgeltumwandlung reduziert sich das Bruttogehalt. Arbeitnehmer zahlen also weniger Steuern und Sozialabgaben. Nachteil: Wer weniger in die gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung einzahlt, bekommt auch entsprechend niedrigere Leistungen, also eine geringere gesetzliche Rente oder weniger Arbeitslosengeld.

Auch Arbeitgeber sparen dadurch etwa 15 Prozent Sozialabgaben. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz sieht vor, dass Arbeitgeber die Verträge der Beschäftigten ab 2019 mit 15 Prozent des umgewandelten Entgelts (bis zur Beitragsbemessungsgrenze) bezuschussen müssen. Für Altverträge gilt das ab 2022.

2. Nettoentgeltumwandlung

Eine Alternative ist die Nettoentgeltumwandlung: Dabei werden die Beiträge in die betriebliche Altersvorsorge nicht aus dem Brutto-, sondern nach Abzügen von Steuern und Abgaben aus dem Nettogehalt gezahlt. Sie können dafür in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Im Fall der Nettoentgeltumwandlung können Arbeitnehmer die betriebliche Altersvorsorge mit der Riester-Rente kombinieren und die staatliche Zulage bekommen. Für Riester-Renten, die ab 2018 über den Arbeitgeber abgeschlossen werden, sind in der Auszahlungsphase keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge mehr fällig. Kombinierbar mit Riester sind die Direktversicherung, die Pensionskasse oder der Pensionsfonds

Regeln für Altverträge (vor 2004 abgeschlossen)

Für Altverträge, die vor 2004 abgeschlossen wurden, gelten andere Steuerregeln in der Einzahlungsphase: Auf Beiträge bis zu einer Höhe von 1.752 Euro pro Jahr werden Steuern in Höhe von 20 Prozent erhoben. Mit Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer ergibt sich ein Gesamtsteuersatz von etwa 21,5 Prozent. Steuerfrei bleiben die Einzahlungen aus Urlaubs- oder Weihnachtsgeld.

Wird das angesparte Kapital später auf einmal ausbezahlt, bleibt es steuerfrei. Wenn es als monatliche Rente gezahlt wird, wird der Ertragsanteil versteuert, also der Teil des Kapitals, der im Laufe der Jahre durch die Zinsen entstanden ist.

Vorteile der Direktversicherung

  • Eine Chance auf eine bessere Rendite gibt es in der derzeitigen Niedrigzinsphase nur dann, wenn der Arbeitgeber die bei einer Bruttoentgeltumwandlung eingesparten Lohnnebenkosten zuschießt. Ab 2019 muss er – vorbehaltlich einer anderslautenden tariflichen Regelung – 15 Prozent des umgewandelten Entgelts dazu geben.
  • Man hat in der Regel eine garantierte Rente, auch wenn diese niedrig ausfällt (Auf jeden Fall Alternativen prüfen!). Ab 2019 ist es auch möglich, im Rahmen tariflicher Vereinbarungen Verträge ohne garantierte Rente abzuschließen („Reine Beitragszusage“). Vorteil hierbei ist eine höhere Renditechance, aber auch das Verlustrisiko ist höher.

Nachteile der Direktversicherung

  • Der Garantiezins für Lebensversicherungen ist zurzeit sehr niedrig: Direktversicherungen, die bis Ende 2003 abgeschlossen wurden, garantieren eine Mindestverzinsung von 3,25 Prozent auf den Sparanteil. Seitdem ist der Garantiezins immer weiter gesenkt worden und lag 2015 noch bei 1,25 Prozent, seit 2017 sind es nur noch 0,9 Prozent. Dazu kommen zwar noch die bei Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen üblichen Überschussanteile. Garantiert sind sie allerdings nicht.
  • Die Gebühren und Verwaltungskosten für eine Police sind je nach Versicherungsunternehmen unterschiedlich hoch und können dazu führen, dass die Beitragszahlungen aus den ersten Jahren erst einmal nicht für die Altersvorsorge verwendet werden. Wenn der Arbeitgeber für seine Beschäftigten einen Gruppentarif aushandelt, sind die Kosten in der Regel geringer.

Tipp: Wer eine betriebliche Altersvorsorge abschließen will, sollte sich immer zum Vergleich Angebote für eine private Rentenversicherung oder eine staatlich geförderte Riester-Rente einholen und die jeweils garantierte Rente vergleichen.

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