Fünf Schritte zur Betriebsrente

So gehen Sie vor, wenn Sie eine Betriebliche Altersvorsorge über Ihre Firma abschließen wollen.

Frauenhand bringt Post-it-Klebezettel an einer Fensterscheibe an (Ausschnitt). – Bildnachweis: shutterstock.com © Mr.Whiskey

Betriebsrente – Schritt für Schritt

Bedarf berechnen, Angebote einholen, Steuern sparen – klicken Sie sich durch die fünf Schritte zur Betriebsrente.

Bevor Sie an Ihre Versorgung im Alter denken, sollten Sie die existenzbedrohenden Risiken absichern, die bis dahin auftreten können: Beispielsweise ein Muss sind eine Privathaftpflicht- und eine Hausratversicherung. In vielen Fällen ist auch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll. Besonders wenn Sie Familie haben und ein Haus gebaut oder eine Immobilie gekauft haben, sollten Sie den Abschluss einer Risikolebensversicherung in Betracht ziehen, um Ihre Familie im Todesfall abzusichern. Das gilt nicht nur für den Hauptverdiener: Da heute oft beide Partner berufstätig sind, kann ein „Vertrag auf verbundene Leben“ Sinn machen (und ggf. günstiger sein, als wenn jeder Partner einen eigenen Vertrag abschließt).

In jedem Fall sollten Sie einen Notgroschen für unvorhergesehen entstehende Unkosten auf der hohen Kante haben. Das sollten mindestens zwei bis drei Nettomonatsgehälter sein. Am besten auf einem Tagesgeldkonto. Das bringt zurzeit zwar kaum Zinsen, dafür ist das Geld aber gleich verfügbar.

Wenn Sie noch Konsumentenkredite abbezahlen müssen, kann es sinnvoll sein, diese möglichst schnell zu entschulden, bevor Sie Geld für eine zusätzliche Altersvorsorge investieren. Eine möglichst frühzeitige Entschuldung und die Vermeidung weiterer Konsumentenkredite ergeben in der Regel eine deutlich bessere Rendite, als wenn Altersvorsorge und Kredittilgung parallel betrieben werden müssen.

Danach können Sie an den Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge denken.

Wieviel Geld brauchen Sie im Alter und wie nahe kommen Sie diesem Betrag mit der gesetzlichen Rente? Als Faustregel gilt: Rund 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens reichen im Rentenalter aus. Wer monatliche Einnahmen von rund 1.500 Euro netto hat, braucht im Ruhestand demnach rund 1.200 Euro pro Monat. Wie hoch die gesetzliche Rente im Alter voraussichtlich ausfallen wird, steht in der Renteninformation, die Sie jährlich von der Deutschen Rentenversicherung erhalten. Hier müssen Sie beachten, dass es sich um Bruttowerte handelt.

  • Tipp: Führen Sie mit der Rentenversicherung eine Kontenklärung durch, damit wirklich alle relevanten Zeiten in Ihrem Rentenkonto berücksichtigt sind.

Rechnen Sie Ihre Ausgaben zusammen: Dies sind in jedem Fall Wohn- und Lebenshaltungskosten. Hinzu kommen Ausgaben z. B. für Hobbys. Dagegen fallen berufsbedingte Kosten wie z.B. eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Alter weg. Auch das zweite Auto in der Familie kann im Alter überflüssig werden.

Nicht vergessen: Je nach Renteneintrittsalter sind auch die gesetzliche Rente und die Einnahmen aus zusätzlicher privater oder betrieblicher Altersvorsorge steuerpflichtiges Einkommen.

Wer die Ausgaben von seinen Einnahmen abzieht, erkennt, ob das Geld im Ruhestand reicht und kann abschätzen, wie hoch der zusätzliche Vorsorgebedarf sein könnte. Bedenken Sie hier auch die Inflation, also den Kaufkraftverlust, und die voraussichtliche Lebenserwartung.

Beispiel: Die Stiftung Warentest hat ausgerechnet, wie sich der Wert von 1.000 Euro bei einer Inflation von 2 Prozent in 20 Jahren verändert: Wer heute einen Bedarf von zusätzlich 1.000 Euro für den Ruhestand ausrechnet, braucht im Jahr 2037 schon 1.486 Euro, um die gleiche Kaufkraft zu erhalten. Und wer davon ausgeht, dass er – nach einem Renteneintritt mit 67 Jahren – 87 Jahre alt wird, braucht diese Summe 20 Jahre lang. In dieser Zeit entsteht noch weiterer Kaufkraftverlust.

Bedenken Sie, dass derzeit 65-jährige Frauen eine durchschnittliche Lebenserwartung von über 20 Jahren und 65-jährige Männer von über 17 Jahren haben.

  • Tipp: Kalkulieren Sie nicht zu knapp und planen Sie auf jeden Fall einen Puffer ein.

Verschaffen Sie sich einen Überblick über die zahlreichen Möglichkeiten der staatlich geförderten und ungeförderten Möglichkeiten für eine zusätzliche Altersvorsorge. Empfehlenswert ist immer, hierzu ein Intensivgespräch zur Altersvorsorge in einer Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung wahrzunehmen. Hier erhalten Sie Hilfestellung bei der Ermittlung des Vorsorgebedarfs und erfahren, welche der zahlreichen Fördermöglichkeiten evtl. für Sie geeignet sein kann. Neben der gesetzlichen Rente als Basisabsicherung und der ergänzenden privaten Vorsorge stellt die betriebliche Altersvorsorge eine weitere ergänzende Säule der Alterssicherung dar.

Informieren Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber, ob und welche Art der betrieblichen Altersvorsorge konkret möglich ist bzw. angeboten wird. Eine Direktversicherung ist das Mindeste, was Ihr Arbeitgeber Ihnen anbieten muss. Fragen Sie nach einem Arbeitgeberzuschuss. Faustregel dabei: Je geringer der Zuschuss des Arbeitgebers, desto weniger lohnt sich eine betriebliche Altersvorsorge. Bei Neuverträgen ab 2019 in Form einer Bruttoentgeltumwandlung muss eine Betriebsrente – vorbehaltlich einer tarifvertraglichen Regelung – generell vom Arbeitgeber mit mindestens 15 Prozent bezuschusst werden. Bei Verträgen, die bereits vor 2019 abgeschlossen wurden, gilt dies erst ab dem Jahr 2022.

Wie sieht es mit der Flexibilität aus? Können Sie Beiträge reduzieren, wenn es finanziell gerade nicht so gut läuft? Können Sie den Vertrag beim Jobwechsel mitnehmen? Und sind Zusatzbausteine wie zum Beispiel eine Berufsunfähigkeitsversicherung möglich und sinnvoll?

Bedenken Sie, dass eine aus eigenen Mitteln mitfinanzierte betriebliche Altersvorsorge in Form einer Bruttoentgeltumwandlung generell einige Nachteile hat und in vielen Fällen nicht das geeignetste Mittel der zusätzlichen Altersvorsorge ist. Sofern noch gar keine zusätzliche Altersvorsorge vorhanden ist, sollte immer auch geprüft werden, ob nicht ein anderer Förderweg (z.B. Riester, Rürup) als erster Schritt geeigneter sein könnte. Optimal ist, wenn im Alter ausreichende Versorgungsansprüche aus allen drei Säulen der Altersvorsorge bestehen.

In vielen Fällen können die Nachteile einer Bruttoentgeltumwandlung (Verringerung des gesetzlichen Rentenanspruchs, volle Steuer- sowie ggf. Kranken- und Pflegeversicherungsbeitragspflicht in der Auszahlungsphase) die Vorteile (Steuer- und Sozialversicherungsfreiheit der Beiträge in der Einzahlungsphase) überwiegen, so dass im Einzelfall möglicherweise andere Formen der Altersvorsorge als erstes Mittel der Wahl zu bevorzugen sind. In vielen Fällen kann ein Angebot des Arbeitgebers für eine betriebliche Altersvorsorge aber durchaus lukrativ sein.

Ob die betriebliche Altersvorsorge geeignet ist, hängt immer auch von der individuellen Situation ab (Wie ist die persönliche Einkommens- und Familiensituation in der Einzahlungsphase? Wie könnte diese in der Auszahlungsphase aussehen? Was bietet der Arbeitgeber konkret an?).

Lassen Sie sich nicht blind auf ein Angebot ein. Prüfen Sie, wie hoch die Kosten für den Vertrag sind. Hohe Abschlusskosten und Gebühren schmälern Ihre Rendite. Wenn der Arbeitgeber Ihnen ein Angebot macht: Vergleichen sie die monatlichen Beiträge und die garantierten Rentenbeträge. Lassen Sie sich unabhängig beraten, zum Beispiel auch von der Verbraucherzentrale. Lassen Sie sich die Risiken und die Renditechancen der Anlage genau erläutern und verlangen Sie auch Informationen darüber, wie das Kapital angelegt wird (Anteil an Aktien, Anleihen, Immobilien etc.).

Mit unserem Förderrechner können Sie berechnen, wie hoch die Förderung bei der Betrieblichen Altersversorgung ist.

Nachdem Sie sich für das Angebot entschieden haben, schließen Sie mit Ihrem Arbeitgeber einen Vertrag über die betriebliche Altersvorsorge. Vertragspartner ist immer der Arbeitgeber, nicht beispielsweise das Versicherungsunternehmen. Ab jetzt heißt es: Sparen und auf die Rente warten.

Füllen Sie die Anlage AV (Altersvorsorge) zur Steuererklärung aus. Dann kann das Finanzamt prüfen, ob Sie Steuern erstattet bekommen. Prüfen Sie gelegentlich, ob Ihre Entscheidung für die eine oder andere Form der betrieblichen Altersversorgung noch immer optimal für Sie ist. Sollten Sie heiraten oder Kinder kriegen, kann es sinnvoll sein, wenn möglich einen Hinterbliebenenschutz als zusätzlichen Baustein in den Vertrag einzubauen. Im Fall eines Jobwechsels müssen Sie auch an Ihre betriebliche Altersversorgung denken. Ein Jahr Zeit haben Sie für die Übertragung des Vertrages.

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