Betriebsrente wird gestärkt

Höhere Renditechancen, weniger Risiko für Arbeitgeber, Zuschüsse für Geringverdiener und einen Freibeitrag in der Grundsicherung im Alter – durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz soll die betriebliche Altersvorsorge ab 2018 attraktiver werden.

KFZ-Mechaniker im Gespräch in Autowerkstatt. – Bild: Getty Images/iStockphoto.com © Image Source

An dem 1. Januar 2018 gilt das Betriebsrentenstärkungsgesetz. Es soll mehr Arbeitnehmer dazu bringen, über den Arbeitgeber fürs Alter vorzusorgen. Und es soll Arbeitgeber motivieren, eine betriebliche Altersvorsorge anzubieten. Alle Änderungen auf einen Blick:

Reine Beitragszusage

Betriebliche Altersvorsorge kann ab 2018 auch über eine reine Beitragszusage abgewickelt werden. Arbeitgeber müssen dabei nur die Zahlung der Beiträge an einen externen Versorgungsträger (Pensionskasse, Direktversicherung oder Pensionsfonds) garantieren. Sie haften nicht mehr bei Insolvenz und müssen auch keine Mindestrente mehr garantieren. Die Beiträge selbst zahlen wie bisher die Arbeitnehmer – im Regelfall über die Bruttoentgeltumwandlung und oft mit Zuschüssen des Arbeitgebers.

Voraussetzung für die Beitragszusage ist ein Tarifvertrag nach dem sogenannten Sozialpartnermodell: Arbeitgeber und Gewerkschaften regeln, wie die Beiträge der Arbeitnehmer angelegt werden. Sie können eine eigene Versorgungseinrichtung gründen oder in eine bestehende einzahlen. Wie hoch die Betriebsrente für die Arbeitnehmer im Alter dann ausfällt, hängt davon ab, wie die Versorgungseinrichtung wirtschaftet und wie die Kapitalerträge sind. Das birgt Chancen und Risiken – beide trägt allein der Arbeitnehmer.

Dafür sind die Rentenanwartschaften aus diesen reinen Beitragszusagen sofort unverfallbar, auch die Beiträge des Arbeitgebers. Das heißt, sie bleiben auch dann bestehen, wenn das Arbeitsverhältnis endet. Arbeitnehmer können die Anwartschaften aus der reinen Beitragszusage beim Jobwechsel zum neuen Arbeitgeber mitnehmen.

Nicht tarifgebundene Unternehmen können die tariflichen Regelungen anwenden.

Arbeitgeberzuschuss verpflichtend

Wenn Arbeitnehmer über eine Bruttoentgeltumwandlung im Rahmen einer Beitragszusage fürs Alter sparen, muss der Arbeitgeber künftig 15 Prozent der eingezahlten Summe zusätzlich zuschießen (bis zur Beitragsbemessungsgrenze; 2018: 78.000 Euro (West) und 69.600 Euro (Ost)). Weil bei der Bruttoentgeltumwandlung die Beiträge direkt vom Bruttogehalt abgehen, reduziert sich das zu versteuernde Einkommen. Dadurch sparen Arbeitgeber wie Arbeitnehmer Sozialversicherungsbeiträge. Was Arbeitgeber an Sozialabgaben sparen, sollen sie in die Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter stecken.

Für die reine Beitragszusage gilt das für Verträge, die ab 1. Januar 2018 geschlossen wurden. Für andere Formen der betrieblichen Altersvorsorge (Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds ohne Beitragszusage) gilt die Verpflichtung erst für Verträge, die ab 1 .Januar 2019 geschlossen werden. Und für Altverträge erst ab 1. Januar 2022. Entscheidend ist dabei immer, was im Tarifvertrag steht. Sind dort andere Regelungen vereinbart, haben sie Vorrang.

Opting-Out

In Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen kann künftig eine für alle Arbeitnehmer verpflichtende Entgeltumwandlung festgehalten werden. Damit würde automatisch ein Teil des Bruttogehalts einbehalten und in die Betriebsrente gesteckt. Dem sollen Arbeitnehmer aber über eine Opting-Out-Klausel in den Verträgen widersprechen können.

Höchstbeitrag

Wer über eine Betriebsrente fürs Alter vorsorgt, kann ab 2018 mehr Geld steuerfrei in den Vertrag einzahlen: Ab 2018 sind bis zu acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei, also 6.240 Euro. Sozialabgabenfrei bleiben vier Prozent oder 3.120 Euro. Dafür gibt es den zusätzlichen steuerfreien Höchstbeitrag von 1.800 Euro künftig nicht mehr.

Das gilt für alle Arbeitnehmer, die über eine Entgeltumwandlung einen Teil ihres Bruttogehaltes in die betriebliche Altersvorsorge fließen lassen. Sie konnten bisher vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei umwandeln. 2017 waren das 3.048 Euro. 

Zuschuss für Geringverdiener

Damit sich die betriebliche Altersvorsorge für Menschen mit geringem Einkommen künftig mehr lohnt, bekommen Arbeitgeber einen Zuschuss vom Staat, wenn sie ihre Mitarbeiter finanziell unterstützen. Zahlt ein Arbeitgeber zwischen 240 und 480 Euro im Jahr zusätzlich in die betriebliche Altersvorsorge seiner Mitarbeiter ein, bekommt er 30 Prozent der Summe vom Staat zurück, also zwischen 72 und 144 Euro. Voraussetzung: Der Arbeitnehmer verdient höchstens 2.200 Euro brutto im Monat.

In der Auszahlungsphase

Freibetrag für die Grundsicherung im Alter

Bisher hat sich eine private oder betriebliche Altersvorsorge für Geringverdiener und Geringverdienerinnen kaum gelohnt, weil die Rente später auf die Grundsicherung im Alter angerechnet wurde. Wer also wendig verdient hat und im Alter auf Grundsicherung angewiesen war, hatte durch die zusätzliche Altersvorsorge auch nicht mehr zur Verfügung. Das ändert sich jetzt: In der Grundsicherung im Alter wird es Freibeträge von bis zur Hälfte Prozent des Regelbedarfs (2018: 208 Euro) geben – für Betriebsrenten, private Riester-Renten, Rürup-Renten und Renten, die auf freiwilligen Beiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung beruhen.

Gerechnet wird so: Zunächst gilt bei Grundsicherung im Alter sowie bei Erwerbsminderung ein Freibetrag von 100 Euro aus zusätzlicher Altersvorsorge. Wer mehr als 100 Euro aus dieser privaten Rente bekommt, soll 30 Prozent des übersteigenden Betrags behalten können. Maximal bis zur Höchstgrenze (halber Regelbedarf). Erst wer mehr als diese 208 Euro an zusätzlicher Rente kassiert, bekommt sie auf die Grundsicherung angerechnet.

Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung

Für betriebliche Riester-Renten entfällt in der Auszahlungsphase die Beitragspflicht zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Sie werden damit künftig wie private Riester-Renten behandelt.

Bisher mussten Arbeitnehmer die Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge aus ihrem Nettogehalt (nach Abzug von Steuern und Sozialbeiträgen) zahlen, wenn sie dafür eine Riester-Förderung erhalten wollten. In der Rentenphase mussten gesetzlich Krankenversicherte dafür noch einmal Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Wegen dieser doppelten Beitragszahlungen hatten Experten meist von einer Vermischung von Riester und Betriebsrente abgeraten.

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