Betriebliche Altersvorsorge: Modell Pensionskasse

Pensionskassen sind rechtlich selbstständige Versorgungsträger, die wie ein Versicherungsunternehmen geführt werden.

Münzen übereinander stapeln – Bildnachweis: shutterstock.com © Singkham

Vorsorge mit Tradition

Die traditionellen Pensionskassen existieren meist seit Jahrzehnten und wurden von einem oder mehreren Unternehmen gegründet, meist als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Vereinsmitglieder sind die Arbeitgeber, die ihre Beiträge in die Pensionskasse zahlen. Pensionskassen dürfen mit einem höheren Rechnungszins kalkulieren als dem für Renten- und Lebensversicherungen vorgeschriebenen Garantiezins von derzeit 0,9 Prozent.

Dadurch sind hier die Renditechancen höher. Auch viele Versicherungsunternehmen haben mittlerweile Pensionskassen als Tochtergesellschaften gegründet. Durch die Vertriebsstrukturen der Unternehmen sind deren Angebote aber oft teurer als die der klassischen Pensionskassen.

So funktioniert’s: Die Entgeltumwandlung

In der Regel werden Verträge zur betrieblichen Altersvorsorge über die Bruttoentgeltumwandlung bespart. Das heißt Beschäftigte zahlen Beiträge aus dem unversteuerten Bruttoeinkommen. Bislang können sie bis zu vier Prozent der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze (West) steuerfrei einzahlen. Das sind 3.048 Euro pro Jahr (Stand 2017) oder auf den Monat gerechnet 254 Euro. Für diese Summe werden auch keine Sozialabgaben fällig. Das Bruttogehalt wird dadurch reduziert. Zusätzlich können Arbeitnehmer pro Jahr 1.800 Euro zusätzlich steuerfrei einzahlen – allerdings nicht sozialabgabenfrei.

Das ändert sich durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz: Ab 2018 sind bis zu acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei, sozialabgabenfrei bleiben vier Prozent. Dafür gibt es den zusätzlichen steuerfreien Höchstbeitrag von 1.800 Euro künftig nicht mehr.

Das hat auch Vorteile für Arbeitgeber: Wenn das Bruttogehalt sinkt, sinken auch die Lohnnebenkosten, die der Arbeitgeber zahlen muss. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz sieht allerdings vor, dass Arbeitgeber die Verträge der Beschäftigten ab 2019 – vorbehaltlich einer tarifvertraglichen Regelung – mit 15 Prozent des umgewandelten Entgelts bezuschussen.

  • Tipp: Mit unserem Förderrechner können Sie berechnen, wie hoch die Förderung bei der Betrieblichen Altersversorgung ist.

Nachteile der Bruttoentgeltumwandlung:

  • Weil das Bruttogehalt reduziert wird, zahlen Arbeitnehmer auch weniger Sozialabgaben. Und wer weniger in die gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung einzahlt, bekommt auch entsprechend niedrigere Leistungen.
  • In der Auszahlungsphase werden auf die Betriebsrente Steuern fällig. Außerdem müssen gesetzliche krankenversicherte Betriebsrentner auch die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Zahlt der Arbeitgeber für Beschäftigte noch knapp die Hälfte der Krankenversicherungsbeiträge, trägt der Betriebsrentner die Beiträge in voller Höhe allein. Das sind derzeit etwa 17 Prozent.
  • Bei der gesetzlichen Rentenversicherung sind alle Versicherten, also Arbeitnehmer und Rentner, auch indirekt betroffen. Bei ihnen wachsen auf Grund der Entgeltumwandlung die Rentenanwartschaften bzw. die Renten in einem geringeren Maße als ohne Entgeltumwandlung. Das ist unabhängig davon, ob der Einzelne selbst an einer Entgeltumwandlung teilnimmt oder nicht.

Eine Alternative ist die Nettoentgeltumwandlung

Eine Alternative ist die Nettoentgeltumwandlung: Dabei werden die Beiträge in die betriebliche Altersvorsorge nicht aus dem Brutto-, sondern nach Abzügen von Steuern und Abgaben aus dem Nettogehalt gezahlt. Dann ist eine Riester-Förderung durch den Staat möglich.

Altverträge (vor 2004 abgeschlossen)

Auf Beiträge bis zu einer Höhe von 1.752 Euro pro Jahr werden Steuern in Höhe von 20 Prozent erhoben. Mit Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer ergibt sich ein Gesamtsteuersatz von etwa 21,5 Prozent. Steuerfrei bleiben die Einzahlungen aus Urlaubs- oder Weihnachtsgeld.

Wird das angesparte Kapital später auf einmal ausbezahlt, bleibt es steuerfrei. Wenn es als monatliche Rente gezahlt wird, wird der Ertragsanteil versteuert, also der Teil des Kapitals, der im Laufe der Jahre durch die Zinsen entstanden ist.

Vorteile der Pensionskasse

  • Pensionskassen sind oft günstiger und bringen höhere Renditen, weil die Vertriebskosten und Gebühren niedriger sind als bei Versicherungsunternehmen.
  • Pensionskassen sind nicht an den für Renten- und Lebensversicherungen geltenden Garantizins gebunden – was bei der derzeitigen Niedrigzinslage (Garantiezins 0,9 Prozent) ein Vorteil ist. Dadurch können höhere Rentenanwartschaften erwirtschaftet werden.
  • Zusatzbausteine kosten zwar Geld, aber über eine Pensionskasse können auch Arbeitnehmer, die auf dem freien Versicherungsmarkt nur schwer eine Chance hätten, meist problemlos an eine Berufsunfähigkeitsversicherung kommen.

Nachteile der Pensionskasse

  • Der Arbeitgeber bestimmt die Pensionskasse.
  • Tipp: Wer eine betriebliche Altersvorsorge abschließen will, sollte sich zum Vergleich auch immer Angebote für eine private Rentenversicherung oder eine staatlich geförderte Riester-Rente einholen und dann die jeweils garantierte Rente vergleichen.

Welche Abgaben werden fällig?

In der Auszahlungsphase werden dafür Steuern fällig – egal, ob das Kapital auf einmal oder als monatliche Rente ausgezahlt wird. Außerdem müssen Betriebsrentner auch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen – und zwar allein. Zahlt der Arbeitgeber für Beschäftigte noch die Hälfte der 14,6 Prozent Krankkassenbeiträge, trägt der Betriebsrentner sie allein. Zusammen mit der Pflegeversicherung sind das derzeit etwa 17 Prozent.

Bei einer Einmalzahlung werden die Abgaben nicht auf einen Schlag fällig, sondern in Monatsraten über zehn Jahre verteilt (120 Monate).

Wer seinen Vertrag im Laufe der Zeit beitragsfrei gestellt hat oder nach einem Jobwechsel die Beiträge privat weitergezahlt hat, muss später nur für den Anteil der Rente Sozialabgaben zahlen, der während der Zeit im Betrieb angespart wurde.

Wie sieht es mit Zusatzbausteinen aus?

Bei Pensionskassen und Pensionsfonds können Sparer Zusatzbausteine auch später noch in den Vertrag aufnehmen lassen. Für die Hinterbliebenenversorgung bieten einige Pensionskassen ein Sterbegeld und eine Rentengarantiezeit an. Das kostet aber und wirkt sich negativ auf die Rentenhöhe aus.

Was passiert bei Insolvenz?

Pensionskassen stehen unter Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die Ansprüche des Arbeitnehmers bestehen direkt gegenüber der Pensionskasse, nicht gegenüber dem Arbeitgeber. Die Kassen garantieren Arbeitnehmern und deren Hinterbliebenen einen Anspruch auf künftige Leistungen.

Was passiert beim Jobwechsel?

Arbeitnehmer können ihr angespartes Kapital bei einem Jobwechsel mitnehmen, wenn der Vertrag mit der Pensionskasse nach 2005 abgeschlossen wurde. Mitnehmen können sie allerdings nur „unverfallbare“ Rentenansprüche. Dafür gelten je nach Alter und Betriebszugehörigkeit verschiedene Fristen. Gebühren, die bei der Übertragung des Kapitals anfallen, trägt der Arbeitnehmer. Will der neue Arbeitgeber den Vertrag nicht übernehmen, können Arbeitnehmer ihn mit privaten Beiträgen weiterführen. Steuer- und sozialabgabenfrei sind die Beiträge dann aber nicht mehr.

Kombination mit Riester („Nettoentgeltumwandlung“)

Man kann die Direktversicherung auch mit der staatlichen Riester-Förderung kombinieren und den Riester-Vertrag über den Arbeitgeber abschließen. Dann zahlt man die Beiträge aber nicht über Bruttoentgeltumwandlung, sondern aus dem Nettogehalt ein (Nettoentgeltumwandlung).

Bisher war das nicht empfehlenswert, weil gesetzliche Krankenversicherte die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung dadurch doppelt bezahlt haben – nicht nur auf die Beiträge in der Ansparphase, sondern auch auf die Rente in der Auszahlungsphase. Durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz ist das ab 2018 anders: Für Riester-Renten, die ab 2018 über den Arbeitgeber abgeschlossen werden, sind in der Auszahlungsphase keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge mehr fällig. Für private Riester-Verträge galt dies auch vorher schon.

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