Überblick: So funktioniert die betriebliche Altersvorsorge

Betriebliche Altersvorsorge – das heißt Altersvorsorge über den Arbeitgeber, im Idealfall mit einem Zuschuss vom Chef.

Frau schüttelt Hand eines Geschäftspartners – Bildnachweis: gettyimages.de © Sam Edwards

Förderung durch Steuervorteil

Neben der gesetzlichen Rente und der privaten Altersvorsorge ist die betriebliche Altersvorsorge die dritte Säule der Altersversorgung in Deutschland. Und eine, die vom Staat durch Steuervorteile und teilweise Befreiung von Sozialabgaben gefördert wird. Arbeitnehmer haben das Recht, über den Betrieb vorzusorgen. Aber in welcher Form und über welchen Vertrag, das entscheidet in den meisten Fällen der Chef.

Wer hat Anspruch?

Einen Rechtsanspruch auf betriebliche Altersvorsorge haben alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, auch Auszubildende, Mitarbeiter in Teilzeit oder geringfügig Beschäftigte (Minijobber). Minijobber haben diesen Anspruch aber nur, wenn sie Beiträge in die Rentenversicherung zahlen.

So funktioniert die Entgeltumwandlung

In der Regel zahlen Beschäftigte über die Bruttoentgeltumwandlung Beiträge aus dem unversteuerten Bruttoeinkommen in Verträge zur betrieblichen Altersvorsorge ein.

 

Entgeltumwandlung
Bis 2017 konnten Arbeitnehmer jährlich einzahlen: Seit 2018 können Arbeitnehmer jährlich einzahlen
bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West) frei von Steuern und Sozialabgaben bis zu acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West) frei von Steuern (=6.240 Euro im Jahr oder 520 Euro im Monat (Stand 2018)
zusätzlich 1.800 Euro frei von Steuern vier Prozent frei von Sozialabgaben (=3.120 Euro im Jahr bzw. 260 Euro im Monat (Stand 2018)

Steuern werden dann in der Auszahlungsphase der Betriebsrente fällig. Außerdem müssen gesetzliche krankenversicherte Betriebsrentner auch die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Das sind derzeit etwa 17 Prozent.

  • Vorteile für Arbeitnehmer: Das Bruttogehalt wird durch die Entgeltumwandlung reduziert und sie zahlen entsprechend weniger Steuern und Sozialabgaben.
  • Nachteile für Arbeitnehmer: Wer weniger in die gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung einzahlt, bekommt auch entsprechend niedrigere Leistungen, also eine geringere gesetzliche Rente oder weniger Arbeitslosengeld.
  • Auswirkungen für Arbeitgeber: Wenn das Bruttogehalt der Beschäftigten sinkt, sinken auch die Lohnnebenkosten, die der Arbeitgeber zahlen muss. Deshalb müssen Arbeitgeber die Verträge der Beschäftigten ab 2019 – vorbehaltlich einer tarifvertraglichen Regelung – mit 15 Prozent des umgewandelten Entgelts bezuschussen. Für Altverträge gilt das ab 2022.
  • Tipp: Mit unserem Rechner können Sie berechnen, wie hoch die Förderung bei der Betrieblichen Altersversorgung ist.

Eine Alternative ist die Nettoentgeltumwandlung

Eine Alternative ist die Nettoentgeltumwandlung: Dabei werden die Beiträge in die betriebliche Altersvorsorge nicht aus dem Brutto-, sondern nach Abzügen von Steuern und Abgaben aus dem Nettogehalt gezahlt. Dann können Arbeitnehmer die betriebliche Altersvorsorge mit der Riester-Rente kombinieren und die staatliche Zulage bekommen.

Vorteil für Arbeitgeber

Einen Vorteil hat die Bruttoentgeltumwandlung auch für Arbeitgeber: Weil das Bruttogehalt reduziert wird, fallen auch die Abgaben geringer aus, die der Arbeitgeber für Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Pflegeversicherung des Arbeitnehmers anteilig zahlen. Er spart dadurch in der Regel etwa 15 Prozent an Sozialabgaben ein. Viele Arbeitgeber stecken die eingesparten 15 Prozent als Zuschuss in die betriebliche Altersvorsorge der Arbeitnehmer. Dann lohnt sich die Altersvorsorge über den Chef fast immer.

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz sieht vor, dass Arbeitgeber die Verträge der Beschäftigten ab 2019 – vorbehaltlich einer tariflichen Regelung – mit 15 Prozent des umgewandelten Entgelts bezuschussen müssen (bis zur Beitragsbemessungsgrenze). Für Altverträge gilt das ab 2022.

Fünf verschiedene Modelle

Es gibt fünf verschiedene Formen der betrieblichen Altersvorsorge:

  • Direktversicherung,
  • Pensionskasse,
  • Pensionsfonds,
  • Unterstützungskasse und
  • Direktzusage.

Das Grundprinzip aller fünf Modelle ist gleich: Die Einzahlungen werden vom Staat gefördert, dafür müssen Sparer später Steuern und Sozialabgaben zahlen. Die Betriebsrentenmodellen unterscheiden sich vor allem in den Renditechancen, aber auch bei der Frage nach Zusatzbausteinen und beim Jobwechsel.

Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds sind externe Durchführungswege; hier werden die Verträge über externe Einrichtungen wie Versicherungsunternehmen abgewickelt. Bei den internen Durchführungswegen (Direktzusage und Unterstützungskasse) wird die Altersvorsorge weitgehend über den Arbeitgeber finanziert. Er organisiert die betriebliche Altersvorsorge intern und legt für spätere Rentenzahlungen Geld zurück. Das bringt ihm steuerliche Vorteile, aber auch wirtschaftliche Risiken.

Reine Beitragszusage

Betriebliche Altersvorsorge kann ab 2018 auch über eine reine Beitragszusage abgewickelt werden. Möglich ist das bei den Modellen Pensionskasse, Direktversicherung oder Pensionsfonds. Arbeitgeber müssen dabei nur die Zahlung der Beiträge an einen externen Versorgungsträger garantieren. Sie haften nicht mehr bei Insolvenz und müssen auch keine Mindestrente mehr garantieren. Die Beiträge selbst zahlen wie bisher die Arbeitnehmer – im Regelfall über die Bruttoentgeltumwandlung. 

Das bedeutet: Wie hoch die Betriebsrente für die Arbeitnehmer im Alter dann ausfällt, hängt davon ab, wie die Versorgungseinrichtung wirtschaftet und wie die Kapitalerträge sind. Das birgt Chancen und Risiken – beide trägt allein der Arbeitnehmer.

Voraussetzung: Tarifvertrag

Voraussetzung für die Beitragszusage ist ein Tarifvertrag nach dem sogenannten Sozialpartnermodell: Arbeitgeber und Gewerkschaften regeln, wie die Beiträge der Arbeitnehmer angelegt werden. Sie können eine eigene Versorgungseinrichtung gründen oder in eine bestehende einzahlen. Nicht tarifgebundene Unternehmen können die tariflichen Regelungen anwenden.

Regelungen im Betrieb

In vielen Betrieben ist die betriebliche Altersvorsorge über den Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung geregelt. Der Arbeitgeber entscheidet, welches Modell er anbietet. Er kann festlegen, welche Anlageform den Arbeitnehmern angeboten wird und er kümmert sich um Anträge und Beitragszahlungen. Der Betriebsrat hat allerdings ein Mitspracherecht. Bietet der Arbeitgeber nur eine Direktzusage oder Unterstützungskasse an, können Arbeitnehmer alternativ eine Direktversicherung verlangen.

In vielen Branchen ist die betriebliche Altersvorsorge über Tarifverträge geregelt. Für welche Branche was gilt, können Sie in der Datenbank Tarifverträge des Statistischen Bundesamtes nachlesen.

Das wird durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz noch gestärkt: Für die betriebliche Altersvorsorge in Form der reinen Beitragszusage vereinbaren die Tarifparteien über das Sozialpartnermodell sämtliche Bedingungen. 

  • Tipp: Es lohnt sich, das Angebot vom Chef mit anderen Angeboten zu vergleichen. Holen Sie sich dazu Angebote von anderen Versicherern und Riester-Angebote ein und vergleichen Sie die garantierte Rente.

Zusatzbausteine

Bei vielen Verträgen sind Zusatzbausteine wie Hinterbliebenenschutz oder Berufsunfähigkeitsversicherung möglich. Sie kosten allerdings meist extra und schmälern die Rendite. Dafür ist ein Berufsunfähigkeitsschutz dank besonderer Konditionen für die Arbeitgeber oft ohne Gesundheitsprüfung möglich. Und das ist ein Vorteil für Arbeitnehmer, die auf dem freien Markt wegen gesundheitlicher Probleme keine bezahlbare Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen.

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