Betriebliche Altersvorsorge: So funktioniert sie

Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Beiträge in die Rentenversicherung zahlen, haben einen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge. Der Arbeitgeber oder geltende Tarifvertrag bestimmt das Modell. Die Beiträge zahlen die Arbeitnehmer – im Regelfall über die Bruttoentgeltumwandlung.

Frau schüttelt Hand eines Geschäftspartners – Bildnachweis: gettyimages.de © Sam Edwards

Wer hat Anspruch?

Einen Rechtsanspruch auf betriebliche Altersvorsorge haben alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, auch Auszubildende und Mitarbeiter in Teilzeit. Geringfügig Beschäftigte (Minijobber) haben diesen Anspruch nur, wenn sie Beiträge in die Rentenversicherung zahlen.

Modelle der betrieblichen Altersvorsorge

Es gibt fünf verschiedene Formen der betrieblichen Altersvorsorge. Der Arbeitgeber entscheidet, welches Modell er anbietet. Arbeitgeber wickeln die Beiträge der Arbeitnehmer entweder über externe Einrichtungen ab. Oder der Arbeitgeber finanziert die betriebliche Altersvorsorge intern weitgehend selbst. Bei der Abwicklung über externe Einrichtungen ist seit 2018 auch die reine Beitragszusage möglich: Arbeitgeber müssen dabei nur die Zahlung der Beiträge an einen externen Versorgungsträger garantieren. Sie haften nicht mehr bei Insolvenz und müssen auch keine Mindestrente mehr garantieren.

 

Durchführungswege betriebliche Altersvorsorge
Extern, zum Beispiel über ein Versicherungsunternehmen Intern über den Arbeitgeber
Direktversicherung Unterstützungskasse
Pensionskasse Direktzusage
Pensionsfonds

Informieren Sie sich, welche Möglichkeiten in Ihrem Unternehmen bestehen. In einigen Betrieben ist die betriebliche Altersvorsorge über den Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung geregelt. In vielen Branchen legt der Tarifvertrag die Art der Betriebsrente fest. Oft ist dort auch geregelt, dass vermögenswirksame Leistungen in die betriebliche Altersvorsorge fließen müssen. Für welche Branche was gilt, können Sie in der Datenbank Tarifverträge der Hans-Böckler-Stiftung nachlesen.

Das Grundprinzip aller fünf Modelle ist gleich: Die Einzahlungen werden vom Staat durch Steuervorteile und teilweise Befreiung von Sozialabgaben gefördert. Sparer zahlen später Steuern und Sozialabgaben auf die Betriebsrente. Die Betriebsrentenmodelle unterscheiden sich vor allem in den Renditechancen, aber auch bei der Frage nach Zusatzbausteinen und beim Jobwechsel.

Bei vielen Verträgen sind Zusatzbausteine wie Hinterbliebenenschutz oder Berufsunfähigkeitsversicherung möglich. Sie kosten allerdings meist extra und schmälern die Rendite. Dafür ist ein Berufsunfähigkeitsschutz dank besonderer Konditionen für die Arbeitgeber oft ohne Gesundheitsprüfung möglich. Und das ist ein Vorteil für Arbeitnehmer, die auf dem freien Markt wegen gesundheitlicher Probleme keine bezahlbare Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen.

So funktioniert die Entgeltumwandlung

1.Bruttoentgeltumwandlung

In der Regel zahlen Beschäftigte über die Bruttoentgeltumwandlung Beiträge aus dem unversteuerten Bruttoeinkommen in Verträge zur betrieblichen Altersvorsorge ein.

Entgeltumwandlung
Bis 2017 konnten Arbeitnehmer jährlich einzahlen: Seit 2018 können Arbeitnehmer jährlich einzahlen
bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West) frei von Steuern und Sozialabgaben bis zu acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West) frei von Steuern (=6.240 Euro im Jahr oder 520 Euro im Monat (Stand 2018)
zusätzlich 1.800 Euro frei von Steuern vier Prozent frei von Sozialabgaben (=3.120 Euro im Jahr bzw. 260 Euro im Monat (Stand 2018)

Durch die Bruttoentgeltumwandlung reduziert sich das Bruttogehalt. Arbeitnehmer zahlen also weniger Steuern und Sozialabgaben. Nachteil: Wer weniger in die gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung einzahlt, bekommt auch entsprechend niedrigere Leistungen, also eine geringere gesetzliche Rente oder weniger Arbeitslosengeld.

Auch Arbeitgeber sparen dadurch etwa 15 Prozent Sozialabgaben. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz sieht vor, dass Arbeitgeber die Verträge der Beschäftigten ab 2019 mit 15 Prozent des umgewandelten Entgelts (bis zur Beitragsbemessungsgrenze) bezuschussen müssen. Für Altverträge gilt das ab 2022.

2. Nettoentgeltumwandlung

Eine Alternative ist die Nettoentgeltumwandlung: Dabei werden die Beiträge in die betriebliche Altersvorsorge nicht aus dem Brutto-, sondern nach Abzügen von Steuern und Abgaben aus dem Nettogehalt gezahlt. Sie können dafür in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Im Fall der Nettoentgeltumwandlung können Arbeitnehmer die betriebliche Altersvorsorge mit der Riester-Rente kombinieren und die staatliche Zulage bekommen. Für Riester-Renten, die ab 2018 über den Arbeitgeber abgeschlossen werden, sind in der Auszahlungsphase keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge mehr fällig. Kombinierbar mit Riester sind die Direktversicherung, die Pensionskasse oder der Pensionsfonds

Ist die Entgeltumwandlung sinnvoll?

Vorteile der Entgeltumwandlung:

  • Sie reduzieren Ihr zu versteuerndes Bruttogehalt und sparen damit Steuern und Sozialabgaben
  • Geld, das Sie über die Bruttoentgeltumwandlung für Alter ansparen, wird in der Regel nicht auf Arbeitslosengeld und Hartz IV angerechnet (siehe Altersvorsorge und Arbeitslosigkeit)
  • Geld, das Sie aus ihrem Bruttogehalt eingezahlt haben, bleibt auch beim Jobwechsel oder einer Kündigung immer erhalten.

Nachteile der Entgeltumwandlung:

  • Weil Sie weniger in die gesetzliche Renten- und Sozialversicherung einzahlen, bekommen Sie auch weniger gesetzliche Rente, eine geringere Erwerbsminderungsrente und weniger Arbeitslosengeld als ohne Entgeltumwandlung.
  • Steuern und Sozialabgaben, die Sie heute sparen, müssen Sie im Alter nachzahlen.

Mehr zu Vor- und Nachteilen der betrieblichen Altersvorsorge erfahren Sie hier. Lesen Sie auch: Für wen sich die betriebliche Altersvorsorge lohnt.

Steuern auf Betriebsrenten

In der Auszahlungsphase werden auf Betriebsrenten Steuern fällig – egal, ob das Kapital auf einmal oder als monatliche Rente ausgezahlt wird. Außerdem müssen gesetzlich krankenversicherte Betriebsrentner die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Das sind derzeit etwa 17 Prozent. Bei einer Einmalzahlung werden die Abgaben nicht auf einen Schlag fällig, sondern in Monatsraten über zehn Jahre verteilt (120 Monate).

Wer seinen Vertrag im Laufe der Zeit beitragsfrei gestellt hat oder nach einem Jobwechsel die Beiträge privat weiter gezahlt hat, muss später nur für den Anteil der Rente Sozialabgaben zahlen, der während der Zeit im Betrieb angespart wurde.

Weitere Infos:

Informieren Sie sich über die Vorteile und Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge, holen Sie sich zum Angebot vom Chef auch Angebote von anderen Versicherern und Riester-Angebote ein und vergleichen Sie die garantierte Rente.

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