Altersvorsorge für junge Paare

Verliebt, verlobt, verheiratet – das galt einmal. Heute hat sich das Bild verändert: Paare verzichten auf den Trauschein und damit auf zahlreiche Steuer- und Altersvorsorgevorteile. Wer sich aber gegenseitig absichern will, sollte mindestens eine Risikolebensversicherung abschließen.

Junges Paar mit Sprechblase: Absichern? Gegenseitig! – Bildnachweis: © www.wdv.de

Gesetzliche Rente

Für Paare mit Trauschein ist alles klar: Die gesetzliche Rentenversicherung sichert den Partner ab. Andere müssen selbst vorsorgen.

Für die meisten Arbeitnehmer wird sie die Haupteinnahmequelle im Alter sein. Wie hoch sie ausfallen wird, verrät die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung, die Versicherte ab dem 27. Lebensjahr erhalten. Sie ist eine Hochrechnung auf Basis vergangener Einzahlungen. Mit dem Rentenschätzer von ihre-vorsorge.de lassen sich zusätzlich Zukunftsszenarien wie Gehaltssteigerungen oder Arbeitslosigkeit in die Prognose einbeziehen. Das Maximum holen Vorsorgewillige mit einer Kontoklärung raus: Dabei werden die bisherigen Einzahlungen des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers überprüft und alle rentenrechtlichen Zeiten erfasst. Wurden Beitragszeiten nicht gemeldet, können sie nachgetragen werden.

Wichtig: Die Deutsche Rentenversicherung zahlt nach dem Tod eines Partners auch Witwen- oder Witwerrenten – aber nur wenn sie zuvor verheiratet waren oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebten. Unverheiratete Paare verfügen über diese Absicherung nicht! Deswegen ist eine Risikolebensversicherung wichtig.

So geht es:

  • Falls noch nicht geschehen, Kontoklärung auf www.deutsche-rentenversicherung.de  oder bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle beantragen.
  • Eine frische Renteninfo am kostenlosen Servicetelefon der Deutsche Rentenversicherung unter 0800 1000 4800 anfordern oder auf dieser Seite mit dem Rentenschätzer selbst eine grobe Rentenprognose errechnen.
  • Renteninfo oder Rentenprognose als Basis für alle weiteren Altersvorsorgeplanungen verwenden.

Riester-Rente

Partner, die sich für eine Riester-Rente entscheiden, erhalten jeder für seinen Vertrag bis zu 154 Euro Grundzulage. Für Kinder, die vor 2008 geboren wurden, fließen pro Jahr an einen der Partner bis zu 185 Euro oder gar bis zu 300 Euro Kindergeld, wenn das Kind nach 2008 geboren wurde. Voraussetzung für den Erhalt der vollen Zulagen ist, dass mindestens vier Prozent des Vorjahreseinkommens inklusive der Zulagen in den Riester-Vertrag fließen.

Achtung: Nicht verheiratete Paare und Paare in eingetragenen Lebenspartnerschaften haben kein Recht auf eine abgeleitete Förderung. Dieses Recht führt dazu, dass ein verheirateter Partner, der eigentlich keine staatliche Riester-Förderung erhält (etwa weil er selbstständig ist), Anspruch auf die staatliche Zulage hat.

Paare, die überlegen, ob sie mal Immobilienbesitzer werden wollen, sollten Wohn-Riester unter die Lupe nehmen. Hierunter fallen spezielle Riester-Produkte, die es erlauben, die staatliche Förderung für die Entschuldung der selbstgenutzten Immobilie zu verwenden.

So geht es:

  • Prüfen ob ein Anrecht auf staatliche Förderung besteht.
  • Das richtige Riester-Produkt auswählen.
  • Bei Verbraucherzentralen oder der Stiftung Warentest Angebote einholen oder Tests lesen.
  • Vor Abschluss Einzahlhöhe und staatliche Förderung berechnen. Zulagenantrag ausfüllen.

Betriebliche Altersvorsorge

Die alte Schwester der Riester-Rente ist die betriebliche Altersvorsorge, deren Geschichte bis ins Kaiserreich zurückreicht. Inzwischen haben sich fünf Formen (so genannte Durchführungswege) gebildet. Üblich sind Formen der betrieblichen Altersvorsorge, bei denen Arbeitnehmer entweder alleine einzahlen oder ihr Chef einen Teil zuschießt. Dabei handelt es sich um Standardangebote, die für große Gruppen (Konzern oder Branche) konzipiert sind (Kostenvorteil). Es ist eher unüblich, dass Arbeitnehmer eine Auswahl treffen können. Branchentarifverträge oder Angebote des Arbeitgebers dominieren. Die betriebliche Altersvorsorge wird über Steuervorteile  und Sozialversicherungsfreiheit gefördert.

Achtung: Zu den Sozialabgaben gehören die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Die betriebliche Altersvorsorge mindert durch die Sozialabgabenfreiheit also die spätere Rente. Privat Krankenversicherte zahlen nicht in die gesetzliche Krankenversicherung ein und profitieren so weniger von der Sozialabgabenfreiheit. Später, wenn die betriebliche Rente ausbezahlt wird, müssen gesetzlich Krankenversicherte auf die Auszahlungen Krankenkassenbeiträge zahlen.

Tipp: Sparer sollten den betrieblichen Altersvorsorgevertrag nach einer Hinterbliebenenversicherung, einer Rentengarantie oder Beitragsrückgewähr durchforsten. Ob die darin geschilderten Leistungen dem Sicherheitsbedürfnis des Paares entsprechen, müssen sie selbst entscheiden und gegebenenfalls eine zusätzliche Risikolebensversicherung abschließen. Als Hinterbliebenenrente bekommt der Partner beispielsweise 60 Prozent der vereinbarten betrieblichen Rente. Bei einer Rentengarantie wird vereinbart, dass die Rente des Versicherten an den Partner eine bestimmt Zeit weiterbezahlt wird, falls der Versicherte stirbt (meist zwischen fünf und zehn Jahre). Eine Beitragsrückgewähr sorgt im Fall des Todes vor der Rente dafür, dass der Partner oder Hinterbliebene die bislang eingezahlten Beträge erhalten.

So geht es:

  • Bei Personalabteilung oder im Tarifvertrag recherchieren, welche Angebote es gibt,
  • Steuervorteil ausrechnen,
  • Angebot checken und abschließen.

Sonstige private Vorsorge

Flexibilität und Renditechancen versus Kursschwankungen und Börsenrisiken – nicht staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte und Geldanlagen haben einen Vorteil: Sie werden aus bereits versteuertem Einkommen bezahlt und müssen in der Regel in der Auszahlungsphase nicht oder nur gering versteuert werden. Sparer sollten auf die Flexibilität, Kosten und Sicherheit achten. Denn eine Altersvorsorge, die im Alter wegen Kursschwankungen nicht zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird, ist ein Schuss in den Ofen.

So geht es:

  • Wenn möglich anbieterneutral beraten lassen (zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale).
  • Bei Banken und Versicherungen ein Beratungsprotokoll führen.
  • Berater direkt und offen auf Risiken und Kosten einer Anlage ansprechen und
  • genaue schriftliche Informationen fordern.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Wenn durch Unfall oder Krankheit ein Job unmöglich wird, zahlt die Deutsche Rentenversicherung eine Erwerbsminderungsrente. Eine zusätzliche Absicherung durch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ist dennoch oft empfehlenswert. Versicherungskonzerne kalkulieren aber anders als der Staat und verlangen mitunter hohe Aufschläge, wenn Antragsteller krank sind. Je jünger und gesünder Arbeitnehmer sind, desto eher erhalten sie eine gute und günstige Berufsunfähigkeitsversicherung.

Achtung: Eine solche Versicherung kann um die bis zu 1.000 Euro im Jahr kosten. ihre-vorsorge.de empfiehlt eine Beratung bei einer Verbraucherzentrale, die über eine Versicherungstarifdatenbank verfügt!

So geht es:

  • Verbraucherzentrale in der Nähe recherchieren.
  • Erfragen, ob eine Beratung inklusive Tarifauswahl möglich ist.
  • Angebot checken und abschließen.

Risikolebensversicherung

Eine Möglichkeit für Paare ohne Trauschein zur gegenseitigen Absicherung: Eine Risikolebensversicherung ermöglicht es, den unverheirateten Partner als "Begünstigten" im Vertrag aufzuführen. Stirbt der Versicherte, erhält der Partner die vereinbarte Summe.

So geht es:

  • In der Regel reicht es für die Auswahl einer Risikolebensversicherung, Test durch die Stiftung Warentest zu lesen.
  • Passendes Angebot aussuchen und
  • abschließen.

Arbeitslosigkeit

Gesetzliche Rente: Während des Bezugs von Arbeitslosengeld I, zahlt die Bundesagentur für Arbeit Beiträge zur Rente auf Basis von 80 Prozent des letzten Verdienstes ein (geringe Minderung der späteren Rente). Bei Arbeitslosengeld II fließen keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung. Infos: Gesetzliche Rente

Riester-Rente: Einzahlungen können gedrosselt oder ganz gestoppt werden. Dadurch kann aber die staatliche Förderung sinken. Der Mindesteigenbetrag von 60 Euro sollte von Geringverdienern nicht unterschritten werden, da es sonst keine Zulagen gibt. So lange Arbeitslosengeld oder Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung fließen, erhalten Sparer die staatliche Riester-Förderung. Angespartes Riester-Kapital wird nicht angerechnet. Mehr Infos: Riester-Rente

Betriebliche Altersvorsorge: Ansprüche auf eine Betriebsrente im Alter, in die nur der Chef einzahlte, bleiben bestehen, wenn der Ex-Angestellte mindestens 30 Jahre alt ist und der Vertrag mindestens fünf Jahre schon läuft (bei Verträgen ab 2009 gilt eine Altersgrenze von 25 Jahren). Trick: Firmenneulinge/junge Arbeitnehmer sollten im Aufhebungsvertrag versuchen, eine "Unverfallbarkeit" zu vereinbaren. Sobald der Arbeitnehmer selbst eingezahlt hat, ist die spätere Rente sicher. Weiterführung der betrieblichen Altersvorsorge hat den Nachteil, dass Sozialabgabenfreiheit und Steuervorteil bei mangelndem Einkommen nicht greifen. Beitragszahlungen können in der Regel gestoppt werden. Auszahlung nur möglich, wenn das Kapital so niedrig ist, dass es nur für eine spätere Rente von unter 25 Euro reichen würde. Bei der Berechnung der Grundsicherung für Arbeitssuchende werden Betriebsrenten, in die ausschließlich der Arbeitgeber einzahlte, nicht berücksichtigt, wenn eine Verfügung vor dem Eintritt des Versorgungsfalles ausgeschlossen ist. Infos: Betriebliche Altersversorgung

Freibeträge bei Arbeitslosigkeit

Anrechnung beim Arbeitslosengeld II: Bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes II können Vermögen und Altersvorsorge berücksichtigt werden. Dabei stehen den Betroffenen ein Vermögens-Grundfreibetrag und ein Altersvorsorge-Freibetrag zu: Jedem Volljährigen steht zunächst ein Grundfreibetrag von 150 Euro je vollendetem Lebensjahr zu (mindestens 3.100 Euro). Die maximale Höhe richtet sich nach dem Alter und liegt zwischen 9.750 und 10.050 Euro. Zusätzlich räumt man erwerbsfähigen Hilfebedürftigen einen Altersvorsorge- Freibetrag in Höhe von 750 Euro je vollendetem Lebensjahr ein. Je nach Alter kann dieser Freibetrag auf 48.750 bis 50.250 Euro begrenzt sein. Voraussetzungen für Altersvorsorgeprodukte, die unter den Altersvorsorge-Freibetrag fallen:

  • Anlage kann nicht vor dem Renteneintritt verwertet werden,
  • Rückkauf, Kündigung und Beleihung dürfen nicht möglich sein. Ausschluss der Verwertung vor dem 60. Lebensjahr reicht aus.
  • Beiträge in eine private Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Risikolebensversicherung können ausgesetzt werden. Dadurch kann aber später eine erneute Gesundheitsprüfung drohen. Unbedingt Folgen einer Beitragsfreistellung im Vertrag nachlesen!

Anrechnungsfrei sind auch Betriebsrenten, wenn sie ausschließlich arbeitgeberfinanziert sind und eine Verfügung vor dem Eintritt des Versorgungsfalles ausgeschlossen ist. Mehr Informationen über diese und weitere Freibeträge unter www.arbeitsagentur.de.

Unfall/Krankheit

Gesetzliche Rente: Die Deutsche Rentenversicherung übernimmt umfangreiche Leistungen zur Rehabilitation. Kann ein Arbeitnehmer nur eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeiten, ist eine Erwerbsminderungsrente möglich.

Riester-Rente: Keine Leistungen zur Linderung von Unfall- oder Krankheitsfolgen. Nur bei Riester-Rentenversicherungen ist als Zusatzbaustein eine Berufsunfähigkeitsversicherung möglich, wodurch aber ein Teil der Einzahlungen in eine Versicherung fließen und nicht der Altersvorsorge dienen.

Betriebliche Altersvorsorge: Einige Verträge sehen eine kleine Berufsunfähigkeitsrente und eine Hinterbliebenenabsicherung vor.

Vererbung vor Rente

Gesetzliche Rente: Deutsche Rentenversicherung zahlt Witwen- oder Waisenrenten. Unverheiratete haben keinen Anspruch. Eine Vererbung der eigenen gesetzlichen Rente ist nicht möglich.

Riester-Rente: Kapital kann nur unter Verheirateten und innerhalb von eingetragenen Partnerschaften samt Förderung vererbt werden, wenn der Erbe über einen eigen Riester-Vertrag verfügt und das Geld für die eigene Altersvorsorge nutzt. 

Betriebliche Altersvorsorge: Sobald der Staat Steuererleichterungen und Sozialabgabenfreiheit gewährt hat, ist eine Vererbung unmöglich.

Sonstige private Vorsorge: Leistung von Kapitallebens- oder Risikolebensversicherung. Vererbung bei Kapitallebensversicherung möglich.

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