Altersvorsorge für Singles

Singles haben es bei der Altersvorsorge einfach. Ob gesetzliche, Riester- oder Betriebsrente, sie planen nur für sich. Das vereinfacht das Rechnen ungemein.

Junger Mann mit Sprechblase: "Vorsorgen? Dasmacht Sinn!"

Gesetzliche Rente

Die gesetzliche Rente hilft auch schon vor dem Eintritt ins Rentenalter – zum Beispiel mit einer Reha oder im Fall der Erwerbsminderung.

Für die meisten Arbeitnehmer wird sie die Haupteinnahmequelle im Alter sein. Wie hoch sie ausfallen wird, verrät die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Sie ist eine Hochrechnung auf Basis vergangener Einzahlungen. Mit dem Rentenschätzer von ihre-vorsorge.de lassen sich zusätzlich Zukunftsszenarien wie Gehaltssteigerungen oder Arbeitslosigkeit in die Prognose einbeziehen. Das Maximum holen Singles mit einer Kontoklärung raus. Dabei werden die bisherigen Einzahlungen des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers überprüft und alle rentenrechtlichen Zeiten erfasst. Wurden Beitragszeiten nicht gemeldet, können sie nachgetragen werden.

So geht es:

  • Falls noch nicht geschehen, Kontoklärung auf www.deutsche-rentenversicherung.de  oder bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle beantragen.
  • Eine frische Renteninfo am kostenlosen Servicetelefon der Deutsche Rentenversicherung unter 0800 1000 4800 anfordern oder auf dieser Seite mit dem Rentenschätzer selbst eine grobe Rentenprognose errechnen.
  • Renteninfo oder Rentenprognose als Basis für alle weiteren Altersvorsorgeplanungen verwenden.

Riester-Rente

Für Singles ist die Riester-Rente auf den ersten Blick ein schlechtes Geschäft. Sie bekommen lediglich die Grundzulage von bis zu 154 Euro. Mangels Nachwuchs haben sie kein Recht auf eine Kinderzulage, die bis zu 300 Euro pro Jahr und Kind beträgt. Doch deswegen der Riester-Rente den Rücken zu kehren, wäre falsch: Der Staat gewährt auch eine Steuer-Förderung. Bis zu 2.100 Euro pro Jahr lassen sich als Vorsorgeaufwendungen absetzen. Damit sinkt die Steuerlast. Gerade für gut verdienende Singles kann das ein attraktives Angebot sein.

So geht es:

  • Prüfen ob ein Anrecht auf staatliche Förderung besteht.
  • Das richtige Riester-Produkt auswählen.
  • Bei Verbraucherzentralen oder der Stiftung Warentest Angebote einholen oder Tests lesen.
  • Vor Abschluss Einzahlhöhe und staatliche Förderung berechnen. Zulagenantrag ausfüllen.

Betriebliche Altersvorsorge

Die alte Schwester der Riester-Rente ist die betriebliche Altersvorsorge, deren Geschichte bis ins Kaiserreich zurückreicht. Inzwischen haben sich fünf Formen (so genannte Durchführungswege) gebildet. Üblich sind Formen der betrieblichen Altersvorsorge, bei denen Arbeitnehmer entweder alleine einzahlen oder ihr Chef einen Teil zuschießt. Dabei handelt es sich um Standardangebote, die für große Gruppen (Konzern oder Branche) konzipiert sind (Kostenvorteil). Es ist eher unüblich, dass Arbeitnehmer eine Auswahl treffen können. Branchentarifverträge oder Angebote des Arbeitgebers dominieren. Die betriebliche Altersvorsorge wird über Steuervorteile und Sozialversicherungsfreiheit gefördert.

Achtung: Zu den Sozialabgaben gehören die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Die betriebliche Altersvorsorge mindert durch die Sozialabgabenfreiheit also die spätere Rente. Privat krankenversicherte Singles zahlen nicht in die gesetzliche Krankenversicherung ein und profitieren so weniger von der Sozialabgabenfreiheit. Manche Verträge bieten als Zusatzbausteine einen Hinterbliebenenschutz an, der sich für "chronische" Singles aber nicht lohnt. Später, wenn die betriebliche Rente ausbezahlt wird, müssen gesetzlich Krankenversicherte auf die Auszahlungen Krankenkassenbeiträge zahlen.

So geht es:

  • Bei Personalabteilung oder im Tarifvertrag recherchieren, welche Angebote es gibt,
  • Steuervorteil ausrechnen,
  • Angebot checken und abschließen.

Sonstige private Vorsorge

Flexibilität und Renditechancen versus Kursschwankungen und Börsenrisiken – nicht staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte und Geldanlagen haben einen Vorteil: Sie werden aus bereits versteuertem Einkommen bezahlt und müssen in der Regel in der Auszahlungsphase nicht oder nur gering versteuert werden. Sparer sollten auf die Flexibilität, Kosten und Sicherheit achten. Denn eine Altersvorsorge, die im Alter wegen Kursschwankungen nicht zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird, ist ein Schuss in den Ofen.

So geht es:

  • Wenn möglich anbieterneutral beraten lassen (zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale).
  • Bei Banken und Versicherungen ein Beratungsprotokoll führen.
  • Berater direkt und offen auf Risiken und Kosten einer Anlage ansprechen und
  • genaue schriftliche Informationen fordern.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Alles eine Frage des Preises. Wer sich mit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung absichern will, sollte die Angebote genau vergleichen.

Auch für Singles ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung als Ergänzung zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente wichtig. Sie ist allerdings nicht leicht zu bekommen und teuer (Preis abhängig von Job, Alter und eventuellen Vorerkrankungen). Im Gegensatz zur Deutschen Rentenversicherung wählen Versicherungen sich ihre Kunden nach marktwirtschaftlichen Kriterien aus. Menschen mit Vorerkrankungen oder in risikoreichen Jobs müssen entweder Risikozuschläge zahlen, Versicherungseinschränkungen hinnehmen oder erhalten erst gar keine Versicherung.

Menschen, die auf dem Privatmarkt keine Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten, sollten darauf achten, dass sie die Mindestbedingungen für den Erhalt einer gesetzlichen Erwerbsminderungsrente erfüllen (mindestens fünf Jahre eingezahlt haben) und zusehen, ob sie im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge einen Vertrag erhalten können, in dem auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung eingebaut ist. Die Renten sind dort zwar nur klein, aber immerhin eine zusätzliche Absicherung. 

So geht es:

  • Verbraucherzentrale in der Nähe recherchieren.
  • Erfragen, ob eine Beratung inklusive Tarifauswahl möglich ist.
  • Angebot checken und abschließen.

Arbeitslosigkeit

Gesetzliche Rente: Während des Bezugs von Arbeitslosengeld I, zahlt die Bundesagentur für Arbeit Beiträge zur Rente auf Basis von 80 Prozent des letzten Verdienstes ein (geringe Minderung der späteren Rente). Bei Arbeitslosengeld II fließen keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung. Infos: Gesetzliche Rente

Riester-Rente: Einzahlungen können gedrosselt oder ganz gestoppt werden. Dadurch kann aber die staatliche Förderung sinken. Der Mindesteigenbetrag von 60 Euro sollte von Geringverdienern nicht unterschritten werden, da es sonst keine Zulagen gibt. So lange Arbeitslosengeld oder Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung fließen, erhalten Sparer die staatliche Riester-Förderung. Angespartes Riester-Kapital wird nicht angerechnet. Mehr Infos: Riester-Rente

Betriebliche Altersvorsorge: Ansprüche auf eine Betriebsrente im Alter, in die nur der Chef einzahlte, bleiben bestehen, wenn der Ex-Angestellte mindestens 30 Jahre alt ist und der Vertrag mindestens fünf Jahre schon läuft (bei Verträgen ab 2009 gilt eine Altersgrenze von 25 Jahren). Trick: Firmenneulinge/junge Arbeitnehmer sollten im Aufhebungsvertrag versuchen, eine "Unverfallbarkeit" zu vereinbaren. Sobald der Arbeitnehmer selbst eingezahlt hat, ist die spätere Rente sicher. Weiterführung der betrieblichen Altersvorsorge hat den Nachteil, dass Sozialabgabenfreiheit und Steuervorteil bei mangelndem Einkommen nicht greifen. Beitragszahlungen können in der Regel gestoppt werden. Auszahlung nur möglich, wenn das Kapital so niedrig ist, dass es nur für eine spätere Rente von unter 25 Euro reichen würde. Bei der Berechnung der Grundsicherung für Arbeitssuchende werden Betriebsrenten, in die ausschließlich der Arbeitgeber einzahlte, nicht berücksichtigt, wenn eine Verfügung vor dem Eintritt des Versorgungsfalles ausgeschlossen ist. Infos: Betriebliche Altersversorgung

Freibeträge bei Arbeitslosigkeit

Anrechnung beim Arbeitslosengeld II: Bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes II können Vermögen und Altersvorsorge berücksichtigt werden. Dabei stehen den Betroffenen ein Vermögens-Grundfreibetrag und ein Altersvorsorge-Freibetrag zu: Jedem Volljährigen steht zunächst ein Grundfreibetrag von 150 Euro je vollendetem Lebensjahr zu (mindestens 3.100 Euro). Die maximale Höhe richtet sich nach dem Alter und liegt zwischen 9.750 und 10.050 Euro. Zusätzlich räumt man erwerbsfähigen Hilfebedürftigen einen Altersvorsorge- Freibetrag in Höhe von 750 Euro je vollendetem Lebensjahr ein. Je nach Alter kann dieser Freibetrag auf 48.750 bis 50.250 Euro begrenzt sein. Voraussetzungen für Altersvorsorgeprodukte, die unter den Altersvorsorge-Freibetrag fallen:

  • Anlage kann nicht vor dem Renteneintritt verwertet werden,
  • Rückkauf, Kündigung und Beleihung dürfen nicht möglich sein. Ausschluss der Verwertung vor dem 60. Lebensjahr reicht aus.
  • Beiträge in eine private Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Risikolebensversicherung können ausgesetzt werden. Dadurch kann aber später eine erneute Gesundheitsprüfung drohen. Unbedingt Folgen einer Beitragsfreistellung im Vertrag nachlesen!

Anrechnungsfrei sind auch Betriebsrenten, wenn sie ausschließlich arbeitgeberfinanziert sind und eine Verfügung vor dem Eintritt des Versorgungsfalles ausgeschlossen ist. Mehr Informationen über diese und weitere Freibeträge unter www.arbeitsagentur.de.

Krankheit/Unfall

Gesetzliche Rente: Die Deutsche Rentenversicherung übernimmt umfangreiche Leistungen zur Rehabilitation. Kann ein Arbeitnehmer nur eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeiten, ist eine Erwerbsminderungsrente möglich.

Riester-Rente: Keine Leistungen zur Linderung von Unfall- oder Krankheitsfolgen. Nur bei Riester-Rentenversicherungen ist als Zusatzbaustein eine Berufsunfähigkeitsversicherung möglich, wodurch aber ein Teil der Einzahlungen in eine Versicherung fließen und nicht der Altersvorsorge dienen.

Betriebliche Altersvorsorge: Einige Verträge sehen eine kleine Berufsunfähigkeitsrente und eine Hinterbliebenenabsicherung vor.

Sonstige private Vorsorge: Leistungen durch Berufsunfähigkeits- und/oder Unfallversicherung möglich.

Vererbung vor Rente

Gesetzliche Rente: Die Deutsche Rentenversicherung zahlt Witwen- oder Waisenrenten, was für Singles meist weniger interessant ist.

Riester-Rente: Kapital kann vererbt werden. Allerdings wird vorher die staatliche Förderung abgezogen.

Betriebliche Altersvorsorge: Sobald der Staat Steuererleichterungen und Sozialabgabenfreiheit gewährt hat, ist eine Vererbung unmöglich.

Sonstige private Vorsorge: Leistung von Kapitallebens- oder Risikolebensversicherung. Vererbung bei Kapitallebensversicherung möglich. 

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