Vorsorgebedarf berechen

Machen Sie einen Kassensturz und ermitteln, ob Sie zusätzlich fürs Alter vorsorgen müssen - und wenn ja, wie viel.

Junges Paar sitzt zusammen am Notebook. – Bildnachweis: wdv.de © Szekely.Oana

So berechnen Sie Ihren Vorsorgebedarf

Mit diesem Tutorial können Sie ermitteln, wie hoch Ihr Vorsorgebedarf ist und welche Möglichkeiten zur Altersvorsorge Sie haben. Und Sie können herausfinden, welcher Vorsorgetyp Sie eigentlich sind. Legen Sie Zettel, Stift und einen Taschenrechner bereit und klicken Sie sich Schritt für Schritt durch.

Bevor sie ans Alter denken, sollten Sie die Risiken absichern, die bis dahin auftreten können: Ein Muss sind eine Privathaftpflicht- und eine Hausratversicherung, wichtig ist auch die Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie ist eine sinnvolle Ergänzung zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente. Besonders wenn Sie Familie haben und eine nicht abbezahlte Immobilie besitzen, sollten Sie für sich eine Risikolebensversicherung abschließen, um ihre Familie im Todesfall abzusichern.

Dann geht es an den Kassensturz. Verschaffen Sie sich einen Überblick über Ihre regelmäßigen Ausgaben: Wohnen, Essen, Leben, Hobbys, Versicherungen. Sie sollten immer etwa drei Monatsgehälter als Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto parken. Auch wenn es da nur wenige bis gar keine Zinsen gibt: Sie kommen schnell ans Geld, wenn die Waschmaschine kaputt geht oder Sie ein neues Auto kaufen müssen.

Außerdem sollten Sie Schulden tilgen, bevor Sie ans Sparen oder die Altersvorsorge denken.

Jetzt haben Sie einen Überblick, wie viel Geld Sie im Monat zur Verfügung haben – und was sie davon sparen können. Bleibt die Frage: Wie viel davon sollten Sie in die Altersvorsorge stecken? Und wie viel Geld brauchen Sie überhaupt, wenn Sie in Rente gehen?

Wieviel Geld brauchen Sie im Alter und wie nah kommen Sie diesem Betrag mit der gesetzlichen Rente? Und welche Alterseinkünfte haben Sie noch?

Wie hoch die gesetzliche Rente im Alter voraussichtlich ausfallen wird, steht in der Renteninformation, die Sie jährlich von der Deutschen Rentenversicherung erhalten. Sie können auch unseren Rentenschätzer nutzen.

Um sich einen Überblick über Ihre anderen Alterseinkünfte zu verschaffen, müssen Sie sich durch Ihre Ordner wühlen. Prüfen Sie Ihre bestehenden Verträge: Haben Sie schon einen Riester- oder Rürup-Vertrag oder eine Betriebsrente? Oder haben Sie eine private Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen? Wie hoch ist die garantierte Rente und ab wann wird sie ausgezahlt?

Steuern bedenken: Je nach Renteneintrittsalter und aktuellem Grundfreibetrag müssen auch Rentner Steuern zahlen. Das gilt auch für Riester-, Betriebs- und Rürup-Renten. Der Anteil der Rente, der zu versteuern ist, steigt schrittweise an, bis ab 2040 Renten zu 100 Prozent besteuert werden. Ob Steuern auf private Lebensversicherungen fällig werden, hängt davon ab, wann sie abgeschlossen wurden und wie sie ausgezahlt werden. Von Betriebsrenten werden Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen.

  • Tipp: Führen Sie mit der Rentenversicherung eine Kontenklärung durch, damit wirklich alle relevanten Zeiten auf Ihrem Rentenkonto berücksichtigt sind.

Als Faustregel gilt: Rund 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens reichen im Rentenalter aus. Wer monatliche Einnahmen von rund 1.500 Euro netto hat, braucht im Ruhestand demnach rund 1.200 Euro pro Monat. Die 80-Prozent-Regel gibt einen groben Wert vor.

Wenn Sie genau wissen wollen, wie hoch Ihr Bedarf im Alter sein wird: Rechnen Sie die Ausgaben zusammen, die Sie im Alter haben werden. Dabei können Sie sich am Ergebnis Ihres Kassensturzes orientieren. Anfallen werden auf jeden Fall Krankenversicherung, Wohn- und Lebenserhaltungskosten (Auto, Kleidung, Versicherungen). Hinzu kommen Ausgaben zum Beispiel für Hobbys und Teilhabe (Kino, Theater, Urlaube, Vereine) und Gesundheit sowie Rücklagen für Anschaffungen. Wichtig sind auch Raten für einen (Immobilien-)Kredit und Rücklagen für einen möglichen altersgerechten Umbau der Immobilie. Haben Sie noch Kinder in Ausbildung, wenn Sie in Rente gehen? Kalkulieren Sie dafür auch Geld ein.
Dagegen fallen berufsbedingte Kosten wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder Benzinkosten fürs Pendeln zur Arbeit im Alter weg.

Wer die Ausgaben von seinen Einnahmen abzieht, erkennt, ob das Geld im Ruhestand reicht oder nicht. Kalkulieren Sie aber nicht zu knapp und planen Sie auf jeden Fall einen Puffer ein. Denn gerade für junge Leute ist es schwierig abzuschätzen, was im Leben noch so alles kommt und wie sie im Alter leben werden – und wollen.

  • Wie viel Sie monatlich aufbringen müssen, um die spätere Lücke zu schließen, hängt von dem Produkt ab, für das Sie sich entscheiden, und von den Renditen, die es erwirtschaftet.

Mit der Zeit wird Ihr Geld weniger wert, es verliert an Kaufkraft. Der Kaufkraftverlust (Inflation) lag in den vergangenen drei Jahrzehnten im Schnitt bei etwa zwei Prozent pro Jahr.
Wer 2017 einen Bedarf von zusätzlich 1.000 Euro für den Ruhestand ausrechnet, braucht im Jahr 2037 schon 1.486 Euro, um die gleiche Kaufkraft zu erhalten. Und wer davon ausgeht, dass er – nach einem Renteneintritt mit 67 Jahren – 87 Jahre alt wird, braucht diese Summe 20 Jahre lang.

  • Tipp: Unser Barwertrechner verrät Ihnen, wie hoch die Kaufkraft eines Betrages künftig sein wird.
  • Die Stiftung Warentest hat einen Finanzbedarf-Rechner auf ihrer Internetseite eingerichtet.

ABER: Da heute niemand sagen kann, wie hoch die Inflation künftig wirklich sein wird und ob Sie den Kaufkraftverlust nicht durch Gehaltssteigerungen, eine Beförderung etc. ohnehin ausgleichen werden, können Sie die Inflation bei Ihrer Berechnung auch außen vor lassen. Überlegen Sie, wie Sie heute mit der Rente auskommen würden.

Sind Sie unter 30 oder über 50? Wie viel Zeit haben Sie noch bis zur Rente? Gehen Sie auch mal Risiken ein oder lieber auf Nummer sicher? Wollen Sie flexibel bleiben? Haben Sie Kinder? Wünschen Sie sich ein Eigenheim? Und sind Sie eher ein Kümmerer oder der bequeme Typ? All diese Fragen spielen eine Rolle bei der Entscheidung für oder gegen bestimmte Vorsorgestrategien.

Klar ist, je früher Sie anfangen, desto besser. Als junger Sparer können Sie sich eher auf die Risiken der Börse einlassen und in Fonds investieren. Je älter Sie werden, desto mehr schichten Sie nach und nach in sicherere Anlagen um. Planen Sie Familie und ein Eigenheim, ist ein flexibler Sparplan mit Riester-Förderung vielleicht das richtige für Sie. Stehen Sie als Selbstständiger kurz vor der Rente, machen für Sie vielleicht freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung Sinn.

Man unterscheidet fünf Risikoklassen:

Risikoklassen Anlegertypen und Anlageformen
Anlagetypen Risiko Anlageformen Fazit
1) Die Sicherheits­orien­tier­ten Fast kein produktbezogenes Risiko. z.B. einlagengesicherte Anlagen wie Tages-, Termin-, Festgeld, Sparbuch, -brief, -pläne, Bausparverträge oder Pfandbriefe und europäische Geldmarktfonds. Sicherheit, Kapitalerhalt und kurzfristige Verfügbarkeit stehen im Vordergrund. Dafür sind nur geringe Renditen möglich.
2) Die Konservativen nur Zinsrisiko z.B. festverzinsliche Wertpapiere, Anleihen mit guter Bonität, Rentenfonds Europa und geldmarktnahe Fonds. Ein geringeres Risiko der Aktienmärkte besteht. Hier macht eine lange Anlagedauer Sinn, um die Renditechancen zu erhöhen.
3) Die Gewinn­orientierten Zins- oder Kursrisiko z.B. Aktien, Aktienfonds mit europäischen Standardwerten, internationale Renten-, Aktien- und Mischfonds. Das ist vor allem etwas für Sparer, die noch mindestens 10 Jahre bis zur Rente haben, um das Auf und Ab der Märkte ggf. auszugleichen.
4) Die Ertrags­orientierten Zins- und Kursrisiko z.B. Aktien und Aktienfonds mit europäischen und außereuropäischen Standardwerten, Zertifikate, Währungsanleihen mit mittlerer Bonität. Diese Anlageformen sind spekulativ und nur was für Leute, die schon andere, sichere Alterseinkünfte haben werden.  Ein Totalverlust ist zwar unwahrscheinlich, aber möglich.
5) Die Risikobewussten Totalverlust möglich z.B. Hochspekulative Anleihen, ausländische Aktien-Nebenwerte, Optionsscheine, Futures, Optionen. Das ist sehr spekulativ und nur etwas für Leute, die es verkraften können, wenn das eingesetzte Geld weg ist.

Quelle: Verbraucherzentrale Niedersachsen

Nutzen Sie die staatliche Förderung. Denn die hat zwei ganz wesentliche Vorteile gegenüber ungeförderter, privater Vorsorge:

  • Die staatliche Förderung: Einzahlungen in Riester-, Rürup- und Betriebsrenten sind bis zu einer bestimmten Höhe steuerfrei. Bei der Riester-Rente gibt es noch dazu die staatliche Zulage.
  • Garantierte Sicherheit: Staatliche geförderte Produkte sind risikoarm und die eingezahlten Beiträge und ggf. Zulagen sind sicher.

Staatliche Zulagen gibt es bei der Riester-Rente: 154 Euro Grundzulage (175 Euro ab 2017), 300 Euro für jedes ab 2008 geborene Kind, für das auch Kindergeld fließt, und 185 Euro für jedes vor 2008 geborene Kind. Riestern lohnt sich also vor allem für Familien. Gutverdiener profitieren vom Steuervorteil: Bis zu 2.100 Euro im Jahr können Sparer geltend machen.
Steuervorteile gibt’s auch bei der betrieblichen Altersvorsorge – und häufig zahlt der Chef auch noch einen Zuschuss zu den Beiträgen. Informieren Sie sich bei der Personalabteilung, beim Betriebsrat und werfen Sie einen Blick in den Tarifvertrag. Einzahlungen absetzen können Sie auch, wenn Sie sich für eine Rürup-Rente entscheiden.
Nachdem Sie sich die Vorteile gesichert haben, die der Gesetzgeber für die Altersvorsorge bietet, können Sie sich in der weiten Welt der Finanzprodukte umsehen. Wägen Sie Kosten, Risiken und Erträge sorgfältig gegeneinander ab.

Holen Sie Angebote ein und vergleichen Sie sie. Das geht, indem man die garantierte Rente und die dafür notwendigen Aufwände miteinander vergleicht. Viele Produkte sind – auch trotz eines Produktinformationsblattes – nicht auf den ersten Blick transparent. Wie sieht es mit der Flexibilität aus? Können Sie Beiträge reduzieren, wenn es finanziell gerade nicht so gut läuft? Wann kommen Sie frühestens ans Geld? Die Stiftung Warentest testet und vergleicht regelmäßig Altersvorsorgeprodukte. Die Testergebnisse sind meist kostenpflichtig, aber die Investition lohnt sich. Lassen Sie sich am besten auch unabhängig beraten, bei der Verbraucherzentrale oder von einem unabhängigen Honorarberater.

Prüfen Sie einmal im Jahr, wie sich Ihre Produkte entwickeln, wie die Renditen ausfallen und die prognostizierten Renten. Müssen Sie irgendwo nachjustieren? Stimmt die Höhe der Beiträge noch? Können Sie irgendwo Kosten sparen, indem Sie zum Beispiel den Anbieter wechseln? Ist Ihr Anlagemix in der aktuellen Situation noch der richtige für Sie?

  • Tipp: Ein guter Anlass zur Überprüfung: Wenn die jährliche Renteninformation ins Haus flattert. Die ist ein praktischer Reminder in Sachen Altersvorsorge. 

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