Altersvorsorge für Frauen

Teilzeitarbeit, Minijobs, Kindererziehung, niedrigere Löhne – das alles hat Einfluss auf Ihr Rentenkonto. Weniger Beiträge heißt weniger Rente. Deshalb müssen besonders Frauen fürs Alter vorsorgen.

Altersvorsorge für Frauen: Frauen müssen besonders fürs Alter vorsorgen.

Sind Sie eine Frau? Haben Sie Kinder? Arbeiten Sie Teilzeit oder nur im Minijob? Sind Sie alleinerziehend? Dann sind Sie hier richtig. Denn gerade Sie sollten zusätzlich fürs Alter vorsorgen.

Frauen bekommen weniger Altersrente

Statistiken belegen das: Denn Frauen bekommen im Schnitt ein Viertel weniger Rente als Männer. Das geht aus Daten der Deutschen Rentenversicherung hervor. 2018 bekamen Frauen im Schnitt 711 Euro Nettorente, Männer dagegen 1.148 Euro.

Die Ursachen sind längst bekannt:

  • Frauen übernehmen häufig Pflegearbeit zu Hause, sei es für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige, und reduzieren dafür ihre Arbeitszeit
  • Fast die Hälfte aller Frauen arbeitet Teilzeit.
  • Frauen verdienen bei gleicher Qualifikation häufig bis zu 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen (Gender Pay Gap).
  • Frauen arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Berufen, wie etwa im sozialen Bereich. Zwei Drittel der Minijobber sind Frauen.

Wer Teilzeit arbeitet, verdient meist weniger – und erwirbt so auch weniger Rentenpunkte. Entsprechend niedriger fällt dann später die Rente aus.

Familienstand: ledig, verheiratet oder geschieden

Unverheiratet oder geschieden

Jede dritte Ehe wird geschieden und weniger Paare sind überhaupt verheiratet. Das heißt die Absicherung über den meist Vollzeit arbeitenden Ehemann fällt weg. Denn Rentenansprüche, die während der Ehe von beiden Partnern erwirtschaftet werden, werden im Falle einer Scheidung im Rahmen des Versorgungsausgleichs in einen Topf geworfen und durch zwei geteilt. Jeder Partner bekommt die Hälfte – wovon in der Regel die Frauen profitieren.

Den Partner mit ins Boot holen

Wenn Sie Teilzeit arbeiten, um die Kinder zu betreuen, holen Sie Ihre Partner in Sachen Altersvorsorge mit ins Boot.

  • Stocken Sie die Sparraten für Ihre Altersvorsorge oder auch den Vermögensaufbau aus dem Familieneinkommen auf
  • Schließen Sie einen Ehevertrag, in dem die Frage der Altersvorsorge geklärt ist. Darin kann zum Beispiel geregelt sein, dass Ihr Partner auch im Falle einer Scheidung weiterhin die Beiträge zu Ihrer Altersvorsorge übernimmt. Unverheiratete Paare, die im Falle einer Scheidung auch nicht vom Versorgungsausgleich profitieren, schließen einen Partnerschaftsvertrag.

Ich wünsche mir, dass Frauen hier öfter den Verstand einschalten. Ich fände es wünschenswert, wenn jede Frau, die mit ihrem Partner über Familienplanung spricht, erst einmal zur Deutschen Rentenversicherung geht und sich ausrechnen lässt, was ein längerer Ausstieg aus dem Beruf sie letztendlich an Rente kostet. Dann hätten beide doch gleich eine ganz andere Basis für ein Gespräch.

Alleinerziehende

Wenn Sie alleinerziehend sind und nur ein geringes Einkommen haben, unterstützt sie der Staat bei der Altersvorsorge.

Leistungen der Rentenversicherung für Sie

  • Kindererziehungszeiten: Für Zeiten der Kindererziehung bekommen Sie von der Rentenversicherung bis zu drei Entgeltpunkte auf ihrem Rentenkonto gutgeschrieben.
  • Geringe Verdienste aus der Zeit vor 1992 können auf maximal 75 Prozent des Durchschnittsentgelts aller Arbeitnehmer im jeweiligen Jahr aufgewertet werden.
  • Versorgungsausgleich bei Scheidung
  • Witwenrente: Wenn Ihr Ehepartner stirbt, erhalten Sie eine Witwenrente aus seinen Rentenanwartschaften
  • Pflege von Angehörigen: Wenn Sie Ihre Arbeitszeit reduzieren, um Angehörige zu pflegen, schreibt Ihnen die Rentenversicherung Entgeltpunkte auf dem Rentenkonto gut. Sie wertet die Pflegezeit als Beitragszeit.

Kontoklärung durchführen

Tipp: Führen Sie mit der Deutschen Rentenversicherung eine Kontoklärung durch, um sicherzugehen, dass auch alle Kindererziehungs- und Pflegezeiten auf Ihrem Rentenkonto gespeichert sind.


So gehen Sie bei der Altersvorsorge vor

Vermeiden Sie die vier häufigsten Fehler, die Frauen in Sachen Altersvorsorge machen:

  • Kümmern Sie sich selbst darum und überlassen Sie die Altersvorsorge nicht allein Ihrem Partner oder einem Finanzberater
  • Fangen Sie früh genug an
  • Investieren Sie genug; ermitteln Sie dazu vorher ihren Bedarf
  • Scheuen Sie nicht das Risiko der Aktienmärkte. In der aktuellen Niedrigzinsphase können Sie nur so gute Renditen erwirtschaften.

Zinseszinseffekt: Zeit ist Geld

Fangen Sie möglichst früh an zu sparen. Je später sie anfangen, desto mehr müssen sie aufwenden, um auf eine bestimmte Summe zu kommen. Denn der Zinseszinseffekt sorgt dafür, dass der Wert Ihrer Geldanlage mit der Zeit steigt. Wer 30 Jahre lang 100 Euro im Monat spart, erwirtschaftet bei einer Rendite von 3 Prozent 58.014 Euro; 38 Prozent davon durch Zinsen. Wer nur zehn Jahre lang spart, kommt auf 13.979 Euro und nur 14 Prozent davon sind Wertzuwachs durch Zinsen. Das hat die Stiftung Warentest ermittelt. In Zeiten niedriger Zinsen sind Renditen von 3 Prozent (oder mehr) allerdings fast nur an den Aktienmärkten zu erzielen.


Diese Möglichkeiten zur Altersvorsorge haben Sie

Solo-Selbstständige

Frauen, die sich selbstständig gemacht haben, vor allem Solo-Selbstständige ohne Mitarbeiter, können über freiwillige Beiträge oder die Pflichtversicherung auf Antrag Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung werden. Oft sparen gerade Selbstständige bei der Altersvorsorge, auch, weil das Geld knapp ist. Ein Fehler: Denn schon heute sind rund 17 Prozent der ehemals Selbstständigen auf Grundsicherung angewiesen. Was sonst noch für Selbstständige in Sachen Altersvorsorge gilt, lesen Sie hier: Altersvorsorge für Selbstständige

Riester-Rente für Frauen mit Kindern und Alleinerziehende

Die Riester-Rente lohnt sich fast nur für Frauen mit Kindern, die Teilzeit arbeiten, ein geringes Einkommen haben oder alleinerziehend sind. Solange Sie für Ihre Kinder Kindergeld bekommen, sollten Sie riestern und die staatlichen Zulagen mitnehmen. Sie steigern die Rendite. Dafür empfiehlt sich zurzeit nur der Riester-Fondssparplan. Sobald kein Kindergeld und damit keine Kinderzulage mehr fließt, können Sie den Vertrag beitragsfrei stellen – oder beobachten, welche Riester-Reformen der Gesetzgeber bis dahin erlassen hat.

Für Alleinerziehende mit Anspruch auf staatliche Unterstützung übernimmt der Staat die Beiträge.

Betriebliche Altersvorsorge

Betriebliche Altersvorsorge lohnt sich, wenn Ihr Arbeitgeber zwischen 15 und 30 Prozent der Beiträge zu Ihrem Vertrag zuschießt. Vorteil: Sie sparen in der Einzahlungsphase Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, weil die Beiträge in der Regel vom Bruttogehalt abgehen. Nachteil: Später, wenn die betriebliche Rente ausbezahlt wird, müssen auf die Auszahlungen in der Regel Krankenkassenbeiträge gezahlt werden – Sie zahlen dabei den Arbeitnehmer- und den Arbeitgeberanteil. Steuern werden ebenfalls fällig. Außerdem ist die betriebliche Altersvorsorge unflexibel. Wenn Sie häufig den Job wechseln, ist das vielleicht nicht das Richtige für Sie.

Private Vorsorge

Keine Angst vor Aktien! Sie sind derzeit die einzige Möglichkeit, eine gute Rendite zu erwirtschaften. Hier sollten Sie das Risiko aber möglichst breit streuen. Ein ETF-Sparplan ist dabei die sicherste Lösung. Sie können aber auch Pantoffel-Sparen. Das heißt so, weil es bequem und mit einem mäßigen Risiko verbunden ist. Sie legen eine monatliche Sparrate fest und stecken die eine Hälfte in einen ETF-Sparplan und die andere auf ein Tagesgeldkonto oder in einen Rentenfonds.

Tipp:

Sie können das angesparte Kapital später auch nutzen, um zusätzliche Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zu zahlen. Diese Möglichkeit steht Arbeitnehmerinnen, aber auch Selbstständigen und Hausfrauen offen. Die Rendite der Rentenversicherung lag in der Vergangenheit bis 2 bis 3 Prozent und so sehen auch die Prognosen aus.


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